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General eerrane und Semei hingeriditet — Ein Settaftl »er NrüMiMMwnhI
Wenn man sich ein genaues Bild des letzten blutigen Aufstandes in Mexiko machen will, so hat man sich zunächst zu vergegenwärtigen, datz in einigen Monaten das mexikanische Volk vor der Wahl des neuen Präsidenten steht. In der Tat kann man die letzten Kämpfe in Mexiko nur als die Vorläufer des einzusetzenden Wahlkampfes be^ichnen. Die mexikanische Verfassung schreibt vor. datz die Wiederwahl des Präsidenten untersagt ist. Somit ist es als Tatsache anzusprechen, datz der heutige Präsident Calles in neun Monaten sein Amt als Oberhaupt der mexikanischen Republik niederzukegen hat. Als sein Kandidat, den er zur Wahl präsentieren will, ist General Obregon zu bezeichnen. General Obregon ist nicht nur ein energischer Parteigänger des Herrn Calles, er hat auch im ganzen Verlauf der Präsidentschaft des heutigen Staatsoberhauptes seinen ganzen politischen Einfluh für diesen Präsidenten einzusetzen gewußt Die Wahl Obregons würde also eine Fortführung des augenblicklichen politischen Kurses in Mexiko bedeuten. Präsident Calles hat sich durch seinen Kulturkampf. insbesondere durch seine Kampagne gegen die katholische Kirche, im Lande grotze Widersacher geschaffen, die auch nicht davor zurückscheuten, in dem bekannten amerikanisch-mexikanischen Oelkonflikt Stellung gegen den Präsidenten zu nehmen. Die Führer dieser Oppositionsgrup- ven sind die Generäle Serra no und Gomez, die. was zu beachten ist, auch als Präsidentschaftskandidaten bei der kommenden Wahl aufzutreten beabsichtigen. Sie sind auch die Urheber des letzten Putsche, überhaupt die Organisatoren des gesamten Kampfes gegen Calles und Obregon. Vermutlich hofften sie. bei einem Gelingen des Staatsstreiches die ganze Wahl- frage nach ihrem Sinne zu entscheiden Die letzten Nachrichten aus Mexiko lassen fedoch erkennen, datz es der militärischen Macht des Präsidenten Calles gelungen ist. der Aufruhrbewegung im grotzen und ganzen Herr zu werden.
" Hinrichtung des mexikanischen Generals Eome,.
ff. Mexiko. 6. Oft. General Gomez wurde gelangen genommen und bingerichtet.
Strabenunrukien in Meriko?
ff. Nogales, 6. Oft. Einer Blätiermel- dung zufolge sollen bei Straßenunruhen in Meriko-Stadt mehrere Personen getötet und zahlreiche verletzt worden sein.
ff. El Paso, 6. Oft. Noch Meldungen aus der Stadt Meriko beherrscht die Regierung Calles die Lage. Die Deputierten- fammer bat 30 ihrer Mitglieder, die Gegner von Calles sind, ausgeschlosien.
Unterdrückung des Aufruhrs in Mexiko.
Newyork, 5. Okt. Der Aufruhr in Meriko hat nur 24 Stunden gedauert, da Präsident Calles dessen Urheber mit eiserner Hand »iedergerungen hat. General Serrano wurde, wie gemeldet, erschossen. Die Stadt Perots im Staate Veracruz, wo General Eome, sich verborgen halten soll, ist von Regierungstruvven umzingelt und dürfte 'n der nächsten Zeit fallen. Die Regierung «ab Befehl, die Güter der Aufständischen überall zu beschlagnahmen und sie zur Bestreitung der durch die Niederwerfung des Aufruhrs verursachten Koste« zu verkaufen. Es ist schwer, angesichts der scharfen Zensor die Stimmung im Volke zu ergründen. Nach den »ingegangenen Telegrammen soll jedoch die öffentliche Meinung der Regierung günstig hin. General Obregon meldete telrvho- «isch, daß zahlreiche Aufständisch« sich «ach der dauvtstadt zurückbegeben. um sich der Regie- ^«ug bedingungslos zu ergeben. Die Leichen berrauos und 13 seiner Anhänger wurden vffrutlich ausgestellt.
RnkelvW Abberufung erneut gelottert
ff. Paris, 6. Okt. Havas berichtet: Infolge der von der Telegraphen-Agen- tur der Sowfet-Union veröffentlichte« Meldung über den diplomatischen Schritt des französischen Botschafters in Moskau, Herbette, bei Tschitscherin und in besten Abwesenheit bei Litwinow hat B r i a n d gestern abend neue Weisung an den französischen Botschafter in Moskau übermittelt, damit dieser aufs neue den Vertretern der Sowjet-Union zur Kenntnis bringt, datz die französische Negierung Rakowski nicht mehr als persona grata betrachtet und die Entsendung eines neuen Sowjet-Botschaf, ters nach Paris erwartet.
Zollerhöhun« für französische Einfuhrware in Amerika.
ff. Washington. 6. Okt. Zollbeamte sind angewiesen worden, di« Zölle für französische Einfuhrwaren zu erhöhen und zwar in gleichem Mabe, wie für die entsvrechenden amerikaniscken Produkte di« Zölle von Frankreich seit dem 6. Sevtember erhöht worden sind. Die amerikanische Regierung betont, datz dieser Schritt keine Vergeltungsmaß- nabmc, sondern nur einen dem allgemeinen Brauch entsvrechenden Ausgleich darstelle.
Polnisch« Vergeltungsmaßnahmen gegenüber Litauen.
ff. Warschau. 6. Okt. Nach den bis jetzt vorsiegenden Wilnaer Mitteilungen haben die volnischen Behörden in Wilna jetzt insgesamt 48 litauische Schulen und ein litauisches Lehrerseminar schließen lassen. Dabei wurden 20 litauische Politiker, darunter 10 Priester, festgenommen.
RMMng des SunkeMusrsuss
6. S. S. - We — Seine melieren RaürubMi
ff. London, 6. Oft. Hier liegt eine Nachricht vor, dah das Zunkersflugzeug D. 1230 auf der Höhe von Santa Cruz ins Meer gefallen sei. Auf SOS.- Rufe ist ein Kriegsschiff abgesandt wor. den. um das Flugzeug aufzusuchen. Zwischen Kap Mandego und Santa Cruz wird eifrig nach dem Flugzeug geforscht.
ff. London, 8. Oft. Wie aus Lista- bon berichtet wird, hat das deutsche Atlantikflugzeug D. 1230 auf dem Fluge von Amsterdam nach Lissabon einem SOS.-Ruf vo« der Küste von Santa Cruz in der Nähe von Kap Noca entsandt, wo es zu einer Notlandung gezwungen wurde. Die portugiesische Re. gierung hat sofort Hilfe für das Flugzeug entsandt. Weitere Einzelheiten fehlen noch.
Str Start in Amsterdam
Dei dem Start des Junkersfluzzeuges D 1230, der, wie schon berichtet, in aller Stille auf dem Marineflugplatz bei Amsterdam er* folgte, waren nur je ein Dertreter der hollän* dischen Lustsch.fsahrtsgesellschafl und der Lust- Hansa zugegen. Es war ein prachtvolles Bild, als der majestätische Dogel knapp über dem spiegelblanken Zu iö er fee einige hundert Meter weit flog, außer Sicht kam, dann aber plötzlich wieder zurückkehrte, um in mäßiger Höhe den richtigen Kurs einzuschlagen. Die Flieger, die sich gestern frühzeitig zur Ruhe begeben hatten, waren in ausgezeichneter Verfassung, ebenso der Passagier, Frau Dillenz, eine richtige Wienerin, die mit ihrem freundlichen Humor über den Ernst der Sache hinwegtäuschte. Dor dem Abflug setzten sich die Flieger mit der Hamburger Wetterwarte in Derbindung, die die Flieger auch weiterhin genau über die Wetter- Verhältnisse unterrichten will. Dorläufig ist die Wetterlage äußerst günstig. Es herrscht leichter, Äordwind und über den Golf von Discaya liegt Rebel. Da die'er jedoch ziemlich niedrig ist, kann das Flugzeug bei mäßiger Höhe darüber hinwegkommen. In Lissabon soll je nach der Wetterlage die weitere Route festgelegt werden. Di« Flieger legen Wert darauf, die Angelegenheit mit größtem Stillschweigen zu behandeln, um die Oeffentsichkeit, die.leicht zu übertriebenen Erwartungen geneigt ist, nicht durch Aenderungen der Route, die ganz von den Wetterverhälini sen abhängt, zu enttäuschen. Sie betonen daher, daß sie keine Eile und auch keine festen Pläne hätten und sich nur nach dem Wetter richten würden. Falls die Derhältnisse günstig sind, soll nach den Azoren und von da nach Amerika durch-
geflogen werden. £>5 Frau Dillenz den ganzen Flug mitmachen wird, steht noch nicht fest. Es ist nicht ausgeschlossen, daß sie die Flieger in Lissabon verlassen wird.
Es muß noch hervorgehoben werben, daß die Flieger ihren eigentlichen Start nicht von Deutschland, sondern von Amsterdam aus vorgenommen haben . Dies ist damit zu erklären, daß das schwerbeladene Flugzeug auf offener See bei Rorderneh nicht gut starten konnte, während es auf dem glatten Spiegel des Zuibersees sehr günstige Startverhaltnisse antraf. Man ist daher von Norderney nicht mit der vollen Last abgeflogen und hat den Denzinvorrat in Amsterdam ergänzt.
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Berlin. 5. Okt. Die „B. Z." gibt eine Unterredung eines Vertreters des „Neuen Wiener Tageblatts" mit dem Vater der Schausvielerin Lilli Dillenz. dem bekannten Bübnenmaler Karl öollitzer, über die Motive für die Teilnahme Jener Tchter an dem deutschen Ozeanflug wieder. Hollitzer erklärte u. o., dah er hierüber vollkommen überrascht sei. Seine Tochter sei vor etwa 14 Tagen nach Berlin gefahren,' beim Abschied hätte sie gesagt, sie wolle versuchen, ein Engagement an einem Berliner Theater zu finden. Davon, dah sie einen Ozeanflug riskeren wollte, sei nicht im entferntesten die Rede gewesen. Seine Tochter, die jetzt 30 Jahr« alt sei, habe seinerzeit die graphisch« Lehranstalt besucht und bei Barwig modellieren gelernt. Auch als Malerin habe sie Begabung gezeigt. Spürer habe sie sich als Schauspielerin versucht: in der letzten Saison sei sie in einer Reihe von Stücken eines modernen Theaters ausgetreten.
Das Schicksal vo« „D 1230".
ff. Berlin, 6. Okt . lieber das Schicksal der D. 1230 ist bei dem Deranstalter des Ozeanfluges heute vormittag ein Funflpruch eingegangen, dessen Entzifferung infolge starker Derstümmelung aber sehr große Schwieriaketten macht. An Hand der bisherigen Pressemeldungen ist es aber schließlich gelungen, festzustellen, daß die Meldung des .Petit P a r i s i e n" wohl stimmen dürste, wonach die Maschine auf der Höhe von Kap Race auf8 Meer n i e d e r g e g a n g e n ist. Danach würden also di« von öftrerer Seite veröffentlichten Angaben, wonach das Flugzeug auf einen kleinen Fluß oder gar auf dem Lande niedergegangen sei, falsch fein. Ein Lissaboner Vertrauensmann der Deranstalter des Fluges sst an Dvrd eines Kriegsschiffes nach der Landungsstelle unterwegs. Ein genauer Dericht wird jeden Augenblick erwartet.
Schlechtes Flugwetter im Golf von Biscaya.
Hamburg, 5. Ost. Wie das Wolfsbüro über die Wetterlage in dem von dem Ozean- slugzeug D. 1230 durchflogenen Gebiel erfahren, herrschen in der Biscayabucht ziemlich starke Gegenwinde aus südöstlicher Richtung,
flm »fr Wfelgt MaltzanS
Aus diplomatischen Kreisen wird uns ge>* schrieben:
Mit der Veröffentlichung einer angeb- stchen Kandidatenliste in der Presse ist bte Frag« der Neubesetzung deS durch den plötzlichen Tod des Freiherrn von Maltzan erledigten Postens eines deutschen Botschafters )n Washington in jenes Stadium eines intriganten Personenkampfes getreten, das erfahrungsgemäß jeder derartigen Entscheidung vorauszugehen pflegt. Bevor wer auf die personelle Seite btefesJi Problems, eines der schwierigsten und verantwortlichsten, vor das das Auswärtige Amt in seiner Personalpolitik überhaupt gestellt werden kann, ei-ngehen, sei kurz bte Frage der verfassungsmäßigen Zuständig- keck, aber auch des gewohnhettSrecht- lichen Hergangs bei der Besetzung eines solchen Postens geflärt. Die Ernennung der diplomatischen Vertreter des Reiches liegt, wie überhaupt aller Beamten, dem Reichspräsidenten ob, der hierin in keiner Weise beschränkt ist, eine Ernennung also auch verweigern kann. Es ist jedoch klar, daß der Reichspräsident dieses sein Recht im Einvernehmen mit dem zuständigen Ressort, in diesem Falle also mit dem Auswärtigen Amt, ausübt. In diesem lst der Minister des Auswärtigen sor- jneli der allein Zuständige und Verantwortliche. Aber auch ec wird diese Fracken nur in Verbindung mit dem Staats^ sekretär behandeln und dieser wiederum, wird die Auswahl der ihm geeignet erscheinenden Persönlichkeiten in Fühlung mit dem Chef der Personalabteilung des Auswärtigen Amts treffen. Aus dieser Zusammenarbeit, in der sich das Gewicht des Einflusses je nach der Stärke der vorhandenen Persönlichkeiten jeweils verschiebt, wird sich also eine engere List« von Kandidaten bilden, aus der bet: Reichspräsident seine Entscheidung trifft Da sich aber die Ernennung verfassungsrechtlich unter Gegenzeichnung des Reichskanzlers vollzieht, so ergibt sich daraus Ichvn eine vorausgehende Mitwirkung ober wenigstens Unterrichtung bes Reichskanzlers, als bes für bie Leitung ber Gesamtpolitik Verantwortlichen.
Schon aus biesem immerhin nicht gan& unkomplizierten Vorgang läßt sich erken- nen, baß in ber Oeffentlichkeit verbreitete Listen so kurz nach der plötzlichen Vakanz keinen Anspruch auf irgendwelche Gültigkeit machen dürfen, sondern höchstens Kombinationen barstellen, in denen sich vielleicht hinter den Kulissen spielende Jnter- eff'en ober Personenkämpfe ab zeichn en. So offenbar auch hier. Unter den angeblich tn Frage kommenden Personen werden zwei ehemalige Mitglieder dos Auswärtigen Amts genannt, die sich später als Parlamentarier betätigt haben. Ohne auf die 2rage ihrer früheren Leistungen und ihrer uaUfifation eingeben zu wollen, wird es wohl für jeden Kundigen klar getoefen fein, daß sie schon wegen ihrer verhältnismäßigen Jugend für einen Posten nicht in Betracht kommen, ber keine burchschnitMche Befähigung, sondern eine volle Persönlichkeit auch nach ber politischen Seite hin verlangt. Ernster sind zwei andere genannte Namen zu beurteilen, die aber auch zeigen, baß sie bereits Einflüsse von außen am Werk sind, um die interne Entscheidung der berufenen Stellen zu beeinflussen. Der eine ist der Direktor der Hapag und ehe*» malige Reichskanzler Dr. Cuno, für dessen Kandidatur wohl seine Stellung als Wirtschaftsführer und seine aus dieser Tätigkeit herausgewachsenen Beziehungen mit ber amerikanischen Hochfinanz und bem amerikanischen Wirtschaftsleben geltenb gemacht werben. Dieselben Gründe haben seinerzeit dsn Reichspräsidenten Ebert dazu geführt, Dr. Cuno zum Reichskanzler zu berufen, um die amerikanische Mithilfe zur Lösung der Reparationsfrage zu gewinnen. Man weiß, daß dies damals nicht gelungen ist, sondern daß Deutschland unter CunoS Führung zuerst durch Ruhrkampf und Zusammenbruch gehen mußte, bevor sich die Welt von der Unhaltbarkeit ber französischen Sanktionspolitik überzeugte. Heute sind diese Widerstände überwunden, die Beziehungen zu Amerika, wie die überaus freundliche Botschaft des Präsidenten Coo- l'ibge anläßlich des Geburtstages Hinben- zeigte, so freundschaftlich, baß es sich bei ber Auswahl bes beutschen Repräsentanten in Washington mehr darum handelt, «ine ber akrwen und vorwärtsbrängenben Natur Maltzans kongeniale Persönlichkeit nach Washington zu schicken. Ob diejc in Dr.