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Sienslag, len N. Sevr. 192?

tM «Obrrhrfstsch« Zeitung" et- sechsmal wöchentlich. Be- gggflped» monatlich 2 SM. ou<- ffciW- Alstellungsgebühr, durch ^Post2LL «MLtr etwa infolge Streik«. Maschinen defekte oder Elementarer Ereignisse «»«fallende Kummern wird kein Ersatz ge- leistet. Verlag d. Dr. §. Hitzeroth» Darf der Untv.-Buchdruckerei b. S* Ang. Koch, Markt 21/23. gernschrecher: Nr. 54. u. Nr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt «. W. Nr. 5015. Sprechzeit tzgr Redaktion von 1011 und '1,11 Uhr.

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Anzeiger für (das früher kurhessischef Sbeehefse« - Berkündismisshlatt für Stadt und Kreis Marburg

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Annabmr der fünf EnlMMngrii in Seal

Genf, 26. Sept. Die Völkerbundsver­sammlung hat heute vormittag, wie be­reits kurz gemeldet, die fünf Entschließun­gen des Abrüstungsausschusses einstimmig angenommen. Die erste dieser Entschlie­ßungen fordert, daß die Zivilaviatik nur wirtschaftliche Ziele verfolgen darf und verlangt die Förderung von Abkommen zwischen den Luftfahrtgesellschaften der einzelnen Länder. Mit der zweiten und dritten Entschließung stimmt die Versamm­lung den Beschlüssen und Empfehlungen des Rates über beschleunigten Zusammen­tritt und Beschlußfassung in Krisenfällen zu. Die vierte Entschließung betrifft den finnischen Antrag, eine finanzielle Hilfe für angegriffene Staaten im voraus zu amortisieren und empfiehlt die Fortsetzung der Vorarbeiten zum Abschluß eines ent­sprechenden Staatenabkommens. Die fünfte und wichtigste Entschließung emp­fiehlt, wie bereits "vor einigen Tagen aus­führlich gemeldet: 1. Entwicklung der Schiedsgerichtsbarkeit, Abschluß von zwi­schenstaatlichen oder Kollektivverträgen, um das Vertrauen zu schaffen, das für einen vollen Erfolg der Abrüstungskonfe­renz unerläßlich ist. 2. Den beschleunig­ten Abschluß der technischen Vorarbeiten für die Abrüstungskonferenz.

Mmahme des Budgets des Völkerbundes.

®~e n f. 26. Sept. (WTB.) Der Haus­haltsplan des Völkerbundes, der für das Generalsekretariat 15 340 000 Goldfran- kdn, das Internationale Arbeitsamt 7 834 000 Goldfranken und den ständigen Internationalen Gerichtshof 2 159 000 Goldfranken, insgesamt 25 333 000 Gold- franken beträgt, wurde heute von der Dölkerbundsversammlung angenommen

Im Haushaltsplan sind ausgeworfen: für die Abrüstungskonferenz, wie im Vor­jahre, 300 000 Goldfranken, für die Vor­arbeiten 135 000 Franken, für die Kon­ferenz zur Kontrolle der Rüstungsindu­strie 130 000 Franken, und für die Fort­setzung der Arbeiten der Weltwirtschafts­konferenz 174 000 Franken Für das in diesem Herbst in Berlin zu gründende Büro des Völkerbundes sind 30*000 Gold­franken angesetzt.

Neue Lage in Genf

Berlin, 26. Sept. Nach Auffasi ang der deutschen Delegation in Genf ist, wie den Blättern mitgeteilt wird, durch die Rede I a s p a r s eine neue Situation ge­schaffen worden. Die Besprechung zwi­schen Dr. Stresemann und de Brouchere wird im Laufe des heutigen Tages vor sich gehen. Man wird in dieser Unterredung den deutschen Standpunkt in Bezug aus die Rede Iafpars zur Geltung bringen und auf die neue Situation Hinweisen.

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Man für eine nrm ErmbrUinnMMay st. Lo » dvN . 27. Sept. Admiral Saito, der japanische Delegierte bei der Genfer Flottenabrüftungskonferenz hat gestern in Kobe ein. Gegenüber einem Pressever­treter erklärte Admiral Saito, daß er seiner Rgierung die Einberufung einer »weiten Dreimächtekonferenz zu eine« «öglichft frühen Datum empfehle» werde. Ohne KomprouNtz sei kein Ucbereinkom- «en möglich, aber es glaube, daß eine »weite Konferenz erso.greich wäre, da die drei Mächte nunmehr die Situation genau kenuen würde». Japan habe darauf ver­zichtet «ach de« Beschluß der Genfer Kou- ferenz sei» Sonderbauprogramm durch. zufühven, sondern werde sich auf di« Ver­wirklichung der bereits bestehende« srühe- re» Pläne beichränken.

Die Mwetter in den MM

TU- Basel, 26. Sept. Die Ost- und Südschweiz wurde infolge starker Regen- fälle der beiden letzten Tage von einer Hochwasserkatastrophe heimgesucht. Zm Bündener Oberland gingen gleichzeitig mehrere Steinschläge nieder, die auch Opfer an Menschenleben forderten. Der Luftkurort Schiers in Prätigau ist ge­fährdet. Der Verkehr auf der Rhätischen Bahn ist unterbrochen. Mehrere Brücken wurden fortgctrissen. Aehnliche Nachrich­ten kommen auch aus der Ostschweiz. Die Rheintallinie d.r Bundesbahnen ist an zwei Stellen unterbrochen und zwar bei Trübbach und zwischen RLti und Salez. Die Rheinbrücke zwischen Buch an der österreichische» Grenze und Schaan ist einge stürzt. Auch der Verkehr der österreichischen Staats­bahn von FeldkirH nach Buch ist unter­brochen. Auch im untere» TZsin hat der starke Regen der letzten Tage große Ueber- fchwemmunaen heroorgerufcn. Am See von Lugano richtete ein Sirocco in der Nacht zum Sonntag großen Schaden an. Der DampferTicino" wurde gegen den Quai geschleudert und ging unter. Der Quai selbst wurde an einer Stelle durch die Wasiermasfen stark beschädigt, sodaß er abgefperrt werden mußte. Auch einige Barken ginge»<auf dem See unter.

Aehnliche Nachrichten komme» aus Ita­lien. So ging i» der Provinz Toscana ein Gewitter mit sintflutartigem Regen nieder. In Florenz richtete ein Platz­regen Uebrichwemmungcn en. Zn der Provinz Casentino wurde ein Dorf über-- schwemmt, wodurch grrher Sachschaden ent­stand.

Chur, 26. Sept. Das Sinke» der Temperatur und der Schneefall in der Nacht zum Montag haben trotz des weiter andauernden erheblichen Regens eine Ausdehnung der Katastrophe verhindert. In Tavanja sind sieben Personen ums Leben gekommen. Der Bahnver­kehr. St. MoritzBergest konnte wieder ausgenommen werden.

Die Katastrorbe in Tirol.

Innsbruck, 26. Sept. Die Auswirkungen der Unwetterkatastrophe in Nord - Tirol sind nach den neuesten Meldungen bedeutend um­sangreicher als zuerst angenommen wurde. I« E s ch n i tz - T a l wurden sämtliche Brücken weggerissen. Militär aus Innsbruck muhte eine größere Anzahl Menschen aus den Hau­sern befreien. In Innsbruck selbst trat die Sill in zwei Stadtteilen aus den Ufern. Zwei Brücken wurden weggerisien, das städtische S i l l w e r t, das die Stadt Innsbruck mit Strom versorgt, war sehr gefährdet. Um 9 Uhr vormittags muhte die Strahenbahn in Innsbruck wegen Strommangels den Be r - lebt einsiellen. Katastrophale Folgen batte das Unwetter im Zillertal. Der Ziller richtete Ueberschwemmungen an, sodah die Berbindunge» zwischen de» einzelne» Orten unterbrochen sind. Der Da«m der Ziller-Babn wurde an mehreren Stellen überflutet und durchbrochen. Ebenso find die Telegravben- und Televbonleitungen zerstört, sodah die Hinteren Gemeinde» de« Tales nicht mehr erreichbar sind. Das Dors Ramsberg steht vollständig unter Master. Die Bewohner find in den Häusern eingeschlostev. Auch in die Ortschaft Zell ist das Master eingedrungeu. Die Ortschaft Stumm ist vollständig abgeschnitteu. Die Stromversorgung des Tales ist unmöglich, die Schäden sind sehr grob. Das untere Zillertal ist von der Katastrophe uoch nicht mit­genommen.

Die Hochwasterkatastrovbe in Tirol hat nach den bisherige» Feststellungen drei Todes- opser gesordert. Sn Innsbruck selbst find zwei Arbeiter bei Eindämmungsarbeiten Hi der Sill ertrunken. I» Zell wurde ei» Ar- beiter von den Flute» weggerisse» und konnte nicht mehr geborgeen »»erben.

ft. Rom, 27. Sept.Messagger» meldet, dah in Klausen der untere, Teil der Stiege überschwemm: ist. Der Fluh erreichte bis 10 Uhr abends 4,20 Meter über den Normal­stand. Nachrichten aus Sterring besagen, dah di« Uebeibleibiel von fünf zerstörte» Brücken

durch den Fluh mitgefübrt werden. Die Nationalstrabe ist an vier Punkten unter­brochen. Der Schaden soll zwei Millionen Lire betragen. In Pasteiertal beträgt der Schaden über 1 Million Li». Die National- strabe Del Jas» ist auf eine Strecke von drei Kilometer überschwemmt.

Innsbruck, 26. Sept. Zu den lleber- schwemmungen in Tirol berichtet dieNeu­este Zeitung", daß sich die Verwüstungen, die int ganzen G schnitz-Ta le ang« richtet wurden, noch nicht übersehen lassen. Der Gschnitzbach hat an dielen Stellen ein ganz neue# Bett durch Kulturland genommen. Sech# Personen in Gschnitz, die sich au# einem Hause nicht mehr retten konnten, konnten erst durch Pioniere der Jnnsibrucker Garnison befreit werden. Eine Hilfsaktion wurde durch die Tiroler Landesregierung eingeleitet. Zu den Ueberschwemmungen im Zillertal« berichtet dieNeueste Zeitung" ein Todesopfer in Zell.

Ein Hilfszug ins Master gestürzt.

Innsbruck, 26. Sept. Die ..Neueste Ztg." meldet: Im Laufe des Sonntags trat auch im E i s a ck t a l starker Regen ein, der zu Ver­murungen an der Brennergrenze führte. Ins­besondere wurde nördlich von Franzensfeste eine Strecke von 160 Metern vollständig durch einen Erdsturr verschüttet. Noch in der Nacht ging ein Silfszzng mit Ar- beitern ab. Zwei Kilometer hinter Franzensfeste führt die Strecke über eine Brücke, unter der ein Seitenbach der Eisack --""dst. Dnrch da« Hschmaster waren an­scheinend die Fundamente der Drücke unter­waschen und als der Hllfszug über die Brücke fuhr, stürzte sie ein. Der Maschinen­führer konnte sich durch Abspringen retten, da­gegen versanken alle Arbeiter mit dem Zuge, bet ans Lokomotive und einem Maggon bestand, in die Tiefe des Eisack. Kein einziger von ihnen konnte sich retten.

Der Eisenbahnverkehr über den Brenner unterbrvchen.

Rom, 26. Sq»t. Der Eisenbahnver­kehr zwischen Franzensfeste und dem Brenner ist vorläufig unterbrochen. Der Verkehr zwischen Trentino einerseits und Oesterreich und Deutsckland andererseits erfolgt über die Linie Franzensfeste JnnichenSpittal.

Die Ncberfchwemmnngen im oberen Rh-in- UL

Bregenz, 26. Sept. Der Landeshaupt­mann von Vorarlberg, Dr. Ender, hat sich in be# liebe rsch roemm u rre#gebeet be­geben. Bom Ortskommando Bregenz sind geegtn 200 Mann mit zahlreichen Booten zur Hilfeleistung dorthin geschickt worden. Wei der Einmündung der Jkl in den Rhein müssen die Dämme ebgetragen werden, um den Wassermassen Abfluh »u schaffen. Bon der Eiseirbahnbrücke bei Buch# steht nur noch der mittlere Bogen; die Vorbrücken sind von den Fkuten weggerissen worden. Auf der Lichtensteinschen Seite ist der Bahn­damm in einer Ausdehnung von 5000 Metern verschwunden. Die Schienen ragen in bte Luft.

Sr egens, 26. Sept. Bei Gmnprin hat der Rhein i« einer Breite von 30 Meter eine Lücke i» den Damm gerissen. Die Bewohner flüchten a»f die Dächer. Alveniäger find in das lleberschawrnmungsgebiet nach Liechtenstein ab- gegattgen.

Buchs (Rheintal), 26. Smit. Arn Montag morgen hatte der Dammbruch auf der Liechten- steiaische» Seite eine Steife von 200 Meter erreicht. Er gebt bis znr Eisenbahnbröcke, deren Pfeiler unterspült find, so dah die Schie­nen in da» Master hänge». Das ga«ze Ge­lände gegen de« Schellenberg bildet eine» gro­ben See. Sm Dorfe Schaan reicht das Master bis zu de» Türe« der Erdgeschohwobnuugen. Ein Babnwärtethällsche» der österreichischen Bundesbahnen ist in de« Flute« verschwunden. Auch die Gleise und der Bahndamm find auf ehret Sänge von 300 Metern vollkommen über­schwemmt. Der Sabnbofsvorsteher von Schaan rnnrde beite früh ht der Nähe des Bahnhofes tot aulvefunde«. Et wat von den Fluten überrascht werden und ertrinke«. Seine Fran und auch einige Liechtensteinische Feuerwehr­leute »wbw vermißt. Der Draht verkehr mit Lichtenstein ist Unterbrochen.

Nie MW ru kn Metten

Paris, 26. Sept. DerTemps" hält die gestern von Poincare und Barth ou gehaltenen Reden für außerordentlich be­deutsam vom internationalen Gesichts­punkt aus. In Deutschland herrsche der alte, deutsche ränkesüchtige Geist, der sogar bei den offiziell von den besten Absichten erfüllten Männern zum Vor­schein komme; in Frankreich die Liebe zum Frieden, der man O p f e r zu bringen bereit sei, aber keine Gegenliebe, die des Menschen Herz adelt: in Deutschland die kalte Berechnung, wie man aus dem all­gemeinen Wunsch der Welt nach Frieden politisch Vorteile ziehen und dadurch das zunichte machen könne, was der Sieg der Alliierten geschaffen habe; das fei die Lage, die man feststellen könne. Die Rede von Tannenberg habe tatsächlich einen Wendepunkt in der Geschichte der deut­schen Republik herbeigeführt. Das Vor­handensein dessen, was der entthronte Kaiser den Geist von Tannenberg nenne, der in Opposition zum Geiste von Lo­carno stehe, ist ein Faktum, dem man Rechnung tragen muß, und gegen das die ehrlichen deutschen Republikaner und Demokraten mit größter Energie vor­gehen müßten, wenn sie wünschen, daß die Aussöhnung der Völker und der dauerhafte Frieden sich nicht als enttäu­schende Illusionen Herausstellen.

Die deutsche Preffe fragt in ihrer über­wiegenden Mehrheit neben der Zurück­weisung der Verleumdungen danach, was die deutsche Regierung zu tun ge- denke. Daß man aber in Frankreich imfere Linke sehr gut kennt, zeigenBl. Tagebl." undVorwärts". DasB. T." wendet sich gegen Strefernenn und Marx, die die Rede Hindenburgs nicht hätten gut heißen dürfen und schreibt dann:Wenn weiter auf diese Weise Politik" gemacht werden soll, können wir wieder herrlichen Zeiten entgegen« gehen. Solche peinlichen Feststellungen seien aber kein Grund, die Reden Barthous und Iaspars entschuld­bar zu finden. Beide hätten kein Recht, die Ankläger zu spielen und von Leuten, die kein mit Recht garantiert umgebenes Untersuchungsverfahren dulden wollten, könnten weder ein Urteil noch Ermah­nungen angenommen werden." Der Vorwärts" sieht alle Schuld auf deut­scher Seite und erklärt, die Diskussion und die Reden seien überhaupt nur ent­standen, weil der Reichsaußenminister nicht den Mut hatte, gegen eineim höch­sten Grade überflüssige und schäd­liche Stelle in der Tann en der g- Rede des Reichspräsidenten" Ein­spruch zu erheben. DerVorwärts" kommt zu dem Sc^:Das alles kommt eben davon, wenn man auswärtige Poli­tik mit den Deutschnationalen macht."

Die FrankfurterVolkstimme" bringt es fertig, ihren Artikel zu überschreiben: Eine Ohrfeige für Hindanburg!" Kom­mentar überflüssig.

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Nm Sete ki Sttfh.» Maltern

Schwerin, 26. Sept. Die sterbliche« Ueberreste des Botschafters v. Maltzan find auf bei« Fanrlliengute Groß-Luckow vorläufig im großen Hallenzimmer cmfgebabrt, wo die Trauerfeier morgen {tattfinben wird. Die Grabstätte des Botschaften liegt auf einem Platz unter hoben Bäumen, auf welchem auch sckne verstorben« Mutter ihre Ruhestätte schon gefunden hat. Die Vertreter des Reiches aus Berlin werden morgen vormittag zur Be­stattung in Vollrathsruhe mit dem D-Auge eintreften.

Berlin, 26. Sept. Anläßlich bes Todes des Botschafters Freiherr v. Maltzan habe« zahlreich« hiesige Missionen beim Auswärtigen Amt ihre Anteilnahme bekundet. U. a. sprachen bi« Vertreter folgender Länder ihr Beileid aus: Eowietrußland, Frankreich, die Türkei, die Vereinigten Staaten von Amerika, Groß­britannien, Spanien, der Heilige Stuhl, Finn­land, Estland, die Schweiz, Lettland, Polen, Dänemark, Argentinien, Schmede», Bulgarien, Boliwion, Tschechoslowakei, Venezuela und Siam.