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yittwiog, Kn 4. ML 1927

«k .StaMMM »W « scheint sechsmal wtcheatttch. ve- monatlich 2 GM. «*- schlirßl. ZustkllungegrbLhr, durch »tePostLLS GWLitr etwa infolge Streiks, Waschinendefekt« oder elementarer Ereignisie aasfallend« Rammer» wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag d. Dr. §. Kttzeroth, Druck der Unib.-Buchdruckeret b# Job. «ug. «och, Markt 21/23# gernsprecher: Rr. 54. u. Rr. 55, Postscheckkonto: Amt Frankfurt «. M. Skr. 5015. Sprechzeit »er Redaktion von 1011 und '/,11 Uhr.

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Anzeiger für Idas früher kmhessifchef Oberhessen - Berkün-igunssblatt für Stadt und Kreis Rarbrrrg

Die MIlrresse Mer Kn SinWurgtog Ueilm MckwünsA snmker elaniwtttWwlkr

Wirft man einen Kurzen Blick über die Berichte, die die Berliner Korresponden­ten der Auslandspresse ihren Zeitungen Über die deutsche Hindenburg-Ehrung zu- sandten, so fällt uns eine Wahrnehmung recht wohltuend auf: Kein Blatt, auch nicht das nationalistische und chauvini­stische Organ der Seinestadt, wagt sich in seiner Glossierung des letzten Sonntags an die Persönlichkeit des Reichspräsiden­ten selbst heran. Hindenburg findet selbst dort, wo man seineKriegführung" recht genau kennen muh, eine immerhin ganz gute Presse". Das will besagen, daß es mit den angeblichen Greueltaten der deutschen Truppen doch nicht so ganz schlimm bestellt sein kann. Denn was sollte sonst derRespekt", mit dem die ganze Pariser Presse den Verantwort­lichen für die deutsche Kriegführung be­ehrt? Daß es sich Blätter wie dasEcho de Paris' undl'Intransiaeant" nicht nehmen lassen, die Kundgebungen der Berliner Bevölkerung alsmonarchi­stische und militärische Mache" zu bezeich­nen, braucht nicht wunderzunehmen. Der Grundton der englischen Kommentare ist im Gegensatz zu dem der französischen entschieden mäßiger und versöhnlicher ge­halten. So stellt sogar derTimes"-Kor- respondent fest, daß die Grundstimmimg der gestrigen Feier Einigkeit gewesen wäre. Trotz der Flaggenfrage habe der Geburtstag des Reichspräsidenten bewie­sen, daß das gesamte deutsche Volk in sei­ner Achtung und Liebe für das Haupt des deutschen Staates einig sei.

Frankreich

Paris, 3. Oft. Gegenüber den Mel­dungen über den Qkrlaüf der Hinoenburg- feiern in Deutschland treten alle anderen Ereignisse in der französischen Presse in den Hintergrund. Ganze Seiten sind mit der Beschreibung der Feierlichkeiten ange- KOIIIe Korrespondenten sind sich n einig, daß die Begeisterung des ge- sammten deutschen BolkeS während dieser Tage eine einheitliche gewesen ist. Ganz Deutschland bringe Hindenburg seine feierliche Verehrung dar, schreibt das Petit Journal." Vielleicht sei es gerade dieser Umstand, der jede bösartige Kritik verstummen läßt. RiemalS hat das deutsche Volk seinem Kaiser eine ähnliche Huldigung dargebracht, meint ein anderes Blatt. DerM a t i n klagt darüber, daß man in Deutschland nicht auch den Tag der republikanischen Verfassung mit diesem Elan gefeiert habe. DasEcho de Paris," spricht von einer mächtigen Kundgebung deck deutschen Nationalismus. Selbst Bismarck, der Begründer des deut­schen Reiches, fei nicht in diesem Maße gefeiert worden. Die linksstehendeVo­lants" betont, daß Hindenburg nicht als Generalissimus, sondern als Symbol für die Macht des Reiches gefeiert werde. Dennoch fei der Eindruck der Begeisterung des deutschen Volkes für den Mann, der in den Äugen der Welt das frühere Deutschland personifiziert, peinlich. Die deutsche Mystik folge eben keineswegs der Entwicklung des deutschen Geistes. Der sozialistischeHomme Libre" leitet die Beschreibung der Berliner Festlichkeiten mit der Demerkuiw ein, daß noch fein Mann in Deutschland eine größere DolfStümlichkeit genossen habe als General Hindenburg und zwar nicht wegen seiner militärischen Erfolge, sondern weil er in den Augen aller Deutschen die Tugenden des deutschen Volkes symboli­siere. DasOeuvre" fordert die deut­schen Republikaner zur Bekämpfung der teaftionären Propaganda aus, bezweifelt aber gleichzeitig die Behauptung de«Vor- würts". daß die Kundgebung für Hinden- bürg -Cie monarchistisches Fest" sei.

England

Die englischen Blätter veröffentlichen über den Verlauf des 8 0. Geburts­tages Hindenburgs spaltenlange Be­richte ihrer Berliner Korrespondenten, tn denen der greife Staatsmann als Ideal- gestalt des deutschen Volkes und die Verkörperung seiner Einheit hingestellt wird. In sehr ausführlichen Darstellun­gen wird daS Lebenswerk Hindenburgs be­schrieben und dabei meist unterschieden zwischen den verschiedenen Lebensabschnit­ten des Präsidenten.

DieTimes" sagen, daß die Feier des 80. Geburtstages im Geiste des von Reichskanzler Marx geprägten Wortes stand, daß ihn das dkiitsche Volk als Vater des Vaterlandes anerkennen werde. Selbst auf der Seite der sehr großen Teile der Nation, die nicht immer Auge im Auge zum Präsidenten standen, mache sich jetzt eine Tendenz bemerkbar, sein Leben als

ganzes zu betrachten. Der Wunsch Hinden­burgs, als Präsideent in strikter Ueberein- stimmung mit der Verfassung zu handeln, sei erfüllt worden und nur bei ganz weni­gen Handlungen hätten seine Handlungen republikanische Kritik hervorgerufen, aber auch dann ist die Kritik nicht gegen ihn, sondern gegen seine Berater geschrieben gewesen.

Daily Expreß" sagt, daß Berlin niemals in der Geschichte im wahren Sinne die Haupt st adt des Deutschen Reiches war als gestern am 80. Geburtstag Hindenburgs, wo das ganze Reich und alle Volksschichten bei den Feiern in Ber­lin vertreten waren.

DieDaily News" stellen ihrem Ber­liner Bericht eine besonders hervorgeho- bene Note voran:Hindenburg hat die deutsche Republik konsoli­diert", so sagt das Blatt. Kein Deut­scher ist seit Bismarck so populär gewesen.

Der Dank des srelÄsprMentm Sm EM m tzas HtiMt Seit

Berlin, 3. Okt. Reichspräsident,non Hindenburg läßt folgenden Erlaß be­kanntgeben:

An das deutsche Dolk!

Aus dem ranzen Vaterlands, von An­gehörigen allerSchichtendesdeut- fchen Volkes und von zahlreichen Deutschen jenseits unserer Grenzen, die sich mit der alten Heimat in diesen Tagen besonders verbunden fühlten, sind mir zu meinem 80. Geburtstage viele tausend Glückwünsche und Zeichen treuer Gesinnung beschert worden. Meinem Geburtstagswunsche, durch Beschaffung neuer Mittel die große Dankesschuld ab­tragen zu Helsen, die wir alle den Kriegs­beschädigten und Kriegshinterbliebenen ge­genüber tragen, ist durch die aus allen Kreisen unseres Volkes «nd von den Deut­schen im Auslande bereitwillig gegebenen Beiträge zur Hindenburg-Spende in herzerfreuender Weise Rechnung getra­gen worden, der schöne Ertrag dieser Sammlungen wird dazu helfen, manche Not unter den Opfern des Krie­ges zu lindern.

Gern wurde ich allen, die sich so in Wün­schen und Gab^n zusammenfanden, ein­zelndanken, aber die große Fülle die­ser Geburtstagsgrüße macht es mir un­möglich. Mir bleibt daher nur übrig, alle, die am gestrigen Tage dem Gefühl der Verbundenheit mit mir und meinem Stre­ben für das Vaterland so gütigen Aus­druck verliehen haben, auf diesem Wege seiner herzlichsten Dankbarkeit zu versichern und ihnen zu sagen, daß mich

ihr Gedenken tief gerührt und herzlich er­freut hat. Mit gleichem Empfinden habe ich die Begrüßung entgegengenommen, die mir gestern bei meiner Fahrt durch die Straßen Berlins von der Studen- -»fchaft, den kameradschaftlichen Verbän­den und den übrigen Organisationen und Vereinen, sowie den vielen Tausenden meiner Mitbürger zuteil wurde. In be- svnderer Erinnerung werde ich die ein­drucksvolle Huldigung behalten, die mir die deutsche Jugend, der unsere Arbeit und unser Hoffen gift, im Stadion in so herzlicher Weise darbrachte. Ihnen allen gilt mein inniger Dank!

In diesen verschiedenen Kundgebungen sehe ich nicht nur die Ehrung meiner Per­son, sondern das gemeinsame Be­kenntnis zum Vaterland, zur Gemeinschaft des deutschen Volkes, das trotz aller Not und Sorge des Tages hier freudigen Ausdruck fand. Das erfüllt mich mit besonderer Befriedigung und stärkt in mir die Hoffnung, daß das Stre­ben nach Einigkeit und Zusam­menschluß den Kamps der Meinun­gen und den Widerstreit der Interessen in unserem Volke überwinden wird. Möge ein jeder, der gestern meiner in Worten und Grüßen gedacht hat, an seiner Stelle an diesem Werke der Einigung Mitarbeiten und zur Erreichung die­ses großen Zieles, in dem unsere Zu­kunft liegt, mtthelfen!

Berlin, den 3. Oktober 1927. gez. v. Hindenburg, Reichspräsident.

Im Leitartikel sagen dieDaily News", Präsident Hindenburg möge nicht ein Ver­treter des ganzen Deutschlands sein, aber kein ernsthafter Beobachter der europäischen Angelegenheiten könne bie Tatsache abstrei­ten, daß er das deutsche Volk unter außer­ordentlichen Schwierigkeiten taktvoll und geschickt repräsentiert und mit der richtigen Einstellung zu einer noch immer mißtrauischen Welt.

DieDaily Chronikle" betont, daß der 80. Geburtstag dem Präsidenten einen persönlichen Triumph ge­bracht habe und vielleicht, wenn auch in geringem Grade auch für die junge Re­publik. Die Tatsache müsse feftgeftelit wer­den, daß Berlin gestern, als Präsident Hindenburg durch die Straßen fuhr, eine bessere Schau der Farben der neuen Kon­stitution abgab, «lr bet irgend einem an­deren Anlaß in den 9 Jahren der Re­publik. Die Geburtstagsfeier sei weder eine militärische Schau gewesen, noch habe sie einen Anklang an Bomp gehabt.

DerDaily Telegraph" verzeich­net gleichfalls die Anteilnahme aller Kreise der Bevölkerung, meint aber gleichfalls, daß die gestrigen öffentlichen Kundgebungen von den Militaristen und Monarchisten mehr dem Führer der deutschen Armee als dem Präsidenten der Republik gegolten hätten. Das Blatt bezeichnet die Ab­wesenheit Ludendorffs bei allen Feierlichkeiten als bemerkenswert.

Amerika

Zum ersten Wal wieder nach dem Kriege hat Rew Dorf reichen deutschen Flaggenschmuck gesehen. Zum Hürden- burgtage hatten nicht nur die deutschen L ch r f f e im Hasen, sondern auch die Danrpser der amerikanischen IXniteö States LineS reichen Flaggenschmuck angelegt. Das New Vorker Auskunftsbüro der Reichs zentrale für deutsche Derkehrswerbung hatte ein Siefen» bild Hindenburgs ausgestellt. Reichs»

(Fortsetzung steh« Sette 2J

Eindrücke een den Berliner Sefltagen

Berlin, 3. Oft. 1927.

Die Leser der .^Dberhessischen Zeitung" find über den Verlauf selbst bereit» unterrichtet worden. Daher soll und darf es sich hier um die unmittelbaren und persönlichen Eindrücke handeln, die ich in reichem Maße an Ort und Stelle über Erlebtes gewonnen habe. Vorausgeschickt sei, daß sich eine Reihe von Vorgängen vollzogen hat, die von tiefster Wirfung und von geschichtlicher Eröße gewesen sind. Was sich abspielte, war nicht» Er- zwungenes, nichts Befohlenes, nichts durch Verordnungen Vorgefchriebenes es ist die banfbare, aus dem Herzen kommende, warm empfundene Huldigung vor Hin­denburg, dem Mann der Pflicht unb inneren Vornehmheit, gewesen, der als hochragendes Vorbild in schwerster Zeit an der Spitze des Reiche» steht. Unter diesem Gefühl begreift man die wahr» hafte und tiefste Bedeutung dieser Tage. Die ungekünstelte Verehrung für die Persönlichkeit Hindenburgs, die in flammende Begeisterung emporschlug. Seit dem Tage Kaiser Wilhelms des Großen habe ich Solches nicht mehr erlebt.

Am Abend des 1. Oktober fand die Huldigung der alten Offiziere zu Ehren Hindenburgs im Marmorsaal des Zoologi, scheu Gartens statt. Mehr als 2500 Mit­kämpfer des Weltkrieges waren zur Ste.lle: Deutscher Offiziersbund, Natioualverbänd Deutscher Offiziere, Reichsoffiziersbund, Deutscher Marineoffizier-Bund. Festen Schrittes, freundlich nach allen Seiten grüßend, ungebeugt durch die Last der acht Jahrzehnte, schritt unser Hindenburg durch di« Reihen. Er sah vortrefflich und herzgewinnend aus, ein.Bild der ab­geklärten Ruhe und der vertrauenden Sicherheit. Auf die Begrüßungsansprache Mackensens erhob er sich wie ein Reck« und faßte, mit kraftvoller Stimme den weiten Raum beherrschend, seinen Dank mit den ergreifenden Worten zusammen, daß Dreifaches ihn dazu befähigt habe, etwas im Leben zu leisten: des Allmäch« tigen Gottes Gnade, das Vertrauen der Kriegsherrn, die Unterstützung durch die Kameraden in guten und bösen Tagen. Dann weilte er mehr als eine Stunde in unserem Kreise, für jeden, die von alten Heerführern um ihn saßen, ein freund­liches Wort findend. Und als er uns dann verließ, um noch am gleichen Abend andere Huldigungen zu empfangen, da ging ein Sturm der Begeisterung durch den Saal, die aus dem Herzen kam und wirkliche Ergriffenheit auslöste.

Den Sonntag-Vormittag blendender Sonnenschein lag über Berlin benutzte ich zu einer Streife durch die Stadt, um persönliche Eindrücke über di? Stimmung zu sammeln. Es herrschte aus­gesprochene Festesstimmung. Hundert­tausende waren schon um die Mittags­stunde in die Gegend geströmt, die Nach­mittags die Triumpfstratze werden sollte. Die Schutzpolizei hatte keine einfache Aus­gabe, denn es waren immerhin große Ab­sperrungen vorzunehmen, aber es darf ge­sagt werden, daß sie mit Takt und Schonung den Massen gegenüber auftrat. Es ging alles glatt und sicher. Störungen und Reibungen find mir nirgends auf­gefallen. Die Linksradifalen, meist un­reifere und halbwüchsige Burschen, wurden im Zaun gehalten und wagten sich nicht heraus. Alle gegenteiligen Gerüchte tref­fen nicht zu.Und wie hatte Berlin ge. flaggt?", wird unter dem Eindrücke des jetzt leider so erbittertenFlaggenstreits" der Leser fragen. Ausgezeichnet gut! Im Westen herrschte unbedingt Schwarz-Weiß. Rot vor. Im Stadtinnern sah man manche Schwarz-Rot-Goldene Fahne unter den Schwarz-Weiß-Roten. Wenn in Ber­lin O. und NO. hier und dort einzelne rote Lappen hingen, so war das eine ganz törichte und tattlose Kundgebung bet Unbelehrbaren, di« aai keinen Ein-