Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

SbechcMche

Jcitunn

Wiget für ttas früher knrhefsische» Sberhrssen - Berkün»ignngsblatt für Statt und Kreis Marburg

Marburger rageöamjger

Die »Oberhessisch« Zeitung^ er- scheint sechsmal wöchentlich. Se- MgShreiS monatlich 2 SM. ans- schließ!. Zustellungsgebühr, durch ttaPost2.25 GM.Aür etwa infolge dttdti, Maschinen defekte oder elementarer Ereignisse ausfalli ad« Itummera wird kein Ersatz ge­lastet. Verlag d. Dr. §. -ttzeroth,' Druck der Univ.-Buchdruckerei v. 3* Llug. Koch, Markt 21/23. Arrusprecher: Nr. 54. u. Nr. 55. Postscheckkonto: Statt Frankfurt a. W. Rr. 5015. Sprechzeit der Sledaktto» von 1011 und

*M1 Uhr.

MM» kMbltztiWg

greitag, ten $e. Sept. 1927

Kr.22982 Mrg.

Marburg o. Lahn

Der Anzeigenpreis beträgt für den 10 gespalt. Zeilenmillimeter 0.08 GM., kleine Baranzetge« 0.06 GM., amtliche und aus­wärtige Anzeigen 0.10 GM. Bei ^schwierigem Satz sowie bei Platz- worschrift 50«/, Aufschlag. 1 Sammelanzeigen 100/, Auf» i schlag. Reklamen der Millim. 0,40 GM. Jeder Rabatt gilt al« Barrabatt. Ziel 5 Tage. Beleg« werden berechnet, ebenso Auskunft durch die Geschäftsstelle und Zusendung der Angebote. Er­füllungsort Marburg.

1 Goldmark s= '/«.»Dollar.

Sie Preußenanleihr

Washington, 29. Sept. Die Aus­sichten sux die Preußenanleihe haben sich innerhalb der letzten 24 Stunden erheb­lich gebessert. Im Staatsdepartement wurde heute erklärt, nach den inzwischen eingegangenen Informationen handele es sich nicht um eine Anleihe, gegen die die amerikanische Regierung Bedenken erhe­ben könnte. Man wisse hier zwar nicht, wann die Anleihe aufgelegt werde, jeden­falls sei aber von amtlicher amerikanischer Seite nichts beabsichtigt, was eine Aus­legung verzögern oder vereiteln könnte.

Berlin, 29. Sept. Zu der von der -Frkft. Ztg." gebrachten Meldung aus Wa- spington, die von einer endgültigen Ablehnung der preußischen An­leih e durch die maßgebenden Stellen in Washington spricht, wird dem Amtlichen preußischen Prefledienst von zuständiger Seite mitgeteilt, daß nach den hier vor­liegenden Informationen keinAnhalt für die Richtigkeit dieser Meldung vorliegt.

----

LürnsgkWrliche jlebungen tnr besetzten Miet

K ö l n, 29. Sept. DieKölnische Volks- zeftung" meldet in großer Ausmachung unter der UeberschriftLebensgefährliche Schießübungen", wie die französische Be­satzung mit Menschenleben spielt. Aus dem von der französischen Besatzung benutzten Truppenübungsplatz Grüneberg bei Trier Ist am Sonnabend, den 24. September von tiner französischen Truppenabteilung mit kleinkalibrigen Granaten Scharfschießen veranstaltet worden. Dabei überflog ein Teil der Granaten die Weindomäne Avels- ,bach und schlug innerhalb der Domäne unter enberem in unmittelbarer Nähe einer dort tätigen Abteilung von Tomä- uenarbeitern ein. Die Sprengstücke flogen bis dicht an die Arbeiter heran. Nur einem ganz besonderen Glückszufall ist es W verdanken, daß kein größeres Unheil passierte.

--------

Illstmr e. Sahl für ins Reichs, hmmifforitrt für ten Offen

.Der l i n, 29. Sept. Freiherr o. Gay! er/hsrte sich einem Vertreter desLokal-An» irrgers" gegenüber zu der Frage eines Aeichs- ^"nnissariats für den Osten und sagte u. a.: .Die Meltarngen über meine angeblich bevor- r^endt Ernennung zum Aeichskommifsar für

Osten entbehren jeder Grundlage. Ich daher besonders dankbar für die Gelegen- a\f- mich in der Oeffentlichkeit zu äußern.

Jahren vertrete ich auf Grund reicher Wahrungen auf diesem Gebiet den Ltand- daß die Sonderstellung Ostpreußens die ^tretung seiner wichtigsten Fragen durch me he-, Zentralbehörden des Deiches ^Errichtende Stelle fordert. In Preußen be» feit Jahren eme Ostpreuherrvertretung im -^-aatsministerium. tzs ist für jeden, der die »frhaltnisse übersieht, eine Selbstverständlich­es^ daß beide Ostpreutzenstellen Hand in arbeiten müssen. Für die Besetzung Ostpreußenstelle kommt lediglich ein mit

Derhällnissen vertrauter Beamter mit sprechendem Dang in Frage. Meme @r» «tnung ist überhaupt nicht in Frage ge- "Men, J<h h^be nie einen Zweifel darüber daß ich nicht daran denke, meine Abhängige Stellung gegen einen Deamten- einzutauschen.

auch offiziell mitgeteilt wird, hat der '^ranzler seine Sympathie für die Schaf­fst einer zusammenfassenden Stelle für Öst- . aßen ausgesprochen. Lieber die Form dieser

und über die Persorralfraze ist noch l<&t entschieden.

in Amerika

ft- London, 30. Sept. Nach Meldun­gen aus Newqork ist die Stadt St. Louis gestern von einem schweren Wirbel­sturm heimgesucht worden. Die Zahl der Toten wird auf 50 b i s g e s chä tz t.

Da jedoch der Zustand einer großen An­zahl Verletzter hoffnungslos ist, muß mit weiteren Todesopfern gerechnet werden. Der durch den Wirbelsturm angerichtete Schaden ist außerordentlich groß. Die Verbindungen find sämtlich unterbrochen, die Hospitale überfüllt. Der Sturm, dem ein wolkenbruchartiger Regen folgte,' war so heftig, daß die Fußgänger nicht 'gegen ihn ankämpfen konnten. Die National­garde ist nach der llnglücksstädte entsandt worden. Reben St. Louis haben auch die Staaten Arkansas und Oklahoma schwer unter dem Wirbelsturm gelitten. Die Verbindungen mit verschiedenen Bezirken im Staate Arkansas ist unterbrochen. Es ist daher nicht bekannt ob auch dort Ver­luste an Menschenleben zu beklagen find. Der Tornado wird als der schwerste seit 1896 bezeichnet, wo 140 Personnen ums Leben kamen.

ft St. Louis, 30. Sept. Bei dem Wirbelsturm wurden 50 Personen getötet und 200 verletzt. Tau­sende von Bäumen- wurde« entwurzelt. Der Straßenbahnverkehr ist lahm gelegt.

Ein Teil der Hochschule stürzte ein. Der Sachschaden ist sehr groß.

Die Sturm-Katastrophe in St. Louis.

ff. St. Louis, 30. Sept. Das Wetter­amt teilt uns mit, der hier und in Rudy (Arkansas) aufgetretene Sturm sei ein Ausläufer des Sturmgebietes in Nordost Arbanas. wo ein starkes Tiefdruckgebiet vorhanden sei. Der Tornado in St. Louis dauerte 5 Minuten. Der mit ihm verbundene außerordentliche starke Re­gen erhöht die Notlage des Opfer. Drei Frauen, die sich in einem einstürzenden Haus befanden, kamen unter den in Brand getretenen Trümmern ums Leben. Beim Einsturz einer Mauer eines Schul­hauses wurden mehrere Kinder verletzt.

ft St. Louis, 30. Sept. Nach weiteren Meldungen über die Orkankatastrovh« ist be­sonders N u t y (Arkansas) schwer heimgesucht worden. Dieses ehemals wohlhabende Obst- züchterdorf liegt jetzt in Trümmern. Bon 35 Wohnhäusern stehen nur noch 12, sowie fünf Läden und die Eisenbahnstation, 10 Personen wurden verletzt, davon wird eine voraussicht­lich ihren Berletzungen erliegen.

ft S t. Louis, 30. Sept. Nach neueren Fest­stellungen sollen bei dem Tornada 7 0 Per­sonen getötet und über 1500 ver­letzt morde« sein. Der Schaden, den die Stadt St. Louis erlitten hat, ist ungewöhnlich groß.

Serterunoen ter

,fk. Paris, 30. Sept. Die autono- mistifche ZeitschriftDie Zukunft" hat jetzt das ängekündigte Programm der neu ge­gründeten Partei der elsaß-lothringischen Autonomisten, veröffentlicht, das von Pa­riser Blättern folgendermaßen wiederge­geben wird:

1- Die elfaß-lothrrngsiche Rasse und Art muß aufrecht erhalten und unterstützt werden.

2. Die deutsche Sprache muß die Grund­lage des Unterrichts werden und den ersten Platz in der Schule, im öffent­lichen Leben, in der Verwaltung und in der Kirche einnehmen.

3. Die Verwaltung des Landes muß den Bedürfnissen des Landes entsprechen und aus dem Lande Eobürtigte müs­sen an ihrer Spitze stehen.

4. Die Rechtsprechung mutz verbessert werden. Die Wiedereinführung der Schöffengerichte wird gefordert. Die Schwurgerichte müssen ihre Verhand­lungen in deutscher Sprache führen. Alle Schwurgerichts- und sonstige Ur­teile, bei denen der französische Na­tionalismus die Wagschale zu Ungun­sten der Angeklagten hat beeinflußen können, müssen revidiert werden und ferner den Ausschüssen zur Prüfung der Naturalisierungsanträge müßen Entschädigungen gezahlt werden. Die Strafanstalten müssen reformiert wer­den. Tie Todesstrafe mutz abgeschafst werden. Die Verbüßung der Strafe muß innerhalb des Landes erfolgen.

5. Die elsaß-lothringischen Eisenbahnen

EMLMingtt müssen Eigentum des elsaß-lothringi­schen Volkes werden.

6. Elsatz-Lothringen muß seine Staats­bank, sowie seine Postverwaltung haben.

7. Die Bodenreichtümer müssen Eigen­tum des Volkes werden.

8. Vereinigung der elsaß-lothringischen Soldaten i« eigene Formationen, die im Elsaß stehen und Grade in deut­scher Sprache besitzen.

9. Die Sozialversicherung muß aufrecht erhalten und verbessert werden.

10. Städtische Einrichtungen müllen auf­recht erhalten und die städtischen Pflichten verstärkt werden.

11. Eine Arbeiterkammer muß begrün, det werden, um die Zahl der Kon­flikte zwischen Arbeitgeber und Ar­beitnehmer zu vermindern.

12. Eine vollkommene Reform der Steuer muß erfolgen, die den Bedürs- nifien deg Landes und seinen Ent- wicklungsmöglichkeiten entspricht.

13. Eine besondere Zollzone für das El­saß mutz eingekührt werden, damit dieses sich gemäß seines natürlichen Interesses ausdehnen kann.

14. Besondere Schulen für die Landwirtschaft, des Handwerks für Handelsangestellte und mittlere Techniker.

15. Das Stimmrecht für die Frauen.

16. Aufrechterhaltung des Status quo in Schule und Kirche, was die religiösen Fragen betrifft.

17. Entschädigung der Opfer des Krieges, der Revalosisierung des Vertrage» von 1919 und der Inhaber deutscher Kriegs­anleihen.

Ak Abschaffung ter MrSiirafk in Seifen

Darmstadt, 29. Sept. In dsr heu­tigen Sitzung des Hessischen Landtages wurde ein sozialdemokratischer Antrag, nach dem in Hessen grundsätzlich bei zum Tode Verurteilten die Genehmigung zur Voll­streckung der Todesstrafe nicht mehr erteilt werden soll, mit 23 gegen 22 Stimmen angenommen. Die Mehrheit ist eine Z u- f a l l s m e h r h e i t.

Ser gtaggtntonflfM btlgdtgf?

Berlin, 29. Sept. Das HotelKai­serhof" hat heute zu Ehren des Kongreßes der Fachpreße geflaggt. Auf dem Dache sieht man drei Fahnen, in der Mitte die s^varz-weiße. an den Ecken je eine schwarz-rot-goldene und eine schwarz-weiß- rote. Das preußische Handelsministerium, die anderen eingeladenen preußischen Be-* Hörden und der Magistrat von Berlin haben, demB. T." zufolge, es wegen dieses Kompromißes abgelehnt, an dem heute abend i«Kaiserhof" ftattfinden- deu Bankett beit Fachpresse teilzunehmen.

Sie Strafrechtsreform vor »em Ausschuß

Berlin, 29. Sept. Im Reichstagsaus­schuß für die Strafrechtsreform wurde der Entwurf eines Strafgesetzbuches weiterberaten. Eine längere Aussprache entstand über die Bewertung der Unzurechnungsfähig­keit beim Begehen der Tat. Rach Par. 13 der Vorlage ist nicht zurechnungs­fähig, wer z. Zt. der Tat wegen Dewutztselns- störung, wegen krankhafter Störung der Gei- stestätigkeit oder wegen Geistesschwäche un­fähig jst, das Unrechtmäßige der Tat einzu» sehen oder nach dieser Einsicht zu handeln. Weiter bestimmt die Vorlage:War die Fähigkeit zur Zeit der Tat aus einem dieser Gründe wesentlich vermindert, so kann die Strafe gemildert werden".

In der Abstimmung wurde Par. 12 un­verändert angenommen. Auch der erste Absatz des Par. 13 wurde ohne Aende- rungen genehmigt. Der zweite ' Absatz des Par. 13 erhielt folgende Fassung:

War die Fähigkeit, das Unrechtmäßige der Tat einzuseben, oder nach dieser Einsicht zu handeln, zur Zeit der Tat aus einem dieser Gründe erheblich vermindert, so ist die Strafe zu mildern."

--*--

Rußlaub un» Frankreich

Daily Teleßraph" zur Frage eines russisch-französischen Paktes.

fk. London, 30. Sept. Der diplo» matis ie Berichterstatter desDaily Tele. e schreibt zur Frage eines russisch.

isischen Paktes: Die Sowjet-Regie, ntng möchte gern Frankreich folgende drei Verpflichtungen auferlegen, die mit sei­nen Pflichten als Mitglied des Völker­bundes gemäß Artikel 16 der Satzungen unvereinbar fein würden:

Eine Zusage französischer Neutralität in fedem Kriege, in den Sowjet-Ruß­land verwickelt werden könnte, aus­genommen einen Krieg mit Polen.

2. Eine formelle Anerkennung der jetzi­gen Sowjetgrenzen seitens Frank­reichs.

3. Ein Versprechen Frankreichs, niemals an irgend welchen wirtschaftlichen Maßnahmen, wie einem Boykott oder einer Blockade teilzunehmen, die ge- gen Sowjet-Rußland gerichtet wären, selbst wenn sie vom Völkerbund an. empfohlen worden seien.

Der Korespondent wirft die Frage auf, wie Moskau, abgesehen von seinem pol. msch-russischen Nichtangriffspakt, Frank, reich einen Austausch sür derartige Zu. sagen bieten könnten. Die Sowjet- Regierung braucht einen Handelsvertrag wett mehr als Frankreich. Die russische Zusage der Einstellung Frankreichs feind- ltcher Propaganda sei beretts in offenkun­digster Werse verletzt worden.

*

Großbritanniens Haltung in der Tanger­frage.

ff. London, 30. Sept. Der diplo­matische Korrespondent desDaily Tele­graph" führt zu der bevorstehenden Zu- sammenkunft zwischen Chamberlain und Primo de Rivera in Barcelona an, die m einem Teil der hiesigen Presse berechtig, tes Aussehen erregt hat, aus, der britische Standpunkt zum künftigen Statut Tangers sei vollkommen unverändert. Großbritanien stehe weiterhin zum Grundsatz der Inter- Nationalisierung der Tanger-Enklave un weitesten Sinne, ohne ausschließlich oder überragende administrative Rolle Frank­reichs, oder Spanien, oder mit einer liberalen Anerkennung der Interessen Italiens. Großbritanniens Haltung müsse weiterhin geleitet werden von der Er­wägung, daß eine Flottenschlüsselstellung von Tanger mit Bezug auf die Meerenge von Gibraltar nicht in die Hände einer einzelnen Macht übergehen darf.