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FwnzöMesMimatmn" an Rußland

MW flbro kn Fall Rakowski in 24 Sknnden grforbertSie rolle Wirkung dos Besuches Shamberlains

(6. Paris, 8. OKI. Wie derMatin" »itteilt, erwartet die französische Regierung | aus ihre gestrige Note an Moskau, in der sie tzie Abberufung Rakowskis ossi, zielt verlangt hat, innerhalb 24 Stun­den eine Antwort. Im heutigen Mini- slerrat habe Briand den Wortlaut der fran- zösischen Regierung verlesen, die von Poin- tare bereits am vergangenen Donnerstag gut­geheißen worden sei.

Rach dem Ministerrat würden alle die Affäre Rakowski betreffenden Schriftstücke der Presse yit Verlesung übergeben werden und zwar der Bericht des sranzösischen Botschafters H e r b e t t e über seine beiden Unterredungen mit Litwinow, das Schreiben Tschitscherins, in dem et eine schristliche Note der französischen Regierung über die Abberusung Rakowski ver­langt und schließlich der Wortlaut der gestri­gen an Herbette abgegangenen sranzösischen Rote.

Zu der französischen Note selbst stellt der Matin" fest, daß diese keineswegs auf di, Absicht der sranzösischen Regie' rm:- f chließen lasse, die Beziehungen zu Sowjet-Rußland abzudrcchen. 3* Gegenteil, damit die Beziehungen zwi­schen en beiden Ländern wieder nor­mal würden, verlangt die französische Regie­rung die Abberufung Rakowskis. Sollte Tschitscherin einer anderen Ansicht fehl und die Spannung erhöhen oder gar zum Abbruch treiben, so würde er dafür die volle Berant- »ortung zu tragen haben. Wenn Tschitscherin sich mit der Haltung Rakowskis identifizieren fällte, werde man sich in Frankreich nicht aufregen, wenn Rußland keinen Rrrtreter in Paris haben werde.

Sie tlnteerebnng «bamberlain- Stianb

Paris, 7. Olt. Entgegen der allge­meinen Annahme, daß Chamberlain und 8riand erst im Anschluß an das morgen mittag am Quai d'Orsay stattfindende frühstück eine Unterredung haben wür- hat diese bereits heute nachmittag »sn 56 Uhr unbemerkt stattgefunden. ®as offiziell hierüber ausgegebene Com- »nniqu^ besagt:Die beiden Arrßrn- ainifter haben die gegenwärtig beide Lander interessierenden Fragen Revue wfüeren lassen. Sie haben noch einmal die Uebereinstimmung ihrer Ansichten fest- iritellt."

ft. Paris, 8. Okt. Zu der bereits 8t3 gemeldeten Unterredung Chamber- Kln-Priand glaubt Havas mitteilen zu ^«en, daß sie sich auf folgende zwei dünkte bezogen habe:

Das Tangerstatut, ^-DieBeziehungen zuRußland.

Thamberlain hab« Briand die genaue "kdrutung er Erklärungen auseinander- die er Primo de Rivera *Senüber gemacht habe. E r o ß b r i - 8 6 8 i e a würde glücklich sein, ein Abkommen zwischen Frankreich 8»d Spanien betreffend die Tanger- ^waltung verwirklicht zu sehen aus diesem Gedankenausgleich heraus er zum Ausgleich geraten.

Island jedoch würde auch weiterhin an den Verhandlungen zwischen

Frankreich und Spanien teilnehmen wollen, sondern sich darauf beschränken, das Abkommen, das zweifellos zwischen beiden Möchten zustande kommen dürfte, zu unterschreiben. Wohlverstanden würde keine Rede für England davon sein kön­nen, an einem Mittelmeerpakt Italien- Spanien-Griechenland teilzuneh­men, Briand seinerseits dürfte Chamber­lain über den Stand der mit Rußland eingeleiteten Verhandlungen bctr. die Abberufung Rakowskis unterrichtet haben.

Ansprache Baldwins an die amerikanischen Legionäre.

ff. London, 8. Okt. Die Regierung gab gestern zu Ehren der zum Besuch in London eingetroffenen Vertreter der amerikanischen Legion ein Bankett. Hierbei hielt Premier­minister Baldwin eine Ansprache, in der er sagte:Was die kürzliche Flottenabrüstungs- konfvrcnz anbelangt, so sind unsere Völker groß genug und durch solche Feurndschaft mitein­ander verbunden, daß sie sich über ein Thema aussprechen können. Ein Krieg zwischen un­seren beiden Völkern ist undenkbar, weil der­selbe endgültig unsere gegenwärtige Zivili­sation vernichten würde.".

Die Frage der AuslanMulMn £ongftiWge Anleihen können Ml entbehrt werben

Berlin. 7. Okt. Unter dem Vorsitz des Reichskanzlers fand heute nachmittag in der Reichskanzlei eine eingehende Aussprache des Reichskabinetts unter Beteiligung des Reichsbnnlvräsi- denten Dr. Schacht ü-rd des General­direktors der Deutschen Reichsbahngesell- schast über die Frage der Ausländs­anleihen statt.

Bei dieser Aussprache wurde eine völlige Einmütigkeit darüber erzielt, daß für Deutschland auch in der nächsten Zu­kunft die Aufnahme langfristiger Aus­lands-Anleihen nicht entbehrt werden könne und wirtschaftlich und finanzpolitisch durchaus berechtigt sei. Ferner herrschte darüber llcberein­stimm ung, daß jede unter Berück­sichtigung der heutigen Ecsamtlage nicht dringliche oder unwirtschaftliche Aus­gabe in Deutschland, sei es aus Ausländs­anleihen oder aus anderen Quellen, un­bedingt zu vermeiden fei.

Um diele Gesichtspunkte in die Wirklich­keit zu übertragen, wurde eine Aus­gestaltung der Beratungsstelle sür Ausländsanleihen ins Auge gefaßt. Es soll insbesondere die Möglich- !eit geschaffen werden, Bedenke», die bei der Antragberatung auftauchen, durch er­neute mit besonderen Sicherheiten ver­sehene Prüfung Rechnung zu tragen. Hier­über wird unter Mitwirkung der Rrichs- bnuf mit den Ländern, die auch seinerzeit mit der Reichsregierung die Richtlinien der Beratungsstelle vereinbart haben, als­bald Fühlung genommen werden.

Kein Rücktritt Dr. Schachts.

Berlin. 7. Okt. Die Gerüchte, wo- nach der Präsident des Reichsbankdirek- toriums. Dr. Schacht, sein Rücktrittsgesuch eingereicht habe, entbehren jeder Grund­lage. Sie werden von berufener Seite als vollkommen unsinnig bezeichnet.

Stk stanzöil!»-amerikanische Wonfim

Zu der französisch-amerikanischen Kon­troverse wegen der Zollverhandlungen schreibt derTemps":

Die etwas unerwartete und vom ameri­kanischen Schatzamt anscheinend ohne Wis­sen des Staatsdepartements getroffenen Maßnahmen, die auf eine Erhöhung der Zollsätze für eine Anzahl französischer Ex­portartikel abzielen, tragen auf den ersten Blick den Charakter einer unfreund» schaftlichen Teste. Man muß ab­warten, in welchem Sinne die amerika­nische Regierung diese Maßnahmen anzu­wenden gedenkt, bevor man die neue Si­tuation definiert. Wer bereits heute kann man sagen, daß die französische öffentliche Meinung, besonders nach dem warmen Empfang, der der amerikanischen Legion in Paris zuteil wurde, einen peinlichen Eindruck bekommt durch die Haltung und Forderungen, die man schwerlich allein durch den Wunsch der Verteidigung be- rechtigter Interessen rechtfertigen kann. Man muß wünschen, daß die normalen Verhandlungen zwischen Paris und Wa­shington dadurch nicht konchromittiert wer­den. Diese Haltung wird bestimmt durch innerpolitische Erwägungen, genau wie die Haltung der Vereinigten Staaten in der Schuldfrage. Die Amerikaner werden un­ter diesen Amständen sich nicht wundern können, wenn die europäischen Nationen.

die um ihre politische und wirtschaftliche Anabhängigkeit besorgt sind, sich gegen derartige Absichten, in vollem Bewußsein ihrer Pflicht gegen sich selbst, verteidigen." ----

Sie lübllamito-bnlgarihbe Spannung

Bombenattentate.

Belgrad, 7. Okt. Heute nacht überfielen bulgarische Banditen die Grenzgemeinde Li- sura und warfen neun Bombe« auf Staatsgebäude. Die Gebäude find zerstört. Die Gendarmerie und die Grenzwache« nab- men den Kamps auf, der bis in die Morgen­stunden dauerte. Die jugoslawischen Wachen haben keine Verluste zu verzeichnen.

Die Mörder Kovacioics verhaftet.

Paris, 7. Okt. Nach einer Havasmeldung aus Belgrad sollen zwei Personen, die das Attentat gegen den General Kovacevics unter­nommen haben, in den Wäldern der Umge­bung von Jstip von Gendarmen festgenommen worden sein. Die Polizei sei auf der Spur des dritten. Nach den Blättern soll der süd­slawische Gesandte in Sofia von seiner Regie­rung Weisung erhalten haben, der bulgarischen Regierung über die Maßnahmen an der Grenze Miteilung zu machen, die für den Fall in Aussicht genommen seien, daß die bul­garische Regierung nicht in der Lage sein würde, den Uebertritt von Banden auf süd­slawisches Gebiet »u verhindern. In der Nähe der albanischen Grenze bei Skotschiwir stieben Streifabteilungen auf eine starke Bande Komi- tatschisr^-- -;

| Sbantbroiain in Paris

Weltpolitik im umfassenden Sinne des Wor- les treiben immer nur wirtschaftlich starke oder militärisch kraftvolle Nationen. Es gibt beute drei Weltmächte, deren innere und äußere Kraftfülle ausreicht, das Bild der Weltpolitik zu befestigen, zu erweitern oder gänzlich um­zuändern: Amerika, England, Frankreich.

Bei der Gestaltung des politischen Bildes in Europa scheiden die Bereinigten Staaten, z. T. freiwillig und mit Absicht, aus. Die politische Maschinerie beherrschen hier England und Frankreich. Die Politik Großbritanniens be­ruht auf dem Kampf der britischen Wirtschaft gegen Rußland; die Politik Frankreichs auf dem Gegensatz zu Deutschland.

Da die Tendenzen Englands und Frank­reichs sich in verschiedenen Bahnen bewegen, ergibt sich ein englisch-französischer Gegensatz, dessen wechselnde Schärfe zugleich mit den reinen Tendenzen das Auf und Ab, die Nervo­sität und die Beruhigung der politischen Situa­tion in Europa bedingt.

In der russischen Frage hat England den Bruch mit Moskau vollzogen, gewiß in der Er- , Wartung, daß der Quai d'Orsay diese Politik, wenn nicht offen unterstützt, doch gewiß nicht durchkreuzt. Frankreich weicht aber einem Bruch mit Moskau bis zur äußersten Mög­lichkeit aus.

Frankreich will ein Ostlocarno, d. h. eine Sicherheit-garantie. Die Isolierung Deutsch­lands würde dadurch vollkommen, die Bin­dung Polens an Frankreich unzerreißbar sein. Rußland könnte zu diesem Ziel zum wenig- ften ein Helfershelfer sein.

Rußland braucht einen Ausweg aus der Umklammerung, die die englische Politik ge­schaffen hak. Sie sucht ihn nach dem Westen, auf dem Wege über die sehr heikle Schulden­regulierung mit Frankreich. Der Quai d'Or- say kommt ihm weit entgegen. Daher die sehr vorsichtige amtliche Behandlung des Ra- kowski-Falles, trotz der scharfen offiziösen Verlautbarungen.

Jede Möglichkeit einer französisch-russi- schen Annäherung zu untergraben liegt im Interesse Englands. Das wird wie stets versucht mit Hilfe eines Druckes an ent­gegengesetzter Stelle. Die Betonung der eng. lisch-italienischen Freundschaft, der über­raschende Besuch Chamberlains bei Primo de Rivera weisen die Richtung.

Danach bann das Pressionsmittel zunächst die Tangerfrage sein. England lehnte bisher jede Einbeziehung der internationalen Tanger­zone in das spanische Hoheitsgebiet ab. Jetzt wendet es sich nicht mehr so entschieden gegen das spanische Verlangen, die Polizeikräfte der Tangerzone spanischer Leitung zu unterstellen, was Frankreich jedoch entschieden zurückweist.

Wenn Frankreich jetzt wirklich die Abbe­rufung Rakowskis in einer Note fordert, die einem Ultimatum gleich kommt, so kann man ermeffen, welche Bedeutung es einmal den ge­heimnisvollen Zusammenkünften Chamber­lains mit Mussolini und Primo de Rivera bei» mißt. Diezarte" Andeutung Chamberlains, daß ein Bündnis der Mächte Italien, Spa­nien und Griechenland geplant sei, mag in Paris wohl richtig verstanden worden sein.

Und doch sieht man wieder, wie im gleichen Augenblick, da das amtliche Frankreich sich zu einem schärferen Vorgehen gegen Moskau ent- schließt, die Presse vor einem Bruch mit Ruß­land warnt und der Note eine Auslegung gibt, die in Moskau, wenn man will, sogar als eine Schmeichelei empfunden werden kann.

Die Au nerksamkeit, die man der Unter» rebung Chamberlains mit Briand in Paris schenkt, wird jetzt verständlich. Wenn England bereit ist, in der Tangerfrage nachzugeben, um seine Position gegen Rußland zu stärken, so müßte es sich auch wohl dazu verstehen, an anderer Stelle ein vielleicht geringeres Inter­esse zu opfern, um Frankreichs Verzicht auf russische Anbiederung zu erkaufen.

Bisher wurde dieses geringere Interesse stets dem Rheinland bekundet. Es hieß dann plötzlich nicht mehr Tanger oder Tunis, fon- bern längeres Verbleiben ber Besatzung, schär­fere Kontrolle ber deutschen Wehrmacht usw. Es müßte ein Wunder geschehen, wenn es diesmal anders wäre. . <5.