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Anzeiger für (das früher kurhessische) Oberhessen - Berküntigunssblatt für Statt mit Kreis Marburg
Jas Wort SeultolnnM
In Tannenberg wurde es gesprochen. Das deutsche Wort. Einmütig weist das deutsche Volk die Behauptung zurück, daß Deutschland am Kriege schuld sei. In allen seinen Schichten. Hindenburg sprach es, nicht nur der Heerführer, der Sieger oon Tannenberg. sondern der Präsident des Deutschen Reiches in Gegenwart des verantwortlichen Ministers. Diese Tatsache wird heute erneut von Berlin aus sestgestellt.
Demnach dürfte diese Erklärung sowohl nach innen wie nach außen programmatische Bedeutung haben.
Wir Deutsche freuen uns, daß bei diese r Gelegenheit und au: diesem Munde in unmißverständlicher, scharfer, aber niemand verletzender Form das ausgesprochen wurde, was immer wieder gesagt werden müßte, daß alles, was an den Folgen des Krieges bisher über uns gegangen ist, sich «uf jener großen Lüge aufbaut, deren Anerkennung man von uns erzwungen hat.
Wenn man die üblichen Sonntagsreden in ; Frankreich und auch sonstwo liest mit ihren gehässigen, von bösem Gewissen, Lüge und Verleumdung strotzenden Beleidigungen, so freut man sich umso mehr der würdigen Feststellung des verehiulngswürdigsten Mannes, den Deutschland heute hat. Freilich, unsere „Feinde" werden unruhig, und ihre Presse zeigt es. Gerade die würdige Form macht sie . stutzig. Sie selbst taumeln vor Dünkel und .Unduldsamkeit. Hier keine Verletzung eines andern. Hindenburg sprach nicht von den I'tieberfällen auf ungeschützte deutsche Städte, von der Hungerblockade und vielem anderen mehr. Er will nur d i e verteidigen, die im ©labe ruhen, und Zeugnis ablegen für die, die reinen Herzens in den Krieg zogen. Dieses Recht wird man dem deutsch »n Volke niemals nehmen können. Der „Petit Parisien" gibt wohl das böse Gewissen Frankreichs wieder, wenn er tn den Worten Hindenburgs das Signal Deuts lands zu einer Aktion gegen die Kriegsschuldlüge sieht, die er mit Recht als die Grundlage des Versailler Vertrages ansieht. Die der Verbrecher, der seinen Raub in der Tasche hat, gern damit die Sache als erledigt ansieht, als gäbe es kein Recht, so auch Frankreich. Wir verstehen es wohl, aber wir werden er uns nicht bieten lassen, dafür bürgen uns die Worte Hindenburgs. . ♦♦
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Berliner Blätter zur Hiudenburgrede.
Berlin, 19. Sept. Die feierliche Verwahrung Hindenburgs gegen die Lüge von der Schuld Deutschlands am Weltkriege findet mit wenigen Ausnahmen in der Berliner Presie begeisterte Aufnahme. Die „Deutsche Zeitung", die die Worte Hindenburgs eine Eiaatshandlung allererster Ordnung nennt, etklärt: „Jetzt erst gilt es, auf dem Boden, den Hindenburg geschaffen, zu arbeiten und zu i kämpfen. Aehnlich äußert sich der „Lokal-Anzeiger", der betont, daß das deutsche Volk die Angelegenheit nicht eher ruhen lasten werde, -. tt!s bis der Kamps über die Grundlage des Versailler Vertrags vor wirklich unparteiischen Richtern zum Austrag gebracht ist. Die „Berliner BSrsenzeitung" sagt: „Französische Sonn» lagssrediger wie Poineare und Maginot und belgische Dinant-Redner dürfen allwöchentlich wahre Pfeifkonserte auf Locarno veranstalten, während der Präsident des Deutschen Reiches nicht einmal in seelischen, würdigen und nicht aggressiven Worten der Wahrheit die Ehre Beben soll." Die „Dägl. Rundschnu" schreibt: „Wie alle die Tausende deutscher, Männer und Frauen, die Hindenburg am gestrigen Sonntag zuhören durften, seine Worte als eine Befreiung empfanden, so werden sie von allen, in beten Seelen die Schmach der Kriegsschuldlüge brennt, als eine Befreiung empfunden werden." Die „Germania" stellt fest, daß gestern der Reichspräsident mit Nachdruck auf die Unhaltbarkeit der falschen These von der Kriegsschuld Deutschlands hingewiesen bat, — wehr nicht. Der Wortlaut der Rede des Reichspräsidenten zeige, daß von dem Anfang einer großen Aktion in der Kriegsschuldfrage Nicht die Rede sein könne. Das „Berliner Tageblatt" schließt sich dem Wunsche des Reichspräsidenten an, der in seinen Worten über Deutschlands Bereitschaft liege, sich unparteiischen Richtern zu stellen. Es fei nicht anzunebmen, daß dem feierlichen Appell des deutschen Reichsoberbauptes an das Ausland irgend ein praktischer Erfolg beschieden sein Merit».
Der Kanzler in Ostpreußen
Königsberg, 19. Sept. Im Kneiphöf- schen Rathause erfolgte heute nachmittag ans Anlatz der Anwesenheit des Reichskanzlers Dr. Marx und des Reichsinnenministers von K e u d e l l ein Empfang der kommunalen Körperschaften, an dem auch die Spitzen der Staatsbehörden, die Vertreter der Landwirtschaftskammer, der Handels- und der Handwerkskammer und andere führende Persönlichkeiten teilnahmen. Oberbürgermeister Dr. Lohmeyer gab nach Worten der Begrüßung ein eingehendes Bild der Entwicklung der Stadt Königsberg und schilderte besonders die schwierige Lage, in die Königsberg und die Provinz Ostpreußen infolge der durch den Versailler Ver- trag herbeigeführten Abschnü - rüng gekommen seien. Er sprach den Wunsch und die Hoffnung aus, daß recht bald der Augenblick eintreten möge, wo Ostpreußen wieder mit dem Reich vereint sei. Schließlich sprach sich der Oberbürgermeister für die Schaffung eines besonderen Staats- sekretariates für Ostpreußen aus und gab der Hoffnung Ausdruck, daß durch die persönlichen Eindrücke des Reichskanzlers in Ostpreußen eine neue Aera der Ostmarkenpolitik eingeleitet werde.
Darauf ergriff der
Reichskanzler
das Wort. Er erklärte, für den leitenden Staatsmann fei es von Wert, immer die unmittelbare persönliche Fühlung mit allen Kreisen der Bevölkerung herzustellen. Er oollte aber auch die Versicherung abgeben, „daß wir uns unlöslich eins mit Ihnen fühlen und aus diesem Gefühl der innigsten Schicksals- verbundenheit es als eine der vornehmsten Pflichten des Reiches betrachten, Hand in Hand mit dem preußischen Staat an Ihren Röten in jeder nur möglichen Weise helfend teilzunehn n. Ich komme von Tannenberg, und Sie werden mir Recht geben, daß sich nicht in Worte fassen läßt, was das Erlebnis des gestrigen Tages für den verantwortlichen Leiter der deutschen Politik bebrütet, jeder zur Seite des Befreiers Ostpreußens auf dem blutgetränkten Boden der Befreiungsschlacht den Volksgenossen, die hier ihr Leben für die Heimat Hingaben, in ehrfürchtiger Dankbarkeit huldigen durfte. Reben diesem Erlebnis des Sichversenkens in eine große Vergangenheit steht als zweiter gewaltiger Eindruck der Anblick dessen, was noch mitten im Ringen des Völkerkrieges aus den Trümmern zerstörter Siedelungen dank unentwegten Schaffensmutes neu erstanden ist. Rur mit Wehmut vermögen wir auszudenken, wie glücklich die Entwicklung von Handel und Wandel, von Gesittung und Wohlstand hätten verlaufen können, wäre sie nicht durch das furchtbare Unheil des Weltkrieges und verhängnisvoller noch durch die Neugestaltung der Grenzen im Gefolge des unglücklichen Kriegsausgan- ges unterbrochen worden.
Der Reichskanzler erinnerte dann an die Schaffung des Ostpreußen-Programms und fuhr fort: Wohl find auch andere Gebiete des Deutschen Reiches durch neugeschaffene Grenzverhältnisse auf das empfindlichste in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung gehemmt worden und deshalb berechtigt, vom Reiche Hilfe zu erwarten. Die Reichsregierung hat aber — und dies gilt ganz besonder« hinsichtlich des sogenannten So- sort-Programme« von 1926 und des Grenzfonds von 1927 ,— stets im Auge behalten, dah nirgends sonst in deutschen Landen, ja überhaupt nicht irgendwo auf dem europäischen Kontinent eine aus da« Engste mit dem Gesamtkörper des Reiches wirtschaftlich und kulturell verpflochtene Provinz
durch künstlich« Abschnürung zur Insel gemacht
worden ist und daß deshalb die völlige Ausnahmestellung der ostpreuhi- schen Grenzgebiete in einer entschiedenen
Bevorzugung bei der Zumessung der Reichshilfe zum Ausdruck kommen muß. Die Reichsregierung ist entschlossen, diese Politik in dem durch die ernste Finanzlage leider nun einmal unerbittlich gezogenen Rahmen auch in Zukunft folgerichtig fortzusetzen. Dabei gedenft sie keineswegs nur an die finanzielle Unterstützung einzelner kultureller, charitativer oder produktionsfördernder wirtschaftlicher Unternehmungen. Vielmehr gedenft sie, daraus Bedacht zu nehmen, daß der Produftions- förderung eine Lasteasenkung und insbesondere eine allgemeine Kreditverbilligung parallel geht. Das Reichskabinett besitzt volles Verständnis für den Wunsch Ostpreußens, seine Bedürfnisse und Anregungen bei einer damit besonders zu be- ttauenden Stelle innerhalb der Reichsregierung in Berlin zur Sprache bringen zu können. Ich kann Sie auch versichern, daß ich dem Gedanken der sichtbaren Zusammenfassung an einer auch jederzeit zur persönlichen Entgegennahme ostpreußischer Wünsche bereiten Reichsstelle durchaus sympathisch gegenüberstehe. Nachdem dann der Reichskanzler nochmals hervorgehoben hatte, dah die Auffassung der Reichsregierung über ihre Aufgaben gegenüber Ostpreu^n befttmmt wird durch das Be- wuhtsein, daß die Reichsregierung mit der ihr vom Volke überttagenen Gewalt auch das volle Maß der Verantwortung übernommen hat für die bestmögliche Erfüllung der unverjährbaren Pflichten, die dem Gesamtvoll aus der Abschnürung Ostpreußens erwachsen, gab er der Hoffnung Ausdruck, dah die Arbeit der Reichsregierung nicht nur die erhofften unmittelbaren Früchte zeitigen, sondern darüber hinaus einen starken Rückhalt bilden werde für den Willen zur Zusammenfassung der Kräfte im Dienste friedlichen Wiederaufstieges.
Eine weitere Rede des Reichskanzlers in Königsberg.
Königsberg, 19. Sept. Bei einem heute abend von der Stadt Königsberg veranstalteten Essen in der Stadthalle ergriff nach der Begrüßungsansprache des Oberbürgermeisters Dr. Lohmeyer und einer Ansprache des Oberpräsidenten Siehr, Reichskanzler Dr. Marx das Wort. Er gab seiner Heber« jeugung Ausdruck, daß es dank der Arbeitsfreudigkeit und dem Pflichtbewußtseln auch in Ostpreußen tvieder vorwärts gehe. Aber die Grenzen dessen, das Ostpreußen aus eigener Kraft leisten könnte, seien erreicht. Hier müsse das Reich helfen. Ostpreußen müsse zu einer nationalen Frage des Deiches werden. (Lebhafter Beifall.) Er versprach, daß er sich in der Reichsregierung dafür einsetzen werde, Ostpreußen zu helfen,, soweit e« die finanzielle und wirtschaftliche Lage des Reiches gestatte. Politik heißt nicht nur das tägliche zu erreichen, sondern in unseren jetzigen Zeit Gegensätze auszugleichen, Gegensätze auszugleichen gegenüber unseren Gegnern, Gegensätze auszugleichen aber auch im inneren Lager. Dah das nicht ganz angenehme Stunden verschafft .liegt auf der Hand. Es läßt sich nicht leugnen, dah wir innerpvlitssch Vor« angenommen sind und der Gegensatz der Parteien ist gemildert. Ich wage es zu sagen, dah nicht nur bei denjenigen Parteien, die sich verantwortlich fühlen, weil sie an der Regierung teilnehmen, die Ueberjeugung immer lebendiger wird, auch die Opposition muß staatserhaltend wirken. Eie darf nicht nur Opposition sein, sie muh Mitwirken, vielleicht auf anderen Plänen, vielleicht mtt anderen Zielen, aber der Gedanke des Staates muß int Vordergrund stehen. Wenn ich unseren Herr Dei^präsident sehe, so habe ich die Ueberjeugung, das ist der Mann, der uns für die Vorsehung in unserer schweren Zeit gegeben ist, ein Mann von so edler Gesinnung, von einem Ansehen. in der Well, wie es nicht höher geschätzt werden kann. Bon einer Offenheit, einer Selbstlosigkeit, wie es von uns allen als leuchtendes Vorbild geschätzt werden muh. Wenn wir der ehrwürdigen Gestalt unseres Reichspräsidenten folgen, dann wird es gut mit unserem Vaterland bestellt sei». Das ist meine feste Ueberjeugung.
Berlin, 19. Sept. In einer Berliner Mittagszeitung wird die BeharH- tung aufgestellt, Hindenburg habe bet der Einweihung des Tannenberg-Denftnals nicht als Reichspräsident, sondern als Heerführer gesprochen, und deshalb seien seine Ausführungen nicht von politischer Tragweite. Demgegenüber stellt die „Sägl. Rundschau" fest, daß Hindenburg auch bei dieser Gelegenheit selbstverständlich in seiner Stellung als Reichspräsident auf getreten ist, wenn er auch gleichzeitig als verdienstvollster Heerführer jener Lage an der Erinnerungsfeier teilgenommen hat. Wie der Reichspräsident immer bei seinem Auftreten die verfassungsmäßigen Voraussetzungen in jeder Beziehung gewahrt hat, so ist auch im, vorliegenden Falle selbstverständlich, dah et nicht als ein Privatmann improvisiert« Aeußerungen vorgettagen hat. Vielmehr unterliegt es keinem Zweifel, daß die Reichsregierung über die Rede des Reichspräsidenten vollständig unterrichtet' war. Diese Feststellung bezieht sich auch auf den Reichsaußenminister, der gegenwärtig in Genf weilt.
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Französische Pressestimmen.
Paris, 19. Sept. Der „Temps“ und das „Journal des Dsbats" besprechen die gestrige Rede des Reichspräsidenten in Tannenberg. Der .jlemps" sucht 8u beweisen, daß es zwei verschiedene Deutschland gebe und dah niemand wissen könne, welches von beiden den Sieg baoontragen werde, so dah im Friedensinteresse das von dem Blatt zum Ausdruck gebrachte Mihtrauen und der Ruf nach starken Vorsichtsmaßnahmen berechtigt erscheine. Es gebe in der Welt noch zu viel Groll und Ranküne, so schreibt das Vlatt, als dah das Vertrauen lediglich durch das Prestige einiger edler Formen wiederhergestellt werden könne. Die Worte, die der Präsident der deutsches Republik gestern gesprochen habe, seien m dieser Hinsicht belehrend. Das „Journal des Debats" fragt: Welches Vertrauen kann man noch zu Männern haben, die die Ansicht vertreten. dah Deutschland 1914 keinen Fehler begangen habe? „Figaro" schreibt: Den Versailler Vertrag zunichte zu machen und bidfc'e* batte über die Kriegsverantwortlichkeit wieder aufzurollen, so schlägt der Reichspräsident „feierlichst" vor. Die Stunde ist glücklicherweise noch nicht gekommen, in diesem Punkte nachzugeben. Vielleicht war es gut, daß die Ansprache von Tannenberg uns erneut offiziell die wahre Sprache Deutschlands zu Gehör gebracht hat.
Eintreffen des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers in Königsberg.
Königsberg, 19. Sept. (WTB.) Mit dem fahrplanmäßigen Zug von Allenstein kommend traf der Reichspräsident gegen 11 Ahr hier ein. Mit dem gleichen Zuge trafen Reichskanzler DrMarx und Reichsminister Dr. v. Keudell ein. Sie wurden auf dem Bahnhofe vom Ober- präsidenten, dem Regierungspräsidenten und dem Oberbürgermeister empfangen. Dr. Marx und Dr. v. Keudell verabschiedeten sich im Salonwagen vom Reichspräsidenten, Dem Reichspräsidenten wurden Blumen In den Salonwagen gereicht; das auf dem Bahnhof befindliche Publikum bereitete dem Reichspräsidenten bei der Wetterfahrt des Zuges herzliche Kundgebungen.
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«MieMsa» ter Generals Reinhardt
Berlin, 19. Sept. Wie hie „Dost. Ztg» meldet, hat General Reinhardt, Oberbefehlshaber des Gruppenkommandos n in Kastel, der als Oberst der letzte preuhische Kriegs, Minister war, sein Abschiedsgesuch eingereicht. Es sei auzunehmen, dah dieses genehmigt wer» den wird. (Das Wolff-Büro bemerkt dazu: Eine Bestätigung dieser Berliner Meldung war in den späten Abendstunden an hiesiger zuständiger Stelle nicht mehr zu erhalte».)
ff. Berlin, 20. Sept. Zu dem Abschiedsgesuch des Generals Reinhardt bemerken mehrere Blätter, dah eine Entscheidung über das Gesuch erst erfolgen kann, wenn der Reichspräsident und der Reichswehnnmistek nach Bern» zurückgekehrt lein werde».