Anzeiger für ttas früher kurhefsische» Oberhessen - BerkünL'sungsbiatt für Stabt unb Kreis Marburg
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Wllwtch, M19. SN. 1927
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OdechMsche Zeitung
Das Schulgesetz vor »em Reichstag
Sie erste Lesung - Begründung durch den Reichdminister e. «rüde»
Diese erste ‘Beratung des Reichsschulgesetzes lat ur formelle Bedeutung. Die eigentliche Entscheidungsschlacht wird erst im Ausschutz geschlagen. Wie die Dinge sich dort entwickeln, kann heute noch niemand sagen. So viel kann man aber wohl schon aussprechen, H ie Vorlage der Reichsregierung in der jetzigen Farm nicht Gesetz werden wird. Sie wird nsbe sondere auch von den Regierungs- Parteien zunächst nur als eine Grundlage fir weitere Verhandlungen angesehen, nicht ite etwas Unabänderliches und Unangreif- ares. Ganz im Gegenteil werden von den serschiedensten Seiten Anträge auf Verbesse- tung einer ganzen Reihe von Bestimmungen vorbereitet. In dieser Beziehung ist die Vor- ttbeit. die einerseits durch die preußischen Vorschläge. andererseits durch die Verhand- ung im Reichsrat geleistet worden ist. nicht msonst geschehen.
Bor der Vollsitzung wurden in der Reichs- agswandelhasie. die mit Lorbeer und Palmen geschmückt war, die zwei Marmorbüsten der :tften Präsidenten der Republik, des verstorbnen Reichspräsidenten Ebert und des jetzt amtierenden Reichspräsidenten von H i n d e n - >urg mit einer glücklich geformten Rede des irichstagspräsidenten L o e b e enthüllt und in ie« Schutz der Reichstagsverwaltung über» Eien. Die Büsten haben in dem dem
ng des Plenarsitzungssaales gegenüber- den beiden Rischen Aufstellung gefunden
♦
Berlin, 18. Okt. Präsident Löbe köffnet die erste ReichStagS-Sitzung nach er Sommerpause mit Begrüßungsworten it die Abgeordneten. Auf der TageSorb- tmg steht die erste B e r a t u n g d e s ieichszchulgesetzeS. An dein stark -setz n Tisch der Bevollmächtigten der Snder sitzt auch der preußische Kultusmi- ister Dr. Becker. Vor Eintritt in die Tagesordnung beantragt
Abg. Müller-Franken (Soz.), die Hul'vorlage von der Tagesordnung dz u setzen. Nach der Ablehnung der Triage durch den Reichsrat habe die iegierung das sonderbare Verfahren an- ftoanbt, ihre ursprüngliche, zweifellos ver- issungsändernde Vorlage im Reichstag nzubringen. Da eine qualifizierte Mehr- !it für >en Entwurf doch nicht vorhan- [n sei, würde seine Beratung nur Zett- irgeubung sein. Der Redner beantragt,
der Schulvorlage die sozialdemokrati- ien Interpellationen zur Teuerung und im
mittelveutschen Brannkohlonstrrik 1 beraten.
sehnliche Forderungen stellt ein kom- ^nistischer Redner, der gleichzeitig dir *tatung eines Antrages auf Re ichs- n6= a u f r ö 1 u n g beantragt.
Reichsa.be itsminister Dr. Brauns er- art, er stehe in ständiger Fühlung mit «Den Par! 7 en tm Sergarbeiterftreif. Er ~e auch die durch Tatsachen begründete DJtnung, daß die bevorstehende Wieder- tznahme der Verhandlungen zu einer Nr ie düng führen werde. (Rufe bei •n Kommunisten: Sie sind der Schuldige!) kr Minister erklärt, daß noch vor Ab- * **,f b i e f e r Woche der Bergarbeiter« ,uv Reichstag zur B e sp r e ch u ng "atmen solle.
Aöq. Graf W e st a r p (Dntl.) tritt für * tofortioe Beratung der Schulvorlage ,$ie Ablehnung durch bett Reichsrat ‘‘em verfassungsrechtliches Hindernis der "atung.
Äbg. Dr. Haas (Dem.) verlangt von Regierung Aufklärung darüber, ob Dtrkiich vollständig hinter der Schulde stehe. Zm Lande werde behaup- > daß die beiden volksparleilichen Mi- mit dem Schulgesetzentwurf nicht
Erstanden seien. (Hört! hört! links.)
L». I a d d a s ch (Komm.) stellt einen ^tztrxuene-antrxg gegen den Reichs-
Ätbeif*mi»titter.
ft. von Guerard (Ztr.) erklärt, Gegensatz zum Abgeordneten Müller- I ^«ken halte das Zentrum die Schul- I
Vorlage nicht für verfassungsändernd. Darum wollte man zur Klärung der Meinungsverschiedenheiten recht bald mit der Beratung beginnen. Die Beratung der Interpellation zum Bergarbeiterstreik verlange auch das Zentrum noch in dieser Woche.
Gegen die Linke und die' Völkischen werden die Anträge auf Aenderung der Tagesordnung abgelehnt. Es bleibt dabei, daß die
Schulvorlage zur erfteit Beratung
kommt. Damit wird verbunden die Beratung einer demokratischen Interpellation über die Frage der Kostendeckung.
Reichsinnenminister Dr. b. Kendel!
leitet die Beratungen ein und erklärt, für die Einbringung des Reichsschulgesetzes seien in erster Linie maßgebend gewesen die Wünsche der christlichen Elternschaft nach einem christlichen Reichsschulgesetz. Andererseits müsse anerkannt werden, daß die von verschiedenen
Ländern, namentlich von Preußen betonte Notwendig'eit, auch den weltlichen Schulen Entwicklungsmöglichkeiten zu geben, berücksichtigt werden müsse. „Mein Amtsvorgänger", so erklärte der Minister, „hat einen privaten Entwurf ausgestellt und msr freundlicherweise als Material überlassen" Ter Minister verweist auf den Versassungsartikel 146 und geht auf den Inhalt der Regierungsvorlage ein. Er bezieht sich auf seine im Reichsrat gegebene Darstellung der Einzelheiten- bei» vorliegenden Gesetzentwurfes und hebt u. a. hervor, daß im Gegensatz zum Entwurf von 1919 heute alle drei Schulformen behandelt würden.
Die Verfassung lasse ein NeSawein- cnrver aller drei SHulformcn zu.
Auch die Staatsgesetzgebung hat es nicht vermocht, einen einheitlichen Typ für die deutsche Volksschule durchzusetzen. Es gelte auch Grundsätze aufzustellen über bx Handhabung der Beaufsichtigung des Religionsunterrichts an den Schu-
RMsbankdirektorium und Oberbürgermeister ßdttone Bkssrm mhüWmkMm
Der WTB.-HandelSdienst veröffentlicht folgenden Brief des Reichsbankdirektor!- ums an Oberbürgermeister Dr. Wag - n er in Breslau: „Bach einem Bericht der „Schlesischen Volkszeitung" Br. 478 Morgenausgabe vom 14. Oktober sollen Sic in öffentlicher Stadtverordnetenversammlung gesagt haben, (!!) daß in der Auslandsanleihefrage oie Reichsbank auch den Reparationsagenten Parker Gilbert mobil gemacht habe. Diese Aeuhe- rung würde so ungeheuerlich angesichts der Informationsmöglichkeiten, die Ihnen bei Ihrer Anwesenheit in Berlin zur Beifügung standen, und so völlig unverantwortlich sein, daß wir nicht annehmen können, daß sie in der angegebenen Form wirklich erfolgt ist. Tatsache ist, wie Ihnen bekannt ssin dürfte, oder doch wenigstens für Sie jederzeit feststellbar gewesen wäre, daß der Reparationsagent entsprechend seiner Stellungnahme in einem früheren Falle von sich aus vor Kenntnis der Entschließung der Beratungsstelle und ohne etwas von der Stellungnahme der Reichsbank in der damals zur Diskussion stehenden Anleiheangelegenheit zu wissen, vorgegangen ist. Bei der Auffassung, die Ihre Worte in der Oeffentlichkeit gefunden, müssen wir.
auch wenn die Wiedergabe in den Zeitungen, wie wir annehmen, unrichtig (!) ist, von Ihrer Loyalität erwarten, daij Sie unverzüglich (!) vor dem gleichen Gremium in öffentlicher Form eine Richtigstellung vornehmen.
Bon dem Veranlaßten dürfen wir bitten, uns fteundlichst zu benachrichtigen."
len, um Richtlinien zu finden, die ein Minbestinaß von Beunruhigung bet Be. völkerung in dieser Frag« schaffen.
Der Vorwurf, baß »te Volksschule durch den vorliegenden Entwurf zerschlagen werde, sei nicht stichhaltig.
Wenn man die Reihe von Kundgebungen auS dem Cüdwesten Deutschlands an seinem geistigen Auge vorüberziehen lasse, könne man ich des Eindrucks nicht erwehren, daß die Unterzeichneten die Dinge nicht klar erkannt hätten. Die DerfassungSbestimmung ei nicht eindeutig, sie sei verschiedener Auslegung fähig. Der Minister führte eine Reihe solcher Auslegungen an. Er kommt zu dem Ergebnis, daß
die Vorlage der Negierung nicht versaflungs- ändernd
. Also, obwohl das Reichsbankdircktorium ,annahm, daß die Wiedergabe dessen, was der Oberbürgermeister von BreSlau gesagt haben soll, unrichtig wäre, erwartet es von einem Oberbürgermeister, daß er „vor dem gleichen Gremium in öffentlicher Form eine Richtigstellung (wessen?) vornehme."
Der Oberbürgermeister hat dann folgende kurze und bündige Antwort erteilt:
Auf Ihren Brief vom 17. Oktober erwidere ich folgendes: „Wie das amtliche Stenogramm der Breslauer Stadtverordnetenversammlung beweist, habe ich nicht gesagt, daß m Der Auslandsanleihe- frage die Reichsbank auch den Aeparct- tionSagenten Gilbert mobil gemacht habe.
Ich habe auch nichts Aehnliches gesagt.
Im übrigen habe ich Ihr Schreiben mit großem Befremden gelesen. Ich hätte von Ihrer Loyalität erwarten dürfen, daß Sie mich, bevor Sie mir einen solchen Brief schrieben, persönlich um Aufklärung des Sachverhalts ersucht hätten. Ich weise auf das entschiedenste die Borhaltungen undAnterstel- lu ngen zurück, die Sie sich mir gegenüber erlaubt haben.
Sie haben kein Recht, mir gegenüber wie eine vorgesetzte Behörde aufzutreten.
Da Sie, ohne auch nur meine Stellungnahme zur Sache abzuwarten, Ihren Brief der Presse übergeben haben, bin ich gezwungen, das gleiche mit dieser Antwort zu tun. Ich lehne es nunmehr auch ab, noch eine weitere Richtigstellung vor der Stadtverordnetenversammlung vorzunch- überlasse vielmehr getrost das Urteil über Ihr Verhalten der Oeffentlichkeit."
sei. Jede 'Benachteiligung der Gemeinschaftsschule werde peinlichst vermieden. „Entspricht es wirklich der freiheitlichen Entwickelung unserer Tage," so erklärt der Minister, „allen Ländern von Reichswegen eine bestimmte Schulform als Regel'chule aufzuzwingen? Würde ein solches undemvkratisches Verfahren nicht Unruhe und Kampf bis in die entlegensten Teile unseres Vaterlandes tragen? Wird nicht auf lange Sicht die Gemeinschaftsschule besser fahren, toe-n sie im friedlichen Wettbewerb neben der Bekenntnisschule wirkt?" (Zustimmung rechts und Dem Zentrum.)
Der Minister fährt fort, er möchte nicht besonders auf
die Kostenfrage
(Fortsetzung siebe Seite 2.)
Das Zentrum fordert WMesorm
fb, Berlin. 19. Okt. Die Zentrumsfraktion des Reichstages hat im Reichstag folgende Interpellation eingebracht:
Das geltende Wahlverfahren zur Reichstags- wähl bet deutschen Republik hat schwerwiegende Mängel gehabt. Durch die Listenwahlen wird die Beeinflussung der Bewerberauswahl seitens der gesamten Wählerschaft wesentlich beeinträchtigt. Die Größe der Wahlkreise macht die notwendige enge Vertrauensverbindung zwischen Wähler- schast und Abgeordneten unmöglich. Wir fragen an: Ist die Reichsregierung bereit, einen Gesetzentwurf für das Wahlverfahren zur Beseitigung dieser Mängel so rechtzeitig einzubringen, daß er von dem jetzt, gen Reichstag verabschiedet wird?
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Zm NtWmgÄMlage
Starke Unzufriedenheit.
Magdeburg, 18.Ott. (TA.) Der Gesamtvorstand des Preußischen Lehrer Vereins, in dem mehr als 70 000 preußische Lehrer und Lehrerinnen ihre Be- rufsverttetung finden, nahm zur Besol- dungsvvrlage des preußischen Kabinetts Stellung. Die Anzufriedenheit der Lehrer fand in einer Entschließung Ausdruck, in der einstimmig Einspruch gegen die Absicht der Preußischen Staatsregierung,, das Diensteinkommen der Boltsschullehrer wie bisher nur auf etwa 59 Prozent des Einkommens der akademisch gebildeten Lehrer an höheren Schulen festzusetzen, erhoben wurde. In der Entschließung wird weiter von den Frak- tionen des Landtages gefordert, daß die in dem Entwurf für die Volksschullehrer in Aussicht genommenen Gehaltssätze wesentlich erhöht werden. Der Abstand zwischen den Volksschullehrergehäl- tern und den Gehaltssätzen der Studien- räte müsse auf ein erträgliches Maß vermindert werden. Das Bestreben, möglichst nahe an die Besoldung der Lehrer an höheren Schulen heranzukommen, entspreche einer alten Forderung der Volksschullehrer, die ihre Begründung in der Arbeit um die Höherbewertung der Leistungen der Volksschule finde.
Eine beutschnationale Anfrage zur Deckungsfrage.
Berlin. 18. Okt. (TA.) Die preußische Landtaqsfraktivn der Deutschnationalen Volkspartei hat folgende große Anfrage eingebracht: „Die Deckungsfrage der von uns als notwendig anerkannten Beamtenbesol- dungsvorlage erscheint für 1928 und weitere Jahre bisher nicht hinreichend geklärt. Fest steht, daß die Wirtschaft Steuererhöhungen oder neue Steuern zu tragen außerstande ist, weshalb für den Fall, daß die Desvldungsmehrlasten aus den laufenden Einnahmen der nächsten Jahre nicht bestritten werden können, die erforderlichen Mittel nur durch Ersparnisse im Staatshaushalt oder durch stärkere Aeberweisungen von Reichs steuern gewonnen werden können. Wir richten an das Staatsministerium die Anfrage, ob es diese unsere Auffassung teilt."
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Amrol Sem in Re« Akk
ft. Washington, 19. Okt. General Heye mit Gefolge ist gestern früh hier eingetroffen. Er mürbe am Bahnhof von dem beutschen Geschäftsträger Dr. Kiep unb dem kommandierenden General des Bezirkes Washington begrüßt. Im Laufe des Vormittags stattet« General Heye in Begleitung des Geschäftsträgers Besuch« bei "Staatssekretär Kellogg, bemKriegS- unb bem Marine-Sekretär, sowie dem Chef des Generalstabes unb bes Abmiralswbes ab. Im Anschluß daran würbe er txmt Präsidenten Coolibae empfangen. ■