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Dienstag, WIX 66el. ISN

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Marburger

Tagesanzeiger

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Aich Seal Nerniierss fordert Abrüstung

Tagung des Abrüstungsausschusses in Genf.

Genf, 12. Sept. Unter starker Beteiligung hat der Abrüstungsausschuß (3. Bersamm- lungsausschuh) unter dem Borsitz von Be­ne s ch seine Arbeiten mit einer von diesem gegebenen Darlegung des Arbeitsplanes aus­genommen. Loudon- Holland als Präsi- |«' dent des Vorbereitenden Abrüstungsaus­schusses erstattete einen längeren Bericht über diese Arbeiten. Gr lehnt die Bezeichnung der bisherigen Ergebnisse als Mißerfolg ent­schieden ab. Die Enttäuschung in weiten Kreisen der Oeffentlichkeit beruhe darauf, daß man ihr falsche Hoffnungen gemacht und ge- i toiffermaßen verschwiegen habe, daß die ge­stellte Aufgabe, sich nicht auf die Ab- rüstung, sondern nur auf die Limi­tierung der Rüstungen auf dem gegen­wärtigen Stand bezogen habe. Er erhob jedoch den Dorwurf einer ungenügenden Dor­bereitung der Arbeiten durch die Regierungen und schloß mit einer Aufforderung an die Regierungen, die weiteren Arbeiten durch die Vorbereitung der primären moralischen Ab­rüstung zu fördern.

Darauf gab der deutsche Delegierte Graf i Bernstorfs eine Erklärung zu einigen Punkten der Darlegungen Loudons ab. Er legte größtes Gewicht darauf festzustellen, baß er mit vielen Mitgliedern des Ab­rüstungsausschusses der Auffassung ist, daß die Aufgabe der geplanten Abrüstungskonfe­renz nicht eine Limitierung, sondern eine Herabsetzung der Rüstungen \ betrifft. ______

Nachdem Deutschland vollkommen abge­rüstet sei, handele es sich darum, daß die allgemeine Abrüstungsoervflichtung auch von alle« anderen Staaten durchgeführt werde.

Die nächste Tagung des Vorbereitenden Ab­rüstungsausschusses solle noch im Laufe dieses Jahres abgehalten werden, wie übrigens Präsident Loudon in der Schlußrede der letzten Tagung mit Rachdruck forderte. Ohne Vorliegen eines gemeinsamen Testes des Vor­bereitenden Abrüstungsausschusses könnten weder die Verhandlungen der Regierungen noch die öffentliche Meinung wirksam auf die Abrüstungskonferenz hinarbeiten. Loudon sagte m einer kurzen Erwiderung, seine Auf- sassunI, daß es sich zunächst nur umeine Kons erenz zur Limitierung der Rüstungen handeln könne, sei rein persönlich. Er fei aber mit Graf Bern­storfs in Bezug auf die allgemeine Ab- rüstungsverpslichtung vollkommen einver­standen.

Anfonlinentalet

SiümhMwN?"

Paris, 12. Sept. Der Genfer Kor­respondent derChicago Tribüne" WA ankün-digen können, daß Frankreich und Polen wahrscheinlich noch vor Been­digung der VölkerbundSversammlung einen ^kontinentalen SicherheitSpakt" Vorschlägen werden. Dieses kontinentale Protokoll ohne England soll die Antwort auf Chamberlains Weigerung sein, Garan­tieabkommen zu unterzeichnen. Das Pro­tokoll bezweckt, die Forderungen der balti­schen Staaten und der Kleinen Entente zu bewilligen und sie gegen Rußland Und Deutschla nd zu schützen. Ein Mitglied der französischen Delegation habe Erklärt, Chamberlains Aufforderung an die Mächte, sich ihre eigene Sicherheit durch ^eignete Mittel zu suchen, habe die Mög- uchkeil für die Schaffung eine» derartigen Abkommens gegeben. Jetzt könne man ein Protokoll für die kontinentalen Mächte auf- sttzen und es von jeder Macht, die wolle, unterzeichnen lassen. Sollten Italien, Spa- Uien oder andere Mächte sich ablehnend verhalten, so würde das nichts ausmachen. A) Natürlich werde man jeden derartigen Pakt zunächst England zur Billigung vor­igen. Es seien jedoch Befürchtungen laut Ivworden, daß Deutschland Englands Ent­haltung als Vorwand benutzen könnte, um ^Beteiligung abzulehnen, doch glaube die ssvnzösische Delegation, daß Deutschland Unwilligen werde.

Wenn es keineEnte" ist, = aanz gut «usgedachtl

Bor -em Enöe in Genf

Tagung der Völkerbundsversammlung.

Genf, 12. Sept. Weiter wurde die Ueberweisuvg des abgeänderten hol­ländischen Vorschlages an den Abrüstungsausschuß der Ver­sammlung beschlossen. In Fortführung der Generaldebatte bezeichnete dann der schweizerische Bundespräsident Motta die vorangegangene Diskussion als wert­voll durch ihre kontradiktorische Gestal­tung. Nach einer Schilderung der Ent­wicklung des Bundes fuhr Motta fort: Der Vorschlag Hollands dürfte die Abrüstungs­arbeiten anspornen und sei deshalb zu be­grüßen: derjenige Polens sei zwar von Scialoja vom juristischen Stand­punkt aus mit Recht kritisiert worden, aber wegen seiner m o r-v l i s ch e n Be­deutung und angesichts deren Unter­streichung durch Lokal und Dr. Strese- mann empfehle er gleichfalls seine Be­handlung im Abrüstungsausschuß. Nach­dem Motta und noch Briand, Chamber­lain und den übrigen Außenministern für ihre regelmäßige Mitwirkung an den Völkerbundsardeiten gedankt, nachdem er weiterhin eine verstärkte öffentliche Be­handlung der Ratsarbeiten empfohlen und die Bedeutung Les Völkerbundes als einer unerläßlichen Lebensbedingung für die kleinen Staaten unterstrichen hatte, schloß er mit einem Zitat aus Gottfried KellersFriedensglaube". Dann folgten zwei kurze'Reden von L u pu - Rumänien und Dandurand -Kanada. Der erstere proklamierte die Forderung, Krieg dem Krieg und forderte Opfer von allen im Interesse des Völkerbundes und Völker-^ friedens. Er verband damit den Wunsch, auch die Vereinigten Staaten im Bunde zu sehen. Dandurand empfahl die Be­handlung des Minderheitenproblems nach dem kanadischen Muster und unterstrich die Verpflichtung der Staaten, im Inter­esse des Friedens ihre Minderheiten großzügig zu behandeln.

Nach inem kurzen Appell von Ville- gas-Chile zugunsten einer' eingehenden Behandlung des polnischen, wie des hol­ländischen Vorschlages und der Verweisung eines Antrages von Paraguay auf Be­schleunigung der Kodifizierung des inter­nationalen Rechts an den ersten Ver­sammlungsausschuß wurde die General­debatte um 12.55 Ilhr geschlossen und die Vollversammlung bis nächsten Donnerstag mit der Tagesordnung: Wiederwählbarkeit Belgiens"" vertagt. Die Donnerstag - Nachmittagssitzung soll die Ratswahlen bringen. Heute nach­mittag beginnen die Kommisfions- beratungen, von denen die des Ab­rüstungsausschusses unmittelbar von Interesse sind..

Genf, 12. Sept. Zu Beginn der heu­tigen Vollsitzung, die den Schluß der Ge­neraldebatte bringt, kündigte der Vor- Vsitzende Guani an, daß von einem zu­nächst ungenannten amerikanischen Stifter zwei Millionen Dollar für den AusDau der PökkerbundSbibkiothek zur Verfügung ge­stellt worden sind. Unter dem Beifall der Bersammlung sprachen sich nacheinander Motta, Osuski und van Eysinga zu dem OAnerbieren im zustimmenden und danken­den Sinne ans, worauf der Präsident den Namen des Spenders bekannt gab: Es ist John F. Rockefeller jun., dessen freigiebige Geste von den Sprechern als ein Zeichen der amerikanischen Anerkennung für die Arbeiten des Völkerbundes gewertet wurde.

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Ombtdain vor btt M

Genf, 12. Sept. Bei c em Presse­empfang hat der englische Au enminister Sir Austen Chamberlain eindringlich, in den Zusammenkünften der C 'oßmächte keinen Angriff auf die Existen' -»der auch

nur den Geist der Völkerbundsversamm- lung und natürlich erst recht nicht auf den Rat zu erblicken. Im Grunde bestehe da­bei doch nichts anderes, als daß man den Völkerbund die etwaigen Uneinigkeiten der Großmächte erspare und damit für beide Teile nur Nutzen stifte, ohne die Ar­beiten des Völkerbundes zu beeinträchti­gen. Man solle nicht die unausweichlichen Schwierigkeiten der Geschichte der Tra­dition und der besonderen Lage dieses oder jenes Landes als bösen Willen aus­legen." Wir wollen nicht Verpflichtungen übernehmen oder zu übernehmemscheinen, die wir vielleicht nicht halten können.

Ueber die allgemeine Lage des Völker­bundes erklärte Chamberlain, er sei sich, bewußt, daß bereits der Punkt erreicht sei, wo für jedes Volk der Be­ging eines Krieges ohne Zu­stimmung des Völkerbundes trotz aller Vorteile zu teuer i e i. Mit Gesetzen und Sanktionen werde dergleichen nicht erreicht.

Auf eine Frage wegen der Ablehnung der allgemeinen Schiedsgerichtbarkeit durch England erklärte Chamberlain!Ich möchte nicht, daß ein Bindestrich zwischen uns und den anderen Mächten als Tren­nungsstrich zwischen England und den Dominions würde." Auf eine weitere Frage, ob Großbritannien einem Kon­tinentalpakt ablehnend gegenüberstehe, antwortete Chamberliin, daß Verträge, wie die in Loarno abgeschlossenen auch anderwärts nützlich sein würden.

Unterredung Stresemanns mit Woldcmaras.

Genf, 12. Sept. Heute abend fand die angekündigte zweite Aussprache zwischen Dr. Stresemann und dem litauischen Mi­nisterpräsidenten Wokdemaras statt. Die Unterredung, die längere Zeit dauerte, be­zog sich auf die Tiemeier Vorgänge und die mit dem Memelgebiet zusammenhän­genden Streitfragen.

Berlin, 12. Sept. Wie aus Genf ge­meldet wird, erwartet man die Abreise Dr. Stresemanns nach Berlin für Ende dieser Woche.

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Ende der Woche Abreise Chamberlains and Briands von Gens.

Genf, 12. Sept. Der englische Außen­minister Chamberlain beabsichtigt, am Don­nerstag abend nach 'der Wahl der nicht­ständigen Ratsruitglieder Genf zu verlassen, um, wie verlautet, sich zu einem kurzen Erholungsurlaub an das Mittelmeer zu begeben. Auch Briand beabsichtigt, am 16. September sich zur Teilnahme an dem auf den 17. September angesetzten Kadinetts- rat nach Paris zu begeben.

Nach dem Abschluß der Generaldebatte werden heute nachmittag bereits die Kom­missionsberatungen aufgenommen werden. Die dritte Kommission (Abrüstung), die vierte Kommission (Budget), b;e fünfte Kommission (soziale Fragen) treten heute nachmittag um 3 Uhr zusammen. Man rechnet in Delegier ten kreisen mit einer Dauer der Völkerbundssitzung bis zum 26. Gep tember. ,

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Rußland und die Wettwirtschafts- konfereuz.

Genf, 11. Septt Tschitscherin hat an den Generalsekretär des Völkerbundes ein Schreiben gerichtet, : dem er den Empfang der Entschließung des Rates über die Ar­beiten der Weltwirrschaftskonferenz bestä­tigt und erklärt, Mi die Sowjetregierung die praktische Der oirMchuna der grund­legenden Richtkinien der Weltwirtschafts­konferenz für die Ausgestaltung des inter- nationaken Warenaustausches, soweit ifyr; die sowjetrussisch.- Delegation zugeftiurmt hat, löpdern werde

Ar flWe SvmMSMrrdr

Eine neue Denkmalsfeier in Dinant.

TU. Brüssel. 11. Sept. Heute wurde in Dinant das Denkmal für die bei Di» nant gefallenen französischen Soldaten feierlich eingeweiht. Das belgische Mi, nisterium für die nationale Verteidigung , wurde durch General Michel, die franzöfi» sche Armee durch Marjchall Pötain vertre» ten. Am Vormittag fand ein Gottesdienst statt, den der Abb4 Sergeant Aumonier abhielt. Er führte im Laufe seiner Rede aus, daß, während die franzöfi» scheu «nd belgischen Soldaten gekämpft, die deutschen Sol, baten d i e Zivilbevölkerung niedergemacht hätten. Am Nach­mittag wurde dann das Denkmal enthüllt. Der Vorsitzende des Bundes der Freunde Frankreichs, Gerard, sprach dabei in seiner Rede von den deutschen Greueltaten und erklärte, daß man keine Worte finden könne, die. stark genüg seien gegen diejeni» gen, die die Greueltaten angeordnet hät» ten. Man würde die deutschen Verbrechen verzeihen, aber niemals vergessen könne«. Es sei im Gegenteil notwendig immer davon zu sprechen Der Redner weist die deutschen Erklärungen über die Vorgänge in Dinant scharf zurück. Mar, schall Pötain führte in seiner Ansprache aus, daß Belgien immer die französischen Grenzen decke und daß die beiden Länder daher gemeinsame Interessen hätten.

Frankreich und Belgien wollen die europäische Kriegs- und Haßpsychose nicht zur Ru^ kommen lassen. Während in Gens wiederum Herr Briand eine Rede hielt, die in dithyrambischen Hymnen den ewigen Frieden und die Bölkerversöhnung pries und feierte, beliebt anläßlich der Denkmalseinweihung in Dinant ein 2lbä Aumonier der Welt zu verkünden, daß, während die französischen und belgischen Soldaten gekämpft, die deutschen Soldaten die Zivilbevölkerung niedergemacht hätten. Kann man angesichts dieser ewigen Hetze an den Gräbern der Gefallenen wirklich von einemmoralischen Wert" der Briand- Reden sprechen? Wohl kaum. Höchstens aber von der immer klarer werdenden Einsicht, wo in Wirklichkeft die ewigen Hasser und Störer des europäischen Frie-- dens zu suchen sind. Sie mag der fran=. zösische Außenminister erst einmal zu Räson" bringen. Dann dürfte ein wesent­liches Stückchen Raum in dem Gestrüpp reigelegt sein, das heute noch die AuS- icht auf einen wahren Dölkerfrieden ver» perrt. ,

Mtnburg teilt zu bett glolltnmanöetm

Stralsund, 12. Sept. Reichspräsident von Hindenburg traf, begleitet btm seinem Adjutanten, Major v. Hindenburg, und von Oberleutnant ton der Schulen bürg, heute um 13,45 von Berlin kommend hier ein. Bor dem Bahnhof bildeten Altveteranen, Krieger- Hinterbliebene mrd Kriegsbeschädigte Spalier, ton denen der Reichspräsident einzelne ins Gespräch zog. 3n langsamer Fahrt bewegte sich der Wagen des Reichspräsidenten ton Hindenburg durch die von Tausenden und Abertausenden umsäumten Straßen der Stadt zum Alten Markt, wo der Bürgermeister Hehdemann die offizielle Begrüßungsansprache hielt, auf die der Reichspräsident mit herz­lichen Worten des Dankes antwortete.Wir wollen", so schloß der Reichspräftdent,treu zusammenstehen und allen Parteihader bei­seite lassen und uns beseelen lassen von der Treue zum Daterlande. Seine ist unsere Ehre. Das dürfen wir auf keinen Fall ver­gessen. Gedenken sie dessen und rufen sie mit mir: Unser deutsches Vaterland Hurra!"

Hierauf überreichte die Dchützenkompagnie ton Stralsund, deren Ehrenkönig Reichs­präsident v. Hindenburg in diesem Jahre geworden ist, dem Reichspräsidenten ein Ehren dtplom. Mdann setzte der Reichs­präsident seine Fahrt durch die Stadt, überall herzlich begrüßt, zu der Fähre nach Rügen fort. Mit dem FährdampferAlte Fähr II" setzte der Reichspräsident nach Rügen über, um seine Fahrt nach Putbus fvrtzusetzen, von wo er sich nach Swinemunde begibt, um m? den Flottenmanövern teilzunehmen. -