8rtM len 7. Ni. 1927
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Anzeiger für (das früher kurhessisches Oberheffen - Berkündisunssblatt für Stadt und Kreis Mardurs
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Zu der bevorstehenden Unterredung Chamberlains mit Briand schreibt der „Temvs": Allein durch die Bestätigung der engen Zusammenarbeit zwischen England und Frankreich im gleichen Friedensgeiste bilden die Unterredungen Chamberlain—Briand stets interessante politische Tatsache. Es ist ganz natürlich, daß nach Beendigung der Bölker- bundstagung und nach seiner Begegnung mit Primo de Rivera und in dem Augenblick, in dem gewisse allgemeine politische Probleme in Europa austauchen, Chamberlain den Wunsch hat, bei seiner Durchreise durch Paris nach London mit Briand eine Unterredung allgemeinen Charakters zu haben, die nur noch mehr Klarheit über die vertrauensvolle Zusammenarbeit der beiden Regierungen bringen kann. Don diesem Eesichtsvunkte aus wird der Besuch Chamberlains den besten Eindruck Hervorrufen müssen.
ft. Paris. 9. Okt. Sir Austen Chamberlain und Gemahlin, die heute in Paris eingetroffen sind, werden zu morgen vormittag von Briand zum Frühstück eingeladen, an dem auch die französische« Minister mit ihren Damen teilnehmen werden. Rach dem Frühstück findet die angrkündigte Unterredung Briand-Chamberlain statt, der der offiziöse »Petit P a r i s i e n" in Anbetracht der erst vor tur,z«m erfolgten Aussprache der Heiden Staatsmänner in Genf, nur relative Bedeutung beimitzt.
Der polnisch* Außenminister Zaleski, der wegen seiner Erkrankung verhindert war, an den Genfer Beratungen teil» zunehmen, wird ebenfalls für heute in Pari, erwartet. Als Zweck dieses Besuches wird der Wunsch Zaleskis angeführt. mit Briand, den er seit mehreren Monaten nicht mehr gesehen hat, den Kontakt wieder aufzunehmen. Dah Zaleski die gleichzeitige Anwesenheit des englischen Auhenministers in Paris benutzen wird, um auch mit diesem zu konferieren, ist als wahrscheinlich anzu- nehmen.
Di« französisch-spanischen Berhandlungen über die Tangerfrage.
Paris, 6. Okt. Wie der Madrider Berichterstatter des „Xentps“ berichtet, versichert die Zeitung „«SC“, dah die Wiederaufnahme der französisch-spanischen Berhandlungen über die Tangerfrage nicht so unmittelbar bevor- stehr, wie dies in der Presse zum Teil be- bauvtet worden sei. Diese« Verhandlungen würden andere Besprechungen vorausgehen, die den Zweck Hätten, zu einer grundsätzlichen Einigung ,n gelangen. Ma« nehme in Madrid an. dah Diese offiziöse Auslassung den Eindruck wiedergebe, den General Primo de Rivera in seiner Unterredung mit Ehamberlain erhalten habe.
S» Wl Rakow!«
fk. Pari«. 7. Okt. ,Petit Parisien" Glaubt »u wissen, dah die zuständigen Stellen «m Quai d'Orse, zur Zeit die letzte Sand an die Rote legen, die alsbald Tschitscherin durch Herbette übermittelt werden soll und die einen offiziellen Antrag auf Abberufung Rakowskis enthalte« wird. In dieser Rote »erde die französische Regierung rmeisellos sämtliche Bedenken gegen da» Verbleiben Rakowski» al» Botschafter Vorbringen, nämlich die Unterzeichnung des Manifeste» des 3entralausfchusse, der kommunistische« Partei durch den Sowiet-Botschakter und die Tatsache, duh Rakowski plötzlich ohne vorherige Lerftän- digang mit dem Quai d'Orse, den Wortlaut de, russischen Vorschläge« zur Schnl- drnregelung veröffentlichte. Zur
Aufrechterhatung normaler Beziehungen zwischen den beiden Ländern und im Interesse einer wirksamen Wiederaufnahme der Verhandlungen sei die Ersetzung Rakowskis erforderlich.
Tschitscherin über den Fall Rakowski.
Paris, 6. Okt. Dem Sonderberichterstatter des „Seit“ in Moskau hat Tschitscherin gestern abend in einer Unterredung erklärt, die Sowjetregierung habe sich nicht nur damit einverstanden erklärt, Rakowski abzuberufen, sondern sich im Gegenteil beständig gegen eine Abberufung gepebrt. Auf die Frage des Berichterstatters, ob Tschitscherin demnach die Art, in der Rakowski seine Mission erfülle, vollkommen billige, erwiderte Tschitscherin: „Ich gehe noch viel weiter. Es ist mir durchaus unmöglich zu begreife«, welche Gründe allgemeiner Art eine Abberufung erfordern könnten. Die Abberufung eines Botschafters forder ist ein politischer Akt von äußerster Bedeutung. Rakowski ist in Paris der genaue und getreue Interpret der Sowietregierung. Die Forderung der Abberufung kann in der öffentlichen Meinung Sowjetrußlands nur als eine unfreundliche Handlung erscheinen, die
auf die Beziehungen zwischen beiden Ländern ernsteste Rückwirkungen haben müßte."
Die englische Arbeiterpartei gegen Die Außenpolitik.
London, 6. Okt. Die Konferenz der Arbeiterpartei hat heute einen Resolutionsantrag über die auswärtige Politik erörtert, der auf die Gefahren der Sonderverträge und besonders der Pariser Erklärung über die albanische Grenze hin- weist. Der Beschluß fordert die Regierung auf, die Verhandlungen mit den Bereinigten Staaten wegen der Erledigung aller schwebenden Fragen wieder aufzunehmen und sagt, die Arbeiterpartei f trete dafür ein, so schnell wie möglich normale Handelsbeziehungen zu Rußland wieder herzustellen. Die Konferenz nahm ferner eine Entschließung an, die sich für eine besondere Zusatzsteuer aus das Einkommen aus Renten ausspricht. Ebenso wurde die Entschließung Macdonalds über die Politik der Arbeiterpartei in der Kohlenindustrie, die Nationalisierung der Bergwerke, die Herabsetzung der achtstündigen Arbeitszeit und das Zulassungsalter jugendlicher Arbeiter angenommen.
Die RollM-lm -er »D
Flugzeug und Se ndung außer Sriadr
Die erst« Nachricht von den Junkersfliegern.
Berlin, 6. Okt. Bei de« Jnnkerswerken ist folgendes Telegramm eingelaufen: Lissabon, 6. Okt. 1.10 Uhr. Loose berichtet: Landung nur wegen Nebel. Maschine und Besatzung wohlauf. Soffen, am 6. Okt. früh Lissabon erreichen zu können.
Berlin, 5. Okt. Zu der Notlandung des IunkerS-Ozeanflugzeuges „®. 1230“ meldet das „8-Hhr-Abendblatt“ aus Lissabon, dah die Landung wegen oes schlechte n Wetters erfolgte, nachdem das Flugzeug in dichtem Nebel eine halbe Stunde lang einen geeigneten Landungsplatz gesucht hatte. Der Pilot Loose, der am Steuer war, konnte den dichten Nebel nicht durchschauen. Das Flugzeug war bei seiner Landung vor dem Strande von Santa Cruz in gefährliche Nähe derKlippen geraten. Die Bevölkerung, die an den Strand geeilt war und die Gefahr erkannte, in der sich das Flugzeug befand, bei dem hohen Seegang an den Felsen zu zerschellen, enzündete Fackeln, steckte am Strande Feuer an und gab Flintenschüsse ab, um die Aufmerksamkeit der Besatzung zu wecken. Darauf nahmen die Piloten die Hilfe zweier Fischerboote an, die das Flugzeug eine Meile weit von der gefährlichen Stelle wegschleppten. Der Führer Loose ging darauf allein an Land, wo er einige Depeschen aufgab und in einem Hotel ein Mahl zu sich nahm. Hm 9 Hhr abends ging er wieder an Bord zurück.
Der Fichver des Junkersflugzeuge» über seinen Flug.
fk. Lissabon, 7. Okt. Nach seiner Ankunft tn Lissabon erklärte der Führer des Junkersflugzeuges D. 1230 einem Vertreter der „Agencia Havas": Wir flogen von Amsterdam in durchschnittlich 500
Meter Höhe die französische Küste entlang und nahmen Richtung auf Quessant, begünstigt von Südostwind, später von Lstwind. Während des ganzen Fluges sandten wir Nachricht an die Station Quessant, die hierauf antwortete. Wir erreichten bei herrlichstem Wetter die spanische Küste und riefen Vigo an, das Antwort sandte. Alsdann folgten wir der Portugiesischen Küste. Ungefähr 100 Kilometer vor Lissabon gerieten wir tn dichten Nebel. Wir versuchten mH- rere Male, Lissabon anzurufen, um uns die Richtung angeben zu lassen, ohne jedoch Antwort zu erhalten. Vor die Unmöglichkeit gestellt, den Flug fortzusetzen, beschlossen wir um 4.45 Uhr, auf d aS Meer niederzugehen. Da Lissabon nicht auf unsere Anrufe antwortete, entschlossen wir uns, auf dem Platz unserer Landung zu bleiben, der unjerer Berechnung nach Santa Cruz sein mußte. Das Meer war glücklicherweise ruhig. Die Fischerbarken in der Umgegend etiten zur Hilfe, aber infolge der Unmöglichkeit, uns verständigen zu können, ging der Bilot Loose an Land und versuchte, mit einem Reserve-Landfunk-Apparat Lissabon zu erreichen, das jedoch immer noch nicht opit- wortete. Er übergab darauf dem Führer eines Automobils einen Brief an unseren Lissaboner Vertreter. In der Nacht wurde uns dann ein Schleppdampfer zur Hilfeleistung gesandt. Wir hofften, falls sich der Nebel verteilen würde, frei Tagesanbruch Lissabon auf dem Luftwege zu erreichen, mußten uns jedoch entschließen, uns ins Schlepptau nehmen zu lassen. Im übrigen war der Flug iLusgezeichnet und wir hätten ihn fortgesetzt, wenn wir nicht durch den Nebel behindert worden wären. Die Motor« arbeiteten gut. Wir befürchten einen Witterungsumschkag, wenn nicht, so hoffen wir in 2 613 3 Ta- gen toieber aufsteigen zu können, ohne jedoch die Versicherung geben zu können, ob wir den Flug fortsetzen oder nach Deutschland zurückkehren werden.
Austritt Dr. Seim» au, der vorftaudschafk de» Bauernvereins München.
Berlin, 6. Okt. Dr. Seim ist au» der Vorstandschaft des Bäuerischen Christlichen Bauernvereins ausgeschieden. Der Grund ist in Meinungsverschiedenheiten im Zusammenhang mit den beim Deutschen Bauerntag in München zwischen Dr. Seim und Dr. Schlittenbauer zutage getretenen Unstimmigkeiten zu suchen. Die Gerüchte über den Austritt Dr. Seims aus dem Baurrnverein selbst find unzutreffend.
Stiftung de* preußischen Provinzen für die Sindenburgsprnde.
s fk. Berlin, 7. Okt. Der Dorstand der Preußischen Provinzen hat namens der Preußischen Provinzen einen Beitrag von 200 000 Mark zur Hindenburg- spende überreicht. Die Provinzen haben diesen hohen Betrag besonders aus dem Grunde gezeichnet, weil die soziale Fürsorge für die Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen zu ihren gesetzlichen Ausgaben gehört.
Di« Rmlte In Mnll»
fk. Mexiko, 7. Okt. Zu Morela» wurde der General E o n g a 6 s, ein Kommandant und 13 Mitglieder der gesetzgebenden Versammlung wegen Teil« nähme an dem Aufstand hingerichtet.
Hinrichtung eines weiteren aufständischen Generals in Mexiko.
fk. Mexiko, 7. Okt. Don allen Episoden aus dem gescheitertem Ausstand in Mexiko ist keine so verlaufen wie der verzweifelt« Versuch der Advokaten, daS Lebe i des Generals Quijano zu retten. Seit Mitternacht fpielte sich ein achtstündiger ununterbrochener Wortkampf ab zwischen dem Staatsanwall und der Derteidigung, dte sich bemüht«, die Gefühl, der fünf ernsten und betagten General« zu erschüttern, aus denen sich daS Kriegsgericht zusammensetzte. Tiefes Schweigen herrschte im Gerichtssaal, als der Richter bas Todesurteil verkündete. Mit einem letzte« Lächeln nach dem Photographen, der ein« Blitzlichtaufnahme machte, kehrte der General in seine Zelle zurück, auS der er einige Stunden später zum Tode geführt wurde.
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Der Auftakt zu de« Prästdentschaftswahl«« i« Amerika.
Wasbiugto«, 6. Okt. Die Anwesenheit des Vorsitzende« der revublikauische« Partei« leitnng, William Butler, und zahlreicher Mitglieder in Washington gab Veranlassung zu riurm versteckten Rätselraten, wer eie Kandidat für die nächsten Prästdentschaftewahle» aufgestellt werde« sollte. Rach einige« Blättern soll «ine große Zahl der Borftandsmit« Glieder nach wie vor für die Wiederwahl Coolidge» sein. Au zweiter Stelle «erde« Soover und Sughe, genannt. Sehr eingehend wurde der Umstand besprochen, daß der Präsident die Mitglieder der Parteileitung gestern vormittag rum Frühstück in da, Weihe Sau» geladen hat, wobei di« inuerpolitische Lage erörtert wurde, ohue dah jedoch der Präsident an eine* näheren Erläuterung seiner nicht ganz klare« Berzichterklärung zu bewege« war.
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Berlin, 6. Okt. Heute vormittag um 11,30 Hhr ist im Auswärttgen Amt der deutsch-südslawische Handels» vertrag unterzeichnet worden. Der Wortlaut wird heute im ReichSanzeiger veröffentlicht werden. Durch den Vertrag wird das seit 1921 bestehende vorläufige Handelsabkommen zwischen beiden Mächten, das ebenfalls schon auf der Grundlage der Meistbegünstigungen beruhte, durch einen Vertrag abgelöst. Neu an ihm ist gegenüber dem vorläufigen Abkommen, die Vereinbarung der Meistbegünstigung für das beiderseitige Niederlassungsrecht, das tn dem früheren Abkommen entsprechend den bisherigen handelspolitischen Gepflogenheiten Südslawiens überhaupt nicht erwähnt war. Außerdem enthält der Vertrag eine kleine Larifanlage, in der beiderseits Zugeständnisse der Ansfuhrwirtschaft festgelegt sind. Deutschland macht solche Zugeständnisse an Südftawien insbesondere für einige landwirtschaftliche Produfte, so für Mais und für Pflaumen, während Südslawien uns Vergünstigungen für industrielle Artikel, sowie einen günstigeren Zollsatz für Bier einräumt.
Die Beziehungen Deutschlands zu Südslawien werden, wie die „Deutsche Diplo- matisch-Politische Korrespondenz“ bemerkt, durch den neuen Vertrag auf einen bauernden festen Untergrund gestellt. Bei der erheblichen wirtschaftlichen Bedeutung Südslawiens, das von jeher ein guter Abnehmer Deutschlands war, bedeutet das eine neue Maschine in dem Netz