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MM-ig, Mn 11 M. 1927

DI« »Oberhessifche Zeitung" er- sechsmal wichentlich. De- ftgfpteii monatlich 2 DM. aus- ^tzlirßl. ZustellungSgebühr, durch ltopefl2.25 GM.Für etwa infolge Atreiks, Maschinendefekte »der jlyatfltaiet Ereignisse ausfallende Dummern wird kein Ersatz ge* Met. Verlag v. Dr. L. Hiheroth, Druck der Unib.-Buchdruckciei 6w A»h. Aug. Koch, Markt 21/28.* gern spreche!: Nr. 54. u. Nr. 55.* D^scheckkonlv: Amt Frankfurt <, W. Ri. 5015. Sprechzeit* ytt Redaktion bon 1011 und

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Marburger

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Reue MrMkMg »er BrfMliWelmindrrMg? eint unkiare »IHM Milteilimg Am im kehtztm Mitt

Berlin. 10. Okt. Wie den Blättern angesichts der sich teilweise widersprechen­den Zeitungsmeldungen über die Truppen- »erringerung im Rheinland nochmals mit- geteilt wird, ist seinerzeit in Senf durch die Regierungen der Besatzungsmächte Deutschland zur Kenntnis gebracht wor­den, bog d ie Besatzungstruppen am 10000 Ma«n reduziert wer­den sollen, ferner in einer weiteren Mitteilung, dah die Besatzungsmächte die Durchführung dieser Reduktion bis Ende Oktober in Aussicht genommen haben. Eine weitere Miteilung der Be­satzungsmächte war uns versprochen wor, den, ist aber bisher noch nicht ein- zegangen. Die Mitteilungen, die von ftanzösischer Seite an den Rheinlandkom- f rnissar die Absichten der Regierungen wie- dergeben, ist im Augenblick nicht festzu­stellen. Diese» Schriftstück kann aber keineswegs als Beweis dafür gelten, daß die Verminderung nur 6000 Man« beträgt. Zn Regierungskrei- . len iit man der Auffassung, dah nur eine Mitteilung der französischen Regierung «der der in der Botschafterkonferenz oer- eiuigten Mächte mahgebend sein könnte. Mae solche Mitteilung wird er­wartet. Ob die französischen RHitörs entgegen den Zusicherungen, die Deutschland gegeben worden sind, in her Zahl der Verminderung S ch w i e r ig- kiten zu machen suchen, lägt sich im Augenblick noch nicht saoxn. Man muh zu­nächst die authentische Mitteilung der französischen Regierung abwarten.

Srr RrMkimchr in JtoWtm

Ä oblenz, 10. Okt. Reichskanzler Dr. ®i?r$ ist heute vormittag in Koblenz einge- Zu seiner Begrünung hatten sich der ^iichskommissar für die besetzten Gebiete, ^angwerth von Simmern, der Präsident der -ieichsoermögensverwaltung, Kollartz, und der ^beroräsident Dr. Fuchs am Bahnhof einge- ninden.

llm 12 Uhr fand eine außerordentliche »rstfitzon« der Stadtverordnetenversammlung W Rathaus statt. Oberbürgermeister Dr. Dussel begrüßte den Reichskanzler mit berz-

Worten, wobei er u. a. ausiührte:Wir ^runden nach wie vor, daß unser Volkskör- pr von dem Fremdkörper der Be- sntzun g baldmöglichst befreit wer- Muß, wenn unser öffentliches Leben gt» £nen soll. Die Bürger der sowohl durch die ^iatzungshöhe, wie durch den Sitz der Rhein- rid-ommission besonders bedrückten Stadt ^»dlenz erklären aber feierlich, daß sie

1Ut dann befreit sein wollen, wenn nicht "eue Besatzung,l«sten dem bisher freien

s Deutschland dafür auferlegt werden."

Reichskanzler Dr. Marr erwiderte u. «.: mir eine besondere Freud«, daß ich bei ^mer gegenwärtiaen Reise nach dem Rhein- Gelegenheit finde, der Vertretung der v,a®t Koblenz als des Mittelpunktes der noch Atzten Gebiete, einen Besuch «brustatten. In -"scher Zeit, als äuterste Gefahren drohten, taL- Devölkerun» am Deutschen Eck ihre t» T£6ale deutsche Treue durch die $,! bekundet. Im Gedenken hieran wird ^as Deutsche Reich, wie es bisher schon L?N°ch tatkräftig «ingegrifsen hat, auch wei- «, im Rahmen seiner Kräfte jeden nur e_,® iichcn Beistand leisten, damit von dem schweren Druck der Gegen- befreit, einer besseren Zukunft entgegen; K?*. und seine volle Geltung im Kranze der ^mftäbte behauptet."

Anschluß an die Festsitzung der Stadt- «rdnetenorrsammlung begab sich Reichs- Dr. Marx zum Frühstück beim kueJoräfibenten. Bei dieser Gelegen- n begrüßte

Obervräsident Dr. Fuchs

den Reichskanzler, indem er u a. sagte:Der unbestreitbare Anspruch Deutschlands auf Räumung der besetzten Gebiete bat sich bisher nicht durchsetzen können. Deutschland hat die in' den Verträgen als Voraussetzung für die Räumung festgesetzten Bestimmungen erfüllt und mehr darüber hinaus geleistet. Das be­setzte Gebiet weiß, daß die Schuld an dem Fortbest and der Besetzung nicht beim eigenen Volke und seiner Regierung liegt und wird die Lasten der Besetzung weiter tragen. Dabei erkennen wir dankbar an, daß infolge der Befriedungs­politik der Reichsregierung namhafte Er­leichterungen auch von grundsätzlicher Bedeutung im Besetzungsgebiet zu verzeichnen sind. Der Kern dieses Besetzungsregimes aber lst geblieben.

Insbesondere können wir uns mit dem beute noch gültigen Ordonnanzsystem nicht abfinden,

das weit über die Grenzen des Rheinlandes hinausgebt und den Machtansvrüchen der Ge­genseite Tür und Tor öffnet. Wie in früheren Jahren, so auch in diesem Herbste, haben die Besatzungsarmeen wieder Manöver in unseren Sauen abgehalten. Kriegssvielc fremder Truppen im entwaffneten, neutralisierten

Rheinland, »u denen der deutsche Bauer Feld und Acker, die deutsche Hausfrau Quertier zur Verfügung stellen mufc! Wie ich schon ans- führte, blickt das besetzte Gebiet mit Dank und Vertrauen zur Reichsregierung auf. Es weiß, daß die Befriedungsaktionen, die an die Na­men London, Locarno und Thoirp geknüpft sind, in erster Linie in seinem Interesse unter­nommen worden sind, und dankt dem Vater­lande für die großen Opfer, die es ihm damit gebracht hat. Möge di« Reichsregierung, wie bisher, so auch in Zukunft ihr Sinnen und Trachten darauf richten, den besetzten Gebieten die ihnen nach Recht und Gesetz zustebende end­gültige Freiheit »u verschossen. Soweit es nicht möglich ist, möge sie nach Kräften ver­suchen, das Besatzunasregime möglichst einzu- schränken. Das besetzte Gebiet bittet um sein Recht. Mehr verlangt es nicht.

Wir Wünschen nicht, daß unsere Freiheit mit außenpolitischen Zugeständnissen grunb- sätzlicher Art, durch die unser Volkstum berührt wird, erkauft werbe.

Im Vertrauen auf Reichsregierung und Volks­vertretung werden wir ausharren, bis di- Stunde der Befreiung schlägt, und unbeirrt im Wandel der Ereignisse, wie in schwerster Zeit, so auch in Zukunft tveu zu Volk und Vater­land stehen.

M Rskwendiskett WMy Fritbens ras«« bet ArMittmvrMM

Berlin, 10. Okt. Die Vereinigung her Deutschen Arbeitgeberverbände gab anläßlich der morgen beginnenden Tagung des inter­nationalen Arbeitsamtes einen Empfangs­abend, an dem die iReichSminister Dr. estrcfernenn, Dr. Brauns und Dr. Curt ins, der Direktor des Internationalen Arbeitsamtes ThomaS, Fontaine und Oudegeest vom VerwaltungSrat des Inter­nationalen Arbeitsamtes, der Vorsitzende des Allgemeinen Deut'chen Gewerkschaflsbundes, Hermann Müller, und viele andere Persönlichkeiten deS wirtschaftlichen und kulturellen Lebens teilnahmen.

3n seiner Begrüßungsansprache betonte Ge­heimrat Dr. Ing. h. c. Stuft vonBorsig, daß im nationalen wie im internationalen Leben alle Verantwortlichen sich um die Forderung der Erkenntnis bemühen müssen, daß es zu Aller Autzen notwendig ist,

mehr bas Verbindende zu suchen als das Trennende zu unterstreichen,

die gemein'arnen Interessen zu erkennen und sich über Gegensätzliches ruhig und sachlich auseinander zu setzen. Dloser Leitgedanke, so schloß der Redner, liegt, wie mir scheint, unserer deutschen Außenpolitik zugrunde, die, wie wir hoffen, unter der bewährten Führung Dr. Stresemanns sich immer weiter durchsetzen wird.

Rach Geheimrat von Borfig lab ReichS- arbeitSminister Dr. BraunS, ebenfalls im Ramen der Reichsregierung, seiner Freude darüber Ausdruck, daß da« deutsche Unter­nehmertum von Qtnbegiwn an bereitwillig an der Organisation des internationalen ArbeitS- amtss mitgewirkt hat. Die ReichSregierung, so fuhr der Minister fort, begrüßt das pro­grammatische Bekenntnis der Arbeitgeber- Vereinigung, dah

das Endziel aller Arbeit der Friede mit der Arbeitnehmerschaft

sein muß. Das ist vor beste Weg zum Wlebevaufbau DtzutscUands, aber auch zum großen kulturellen Fortschritt unter den Rationen überhaupt.

Rach einer kurzen Rede Fontaines, des VerwaltungsratS-Vorsitzenden deS Inter­nat ionairn Arbeitsamtes, ergriff

Reichsminister Dr. Stresemann

das 'Sort: Sn allen Ländern und Völkern zuckt noch die Erschütterung nach, die im Ge­folge des Kriege« die Hmtoäfgxng der geistigen und sozialen Verhältnisse mit sich gebracht hat. Der Weltkrieg wiud viel zu viel gewertet nach Schlachten und mikitäristhen GeshchtM- punkten statt nach den geistigen Umwandlungen und Umwälzungen. Wir die Weltwrrt^chafts- konferenz der Aufdruck des Suchens nach einer Verständigung der Mrtschast, st> ist .>. - .

das Suchen nach dem sozialen Frieden die notwendige Ergänzung dazu. Dabei be­deutet der Geist mehr als die Paragraphen, die Freiwilligkeit mehr al« der Zwang. Daß Deutschland leben Weg gehen wird der zum sozias-n £/'etfen führt, ergibt sich au« feiner eejenen vage als große« 3nbuftneLani) und aus der Rotwendigkeit, Frieden unter feinen Volksschichten zu halten. Daß e« alle« tun wird für den Ausgleich zwischen den Arbeitsbedingungen der ein» zelnen Volker, ergibt sich aus seiner Stillung als Erporimdustrieland. die erheischt, daß unter gleicher Sonne und gleichem Schat­ten die Wirtschaft 6er Völker sich vollzieht. Die Bestechungen des Interrattonalen Arbeits­amtes sind Bestrebungen, die auch emmünden in die großen Grundlinien der deutschen aus­wärtigen Politik. Sie sind gegeben durch den Gedanken der Verständigung de« Miteinanderarbeitens und de« Kämpfens für die friedliche Entwicklung aller Völker.

Seit Jahren hat die deutsche answärtige Palitik nur diesem Ziele gedient.

Wer das bezweifelt, der verrennt die Kräfte des Verstandes und des Gemütes, die sich im deutschen Volke für diese Friedenspolitik ein» setzen. Reichspräsident von Hindenburg ist für un« die Verkörperung dessen, wie man in Pflichtersüsilrmg über die (Sreny deS bibli­schen Alters hinaus sich jenen seelischen Ausgleich erringt, der die Voraussetzung ist für die Verwirklichung der großen Idee der friedlichen Verständigung. Der Minister gab zum Schtuß der Hoffnung Ausdruck, daß die bewegten Zeiten unter drei Gesichts­punkten stehen mögen: Ehrliche Verständigung aller A^berschaffenden. Ausgleich der Wett- bewerbsderhältnisie unter den Völkern, und durch sozialen Frieden die Basis zu schassen für Frieden und Verständigung unter den Völkern.

Steife einer e gälischen ArbeitertzelOMtien nach Rußland.

,fk. London, 11. Okt.Daily Mail" be­richtet, daß ein aus 18 hervorragenden Mit­gliedern des politischen und des gewerkschaft­lichen Flügxls der Sozialdemokratischen Partei bestehender Ausschuß, der sich die Förderung der guten Beziehungen zwischen der englischen und russischen Arbeiterklasse zur Aufgabe ge- NssEt hat, einen Aufruf zur Aufbringung eines Fonds erlassen bat. Dieser Fonds soll einer Dele^tion von 50 Vertretern der eng» Arbeiterklasse die Reife nach Rußland rur Teilnahme am zehnjährigen Gedenktag der bolschewistischen Revolution ermöglichen.

- > ...

Reichskanzler Dr. Marx dankte dem Cberpräfibentcn für die SB* grußung und führte aus: Daß ich bri meiner ersten Reise als Rvichsminister für die besetzten Gebiete zuerst nach Koblenz fahre, ist wohl selbstverständlich. Kvblenz ist die Hauptstadt der besetzten Gebiete. Nienmnd bedauert mehr als ich selbst, daß es mir diesmal nicht vergönnt ist, noch andere Orte zu besuchen, insbesondere die Regierungshauptstädte Aachen, Trier und Wiesbaden. Ich darf aber die anwesenden Herren RegiarungSpräsiidenten bitten, mein Bedauern und meine Gründe in Ihren Bezirken zur Kenntnis zu bringen. AuS ben Worten des Herrn Oberpräsidenten erklang, was uns alle bewegt: Die große seelische und materielle Rot, die die Besetzung für diese schönen Gaue am Rhein bedeutet. Bald dauert diese schwer» Last neun Jahre, ein Zeitraum, den man früher nicht für möglich gehalten hätte. Zch empfinde diese Not der rheinischen Gaue als Rheinländer ganz besonders tief.

Not erkennen hilft nicht, mau muß sie bekämpfen.

Seien Sie überzeugt, daß die Reichs» regierung stet« ein offenes Ohr für Ihre Klagen und Beschwerden hat. Sicher haben unsere Hilfsaktionen im Rheinland nicht volle Zufriedenheit schaffen können. Es darf aber nicht vergessen werden, daß das Rei-ch sich in äußerst schwierigen gi i n n z verhä ltn iss«n befindet. Ge­wiß ist im Besatzungssystem manches gegen früher besser geworden. Auch die zck» gejagte Herabsetzung der Besatzunasstärk» um 10 000 Mann ist zweifellos eine be­grüßungswerte Erleichterung, aber es liegt, in- der Natur der Sache, daß

eine solche Hevatzsetzuug nicht den Ge- samttatbestmnd der Besatzungsnot L

ändern i-A

kann. Biel wichtiger ist der Drang nach Freiheit, der unstilkbar liegt im rhei­nischen Herzen, er ist nicht etwa ein Pro­dukt der Besatzung. Die Geschichte des 19. Jahrhunderts beweist dies ebenso wie di« Tradition der ältesten deutschen Stämme am Rhein. Dieser Freiheitsdrang ist zu­gleich gepaart mit hoher Vater-! lau beliebe. Erwarten Sie nicht von mir, daß ich auf das außenpolitische Ge­biet abschweife; eines darf ich aber viel, leicht noch sagen: Sie wissen, ich bin ein überzeugter Anhänger der Verständigungs­politik, aber diese Politik kann nur bann in die Herzen der Völker tief einbring®» und wirkliche Volks fache werden, wenn sie getragen von der freudigen Zustimmung der Böler, die aber nur aus dem Gefühl h»c. vorgehen dann, daß

Fveiheit und Gerechtigkett für alle herrschen. Im deutschen Volk«, das so viev Unrecht und Unfreiheit zu ertragen fjatt» und immer noch zu ertragen hat, ist diese Sehnsucht nach der Herrschaft von Freiheit und Gerechtigkeit besonders tief. Möge der Tag der Freiheit uns bald beschieden feint

5« Ännftt an Me Srtifc

Koblenz, 10. Okt. Auf dem heut» nachmittag beim Reichskommissar für da« besetzte Gebiet abgehaltenen E m p f a n a der Presse des besetztem Gebietes hisH Reichskanzler Dr. Marx eine Ansprache, in der er die Bedeutung der engeren Zrr» sammenartzeit zwischen Regierung und Preffe im parlamentarischen Staat hervor» hob und der Presse der besetztem ®einet» in doller Anerkennung den Dank der ReichSregierung aussprach für die hinge- bunalborte Arbeit, die in schwerer Stunde Verleger und Redakteure für das deutsch« Paterkand geleistet haben. Es werd« tx bere Geschichte unvergessen bleiben, daß im getarnten besetzten Gebiet mit Einschluß her geräumten ersten Zone in der Notzeit be» Einbruches an der Ruhr und der Separa- tistenzeit 3 4 0 Blätter im Jahre 1923 für den Schutz des heimatlichen Bodens, für die Einheit des Reiches und für den Frieden der Bürger mit geistigen Waf­fen eHrenvjokl gekämpft haben. Unvergessen werde auch bMbest, daß bi» fcr Kampf den Angehörigen der Press« schwere materielle Opfer und lei­der vielfach fast nicht mehr wieder aut tu machende persönliche Leiden Sen Arbeitern an der Großmacht Preffe «. bracht hat. Die nächste Zukunft, fnftt ReichSkanz« Marx fort, wird uns end­lich die längst erwartete Bernnnderumg bet Be-atzringSstärtze bringen. Sie haben, meine Herren von der reffe, auch wsitew- tin die lchwere Aufgabe, i» kommenden.