RiNMM, Kn 4. Skt. 1927
®k ^Vörrhksfisch« Sdtitng* e» scheint sechsmal v-chentlich. V<- Msprets monatlich 2 SM. ans- schlteßl. Zustellmigsgebühr, durch dt«Post2.25 GMLür etwa infolge Streiks. Maschinrndefekt« »der elementarer Ereignisse ausfallend«' Ansrmer» wird kein Ersatz geleistet. Verlag d. Dr. Httzeroch, Druck der Unib.-Buchdrnckerei d. Zoh. Aug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Rr. 54. u. 92t. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt «. M. Rr. 5016. — Sprechzeit Xr Redaktion do» 10—11 und
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4 voldmark --- '/«.»Dollar.
Anzeiger für (das früher kurhessisches Sberhessen - Berkün-igungsblatt für Stadt unS Kreis Marburg
Ein mmr Szcanilug brr Mktrswerke s 1230 Mil 4 Wneiettn in Rerdernch geslnrie» — Erste knnbung in Amsterbam
Norderney. 4. Ott. Das Flugzeug D 1230 hat heute nachmittag den Flug »ach den Azoren angetreten. Um 15.10 Uhr begaben sich die Piloten Sooft und Starke nach herzlicher Verabschiedung von ihren Gattinnen an Bord des Flugzeuges. Außer Loose und Starke sind der Bordmonteur Fritzlcr und der Bordfunker Loewe im Flugzeug, ferner eine Dame, die als Passagier mitfliest.
Das dreimotorige Junkers-Flugzeug D. 1230 soll den Transozeanflug in mehreren Etappen, und zwar zunächst in 1 Mündigem Flug die reichlich 2000 Klm. lange Strecke nach Vigo- Azoren ausführen. Es soll dann von dort weiter nach N e w y o r k fliegen. Die Maschine ist im europäischen Hauptstadtverkehr bereits seit längerer Zelt «rprobt, und bietet im Normalverkehr Platz für den Führer, den Bordmonteur und neun Fluggäste. Anstelle der Passagier- Plätze sind zu beiden Seiten Benzintanks eingebaut. Das Flugzeug hat außerdem die Aufgabe, die Postsäcke der „Europa" und der „Bremen" nach Amerika zu befördern. Es ist ein Ganzmetallflugzeug, das in Dessau gebaut und in Malmö auf Schwimmer gesetzt wurde, nicht mit Sil- Lerbronze angestrichen, sondern der Witterungseinflüsse wegen mit einer hellgrünen Mennige. Die drei Junkersmotoren sind Vom Typ L. 5 mit je 280 PS. Das Flugzeug kann feine Manövrierfähigkeit auch mit nur zwei Motoren aufrecht erhalten.
Wie wir von beteiligter Seite erfahren, haben die Piloten der D. 1230 Anweisung, Die Durchführung des Fluges keineswegs zu überstürzen, da es sich nicht um einen Rekordflug handelt, die Veranstalter vielmehr den Hauptwert darauf legen, die Sicherheit des Fluges zu beweisen. Der Passagier der D. 1230 ist' eine Dame, die Wiener Schauspielerin Frau Lilly Dilienz. Sie ist die Tochter des Kunstmalers Hollitzer.
Im Amsterdamer Mariuchaftu gelandet.
Amsterdam, 4. Okt. Das Junkers- Ozeanflugzeug D 1230 ist nachmittags 5,30 Uhr im Marinehafen von Amster- bam gelandet. Es kam völlig unerwartet. Die Flieger wurden daher nur von einigen Delegierten der Kgl. holländischen Luft- schiffahrtsgesellschast in Empfang genommen. Der Weiterflug soll morgens früh um 5 Uhr erfolgen.
ft. Berlin, 5. Okt. Wie von beteiligter Seite mitgeteilt wird, ist die Landung des Zunkersflugzeuges in Amsterdam auf eine Anordnung der Flugleitung zurückzuführen. Sobald die Wetrerlage es gestartet, wird D 1230 von Amsterdam den Lzeanflug auf dem geplanten Wege durchführen. Gegenüber den Preisenachrichten über die Veranstalter des Fluges wird uns aus der L-eichen Quelle bekannt, daß der Flug von der Firma Junkers beim Reichsver- kehrsminifterium den gesetzlichen Vorfchrif- teir gemäß angemeldet worden sei.
ft. Amsterdam, 5. Okt. Wie der Amsterdamer Vertreter des W.T.B. zuverlässig erfährt, steht das Ziel des morgen früh 5 Uhr von hier 6<ginneni)en Etappen-- fiuges des deutschen Junkersflugzeuges D 1230 noch nicht fest. Flugrichlung und F>ugziel werden vielmehr davon abhängen, ivie sich die Wetterlage gestaltet und auch von anderen bei der Durchführung des Fluges zu beachtenden Umständen, so daß "ie Piloten bet der Feststellung der Flugstrecke vollkommen freie Hand haben.
Norderney, 4. Okt. Die Telegraphen- llnivn erfährt über das heute hier zum Lzeanflug gestartete Junkersflugzeug D 1230 noch folgende Einzenheiten:
Dte Maschine entspricht dem Typ G 24, den die Firma Junkers im Herbst 1925 zum ersten Male als dreimotoriges Ver- kehrrf.ugzeuz herausgebracht hatte. Wie alle Junkersmaschinen, ist auch diese eine reine Metallkonstrultiorr mit völlig frei
tragenden Tragflächen, die unterhalb des Rumpfes gelagert sind. Für den Sonderzweck, für den die Ma>chine im Spätsommer d. I. gebaut wurde, ist die Bauart der Schwimmer besondevs durchgebildet worden. ,ES kam darauf an, der Maschine eine unbedingt zuverlässige Hochfeefähigkeit zu geben. Die in Kiel und Malmö veranstalteten Probeflüge führten denn auch zu dem Ergebnis, daß die Senderkonstruktion den Anforderungen entbrach. Wie üblich, sind auch hier die Schwimmkörper in mehrere wasserdichte Schotten geteilt, wobei die Tragfähigkeit so berechnet ist, daß einer von den beidem Schwimmern die gesamte Last des Fluggewichts zu tragen imstande ist. Die Spannweite der Tragflächen beträgt rund 30 Meter und die Länge etwas mehr als
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15 Meter. Ausgerüstet ist die Mascha mit drei Junkers-L—5-WK)toren mit ein.. Spitzenleistung von je 320 PS. Das Leergewicht der Ma chine beträgt ungefähr 4Va Tonnen. Die Zuladung kann bis zu etwa zwei Tonnen gesteigert werben, so daß also neben den vier Passagieren genügend Betriebsstoff mitgeführt werden kann. Außer den üblichen TragflächentankS sind in den Rumpf der Maschine, in dem Raum, der sonst zur Unterbringung von weiteren Passagieren zur Verfügung steht, noch weitere größere Tanks eingebaut worden. Die Maichine führt eine Bordfunkanlage mit, die außer dem Aufnehmen und Senden von Funkmeldungen eine sehr genaue Funkpeilung gestattet, so daß die Flieger für die Orientierung von Kompaß und Sicht verhältnismäßig unabhängig sind.
Die neuen Snrnhen in Mexiko Scharst eegenmiMmun »er Rechnung
Mexiko, 4. Okt. Präsident Dalles hat eine Erklärung veröffentlichen lassen, in der es heißt: „Ich bin entschlossen, die revolutionäre Bewegung der Generale Serrano und Gomez ein für allemal zu unterdrücken. Beide sind Derräter. Die Regierung wird sie bekämpfen und vernichten. Die von Serrano in Torreon entfesselte Meuterei wurde nach dreistündigem Kampf niebergeworfen. Sämtliche aufständischen Offiziere wurden gefangengenommen und die Soldaten entwaffnet. Alle werden vor ein Kriegsgericht gestellt werden. Der Dersuch zweier Regimenter, in Veracruz zu meutern, erfolgte auf Anstiften des Generals Gomez."
A e w Dort, 5. Okt. Rach einer Meldung aus Galveston sollen in der Stadt Mexiko 19 gesellschaftlich hervorragende Personen verhaftet worden fein. 3n einem Gefecht bei Jalisco wurden 19 Aufständische getötet und 20 verletzt. Bei Texcoco wurde em Etsenbahn- zug angegriffen und die Passagiere und Postwagen a usgeplündett. Präsident Dalles, der vormalige Präsident Obregon und der Kriegsminister erteilten nach einer Konferenz Deichs, daß die Luststreitkräfte sich zum fo- forfigen Eingreifen bereithalten. Einer weiteren Aachricht zufolge sollen sich die Generäle Oskar Aguilar und Antonio Medina erhoben und ihre Streitkräfte auf Texcoco in Marsch
ersetzt haben. General Aguilar fei aber später anderen Sinnes geworden und nach der Stadt Mexiko zurückgekehrt.
fk. Mexiko, 5. Okt. Der Oberst Mon- v a n i l l a mit den sämtlichen Offizieren seines Stabes ist wegen seiner Betätigung an der Militärrevolte zum Tode verurteilt und hingerichtet worden.
Ist Lagt in 6»ina
Kalgan doch von den Schansitruppen besetzt.
fk. London, 5. Okt. Die hier vorliegenden Berichte über die gegenwärtige militärische Lage in China stimmen darüber überein, daß die Truppen in sehr bedeutender Stärke vorrücken und bettächt- liche Erfolge zu verzeichnen hätten. Kalgan sei inzwischen in die Hände der Truppen des Generals Pen gefallen, der noch etwa 130 Meilen von Peking entfernt sei. Ein Teil der geschlagenen Armee Tschang- tsolins sei in Auflösung begriffen und fliehe regellos auf Peking zurück. Die Alliierten TfchangtsolinS südlich von Peking hätten Auftrag erhallen, das von ihnen besetzte Territorium auf jeden Fall zu hallen. Jedoch glaubt man in Peking, daß eine Niederlage TfchangtsolinS die Haltung feiner Alliierten sehr zu seinem Nachteil beeinflussen würde.
Auf »rm Wege zum €inWtimt?
Zu der beabsichtigten Einberufung einer Sondersitzung von Vertretern der Reichsund Länderregierungen zur gründlichen Erörterung des staatsrechtlichen Verhältnisses zwischen Reich und Ländern teilt die „D o s s i s ch e Zeitung" u. a. mit, daß der Antrag zur Einberufung einer solchen Konferenz von dem Regierungschef eines norddeutschen Staates ausgegangen fei und auf die Schaffung des deutschen Einheitsstaates hinzielte. Der Vorschlag der Sonderkonferenz habe bei den Ministerpräsidenten der Länder kaum einen Widerspruch hervorgerufen. Es sei im Gegenteil festzustellen, daß er lebhaft sowohl von den Regierungschefs füdddeut- fcher wie norddeutscher Staaten aufgegriffen und mit Wärme befürwortet worden fei. Insbesondere der Gedanke der Be- feitigung der Enklaven habe starke Resonanz gefunden. Von dem Ministerpräsidenten eines süddeutschen Landes sei erklärt worden, daß das Nebeneinander von Reich und Ländern eine Unmöglichkeit bat« stelle, daß seine Regierung bereits seit langem erwogen habe, beim Reich den Antrag zu stellen, das Land als Reichsland zu erklären.
Ist VrstltmiMstm im ReMküt
fk. Berlin, 5. Okt. Die vereinigten Ausschüsse des Reichsrates sind gestern nachmittag 16 Uhr unter dem Vorsitz des Reichsministers der Finanzen Dr. K ö h - ler in die Beratung der Besoldungsordnung eingetreten. Vor die technische Beratung der Besoldunasordnung wurde die Deckungsfrage für Die Länder und Gemeinden gestellt. Die Frage wird heute vormittag in einem kleinen Ausschuß weiterberaten, während der große Ausschuß in die technische Beratung der Vorlage eintreten wird.
Eine Richtigstellung.
Berlin, 4. Okt. Das „B. T." hat dieser Tage die Mitteilung gebracht, daß im Reichsministerium des Innern geplant sei, die Handelsflagge als Nationalflagge erklären zu lassen. Wie das Reichsministerium des Innern mitteilt, hat der Reichsminister des Innern diese angeblichen Pläne zum erstenmal durch das „B. T." erfahren. Die Mitteilung des „B. T." ist im vollen Umfange un - zut reff end.
Steint Abberufung SinkovW
fk. Moskau, 8. Okt. Anläßlich der ht der französichen Presse veröffentlichte« Meldung, daß Tschitscherin sich angeblich über eine Bereitschaft der Sowjetregi« rung, ihren Pariser Botschafter Rakowski abzuberufen, geäußert habe, ist die Tel« graphenagentur der Sowjet-Union vorn Außenkommissar zu der Erklärung ermäch, tigt. daß diese Meldung den Tatsache« nicht entspricht. Der Außenkommissar ist eni", 'rieben gegen ein« Abbrafnng 9Ut* kowskis. „ . 1 '•
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Sbamberlnin fährt nach Wett
fk. Paris, S. Okt. Der euglifchtz Außenminister Ehamberlain wird für Sonnabend in Paris erwartet, wo er bis Montag morgen inkognito als East des englischen Botschafters bleibe« wird, Chamberlain dürfte nach dem offiziös«» „Petit Pari sie«- seinen Anfenthalt i« Paris z« einer Begegn««« mit Briand benutze«. Als Anlaß zu dieser Zusammenkunft wird die Unterred««, Chamberlains mit Prim» de River« genannt, vs wird darauf hingewiese«, daß Chamberlai« es auch «ach seine, »«• terredung mit Mussolini in Livorno al, zweckmäßig erachtet habe, den französische» Außenminister über diese Aussprache Z« unterrichte«.
Die gestrige Unterredung Briandg mit dem spanischen Botschafter soll sich hauptsächlich auf die Reise des spanische« Königspaares nach Marokko bezogen haben. wobei auch die Wiederaufnahme der spanisch-französische« Tangerverhandlungen zur Sprache gekommen sei.
Skt otmritanito-fran}öiiitht Sarifftreit
Die HavaSagentur berichtet aus Washington, die amtlichen Kreise vertreten die Ansicht, daß die französische Note in der Zvllstage entgegenkommend sei und einem neuen Meinungsaustausch den Weg ebene, der als Grundlage für eine Diskussion im Hinblick auf ein Abkommen dienen könne. Man glaube zu wissen, daß die Washingtoner Regierung sich anschicke, Frankreich die Versicherung zu geben, daß sie von Artikel 315 des amerikanischen Tarifgesetzes, das Abänderungen in den Zollsätzen zur Kompensierung der inneren Produktionskosten der fremden Länder zulasse, wohl Gebrauch machen werde, wenn die ftanzösischen zuständigen Stellen die nach diesem Artikel begrenzte Aktion als genügend erachten. Washington sei berell, im Hnblick auf den Abschluß eines Handelsverttages auf dieser Grundlage in Verhandlungen eingutreten, ohne daß eS sich jedoch verpflichte, mehr zu tun, als Untersuchungen über die Produkttonspreise der französischen Waren anzustellen und die Zollsätze auf diese Waren je nach dem Ergebnis dieser Erhebungen abzuändern. Gewisse offizielle Persönlichkeiten hätten allerdings erklärt, sie zweifelten daran, ob sich die französischen Stellen auch darüber klar seien, daß derartige Erhebungen in einer großen Anzahl 'früherer Falle zu einer Erhöhung der Zollsätze geführt hätten. Inzwischen lasse das Staats- depattement vernehmen, daß die Vereinigten Staaten während der Periode der anzustellenden Erhebungen nicht den Mini- mallarif anwenden würden. Die amerikanische Aktton werde wahrscheinlich vor Ende der Woche fertiggeftetlt sein.