Nennerslag, ten 15. Sepi. 1927
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Sos RMI z-gerin
DaS Dätsel des feit längerer Zeit verschwundenen polnischen Generals 3 a g o r - K wird immer verwickelter und mysteriöser.
e polnische Zeitung kommt jetzt mit der sensationellen Mitteilung hervor, von einem unverkennbaren ^Lebenszeichen" des polnischen Generals Kenntnis genommen zu haben. Dieses Lebenszeichen soll in der Gestalt eines Briefes bestehen, den General Zagorski kürzlich an eine Abteilung im polnischen Innenministerium gerichtet habe. Wie die Zeitung behauptet, faffe dieser Brief erkennen, daß der General sich zurzeit in Westerplatte bei Danzig befände. Da die Tatsache dieses Briefes von den fwlnischen Behörden bisher nicht fortgeleugnet wurde, so darf man annehmen, dah er in Wirklichkeit existiert, aus welcher Kombination die polnische Zeitung auch die nicht unrichtige Erkenntnis schöpfen darf, dah der auf so rätselhafte Weise verschwundene General Zagorski wenigstens noch am Leben ist. Einiges aus der Borgeschichte dieser Affäre dürfte interessieren. Bekanntlich ist General Zagorski einer der unerbittlichsten Gegner Pil- subskis, dessen Staatsstreich er feiner Zeit den hestigsten bewaffneten Widerstand entgegensetzte. Als schließlich Pilsudski doch noch .arriviert" war, bemächtigte er sich der Person seines Widersachers. Er lieh ihm in die Festung Wilna überführen, wo er ihn sorgfältig vor der Aussenwelt verwahrte. Anscheinend war dem polnischen Aationalheros dieser Aufenthalt seines Widersachers nicht sicher genug. Er lieh ihn eines Tages durch bewafstrete Garden nach Warschau transportieren, worauf erst die sensationelle Affäre des Rätsels Zagorskis begann. Denn der polnische General verschwand ganz plötzlich Jotm der Bildfläche. Auch die energischsten Nachforschungen seiner Freunde erbrachten keine Spur des Verschwundenen. Selbstverständlich bemächtigte sich sofort die große Oesfentlichkeit Warschaus dieser Affäre. Teils behaupteten die oppositionellen Zeitungen, -Zagorski wäre von Schächern Pi fudfkis e t ülrt und dann niedergemacht worden, teils behauptete die Regierungspresse, der Ber- -chwundene sei geflohen. Eine Lösung des Rätsels konnten auch die spitzfindigsten Journalisten nicht ans Tageslicht fördern. Man kann sich daher den Eindruck vorstellen, den die Mitteilung der polnischen Zeitungen über den wiedergefundenen Zagorski in der Warschauer Oesfentlichkeit auslöste. Immerhin hat man bisher nur ein .Lebenszeichen" gefunden, den Dermihten selbst aber noch nicht.
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Aagorski in Paris?
Warschau, 14. Sept. Nach heute in Warschau eingetroffenen Informationen befindet sich der verschwundene General Zagorski jetzt in Paris. Er hat durch Vermittlung eines seiner Danziger Bekannten seinen Septemberbeitrag für den Unterstützungsfonds der Hinterbliebenen der polnischen Flieger nach Warschau überwiesen.
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Nrr Bull» in Litauen
Korono, 14. Sept. Zur Untersuchung der Tauroggener Unruhen hat d e litauische Regierung eine Kommission eingesetzt, der bereits die Verhaftung von hundert Aufständischen gelungen i|t.
Ferner ist es gestern nacht zwischen litauischer Polizei und Putschisten zu einem schweren Feuergefecht gekommen. Einer der Führer der Tauroggener Aufständischen, der frühere sozialdemokatische Landtagsabgeordnete Mikulskis, fand dabei durch eine Kugel den Tod. Der Tauroggener Kreishauptmann Erisas wurde von unbekannt gebliebenen Putschisten erschossen.
Eine Haussuchung in den Räumen der sozialdemokratischen Partei und in der Redaktion des „Sozialdemokratas" führte Sur sofortigen Verhaftung von fünf ehemaligen Abgeordneten. Viele sozialdemokratische Führer sind ins Ausland geflohen.
Der Kommandant des Memelgebietes und des Kreises Krottingen hat eine Verordnung erlasien, in der es heißt, daß viele Putschisten sich verborgen halten und daß sie durch Polizei und litauische Tchützen verfolgt werden. Unbekannte Und verdächtige Personen sind festzunehmen und der Polizei zu übergeben. Es ist verboten, den Verbrechern irgendwelche Hilfe zu leisten.
Ein neuer EKiMerWsenlwurf
Genf, 14. Sept. In der heutigen Nachmittagssitzung des Abrüstungsausschusses des Völkerbundes legte der erste Delegierte Norwegens, Frithjof Nansen, einen Entwurf für eine internationale Konvention für die obligatorische schiedsgerichtliche Regelung von Streitigkeiten vor, der folgende Bestimmungen vorsieht:
i Die Signatarstaaten verpflichten sich, alle zwischen chnen bestehenden Streitfragen für den Fall, daß eine Einigung nicht erzielt werden kann, sich einer schiedsgerichtlichen Regelung zu unterwerfen.
Bei allen furistifchen Streitfragen erkennen die Signatarstaaten die Zuständigkeit des Haager Schiedsgerichtshofes als oblagito- rifch an.
In anderen Streitfragen wird ein Komitee von Schiedsrichtern auf Grund gegenseitiger Uebereinkunft zwischen den beiden Parteien gebildet.
Falls die beiden streitenden Parteien sich hierüber nicht einigen, kann der Völkerbund selbst auf Grund eines Mehrheitsbeschlusses das Schiedsrichterkomitee bilden und die Fragen sestlegen, über die das Komitee entscheiden soll.
Die streitenden Parteien verpflichten sich innerhalb eines bestimmten Zeitraumes, die Entscheidung des schiedsgerichtlichen Komitees anzunehmen und im Laufe einer Zeit von sechs Monaten loyal durchzuführen.
Diese Konvention berührt in keiner Weise die Rechte und Verpflichtungen der Signatarstaaten, sowie andere schiedsgerichtliche Konventionen, die bereits bestehen oder in Zukunft eingegangen werden.
In der Begründung zu diesem Entwurf wies Nansen darauf hin, daß eine internationale Konvention über die schiedsgerichtliche Regelung von Streitfragen die Durchführung der Abrüstung erheblich erleichtern würde. Die Abrüstung sei jedoch auf Grund des Völkerbundspaktes durchführbar. Der Stand der gegenwärtigen Rüstungen in Europa fei noch außerordentlich hoch. Die Militärbudgets in Europa betrügen gegenwärtig insgesamt 19 Milliarden Goldfranken und entsorächen beinahe dem Niveau der Rüstungsausgaben von 1914. Die von ihm vorgeschlagene schiedsrichterliche Regelung, die keinen obligatorischen oder fakultativen Charakter trage, könnte auf dem Wege der Abrüstung einen Schritt vorwärts bedeuten.
Bei Begründung seines Antrages schlug Friedjof 3t "en noch vor, daß der Konventionsentwurf zunächst von der ersten juristischen Kommission der Dölkerbundsversamm- lung geprüft werden soll'. Hierauf solle die Vollversammlung sämtliche Mitglieds^ aaten auffordern, zu dem Entwurf innerhalb des nächsten Jahres Stellung zu nehmen. M
Der ungarische Delegierte General Tancos erklärte hieraus, daß Ungarn jeglicher Regelung zustimmen würde unter der Bedingung, daß nicht nur die besiegten Staa - t en, sondern sämtliche Mächte zur Durchführung der Abrüstung gezwungen würden. Gegenwärtig gebe es Staaten, die abgerüstet und Staaten, die noch voll gerüstet seien und nicht daran dächten, zu einer Einschränkung ihrer Rüstungen 3U schreiten. Die Mächte, die noch nicht abgerüstet hätten, erklärten, daß der Artikel 10 des Völkerbundspaktes den abgerüiteten Staaten eine genügende Sicherheit gewähre. Es sei nicht su begreifen,
warum dieser Artikel nicht auch eine genügende Sicherheit für diejenigen Staaten bieten könne, die heute noch nicht abgerüstet seien.
Es sprachen ferner der rumänische Delegierte C o n n e n e und als Sprecher Englands Lord Onslow. Er erinnerte an die Note vom 16. Juni 1919, die von Clemenceau unterzeichnet sei, in der die Entwaffnung Deutschlands der erste Schritt zur allgemeinen Abrüstung genannt sei, welche die Mächte als eines der besten Mittel zur Verhütung von Kriegen zu verwirklichen suchen, jener Verminderung und Beschränkung der Rüstungen,
deren Bewirkung eine der ersten Aufgaben des Völkerbundes ist. Heute sagt man „Abrüstung durch Sicherheit", damals hieß es „Sicherheit durch Abrüstung". „Warum nun wieder die Sicherheit ungenügend fein soll, ist nicht verständlich. Ich konstatiere, daß die Völker anfangen. die Sicherheit nur noch als einen Vorwand zu betrachten, die Abrüstung zu verschieben."
6raf Bnnflorsf fordert Abrüstung
Reichstagsabgeordneter Graf Bernstorfs hob hervor, daß Deutschland jede Regelung der Abrüstungsfrage annehmen werde. Es erscheine erforderlich im Hinblick auf die Debatte dLr letzten Tage auf die historische Entwicklung des Begriffes „Sicherheit" im Laufe der letzten zehn Jahre hinzuweifen. Die Note, die Clemenceau im Namen der Alliierten und Assoziierten am 16. Juli 1919 Deutschland übergeben habe, enthalte eine authentische Interpretation dieses Begriffes. In der Not heiße es, daß die Entwaffung Deutschlands den ersten Schritt zu der allgemeinen Herabsetzung und Beschränkung der Rüstungen durfte I l e. die die alliierten und assoziierten Mächte als eins der wesentlichsten Mittel zur Verhütung des Krieges durchzuführen suchten. Die Herabsetzung und Beschränkung der Rüstungen sei eine der Hauptpflichten des Völkerbundes. Graf' Bernstorff wies sodann auf die gestrigen Ausführungen Paul Boncours hin, in denen der Gedanke der Sicherheit durch Abrüstung zum Ausdruck gekommen sei. Demgegenüber stellt Graf Bernstorfs die Formulierung „Sicherheit durch Schiedsgericht u”b Abrüstung". Die Vollversammlung von 1926 habe die Sicherheit für hinreichend garantiert angesehen, um bereits im Jahre 1927 eine Abrüstungskonferenz einberufen zu können. Der holländische Delegierte Laudon, der Vorsitzende der vorbereitenden Abrüstungskommission, habe erklärt, die Sicherheit sei inzwischen noch gewachsen. Es sei nicht verständlich,
warum nunmehr die Sicherheit wieder als ungenügend angesehen
werden solle. Die Sicherheit schreite fort, doch ihr fei b: her nicht die Abrüstung gefolgt. Während die Sicherheit in der letzten Zeit große Fortschritte gemacht habe, zeige der Abrüstungsgedanke seit dem Versailler Friedensver- trag nicht den geringsten Fortschritt. Der klare Wortlaut des Absatz 6 des Art. 8 des Völkerbundspaktes verlange ferner die volle Publizität des materiellen Adrüst - ungsstandes der Länder. Dieser Absatz sei bisher niemals durch- geführt-- Graf Bernstorfs betonte sodann, in der öffentlichen Meinung aller Völker werde die Formulierung der Sicherheit lediglich als eine Terminologie aufgefaßt,
um hinter ihr einen Auftchub der Abrüstung verbergen zu können.
Man müsse jetzt der Welt zeigen, daß man wirklich ehrlich abrüften wolle. Det Redner erklärte sodann, mit dem Antrag des polnischen Delegierten in der nunmehr vorliegenden Form einverstanden zu fein. Er hob hervor, es sei nicht verständlich, aus welchem Grunde der Zusammentritt der vorbereitenden Abrüstungskonferenz verschoben werden solle. Der Gedanke der Sicherheit mühte selbstverständlich auch von der vorbereitenden Ab- rüstungskommission erörtert werden. Nicht durch Verschiebung, sondern allein durch Beschleunigung der Abrüstungs- arbeiten könne man oorroärts kommen. Gras Bernstorfs schloß mit den Worten: In den Debatten der letzten Tage ist die Trilogie ausgestellt: Warten, Hoffen, Handeln! Wir fordern jedoch vor allem das Handeln im Interesse des Paktes und der Menschheit.
Die Ausführungen Graf Bernstorffs wurden von der Ve.sammlung mit langanhaltendem Beifall ausgenommen:
Frankreich und das Abrüstuugsprotokoll.
ff. Paris. 15. Sept. Der Vertreter der Havag-Agentur in Genf meldet, es fei wahrscheinlich, daß die französische Delegation in der dritten Kommission einen allgemeinen Antrag einbringen werde, der die Frage der Sicherheit und der Abrüstung mitein, ander verbinden wolle. Der Antrag soll der vorbereitenden Ab» rüstungskonferenz vorgelegt werden, wie sie diese doppelten Probleme in seiner Gesamtheit behandeln sollen. Hierbei soll weder irgend einer der Gedankengänge noch irgend eine der Texte des Protokolls ausgeschlossen werden, denen Frankreich und andere Staaten zugetan sind.
Die Arbeiten in Genf.
Genf, 14. Sept. Am morgigen Donnerstag, der die Wahlen der drei neuen nichtständigen Ratsmitglieder bringen wird, wird der Rat in seiner jetzigen Zusammensetzung seine beiden letzten Sitzungen abbalten, die u. a. die von der griechischen Regierung vor den Rat gebrachte Angelegenheit des von einet deutschen Werft auf Grund eines Vorkriegs- vertrags zu liefernden Kriegsschiffes „Salamis" regeln sollen und weiter die noch auf der Tagesordnung stehenden Danziger Fragen behandeln werden. Die beiden wesentlichsten Fragen, die sich auf die Forderung Danzigs nach Verlegung des polnischen Munitionsdepos von der Westerplatte beziehen, sind zunächst auf juristische und formelle Schwierigkeiten gestoßen, für bereit Behebung nur geringe Aussichten vorhanden zu fein scheinen. Gleichfalls in juristischer Beratung befindet sich der ungarisch, rumänische Optantenstreitfall, bei dem diesmal Gras Apponyi Ungarn vor dem 3fat vertreten wird.
Bor den Wahlen mm" BölkerSundsrat.
ff. Genf, 15. Sept. Wie das D.D.3.-Büro erfährt, dürfte in der heutigen Ratswabl Belgien die Wiederwahlfähigkeit und«w- scheinend die Wiederwahl erreichen. An Stelle Salvadors hat Kuba ziemlich sichere Aussichten auf Wahl; an Stelle der Tschechoslowakei werde die Aussicht Finnlands am günstigsten beurteilt, obwohl auch Kanada eine Chance hat. Bei einer Nichteinigung der Parteien hat sowohl Griechenland wie auch Dänemark gewisse Aussichten.
Besprechungen zwischen Dr. Stresemann und der saarländischen Delegation.
Genf, 14 Sept. Heute vormittag hat die seit einigen Tagen unter Führung von Kommerzienrat Röchling hier weilende saarländische Delegation Reichsaußenminister Dr. Sttesemann ausgesucht. Die Besprechungen galten einer Reihe wirtschaftlicher Fragen des Saargebiets. Sie sollen in Berlin fortgesetzt werden.
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Skk Kampf gegen die ttulW Schule
Deutscher Schulstreik in Kvschenti«.
K a t t o w i tz. 14. Sept. Die deutsche Minderheitenschule in Koschentin (Kreis Lublinitz in Polnisch-Oberschlesien) wurde pon der Woiwodschaft vor kurzem geschlossen mit der Begründung, daß nach dem Genfer Abkommen die Zahl von 40 Kindern nicht erreicht sei. Tatsächlich kommen aber zu den für dieses Schuljahr angemeldeten 32 Kindern 16 aus dem Vorjahre, die rechtmäßig angemeldet, aber unberechtigt zurückgewiesen waren, so daß die vorgeschriebene Zahl sogar überschritten ist. Als die Erziehungsberechtigten am Tage des Schulbeginns ihre Kinder der deutschen Schule zuführen wollten, wurden sie erneut zurückgewiesen. Sie beschlossen, deshalb in den Schulstreik zu treten mit der Begründung. daß sie sich weigern, ihre Kinder in polnische Schulen zu schicken. Daraufhin stellte die Polizeibehörde den streikenden Eltern nunmehr Strafbefehle wegen Schulversäumnis in Höbe von drei Zloty für den Tag zu.
Wieder eine deutsche Schulklasse weniger tu Ostoberschlefien.
Königshütte, 14. Sept. Die Obersekunda in der Oberrealschule in Königshütte wurde zu Beginn des neuen Schuljahres am 1. September nicht mehr eröffnet, obwohl 18 Schüler nach dieser Klasse versetzt waren. Eine beim Woiwoden vorstellig gewordene Abordnung des Elternrates erreichte lediglich die Zusage, daß die in Frage kommenden Schüler in der Oberrealschule in Kattowitz Aufnahme finden sollten.