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Bartbous eine Rede, die eine
Erwiderung auf Hindenburgs Ausführungen
in Tannenberg darstellt. Er erklärte u. Wir haben den Marokkokrieg ebensowenig wollt, wie den anderen.
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Söhnen Mühlhausens" besage, so führte er aus, daß man unter den Toten, gleichviel aus welcher Seite sie gefallen seien, nicht eine Unterscheidung mache« will. Poincare ging dann auf die Geschichte Mühlhausens ein und erklärte dabei u. a.: Während der Trennung sei Mühlhausen immer in Gedanken dem Vaterlands treu geblieben. Selbst Kaiser Wilhelm, fuhr er fort, habe dieses Gefühl der Bewohner von Mühlhausen so gut gekannt, daß er sich während feiner ganzen Regierung hütete, sich in die Straßen Mühlhausens zu begeben.
Poincare war bei diesen drei Festlichkeiten von Kriegsminister Painleve und dem
Eine Rede Darthous.
ff. Paris, 26. Sevt. Gestern nachmittag wurde in Livron im Departement Unter« pyrenäe ein Denkmal zur Erinnerung an den Kommandanten des Postens von Bibon (Marokko) enthüllt. Als Vertreter der französischen Regierung hielt Iustizminister
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Wir sind in gleicher Weife unschuldig an dem Blut, das ein herrschsüchtiges Volk, ein Wilhelm II. und ein Abd el Krim haben versieben lasten. Es gibt Dementis, die die Geschichte nicht annimmt und die, aus welchem Munde sie auch kommen mögen, gegen die Wahrheit der Tatsachen nichts vermögen. Das Deutschland von 1914 batte keine reine Hände. Nachdem wir die Grausamkeiten erlebt haben, werden wir unsere Toten nicht entehren lasten. Das Schweigen, das, wenn es gegenseitig ist, wir gern gewähren wollen, ist die notwendige Bedingung für die Annäherungen, die den Frieden der Welt erheischt. Um diesen Preis allein können wir-ser- gesten.
Die unvorsichtigen Rehabilitierungen bringe« die Gefahr mit sich, vor der Oef- fentlicheit den Ton einer verwegene« Herausforderung anzunehmen. Die internationale Beruhigung, die nur langsam über so viele Hindernisse triumvhiert. würde dabei schnell all das verlieren, was die nationale Eigenliebe dabei gewinnen möchte. Das wäre ein grobes Unheil. Frankreich, besten friedfertige Rolle die Geschichte bei den Verhandlungen fest- gestellt hat, die dem Kriege von 1914 vor- ausgingen, nimmt mit der gleichen vertrauensvollen Ruhe das Urteil der Geschichte über die Verantwortung am Marokkokriege an. Darthous sing dann int weiteren auf die politischen Ereignisse des Marokkofeldzuges ein und behauptete, daß Abd el Krim als Instrument auswärtiger Verschwörungen gebandelt habe.
Anmerkung des W.T.B.: Es ist zu bedauern, dab Herr Barthous seine goldenen Worte von der Nützlichkeit des Schweigens und der Schädligkeit allzuvielen Redens nicht schon vor langer Zeit an gewisse Minifter- kollegen gerichtet bat und dab er auch bei seinen vorstehenden Worten den Rat, zu schweigen, nur in dem einen Punkt befolgt hat, auf dem es jeden Unbefangenen ankommen muh: Nämlich hinsichtlich der deutschen Bereitwilligkeit, diese grobe Streitfrage einer unparteiischen Instanz zu überweisen.
* * . ♦
Rede« Poincarös.
Paris, 25. Sept. Poincare hat heute im Elsaß drei Kriegerdenkmäler eingeweiht. 3n St. Ama rin wies er in seiner Rede besonders daraufhin, daß die Elsässer, zu deren Ehren bas Kriegerdenkmal errichtet wurde, zum Teil unter verschiedenen Fahnen gedient, baß sie sich aber tapfer geschlagen hätten, was man jetzt gemeinsam bedauere.
Alsdann hat Poincare das zu Ehren der französischen Alpenjäger errichtete Denkmal auf dem Elsässer Belchen bei Gebweiler eingeweiht . Er führte u. a. aus, er wisse, daß es nicht mehr Mode sei, die Tugenden zu rühmen, die ein Volk bei der Kriegführung habe. Er bestreite nicht, daß in einer so mörderischen Art und Weise internationale Konflikte zu regeln, wie sie der Krieg darstelle, eine Art Herausforderung der Menschheit liege. Er wünsche, wie jeder vernünftige Geist, daß die Gewohnheit der Schiedsgerichtsbarkeit immer mehr an die Stelle der Gewalt setze und bah bald dieKriege nur noch eine schlimme Erinnerung fein mögen. Frankreich sei
trotz allem gezwungen, Lorsorge zu treffen.
Wenn. Frankreich unglücklicherwelle einem neuen Angriff zum Opfer fallen würde, so würde feine Bevölkerung dieselben Tugenden wiederfinden, tote während des Weltkrieges. MiMlligen wir, so schloß Poincare, die Gewalt und Barbarei. Wir wünschen den Frieden und arbeiten stetig für den Frieden.
Dte dritte Einweihung war die des Krieger- deukmals m Mühlhausen. Die Inschrift .Den
Widerstandes in Belfort folgendermaßen schloß:
„Wir misten sehr wohl, daß ein Miß- anstatt ste aus dem Wege zu räumen. Aber so nützlich und notwendig die Versuche der Zusammenarbeit auch sind, so können sie uns für den Augenblick nicht die volse Sicherheit bringe«. Wir sind also sehr wohl gWvungen, Eventualitäten — wenn auch nicht als wahrscheinlich, so doch als möglich — ins Auge zu fasten, die uns eines Tages in die Notwendigkeit versetzen, uns oder unsere Freunde zu schützen. Deshalb können wir heute weder auf befestigte Plätze noch auf Soldaten. die sie verteidigen, verzichten. Belfort ist eine sehr friedliche Stadt, die noch niemanden zu schädigen versucht hat. Sie hat sich darauf beschränkt zu antwor- worten.wenn man sie angreift. Ganz Frankreich befindet sich in derselben Einstellung."
Der belgische Minister Zaspar spricht.
ft. Ostende, 26. Sept. Hier fand gestern die Einweihung eines Denkmals zu Ehren des katholischen Staatmannes Beernaert statt, der im politischen Leben Belgiens eine führende Rolle gespielt hat und im Jahre 1912 verstorben ist. In seiner Einweihungsrede gab Ministerpräsident Iaspar einen Rückblick auf das Leben Beernaerts, wobei er u. a. ausführte: Deernaerts, der sich so sehr um die Festigung des Friedens in Europa bemühte und von so tiefem Glauben daran erfüllt war, ist der beispiellose Schmerz erspart geblieben, das Verbrechen mitzuerleben, das „reinen Herzens" von denen begangen wurde, die unsere Reutralltüt verletzt haben. Er hat nicht die furchtbaren Tage erlebt, in denen die Invasion derer „mit den reinen Händen"
unser ««schuldiges Vaterland der Brandstiftung, dem Mord und der
Verwüstung ausgeliefert hat (!!)
Er hat die
unentschuldbare« FLfiilierungea von Frauen, von Greisen, von Kinder« in
der Wiege
nicht kennen gelernt. Sein Herz krampfte sich nicht zusammen angesichts des
systematischen Ranbes
träges, den das Blatt als grundlegend für den Friedensvertrag bezeichnet, wird von dem Zugeständnis Deutschlands gesprochen, obwohl dem „Temps" sehr wohl be« bannt ist, unter welchen Umständen dies Zugeständnis erfolgt ist.
„Intransigeant" schreibt: Wir haben gemeinhin eine Chance für
sere Gegner sind Lügner. Während des ganzen schrecklichen Krieges häuften sich die Lügen und auch seitdem haben die
Journal" erklärt, jede Polemik über die Verantwortlichkeiten der Vergangenheit könne der Lösung der gegenwärtigen Probleme nur hinderlich sein, die einen gewissen Grad von Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Deutschland vomus- setzen.
daß der deutsche v o r s ä griff die in aller lebenden Länder
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Paris, 24. Sept. Die Abendblätter besprechen die Erklärungen Stresemanns im „Matin". Der „T e m p s" schreibt: Wir sehen sehr wohl, wohin man uns führen möchte. Das jüngst versuchte Manöver, die Frage des Franktireurkrieges in Belgien wieder aufzurollen, hielte auf nichts anderes ab als darauf, eine große internationale Debatte herbeizuführen und die allgemeine Revision der e n d g ü I t i g e r- Lebigten Streitfrage (!!) der Verantwortlichkeit Deutschlands am Weltkriege in die Wege zu leiten. Unter Hinweis auf den Art. 231 des Versailler Ver-
unserer industtiellen Ausrüstung.
lebte weder Löwen, noch Dise, noch TamineS noch Aerschott, noch . D in a n t. Er hat nicht mehr mit Augen, die vor Entsetzen brannten, den langen Zug unserer Mitbürger davonziehen sehen, die wie Sklaven zu Tausenden deponiert wurden. Auch die letzte Prüfung blieb ihm erspart, sein geliebtes Vaterland gegen den Haß und die Derleum- du ng verteidigen zu müssen, die beharrlich sind, mit den
Deutschen nicht diese Gewohnheit verloren. Wenn sie behaupten, nicht am Kriege von 1914 schuldig zu sein, tun sie nichts anders, als erbärmlich lügen.“
Die nationalistische „Sibert e" leistet es sich, von einer Verabredung zwischen dem Reichspräsidenten von Hindenburg und Litwinow zu sprechen. Die Deutschen und die Sowjets haben nach Ansicht dieses Blattes eine diplomatische Offensive eingeleitet. Deutschland bediene sich der Waffen, die man ihm liefere. „Der Grundsatz der Schiedsgerichtsbarkeit ist anerkannt", so fährt das Blatt fort, „also fordern wir ein Schiedsurteil über die Kriegsverantwortlichkeit!" Frankreich sei also gewarnt.
Das Gewerkschastsblatt „Le PeupIe“ erklärt u.a., daß niemand dem Deutschland gewaltsam entrissenen Schuldbekenntnis einen juristischen und moralischen Wert zuerkennen könne. Es handele sich um einen unverantwortlichen Miß brauch der Ge- walt. Behaupten zu wollen, daß durch diesen Text des Versailler Vertrages die' Ursache der Kriegsverantwortlichkeit für immer abgeurteilt sei, sei eine Haltung, die Frankreich nur schwer schaden könne, vor allem angesichts der Tatsache, daß es
als einziges Landes mit der Oeffnung der diplomatischen Archive nicht einmal begonnen habe.
Es sei eine patriotische Legende,
Mt dtlM - btlMm StrWlnngtn mehr ff. Genf, 26. Sept. Zn der Frage der Einsetzung eines unparteiischen Untersuchungsausschusses über den Frank- tireurkrieg in Belgien seien für heute Montag neue Verhandlungen über die Herausgabe eines gemeinschaftlichen deutsch-belgischen Kommuniques vorgesehen. Zn hiesigen Kreisen ist rna« der Meinung, daß die gestern in Ostende gehaltene Rede des belgischen Ministerpräsidenten Zaspar eine völlig neue Sachlage geschaffen hat. da infolge der neuen Beschuldigungen gegen Deutschland die bisherigen Voraussetzungen für et« gemeinschaftliches Communiqus in der Frank« tireurfragc nicht mehr bestehen dürften.
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Die letzten Tage sind anläßlich der Hin- denburg-Rede in Tannenberg offenbar hochpolitischen Charakters. Hatte diese Rebe selbst schon die Kritik, namentlich her Franzosen, in schärfster Form herausgefordert, so hat das Interview, das der Keichsaußenminister Dr. Stvesemann einem Vertreter des „Matin" gab, die ganze Meute unserer Feinde wieder mobil gemacht. (Das Interview wurde bereits ron uns am Sonnabend veröffentlicht ) Die französische Presse ergeht sich in unerhörten Beschimpfungen Deutschlands, der unvermeidliche Poincarö redet gleich drei bis vier Mal. Barthou, der belgische Minister Jasper nimmt das Wort und viele andere sprechen, die offenbar nicht durch die Presse verbreitet werden — die reine rednerische Invasion!
Man fühlt, unsere Feinde sind an dem richtigen Nerv getroffen worden. Das, was sie erwidern, brauchen wir Deutsche kaum eines Wortes zu würdigen. Schon Lar ly le wußte, daß das französische tzolk der Unruheherd Europas ist, daß der Drang nach dem Rhein diese Sadisten immer wieder zu kriegerischen Exkursionen veranlaßt hat. Und daß diese Franzosen, besonders Poincare, jahrzehnte lang nichts anderes gedacht haben als den Stieg zur Wiedergewinnung Elsaß- Ltihringens, ist bekannt. Die unerhörten Wlimpfungen Jaspers dürften wohl 1 *4 von feiten Deutschlands noch ein Mchspiel haben.
Für die Franzosen ist die Lage außer- Rbentlid) peinlich. Briand hält Friedensreden in Genf. Wenn auch nur auf dem Sapier, geht es an die Abrüstung. Beides für die Regierenden in Paris sehr unangenehme Dinge. Gleichzeitig hören sie, daß Hindenburg und Strefemann die Kriegsschuld leugnen. Sie vernehmen, daß Strefemann auf die Sonntagsreden Poin- carös mit ihren Beschimpfungen Deutschlands und der deutschen Politik mit deut- lich erhobenem Finger hinweist! Sie hören von der Möglichkeit der Einsetzung eines Schiedsgerichtes, das die Verantwortlichkeiten prüfen soll, obwohl s i e doch überzeugt sind, daß diese Frage längst entschieden (!!!), sei nämlich im Versailler Vertrag. Nur einige Blät- kr sind so ehrlich, einzugestehen, daß dies «ine Entscheidung ist. Ja, wenn es tier zwecklos und unberechtigt ist, auf diese t rage zurückzukommen, warum be- chimpfen dann Poincare und die übrigen irden Sonntag wieder uns der Greuel- f toten u. s. f.
Es ist aussichtslos, sich mit dem Fran- Wen darüber zu unterhalten.
. Sauerwein schreibt im „Matin", daß die toi „Matin"-Interview gegebenen Strese- kmn-Erklärungen über die Kriegsschuldige über die gestrige Debatte im Völker- tittb eine Wolke gebreitet hätten. Gegen toine Gewohnheit habe auch Brand Strese- i toinn nach dessen Rede nicht die Hand ge- i tii&t und man könne sogar davon spre-
^n, daß die beiden Minister sich aus dem «ege gegangen feien.
„Die Feststellung der deutschen Kriegs- toulb im Versailler Vertrag sei die Moralische Grundlage der Deutschland aufgezwungenen 'ntwaffnung und infolgedessen
> 'e r U n g l e i chh eit, dieheutezwi- ®)en ihm und den Nationen be»
l ehe, non denen es die Abrüstung ver- ] torge. Deutschland werde nur nach und i °ch einer Behandlung auf dem Fuße der Mchberechtigung trotz Locarno und trotz ?rnf unterworfen werden können. Die Me der gestrigen Rede Stresemanns: Aenn der Völkerbund nicht genau den Pfeiff der Abrüstung umschreibe, werde nicht nur ein Fiasko sein, sondern M ernstliche Folgen für die Zukunft
1 F>en können" — deutet Sauerwein da- xN> daß Strefemann auf eine etwaige grberung nach Revision des militärischen
Autfthloads angespielt habe. —