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Zeitung

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Marburger

Anzeiger für (-as früher kurhesfischef Oberhesfen - Berkün-isunrsbüatt für Stadt und Kreis Marburg

eemiMnö, »en 1. SN. 1927

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Maröurz n. Lahn

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©et Anzrigerchrri« beträgt für -en 10 gespalt. Zeilenmilltmeter 0.08 ®9Kn kleine Baranzeige« .0.06 GM., amtlich« und auS» vLrtige Anzeigen 0.10 SM. Bei schwierigem Satz sowie bei Platz» dorschrist 50»/, Aufschlag, Lammelanzeigen 100/» Auf» schlag. Reklamen der Millim. 0,40 GM. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Ziel 5 Tage. Beleg« werde» berechnet, ebenso Auskunft durch die Geschäftsstelle und Zusendung der Angebote. Er­füllungsort Marburg.

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fk. London, 1. Okt. Die Blätter ver­öffentlichen Berliner Berichte über die in- »erpolitifchen Auseinandersetzungen an­läßlich der Geburtstagsfeier des Reichs­präsidenten.

Daily Expreß" läßt sich aus Ber­lin melden, ein heftiges Feuer politischer Animosität sei rings um die ehrwürdige Gestalt Hindenburgs entbrannt. Feiern oder nicht feiern, flaggen oder nicht flag­gen und wie, seien die brennenden Fragen in diesem unerquicklichen Streit. Deutsche Parteipolitikcr beuteten nämlich die Ge­legenheit für diesen Zweck aus.

Der Berliner Korrespondent derM o r- ning Post" schreibt, man hätte anneh­men können, daß das deutsche Volk fähig Esen wäre, diese kleinlichen Streitig-

n zu vergessen zu Ehren des 80. Ge­burtstages Hindenburgs, eines Präsiden­ten, dessen ganzer Charakter eine leben­dige Auflehnung gegen den Fluch des Par- terhadcrs fei und trotzdem fei das, was für Hindenburg vorbereitet werde, nicht nur qine nationale Geburtstagsfeier, sondern ein niedriger Streit zwischen den schwarz­weiß-roten Farben des alten Regims und den schwarz-rot-goldenen des neuen. Der Berichterstatter betont, daß Hindenburg dauernd für die Heilung der Wunden ge­wirkt habe, die von der Revolution und durch den Niedergang von der Monarchie Mr Republik nicht verlassen worden seien.

Times" sagt, Deutschland ehrt Hin­denburg nicht dafür, was er getan hat, son­dern dafüs. was er ist. Seine Volkstüm­lichkeit ist in seinem Charakter begründet, das deutsche Volk glaubt an ihn. Es sieht in chm den Vater, dem nur das Wohl sei­ner Kinder am Herzen liegt. Präsident Hindenburg hat sich der Republik gegen­über ebenso loyal erwiesen wie als Mar­schall gegenüber dem Kaiserreich. Daher sicht er sich an seinem Geburtstag geehrt, 'wie kein Deutscher seit Bismarck geehrt worden ist.

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Rr Mim g?een Schwarz-MG Rot?

Berlin, 30. Sept. Zu dem Fernbleiben et Vertreter der vreukischen Regierung von em Abschiedsbankeit der Fachpresse im Hotel taiserhof, das bekantlich paritätischen Flag- rnschmuck angelegt hatte, wissen die Morgen- lätter ergänzend zu berichten, daß Verhand- Mgen stattgefunden haben, in deren Verlauf Ion der vreubischen Regierung zunächst E:n- iebung der schwarz-weib-roten Fabne und röter deren Ersetzung durch die vandels- iagge verlangt worden sei. Nachdem dies ab- felehnt wurde, bat die preußische Regierung M auch Oberbürgermeister Böß abgelehnt.

3u der Feier waren sowohl die Reichs- Hbörden als auch die städtische» und vreuhi- *n -inseladen worden. Die Reichsregierung, »-der Spitze Reichskanzler Marr, erschien. gt preußische Regierung und der Berliner Magistrat lehnten ihr Erscheinen ab mit der Gründung, daß sie das Hotel nicht betreten ßrden, so lange nicht dre schwarz-weiß- «te Fabne ein telegen würde. Es ar nur eine Selbstverständlichkeit, daß die Stelleitung dieses Ansinnen zurückwies. Ent­fach dieses Verhalten Preußens und der tobt Berlin ihrer Pflichtaufgabe, dir So- fitssymbole zu schützen, oder war es nicht elmehr der Versuch. Front lu machen egen bie Symbole des alten Deutschlands. Die Berfasiung der Utschen Republik schützt ausdrücklich auch die pmbole des alten Deutschlands. Die Farben fwarz-weiß-rot sind in der offiziell oorge- ptiebenen Handelsflagge auch als Symbol r5 neuen Deutschlands anerkannt. Diese An- Mennung schließt selbstverständlich auch ihre WHiung durch die offiziellen Amtsstellen ein. Wrsagt daher eine Regierungsstelle diesem Wtnbol die Achtung, so bandelt sie unseres pachtens auch nicht im Sinne dieser Ver- Wung. Man bat hier »u beachten, daß dieser Wvischenfall wenige Tage vor dem Eeburts- 8 Hindenburgs hervorgerufen wurde. Das M vielleicht das Bedauerlichste an dieser Wlgelegenheit.

Französische Sergen

Die Abberufung Rakowski verlangt.

fk. Pari«, 1. Okt. Nach Havas wurde Briand vom Ministerrat beauftragt den französischen Botschafter in Moskau anzu­weisen, die Abberufung Rakowskis zu ver­langen, gleichzeitig aber zu betonen, daß hierdurch die Beziehungen zu Moskau nicht abgebrochen werden.

Wie der offiziösePetit Parisien" zu berichten weiß, wurde der französische Bot­schafter in Moskau Herbette vor zwei Tagen beauftragt, seine letzte Demarche über die Abberufung des russischen Bot­schafters in Paris Rakowski in einer be­stimmteren Form zu wiederholen und dies­mal dem russischen Kommissar für aus­wärtige Angelegenheiten klar zu verstehen zu geben, daß das weitere Berbleiben Ra­kowskis in Paris nur ein Hindernis für die im Gauge befindlichen Verhandlungen bilden könnte, nachdem sich ein Teil der französischen Oeffentlichkeit gegen Ra­kowski gewandt habe. Die Antwort der Sowjets auf diesen neuerlichen Schritt der französischen Regierung liege noch nicht vor, bemerkt das Blatt. Aber es sei nicht ausgeschlossen, daß sich die Regierung von Moskau, nachdem sich die Stellung Ra­kowskis immer schwieriger gestaltet und die andererseits eine Verschlechterung der französisch-russischen Beziehungen vermei­den möchte, sich schließlich doch für die Ersetzung Rakowskis entscheidet. Der.,Ma- tin führt seine gegenüber einem diplo­matischen Vertreter eines fremden Staates vereinzelt dastehende Sprache fort. ES ist ganz nebensächlich, schreibt das Blatt, ob Rakowski begreifen will oder nicht, eS küm­mert sich auch niemand um die Meinung Rakowskis. Nachdem über ihn die Qua­rantäne verhängt worden ist, wird er schließlich von selbst gehen oder der DeWalt weichen müssen.

Paris, 30, Sept. DerS o i r will mitteilen können, daß der größte Teil der Beratungen des heutigen Ministerrates dem Studium der letzten Vorschläge der Sowjets gewidmet gewesen fei. lieber das Ergebnis dieser Beratungen ist nichts Näheres zu erfahren. Jedenfalls aber hat Justizminister Barthou, wie Havas er­klärt, betont, daß von einem Abbruch der Beziehungen zwischen Frankreich und den Sowjets keine Rede gewesen sei.

In dem gestrigen Ministerrat, an dem Briand teilnahm, soll, wie offiziell ge­meldet wurde, nur über die Dölkerbunds- verhandlungen und die französisch-ameri­kanischen Zollverhandlungen gesprochen worden fein.

Die Vorgänge in Toulon.

fk. Parts, 1. Sept. DerMalin", der über die Vorgänge in Toulon weitere Einzelheiten berichtet, stellt fest, daß das Marincgefängnis außerordentlich über­füllt war. Die Revolte soll entstanden fein, weil die Gefangenen auf bisher ungeklär­ter Weife erfuhren, daß ein Teil von ihnen nach einem der Forts gebracht wer­den sollte, weil sie sich in anmaßendem Ton beschwert hatten, die Gefangenen verschanzten sich darauf und ergaben sich erst nach einer längeren Belagerung durch die Gendarmerie.

Matin" berichtet außerdem über einen Zwischenfall an Bord eines Kreuzers, wo die Mannschaft das Essen zurückwies und besseres Elen verlangte. Der Kom­mandant des Schiffes lietz 4 Wortführer der Besatzung festnehmen und an Land bringen. 25 Matrosen wurden an Bord des Schiffes selbst in Haft genommen.

Dynamitpatronen auf der Straße in Paris.

fk. Paris, 1. Ott. Die Morgenpresie verzeichnet die Tatsache, daß auf der Straße in einem Vorort von Pari« 220 Stück Dynamitpatronen französischer Her­kunft von spielenden Kindern gesunden worden seien. Man weiß noch nicht ob es stch um s.;N Anarchisten weggeworfenen Spkcngpatronen handelt oder um Pa­tronen, die für die Steinbrüche bestimmt waren.

Der Kampf gegen die Autonomisten.

Paris. 30. Sept. Havas berichtet aus Straßburg, daß gegen Klaus Zorn von Bulach wegen Bedrohung, Beleidi­gung und Verleumdung in Telegrammen und Zeitungsartikeln und gegen den Ge­schäftsführer derWahrheit" wegen Be­amtenbeleidigung Strafverfolgung einge­leitet wurde. Nach einer weiteren Havas- melöllng aus Straßburg erfolgte die Be- schagnahme derWahrheit" wegen der Aufforderung an dien Bevölkerung, gegen den Besuch amerikanischer Legionäre in Straßburg zu demonstrieren.

Paris, 30. Sept. Wie der Straßburger Korrespondent desTemvs" berichtet, bat die Polizei gestern in den Geschäftsräumen der Wahrheit" die Nummer beschlagnahmt, die beute ausgegeben werden sollte. Gleichzeitig wurde bestimmt, daß die Veröffentlichung der Zeitung verboten sei. Auch an den Zeitungs­kiosken wurden heute vormittag die bereits versandten Nummern beschlagnahmt. Der Korrespondent desTemvs" führt diese Maß­nahme zurück aus diegehässigen Artikel" gegen Frankreich, die geeignet seien, Unruhen hervorzurufen.

»m Kntentems

fk. Berlin, 1. Okt. Der Reichsprä­sident hat an die in Berlin eintreffenden Mitglieder des Reichskriegerbundes einen herzlichen Gruß gerichtet, in dem es heißt:

Möge der Geist der Pflichttreu«, der Vaterlandsliebe und der Einigkeit, den unsere für das Vaterland gefallenen Sol­daten besessen haben, im deutschen Volke stets fortleben!"

Gnadenmaßnahmen zum 80. Geburtstag des Reichspräsidenten.

Stuttgart, 30. Sept. Aus Anlaß des 80. Geburtstages des Reichspräsiden­ten fitiö in Württemberg 67 Strafgefan­gene entlassen und 229 weitere Verurteilte mit einem Gnadenerweis bedacht worden.

fk. Berlin, 1. Okt. Aus München wird gemeldet, daß die bayerische Am­nestie sämtliche Räterepublikaner, außer dem Metzger Lindner, umfaßt, der im Landtag das Attentat auf den Abgeordne­ten Bauer v-rübt hat. Graf Arco, der Eisner erschossen und nur Strafaufschub erhalten hatte, wird endgültig begnadigt.

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Glückwunschadresie der Deutschen Natio- nalpattei in der Tschechoslowakei

Prag, 80. Sept. Eine Deputation der Deutschen Nationalpartei überreichte dem deutschen Gesandten in Prag eine künstle­risch ausgestattete Glückwunschadresie zur Weiterleitung an den Reichspräsidenten von Hindenbura. in der dem Führer der deutschen Heere zum Siege in 100 Schlach­ten, dem Vorbilde deutscher Treue und Pflichterfüllung in schwerster Not. dem Schirmherrn deutscher Ehre gegen die Schmach der Kriegsschuldlüge, dem Mah­ner zu deutscher Einigkeit als Weg zu deutscher Macht, die in der Deutschen Na­tionalpartei zusammengeschlossenen Sude­tendeutschen zum 80. Geburtstag ehr­furchtsvollsten Glückwunsch entbieten.

Eine Riesenmarzipantorte für Hindenburg.

2 ü b e ch, 30. Sept. Der Lübecker Senat hat beschloffen, dem Reichspräsidenten zum 80. Geburtstag als Aufmerksamkeit der Hansestadt eine Riesentorte aus Lübecker Marzipan überreichen zu lassen, die die Lübecker Stadtsilhoutte zeigt.

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Als Reichspräsident von Hindenburg seine Ansprache am Tannenbergdenkmal hielt, da hatte er wohl kaum eine ander? Absicht, als das auszusprechen, was er empfand und mit ihm das gesamte deut­sche Volk: die Gewißheit, daß wir nie den Krieg gewollt haben und Laß wir ihn, als er uns aufgezwungen wurde, so führ­ten. wie jede anständige Nation ihn führen mußte. Wir glauben kaum, daß die Aeußerung eines solchen Empfndens dem europäischen Friedenabträglich" sein kann. Denn dieses Empfinden hat keine Angriffsspitze, ist noch keine Anklage, kein Vorwurf gegen irgend eine andere Nation. Daß man dasselbe von den Reden nicht sagen kann, die Poincarö, Barthou und Jaspar in den letzten Tagen hielten, ist zweifellos.

Und doch ist es natürlich, daß sich der ehemaligen Entente ein gewisses Unbe­hagen bemächtigt, nicht nur in den zu­nächst beteiligten Ländern Frankreich und Belgien. lieber das Gebelfer dieser Poli­tiker. die uns nicht verstehen wollen und uns ihrr Anlage nach nicht verstehen kön­nen und ihrer eigenen Schuld nach nicht verstehen dürfen, könnte man hinweg­gehen. Zwischen französischem Geist und dem unsrigen wird sich über W a h-r h e i t kaum jemals eine Einigung erzielen lassen. Aber es ist doch immerhin inter­essant, daß auch England der Aufrollung der Krisgsfchuldfrage feindlich gegenüber­steht. Ja, dieWestminster Gazette" ver­steigt sich zu dem Satz:Ein Schiedsge­richt, wie es von den deutschem Re^.is- präsidenten vorgeschlagen werde, dürfte kaum kompetenter in. seinem Urteil, sein, als die Verfasser des Friedcnsvertrages, da es keine zwei Historiker gibt, die bis­her zu gleichen Ergebnisien bei der Ge­schichtsforschung der letzten fünfundzwan­zig Jahre gelangt sind . . «

Historiker sind also nicht kompetent, weil sie sich nicht einigen können. Die Herren in Versailles konnten sich freilich eini­gen. Aber sie waren keine objektiven Historiker, sondern Partei. Und dieses Urteil sollen wir annehmen. Ein merk­würdiges Urteil verfahren!

Nun haben sich in E e n f auch nach dem Matin"-Jnterview Stresemann und Briand offiziell vor aller Welt die Hände geschüttelt, sind auch nur auf Mi­nuten und zu unverbindlicher Aussprache zusammengekommen. Der Zweck Lieser Demonstration war. offenbar, dem Streit der letzten Tage über die Kriegsschuldfrage die aktuelle Schärfe zu nehmen, die sie durch die Hetze Poincar^s und der andern bekommen hatte. Und wenn Poincarck weitere Reden zunächst ablehnt, so hat das jedenfalls den Sinn, festzustellen, daß in der augenblicklichen Situation eine Verschärfung des Gegensatzes von den Franzosen nicht gewünscht wird. Das letzte Stresemann-Interview hat ja, wie wir schon schrieben, auch wieder ge­zeigt, daß die französische und deutsche Denkweise an den tiefsten Widersprüchen nicht vorbeikommt.

Bei all dem taucht doch immer wieder das Problem der Locarno-Politik auf. nicht nur bei uns, sondern vor allem auch bei den Neutralen, in Italien und in England. Der in der hohen Politik außerordentlich bewanderteDaily Tele­graph" nimmt in zwei Artikeln zu der Frage Stellung. Er kann mitteilen, daß auch in Italien und in den neutralen Staaten der Eindruck kritischer Beobach­ter in Genf über die völlige Unver­einbarkeit der beiden nationalen Stand- puntte trotz allen Händeschüttelns sehr schlecht sei. Er selbst sagt, daß die Unter­redungen Stresemanns mit Briand ohne Ergebnis gewesen seien. Sie hätten den Rückschritt seit Locarno klargelegt. Auf zwei Punkte führt derDaily Telegraph" diese Lage zurück: Einmal auf die Hin- denburgrede, die, wie deutsche Links, Blätter klargelegt hätten, auf den (Ein, fluß Westarps zurückzuführen fei tman