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Der so.
Der Vorabend v. Hindenburgs Geburtstag. Riesiger Fremdenzustrom nach Berlin.
‘.Berlin, 1. Okt. Hindenburgs 80. Geburtstag hat der Reichshauptstadt einen riesigen Fremdenzustrom gebracht. Abgesehen von zahllosen schaulustigen sind un Laufe des heutigen Sonnabends die mehr als 2000 Kraftwagen und Motorräder der Reichshuldigungsfahrt des Allgemeinen Deutschen Automobilklubs aus allen Teilen des Reiches eingetroffen. Dazu kommen die tausende von Mitgliedern oer Kriegervereine, die an dem Reichskriegertag des Khffhäuserbundes teilnehmen. Infolgedessen waren heute abend alle Hotels, Pensionen und Hospize voll besetzt» so- dah in großem Umfange Privatquartiere in Anspruch genommen werden muhten. Unter den Linden, in der Wilhelm- und in der FriedrichSstrahe herrschte in den Nachmittags- und Abendstunden ein Verkehr. wie man ihn in diesem Umfange selbst in Berlin seit langem nicht mehr gewohnt war. Tausende von Schaulustigen besichtigten die Ausschmückung des Branden bürget Tores, die Festdekorierung vieler Geschäftshäuser und die Beflaggung der öffentlichen Gebäude und Privathäuser. Besonders. in der Umgebung des Reichs- präsibentenpalais sammelten sich die Masse» frühzeitig, um Zeuge der Ausfahrt Hindenburgs zur Feier der Offiziersver- dände zu sein. Im Palais selbst herrschte ein unaufhörliches Kommen und Gehen von Depeschenboten, Trägern von Blumenständen und Paketen mit Ehrengaben. Die Cinzeichnungslisten füllten sich immer mehr mit Ramen aus allen Schichten der Bevölkerung. Bon bekannten Persönlichkeiten hatten sich nachmittags eingetragen: Der deutsche Botschafter in London, Ethamer, der deutsche Gesandte in Athen. Renner; Gesandter e. D. Riezler, Generalleutnant v. Unruh und Hofmarschall Graf Platen-Hallermunb. Auch eiste Abordnung der Volks- und Mittelschulen des Regierungsbezirkes Lüneburg, die aus Lehrern und Schülern bestand und eigens zu diesem Zweck nach Berlin gekommen war, zeichnete sich ein.
Beim Abladen von großen Masten für die Ausschmückung der ZufahrtsSttaße am großen Stern entstand nachmittags eine etwa einstündige Verkehrsstörung. Sämtliche Zufahrtsstraßen waren mit Fahrzeugen aller Art verstopft. Der Verkehr wurde durch die Nebenstraßen des Tiergartens umgeleitet.
Die Nachfrage nach Fahnen und Fahnentuch ist in den letzten Tagen so außerordentlich stark gewesen, daß die Läger der Berliner Fahnenspezialgeschäfte ttotz der getroffenen Vorsorgemahnahmen vollständig ausverkauft sind. In einem Geschäft wurden insgesamt 15 000 Meter Fahnentuch neben zahlreichen fertigen Fahnen verkauft.
Im Laufe des Sonnabends haben bereits zahlreiche Häuser namentlich in den großen Verkehrs- und Geschäftsstraßen, Flaggenschmuckangelegt. Man sieht die schwarz - rot - goldenen Reichsfarben neben Schwarz - Weiß - Rot und der preußischen Landesfahne. Viele Geschäfte haben in ihren Schaufenstern inmitten reichen Blumenschmucks Hindenburg-Büsten und -Bilder ausgestellt. Am die riesigen Säulen des Brandenburger Dores dekorieren zu können, hat man sich der Wtt- arbeit Her Feuerwehr gesichert, die mit mechanischen Leitern auffahren wird, von denen die Dekorateure die Dekorattonen um die Profile des Brandenburger Tores und seiner Nebenflügel anbringen. Das Grün der Girlanden wird unterbrochen durch rote und gelbe Rosen und durch Schleifen in den Reichsfarben. In den fünf Durchlässen des Tores hängen fünf große schwarzrotgoldene Flaggen.
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Berlin, 1. Okt. Der Reichspräsident empfing heute als die Vertreter der Hin- denburgspende den Reichskanzler Dr. Marx, den Reichsarbeitsminister Dr Brauns und den Ministerialrat Dr. K a r st e d t. Er nahm aus ihren Händen die Urkunde über die Stiftung und Ueber- weisung der Hindenburgspende an den Reichspräsidenten entgegen. Die Urkunde ist auf Pergament in goldener und schwarzer Schrift gezeichnet. Das Dokument liegt in einer grünen Ledermappe, die am Kopf das Reichswappen zeigt, während in der Mitte die Worte zu lesen sind: „Zum 2. Oktober 1927.“ Der Reichskanzler richtete dabei an den Reichspräsidenten eine Ansprache, die in der überreichten Urkunde niedergelegt ist. Er knüpfte an den bekannten Ausruf an, den Reichsregierung und Länderregierungen am 21. Juni d. Is. zur Hindenburgspende erlassen haben. Dann'fuhr er fort: Am Vorabend ihres 80. Geburtstages beehrt sich die Reichsregierung Ihnen, hochverehrter Herr Reichspräsident, das Verfügungsrecht über die bisher eingegangenen und die noch zur Hindenburgspende eingehenden Beträge zu übertragen. Sie gibt damit ihrer besonderen Freude darüber Ausdruck, daß es dank der nahezu einmütigen Unterstützung des gesamten deutschen Volkes daheim unb draußen gelungen ist, Ibnen, Herr Reichspräsident, entsprechend'Ihrem Wunsche die Möglichkeit zu geben, stärker als bisher in Ergänzung der amtlichen Fürsorge Rot und Elend in den Kreisen der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen zu lindern.
Reichsarbeitsminister Dr. Brauns be- richtete anschließend, daß einem Wunsche des Reichspräsidenten entsprechend, am heutigen Tage 1500 in besonders dringender Rotlaae befindlichen Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen vorschußweise aus Mitteln der Hindenburgspende mit Beihilfen von je 200 Mark, also im Gesamtbeträge von 300 000 Mark bedacht worden sind.
Der Reichspräsident erwiderte mit Worten herzlichen Dankes für die Männer, die die Hindenburgspende ins Leben gerufen und durchgeführt haben und versicherte allen, die durch ihre Gabe und Beteiligung das erfreuliche Ergebnis erzielt haben, seiner besonderen Dankbarkeit. Es sei ihm eine wirkliche Geburts- tagssreude, daß nun gewisse Mittel bereitstehen, dringenden Notstand in den Kreisen der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen abzuhelfen und daß bereits heute in 1500 Fällen größter Not Hilfe gebracht werden könnte.
Zum Schluß erbat der Reichspräsident von dem Reichskanzler und Reichsarbeitsminister Vorschläge über die Bildung und Zusammensetzung eines Beirates, mit dem zusammen er selbst über die Verwendung der Mittel der Hindenburgspende Entscheidung treffen wolle, sobald die Sammlung abgeschlossen fein werde. Er nehme an, daß dies Anfang November geschehen könne.
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Der Herr Reichspräsident empfing Sonnabend vormittag den Herrn Reichskanzler und den Herrn Reichsvizekanzler in Begleitung des Staatssekretärs in der Reichskanzlei, die ihm
das Geschenk der Reichsregierung zu seinem 80. Geburtstag überreichten. Das im Auftrtge der Reichsregierung von der Staatlichen Porzellanmanufaftur in Berlin angefertigte Geburtstagsgeschenk besteht aus einer für 36 Personen bestimmten Neuherstelluna des
Tafelservices, das erstmals vor 160 Jahren von der Manufaktur für seinen Gründer. Friedrich den Großen, zu dessen persönlichem Gebrauch ausgeführt worden ist. Das -historische Service wurde erst jetzt wieder in seinem ganzen Umfange mit zahlreichen Tafelleuchtern angefertigt. Es zeigt eine schöne Ausgeglichenheit zwischen dem fleißigen Schwung der Form und der wundervollen Handmalerei, wie sie sich gerade in der Berliner Manufaktur vom achtzehnten Jahrhundert bis heute erhalten hat. Jedes der über 500 Stücke trägt eine Verbindung mit dem Blauschuppenmuster, ein anderes wiederum Motive und echte Vergoldung. Die Rückseite eines jeden Stückes zeigt neben der alten Zeptermarke eine auf den 80. Geburtstag des Reichspräsidenten bezügliche Widmung. Der Reichspräsident sprach den Herren mit Worten des herzlichen Dankes seine Freude über die schöne Gabe aus und bat. seinen Dank auch den übrigen Herren der Reichsregierung und der Staatlichen Porzellanmanufaktur, der Herstellung des prächtigen Kunstwerkes, zu übermitteln.
Das Geschenk der Industrie.
' Im Laufe des Vormittags empfing der Herr Reichspräsident ferner ein aus führenden Männern der deutschenWirt- schäft, nämlich Geheimrat Duisberg. Geh. Rat Ravens, Geh. Rat Rieset, Graf Roedern. Herzo Plate, Schäffer sowie als Vertreter Ostpreußens Kammerherrn v. Oldenburg-Januschau bestehendes Komitee. das dem Herrn Reichspräsidenten als „H i n d e n b u r g d a n k“ des Deutschen Volkes die Eigentumsurkunde über
das Stammgut der Familie v. Hindenburg N e u d e ck
in Ostpreußen übergab, welches dieses Komitee aus freiwilligen Beiträgen aller Gruppen der deutschen Wirtschaft erworben und nun dem Herrn Reichspräsidenten zum persönlichen Geschenk übertragen hat.
Ferner empfing der Herr Reichspräsident am heutigen Tage zur Ent- gegennghme persönlicher Glückwünsche den Vorstand des Deutschen Offizier- bunhes unter Führung des Generals der Infanterie a. D. v.Hutier, die Bundes- leituna des- Stahlhelms unter Führung von Seldte, den von Dr. Löwenstein geführten Vorstand des Bunde sjüdi- scher Frontsoldaten sowie eine von Herrn Dr. Unger (Breslau) und Professor Dr. Schmeidler (Breslau) geleitete Abordnung des Reichsverbandes akademischer Kriegsteilnehmer. die dem Herrn Reichspräsidenten als Ehrengabe eine Sammlung von Werken der im Kriege gefallenen deutschen Dichter überreichte. Reben einer Reihe privater Empfänge nahm der Herr Reichspräsident auch den Besuch des Vorstandes des Allgemeinen Deutschen Jagdschutzvereins unter Führung des Prinzen Alfons von Isenburg entgegen, der dem Herrn Reichspräsidenten namens der deutschen Jägerei seine herzlichen Glückwünsche ausdrückte und ihm den Ehrenschild des Allgemeinen Deutschen Jagdschutzvereins überbrachte.
das Deutschlandlied saus, e •
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Sie Feier der OffiziersverbSnde
Berlin, 1. Oft. Zu Ehren des Reichspräsidenten v. Hindenburg veranstalteten beute abend der Deutsche Offiziersbund, der Nationaloerband deutscher Offiziere, der Marineoffiziersverband und der Reichsoffiziersbund in dem geschmückten Marmorsaal am Zoo einen Erinnerungsabend, an weichem etwa
1800 Offiziere mit ihren Damen
teilnabmen. Beim Betreten der Vorhalle überreichte ein kleines Mädchen dem Re-ichs- Präsidenten einen Blumenstrauß. Unter den Anwesenden sah man viele alte Heerführer, so Eeneralfeldmarschall ».Mackensen, die Generalobersten v. Linsingen und v. Gollwitz, ferner die Generale v. M u d r a, Graf Bothmer, v. Strantz, v. butter, v. Lochow und v. S t e u b c n. Im Verlaufe des Abends beglückwünschte Eeneralfeldmarschall v. Mackensen den Reichspräsidenten auf das herzlichste und brachte ein dreifaches Hoch auf ibn aus, in da» alle Festteil- nebmer begeistert einstimmten. , Reichspräsident v. Hindenburg dankte mit herzlichen Worten. Rach andettbalbstündigem Aufenthalt begab er sich rum Zapfenstreich nach seinem Palais.
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Berlin, 1. Okt. Bon 20 Uhr ab wurde die Wilhelmstrasse für den Futzgängerverkebr gesperrt. Immerfort fahren Autos vor dem Palais des Reichspräsidenten vor, der selbst um 19.30 Uhr ziemlich unerkannt in Begleitung seines Sohnes, Maiors v. Hindenburg, zum Zoo gefahren war, um dort der Feier der Offiriersbünde beizuwohnen. Wenn Hobe ÖfHaiere der Reichswehr und des alten Heeres oerfahren, tritt die Wache heraus; die Posten präsentieren. Um 20.40 Uhr erscheint Reichswehrminister D r. Eetzler und der Chef der Reichswehr, General Heue. Plötzlich kommt Bewegung in dis Massen. Ein brausendes Hoch, das sich von den Linden her fottsetzt, verkündet, dass der Reichspräsident kommt. Um 20.55 Uhr hat et das Palais erreicht. Schupo steht auf den Trittbrettern. Brausender Jubel schallt ihm entgegen, als er das Haus betritt. Roch einmal grüssend, wendet er sich um.
Gegen 21.15 Uhr, dem Beginn des Zapfenstreiches, werden die Fenster des Palais, die bis dabin durch dunkle Portieren verhangen waren, geöffnet, und man steht in die hell- erleuchteten Räume, die mit Gästen dicht gefüllt sind. Die Gäste nehmen an den geöffneten Fenstern Aufstellung, an zwei der Fenster werden die
Enkelkinder Hindenburgs gruppiert. Die Auffahrt von Automobilen hat aufgehört. 21.15 Uhr hört man Musik nahen, und gleichzeitig wird von der Bossstrasse her Fackelschein sichtbar. Ein Zug von vier Reihen Fackelträgern bewegt sich die Wilhelmstrasse entlang. Ihm folgen sechs Reichswehrkapellen und im Parademarsch die Wachtkompaguie, von der Menge stürmisch bejubelt. Die Tür zum Balkon des Palais öffnet stch,
Hindenburg erscheint auf dem Balkon inmitten eines Blumenmeeres.
Er trägt grosse Eeneralsuniform und Mütze sowie Mantel.
Die Fackelträger nehmen im Vorgarten in zwei Kreffen gruppiert Ausstellung. Kommandorufe ertönen. Unter den Klängen des Präsentiermarsches werden die
Fahnen der alten Hindenburg-Regimenter durch das Portal geführt. Hindenburg grübt. Die Fahnen werden in das erste Stockwerk gebracht, wo ihre Träger hinter dem Reichspräsidenten Aufstellung nehmen. Hindenburg gebt nochmals zurück, begrübt die Fahnen und erscheint dann wieder auf dem Balkon. Die Reichswehrkompagnie nimmt vor dem Palais Aufstellung und macht Front. Es ertönt das Kommando: „Präsentiert das Gewehr!" Der Führer erstattet Meldung. Darauf nehmen die sechs Kapellen im Vorgarten Aufstellung und, geleitet von Professor Hackenberser, bet auf einem durch Scheinwerfer erleuchteten Podium Platz nimmt, beginnt bet Zapfenstreich. Zunächst tragen die Kapellen einige Musikstücke vor, bann Märsche, wie den Torgauer und den öobenfriebberger Marsch. Schliesslich ertönt das wohlbekannte „Soden", der eigentliche Zapfenstreich beginnt. Am Schlüsse das Kommando „Stillgestanden". Der Reichsprn- stdent nimmt die Mütze ab und faltet die Hände. Die Mustk setzt ein: „Ich bete an die Macht bet Liebe". Zum Schluss folgt das Deutschlandlied, das die begeisterte Menge, die den ganzen Sttassenzug von der Leipziger Sttaße bis Unter den Linden füllt, entblössten Hauptes mitfingt. Nachdem dem Reichspräsidenten noch einmal Meldung erstattet worden ist, marschiert die Musik in Eruppenkolonne ab. Die Kompagnie marschiert Richtung Unter den Stiötwr