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f-tbüma! Ir-'chentlich. Be- yg^b:etü r.'.oncillicb 2 SAt. aus- Miicäl- Zuftellungsgcbühr, durch DliPo (12.25 SM.Zür ettoa infolge gtttifa Maschinen defekte oder ((caientcrer Ereignisse ausfallende Hummern wird kein Ersatz ge* jjfflet. Verlag v. Dr. §. Hiherolh, Druck der Unib.-Buchdruckerei v. 1 5»fe. Aug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Rr. 54. u. 9tr. 55. «vstscheckkonto: Amt Frankfurt g, M. Nr. 5015. Sprechzeit Itr Redaktion von 1011 und

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Anzeiger für (bas früher kurhessisÄrf Oberhefse« - BerküntigungSblatt für 8t«M un- Kreis Rarlmrr

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Berlin, 14. Okt. In der heutigen Sitzung Les Reichsrates stand das Reichssckmlgesetz zur Beratung. Den Vorsitz führte Rcichsinnen- Minister von Keudell.

Der Berichterstatter, Ministerialdirektor Kaestner, wies zunächst darauf hin, daß nach dem Vorschlag der Ausschüsse die Vor­lage den Namen Reichsschulgesetz tragen soll. Die Ausschüsse waren sich darüber einig, datz das erste Gebot für die Fassung des Gesetzes die peinlich genaue Beachtung und Durchführung der Reichsversassung sein mutzte.

Reichsinnenminister v. Keudell erklärte, datz die

Reichsregierung in vielen Punkte« ben Ausschutzbeschlüssen nicht zustimmen könne. Sie werde das bei den einzelnen Be­stimmungen erklären und sich ihre Stellung­nahme Vorbehalten.

Der sächsische Gesandte Dr. Eradnauer erklärte, die sächsische Regierung würde der Regierungsvorlage nicht zustimmen können.

Bayerische Anträge auf Wiederherstellung einzelner Bestimmungen der Regierungsvor­lage wurden gegen die Antragsteller ab- gelehnt, ebenso einige sächsische Anträge. 3ui namentlichen Abstimmung kam es über den n e u e i n g e f ü g t e n 8 12 a, der besagt:

Bon amtowegen einzurichtenve neue Schalen sind Gemeinschaftsschulen, soweu sie mcht auf Antrag der Erziehungsbcrechttgten ia eint andere Schulform umgewandelt wer­de,. : >ic Umwandlung kann nur von einer Zweidrittelmehrheit der Antragsteller durch- lesetzt werden."

Bayern beantragte die Streichung des 12 a.' Sn namentlicher Abstimmung wurde ie Streichung des Paragraphen mit 42 gegen 6 Stimmen abgelehnt, ebenso mit 40 egen 28 Stimmen ein Antrag Oldenburgs, wonach zur Umwandlung in eine andere ^hulform schon die einfache Mehrheit ge» lügen soll. Es bleibt also bei dem cingeiüg- «n 8 12 a. Mit Bayern stimmten die «reutzischen Provinzen Oftpreutzen, Branden- mrg, Pommern, Grenzmark, Schleswig-Hol­bein,, Oberschlesien. Niederschlesien, Hannover, Westfalen Hesse n-N a s s a u, Rbeinvrovinz, wtzerdem Württemberg.

Minister von Keudell erklärte, datz er die »ftimm.ung der Reichsregierung für diesen hrschlutz nicht in Aussicht stellen könne.

Die Ausschutzbeschlüsse über Len

Religionsunterricht,

'*6 es den Ncligionsgesellschaflen ermöglichen ?llen. sich die Ueberzeugung von der Ueber» Mimmung des Religionsunterrichts mit den Zündsätzen der Religionsgeiellschaften semätz lrrikel 149 der Reichsverfassung auch ohne -lnsicht nähme in den Religoions- lnterricht zu verschaffen, wurden gegen kN Widerspruch der Reicksregierung mit 40 flen 28 Stimmen angenommen.

,3um § 20, der die Ausnahmebestimmungen d die sogenannten

Simultanschuttänder

nröält. beantragte Minister v. Keudell M eine Aenderung der RegiernngsvorlaM. «ährend diese als solche Länder Baden, Hes- S und das ehemalige Herzogtum Nassau am- *It- beantragte der Minister letzt die Fas- ^8, datz die Llusnabme gelten soll für die Gebiete des Reiches, in denen eine nach Be- mitnissen nicht getrennte Volksschule nicht rsteht". Bestimmte Länder werden danach N» überhaupt nicht aufgezählt, während di: susschutzvorlage die Länder Sachsen, Baden bringen, Hessen, Hamburg. Anhalt, Bre-

Lippe, Lübeck, Mecklenburg - Strelitz, Mumburg-Lipve, das ehemalige Herzogtum und die Städte Frankfurt a. M. und ^au aufführt. Der Antrag der Reichsregie- wurde mit 39 gegen 29 Stimmen abge- und der Ausschutzantrag bestätigt mit , Änderung, datz auch Mecklenburg-Schwerin "ie Liste der Sirnultanschulländer aufge- ^snren wird.

letzte Paragraph des Gesetzes bestimmt dem Ausschutzantrag, datz

[ ans dem Gesetz den Ländern und Ge-

r meinten erwachsenden Kosten

.Zoster Höhe vom Reich erstattet werden, s^ierju erklärt Minister v. Keudell, die ^A-regierung könne vor der endgültigen OMyg xst Vorlage nicht die daraus ent-

"Nden Kosten übersehen. Sie könne des­

halb heute noch nicht erklären, ob und inwie­weit eine Beteiligung des Reiches an den Kosten in Frage kommt.

Staatssekretär Dr. W e i s m a n n erklärt, diese Erkjärung des Ministers könne die preu- hischc Regierung nicht befriedigen. Auf seinen Antrag wurde ausdrücklich festgestellt, datz der Ausschutzantrag über die Kostenfrage vom Reichstag einstimmig angenommen worden war.

Vor Schluhabstimmung erklärte Gesandter v. P r e g e r, die bayerische Regierung hätte der Regierungsvorlage im wesentlichen zu­stimmen können, sie lehne aber die vom Reichsrat jetzt vorgelegte Fassung ad, weil darin der Gemeinschaftsschule eine durch die Verfassung nicht begründete Vorzugsstellung vor der Bekenntnisschule gegeben werde. Mi­nisterialdirektor K a e st n e r -Preutzen wandte sich gegen diese Begründung. Aus anderen

Gründen, als die bayerische Regierung, er­klärten auch die Vertreter von Oldenburg, Anhalt, Thüringen, Hamburg, Bremen und Lübeck die Vorlage als unannehmbar, ebenso die meisten Prooinzialvertreter.

Minister v. Keudell wiederholte für die gesamten Reichsratsbeschlüsse die schon bei den Einzelbeschlüsscn abgegebene Erklärung, datz die Reichsregierung ihnen nicht zustim­men könne.

Die namentliche Schluhabstimmung hatte das Ergebnis, datz die Vorlage mit 37 gegen 31 Stimmen abgelehnt wurde. Da­gegen stimmten Bayern, Anhalt, Oldenburg, Thüringen, Hessen, Hamburg, Bremen. Lübeck, Mecklenburg-Schwerin, Württemberg und die vrcutzischcn Provinzen mit Ausnahme von Berlin und Provinz Sachsen.

(Siehe auch Seite 2.)

D1230 M ötll MM gklkMdtt s iss in AnMöüin

Horta (Azoren), 14. Olt. Das Flug­zeug D 1230 ist 17,10 deutscher Zeit in der Hortabay glatt gelandet.

Heber die Landung des Flugzeuges D 1230 auf den Azoren verrchter ein Augen­zeuge folgendes:

viele hundert Menschen stehen am Strand in strömendem Rogen. Auf einmal sehen wir zwischen den Inseln Pico und Sanjorge in mäßiger Höhe eine Fliege in der Luft; Motorengeräusch ist nicht zu hören, weil der Wind stark weht; die Fliege vergrößert sich schnell zu einer Taube, sie kommt immer naher und näher, Bon dem in der Bucht verankerten Leich­ter werden Leucht akcten adgejchossen, trotzdem cs noch heller Tag ist, um die Windrichtung ßm Boden und die beste Landungsrichtung anzugeben. Das Flug­zeug stellt die Motoren ab und kommt rasch tiefer auf das Land zu in der Richtung Nordost-Südwest. Es berührt die Peri­pherie der Stadt, dreht dann in elegan­tem Bogen gegen Süden zu um und l a n- det wunderbar sanft in Nordsüd­richtung in dem inneren Teil des Hafens, lang au? das Wasser aufsctzend. Dort wartet es auf da« Hafendoot und muh wegen des starken Windes, um nicht auf den Strand gesetzt zu werden, noch einmal kurz einen Motor anwerfen. Bald ist das Hafenboot zur St lle, und das Flugzeug geht dann vor Anker. Zuerst steigt ein Pilot und der Funker aus. Die hier an­wesenden Monteure gehen an Bord, um das Flugzeug und die Maschine zu über­holen. Etwas später kommen dann Frau D i l l c n z und Loose an Land, von der Bevölkerung mit starkem Händeklatschen begriiht. Es sind auch die Ausländer ver­treten, besonders die Beamten der Kabel­gesellschaft. Die Frau des englischen Kon­sul« und die Damen des amerikanischen Awtsvorstehe.s bitten, der Dame oorge- stellt ZU werden und freuen sich kindlich herzlich, dah sic mit ihr einen Händedruck wechseln können. Alle Flieger sind setzt in der deutschen Kolonie untergebracht und das Flugzeug liegt im Hafen festgemacht.

LissabonAzoren in 11 Stunden.

Berlin. 14. Okt. Das deutsche 3 u v- kers-Ozeanf lugzeug D 1230 hat die erste Ozeanetappe Lissabon- Azoren änderst schnell bewälti­gen können. Für die 1800 Km. lange Strecke benötigte es nur knapp 11 Stun­den. Man muh mit einer Durchfchnitts- stundengeschwindljsteit von 180 Km. rech­nen. Bereits um 4.06 nachmittag» konnte das Flugzeug die am östlichsten liegende Azoreninsel Sao Miquel anfliegen. Um i%5 Uhr nahm die Funkstation Norddeich

die Meldung darüber auf. Zn Horia wur­den die deutschen Flieger jube.nd b-grüht. Für ihren Weiterflug liegen die Wetter- aüssichten so, dah die Wetterlage zwischen den Azoren and den Bermudas ungünstig, zwischen den Azoren und Neufundland aber Ziemlich günstig ist. Die Strecke nach Cap Race (Neufundland) ist 2500 Km. lang, die nach den Bermudas 3400 Km.

fk. Horta, 15. Okt. Dle Besatzung der D 123u gewährte den Pressevertretern auf Horia eine Unterredung, in der u. a. aus- gesührt wurde: Der Start von Lissabon erfolgt» in der Dämmerung bei schlechtem Wetter. Auf See klärte das Wetter zu­nächst auf, doch trat gegen Mittag eine Berschlechterung mit starken Nordwestwin­den, hoher See, niedrigen Wolken und Regenschauer ein. Bis zu den Azoren war die Wetterlage sehr schlecht. Um 13.15 Uhr Greenwicher Zeit befanden wir uns über Ponta del Ganda. Um 14.20 Uhr nahmen wir Zielrichtung und die Ziel- landug erfolgte im Hafen von Horta. Die Besatzung und die Passagiere sind wohl­auf und in bester Stimmung und sehr er­freut über den herzlichen Empfang auf Horta. Das weitere Ziel ist Newyork über Neufundland. Allerdings ist der Weiter­flug in dieser Jahreszeit von der Wetter­lage stark abhängig und es heißt zunächst warten. Die Funkersmaschine und die Funkersmotoren haben glänzend gearbei­tet. Tic Flugstrecke ist ca 950 Seemeilen, die in 10 Stunden zurückgelegt wurden. Die Flughöhe betrug 300600 Meter.

Amsterdam, 14. Okt. Das Heinkel- FlugzeugD 1220". das heute mittag nach erfolgter Reparatur des Kühlers von Wil­helmshaven aus zum Weiterfluge gestar­tet war. ist 13-55 Uhr Amsterdamer Zeit (14.35 deutscher Zeit) im Seeflughafen Schellinkwoude (Amsterdam) glatt ge­landet: 15 Minuten später lag das Flugzeug bereits fest verankert. Zur Zeit ist man damit beschäftigt, das Flugzeug mi Benzin zu versehen. Insgesamt wer­den noch 800 Liter zu dem bereits vorhan­denen Vorrat eingenommen werden. Wie der Pilot erklärt, beabsichtigen die Flieger morgen früh 6 Uhr. falls die Wet­terverhältnisse günstig finb, erneut z u starten. Das Ziel des morgigen Etap­penfluges steht noch nicht genau fest, da es entsprechend der Wetterlage erst morgen auf dem Fluge festgesetzt werden soll. Die Flieger wollen versuchen, den Hafen von Lissabon direkt zu erreichen. Sollte dies wegen der Wetterlage nicht möglich sein, so wird beabsichtigt. einen spanischen Hafen, z. B. Vigo oder Ferrol anzufliegen.

Skk «IblmM Sefmdtk in Ans trWfcn

ff. Prag, 15. Okt. Auf den albani. scheu Gesandten Cena B e q wurde gestern abcud in einem Kaffee von einem albanischen Studenten, der sich Algifiadh Bebe nennt, ein Attentat verübt. Er gab au? den Gesandten aus unmittelbarer Nähe einen Reoolverschuh ab. Der Ge­sandte starb auf dem Transport nach dem Krankenhaus. Bei feiner Verneh­mung erklärte der Täter, die Motive zu der Tat feien politischer Natur.

P r a g , 15. Dht. lWTB.s Zu dem Anschlag auf den albanischen Gesandten wird noch ge­meldet: Der Täter besuchte bereits feit drei Ta­gen bas EafePassage". Heute hatte et un­mittelbar am Eingang des Cafös in der Nähe der Garderobe Platz genommen. Der Gesandte saß im ersten Stock des Cafes. Nach dem Atten­tat übergab der Täter den Revolver dem Ober­kellner des Cafös und feinen Reisepaß dem ihn verhaftenden Wachtmann. Augenzeugen des Attentats erklärten, daß der Angreifer auf Cena Bey zweimal und zwar rückwärts geschos" sen habe. Er wurde dem Polizeikommissariat zugeführt, wo er einem Verhüt unterzogen wurde, bei dem er erklärte, Algiviadh Bebi zu heißen und iin Jahre 1904 in Elbassan in Alba­nien geboren zu sein. Er sei Student. Auf die Frage, warum er das Attentat verübt habe, antwortete er, das Motiv fei politischer Natur. Er habe Cena Bey erschossen, weil dieser seine Heimat Albanien an Jugoslawien verkaufen wollte. Bebi wurde dann nach der Polizeidirek- tion übergeführt, wo das Verhör fortgesetzt wurde.

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fk. London, 15. Okt. Nach einer Meldung derC h i c a g o T r i b u n e" stehen seit gestern Peking- und Schansitruppen bei Schutschau im Kampf. Gefchützfeuer ist deutlich in Peking zu hören. Man hofft, daß die Schansitruppen nicht imstande sein werden, die Mauern Pe. Kings zu erreichen. Amerikanische und andere Truppen sind um die Gesandtschaft herum und auf den Stadtmauern aufgestellt. Einer Mel­dung zufolge soll ein Teil der feindlichen Trup­pen 15 Meilen von der Stadt entfernt stehen.

fk. London. 15. Okt. Die Kriegslage in China hat in den letzten Tagen eine sehr auf- feljnerregenöe Wendung genommen. Während bisher aus englischen Quellen von einem gro­ßen Sieg der Nordtruppen berichtet wurde, wollen englische Berichterstatter jetzt wissen, daß die auf Seiten der südchinesischen Natio- nalregierung kämpfenden Schansitruppen auf 50 Meilen an die chinesische Hauptstadt Peking herangerückt seien. Der stellvertretende Außen­minister in Peking soll die ausländischen Pressevertreter davon unterrichtet haben, daß möglicherweise schon in den nächsten Stunden die Truppen die Stadt bedrohen. Für die aus­ländischen Niederlassungen bestehe aber keine Gefahr, da es sich nur um kleinere Truppen­abteilungen handele. Die Ursache für den Mißerfolg der Nordarmee habe man bis jetzt noch nicht feftftellen können. Allem Anschein nach seien die Nordtruppen in eine Falle der Schansitruppen gegangen. Wie aus ameri­kanischer Quelle berichtet wird, soll bei einer Konferenz der südchinesischen Nationalregie» rung beschlossen worden sein, die ursprüng­liche südchinesische Regierung in Hankau auf­zugeben und die Regierung in Nanking, die non dem zurückgetretenen General Tschang. heifdjeh begründet worden ist, als einzige Na­tionalregierung Chinas anzuerkennen. Zum Oberbefehlshaber aller chinesischen Truppen soll General Tang ernannt worden fein.

©wecef (Bernet traqtafielt

fk. Mexiko (Stabt), 15. Okt. Oberft Aloarez teilt mit, datz die Bundes truppen unter dem General Escalor geftern nachmittag Gene­ral Gomez mit seinen letzten 35 Anhängern in der Provinz Veracruz gestellt und Hnge- schlossen hatten. Die Niederlage, Gefangen- nähme oder der Tod in der Schlacht feien die einzigen «ögllchkviten für Gomez und fcme HMnger.