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Donnerstag,. ten 8.660t. 1927

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D» ,Anzeigen^ei» beträgt stte deAckOgefPsll. Zellenmillimete, O.Off GM., kleine Barmqetge» 0.06 SM-, amtliche nb aus­wärtige Antigen 0.10 SM Sei schwierigem Satz sowie bei Platz­vorschrift SO»/. Aufschlag. .Sammelanzeige« 100 *f* Auf­schlag. Reklamen der Milli«. J,40 GM. Jeder Rabatt gilt al» Barrabatt. Ziel 5 Tage. Belege werden berechnet,ebenso Auskunft durch die Geschäftsstelle und Zusendung der Angebote. Er­füllungsort Marburg.

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Anzeiger für (das früher kurhefsifche) Sbeehefsen - BerkünLigungsbiatt für Statt und Kreis Marburg

Der Wortlaut -es polnlfchen Vorschlags

©ne fotbletc Seielution statt eines präzisen SfllomrnoS

Set hettänölsche Verließ

Der polnische Entwurf überreicht.

Genf, 7. Sept. Der polnische Dele­gierte Sok al hatte heute mittag «ach Beendigung der Sitzung der Völkerbunds­persammlung Besprechungen mit Bri- aad. Sir Austen Chamberlain und mit Reichsauhenminister Dr. Strese- mann. denen er hierbei den nunmehr formulierten polnischen Vorschlag über­reichte. Der Entschlietzungsentwurf ist als streng vertraulich übergeben worden und gelangt vorläufig nicht zur Veröffent­lichung. Er bildet jetzt den Gegenstand der Unterhaltungen Zwischen den Mächten und wird von ihren Juristen ge­prüft.

Juristische Besprechungen über den polnischen , Vorschlag.

fk. Senf, 8. Sept. In der gestrigen 2«- risten-Besprechung über den polnische« Vor­schlag nahm deutscherseits Ministerialdirektor Saus teil. Die Bemühungen um eine Ver­ständigung über die Lösung des Antrags be­logen sich u a. auf:

Die Einbringung eine« Antrags nicht mehr durch Polen allein, sondern durch eine Gruppe von Mächten.

Bon ihnen wird der Antrag schließlich an den Präsidenten geleitet werden, der ihn rur unmittelbaren Verhandlung vor das Plenum der Versammlung bringe« wird, vorausgesetzt, das, die hierfür erforder­liche Zweidrittel-Mehrbeit zustimmt.

Wen« die Vorbereitungen bis beute früb zu einem Ergebnis geführt haben, wird die Behandlung im Plenum noch heute erfolgen, wobei «. a. auch Reichsminister Dr. S t r e s e m a n « zu Wort kommen wird. Die Entschliehung, die heute der Böl- kerbundsversammlung vorgelegt werden soll, wird vorausfichtlich von mindestens vier an den Verhandlungen beteiligt gewesenen Mäch­ten gemeinsam eingebracht. Diese besteht aus einer Präambel, der Konklusionen mit der Aufstellung von zwei Prinzipien folgen, die von den Bundesmächten zu beachten sind. Die Annahme und die Verwirklichung dieser Entschliehung wird sofort durch Abstim­mung int Plenum der Völkerbundsversamm­lung erledigt. Der Zweck der Entschliehung ist die Bekundnng eines unbedingten Willens wm Frieden und die Verwerfung jeden An­griffskrieges.

Der Wortlaut des polnischen Vorschlages.

fk. London, 8. Sept. Pertinat drahtet demDaily Telegraph* aus Genf:

Folgendes ist der Wortlaut des p o l n i » scheu Vorschlages, der der Versamm­lung zur Abstimmung unterbreitet werden wird:

Die Versammlung ziebt die Solidari­tät in Betracht, die internationale Gemeinschaft vereinigt. Diese hat die feste Entschlosienheit, die Aufrechterhaltung des allgemeinen Friedens in sichern. Sie nimmt zu Protokoll, dah Krieg niemals als ein Mittel int Regelnng von Konflikten zwischen Staaten gebraucht «erden darf und dah infolgedesien ein An­griffskrieg ein internationales Verbrechen bedeutet. Sie ist der Ansicht, dah ei« feierlicher Verzicht auf je- de« Angriffskrieg die Wirkung haben würde, dah eine Atmosphäre allge­meinen Vertrauens geschaffen würde, die de« Fortschritt der im Hinblick auf die Ab. rüftun« unternommenen Arbeiten begünstige. Die Lersammlmtß AALlA lolMdtz: _

1. 3« irgendeiner Weise zum Krieg zu greifen zwecks Regelung internationaler Konflikte ist verboten und wird ver­boten bleiben.

2. Konflikte, welcher Art sie auch sei« mögen, die zwischen Staate« entstehen, können nur durch friedliche Mittel geregelt werden, und daher forberz die Versammlung die Mitglieder des Völkerbundes auf, die obige Erklärung zu Protokoll zu nehmen.

Dieser Wortlaut des polnische« Vorschlages, der uns kurz vor Redaktionsfchlub übermittelt wurde, ist offenbar unvollständig. Doch geht daraus immerhin klar hervor, dah von dem polnischen Vorschlag eines Ost-Locarno nichts übrig geblieben ist. Diese Gefahr ist also durch den Widerstand Englands und auch Briands schnell beseitigt worden.

Wrttn« enthüllt

Paris, 7. Sept. Der bekannte französische Politiker er 11 n a x, der schon oft aus ferner persönlichen Feindschaft gegen Driand heraus Geheimnisse, die hinter den Kulissen gespielt haben, aufgedeckt hat, gibt heute imEcho de Paris" eine Darstellung der Bemühungen Polens, die Vollversammlung für seinen Garantievvrschlag zu gewinnen, die nicht ohne Interesse ist. Pertinax behauptet zu wissen, dah Lokal ursprünglich Driand und Chamberlain seinen genau formu­lierten Vorschlag gleichzeitig vorzulegen be­absichtigt habe. Da er aber durch die Stel­

lungnahme der Beiden entmutigt worden sei, habe er sich zu selbständigem Vorgehen ent­schlossen und am Dienstag abend über­raschend die Delegierten von etwa 20 Staaten zu einer Konferenz ge­beten. An dieser Konferenz hätten vor allem die Vertreter der Kleinen Entente, die Vertreter der baltischen Länder, sowie Skan­dinavien teilgenommen. denen Sokal seinen Vorschlag Punkt für Punkt vorgelesen habe. Als Chamberlain und Driand von dieser Sonderkonferenz erfuhren, seien sie auf das Änang enehmste überrafcht gewesen. Wie Pertinax weiter behauptet, habe Lokal in der Sonderkonferenz erklärt, der polnische Vorschlag bedeute nur eine Ergänzung des Artikels 15 Absatz 1 des Völkerbundspaktes durch ein generelles Verbot des Krieges. Ein. solcher Vorschlag könne jedenfalls von Deutschland nicht abgelehnt werden, da man sonst daraus schließen mühte, dah Deutschland immer noch Hintergedanken habe. Der Genfer Berichterstatter desPetit Parisien", Albert Julien, dessen Darstellung der von Perti» nax gebrachten nicht widerspricht, weih noch weiter zu berichten, dah Sokal unter anderem darauf hingewiesen habe, daß der Locarno- Vertrag auf andere Staaten kaum ausgedehnt werden könne. Deshalb sei es notwendig, die Grundlagen für die Durchführung des Gedankens eines obligatorischen Schiedsgerichtes fester zu ver­ankern, als dies bisher in der Völkerbunds­satzung geschehen sei. Es käme darauf an, etwas Praktisches für die Staaten in dieser Beziehung zu schaffen. Insbesondere die Ver­treter der baltischen Staaten Estland, Lettland und Finnland hätten beschlossen, in der Voll­versammlung sich dem polnischen Vorschlag an­zuschließen.

Die amtliche Boykotterklünms

6ine Weitete ter preußischen Miniiterrräsitenien

fk. Berkin, 8. Sept. In einem Rund- erläß des Ministers des Innern und des Finanzministers wird das Schreiben des preußischen Ministerpräsidenten an die Staatsminister über das Verhavten der Berliner Hotels in der Flaggensrage wie- dergegeben. Es wird nunmehr anerkannt, daß die Nachgeordneten Behörden und ihre Beamten in den in dem Schrei­ben aufgeführten Hotels amtliche Veranstaltungen und sonstige Veranstaltun­gen dort in amtlicher Eigenschaft «echt besuchen dürfen.

Staun gegen «och

Berlin, 7. Sept. Der preußische Mi­nisterpräsident Dr. Braun hielt heute in Altona eine Rede. in der er in Erwide­rung auf Ausführungen, die Reichsver­kehrsminister Dr. Koch am vergangenen Sonntag in Stettin unter Bezugnahme auf die Stellungnahme des Minifterpräfi- denten zum Flaggenstreit machte, dem Amtlichen Preußischen Pressedienst zufolge u. a. erklärte:

Herr Minister Koch glaubt mich dar­über belehren zu müssen, daß auch die Ver­fassung der Republik die schwarz-weiß-rote Handelsflagge mit Schwarz-Rot-Eold nur in einem kleinen Bild, wie er sich aus- ausdrückt. vorfieht. Daß die Verfassung, wie andere, auch diese bedauerliche Halb­heit enthält, ist mir bekannt; bekannt ist mir auch, daß diese Handelsflagge, die wegen ihrer angeblichen besseren Sichtbar­keit nur für die Seeschiffe bestimmt ist, auch für Nichthandelsschiffe aller Art auf Binnengewässern zur Bekundung ihrer Abneigung gegen die schwarz-rot-goldene Reichsflagge mißbraucht wird. Mir ist auch bekannt, daß, obwohl die Reichsver­fassung nwt die schwarz-rot-goldene Na- ; tionatfluHyc die schwarz-weiß-rote Handelsflagge Wt tzer HW kennt, tzine.

schwarz-weiß-rote Kriegsflagge existiert, die ich für verfassungswidrig ansehe.

Das hat aber alles mit dem neuer­lichen Streit über die Nationalflagge nichts zu tun, denn für die Berliner Hoteliers und andere Staatsbürger, wie für die Gemeindeverwaltungen kommt we­der die Handelsflagge, noch die Kriegs­flagge in Frage. Wenn Herr Minister Koch aber ausführt, es sei selbstverständ­lich, daß die Reichsfarben geachtet werden müssen, weil sie verfassungsmäßig seien, und gleichzeitig hervorhebt, daß ein Teil des deutschen Volkes, zu dem er sich wohl auch rechnet, in den Farben Schwarz-Weiß, Rot eine gerade heute lebendige und in die Zukunft weisende Mahnung sehe, so muß ich daraus entnehmen, daß Herr Koch und seine Parteifreunde die verfassungs­mäßigen Reichsfarben wohl achten wollen, das aber am würdigsten durchzuführen glauben, indem sie sie in die Tasche stecken und ihre schwarz-weiß-rote Parteifahne offen im Winde flattern lassen, wenn sie auf den republianische n Richtlinien des Herrn Reichskanzlers Marx ihrem in die Zukunft weisenden Ziel der Monarchie, entgegenschreiten. Herr Minister Koch irrt auch, wenn er meint, ich wolle den Staatsbürger zwingen, die verfassungs­mäßigen Reichsfarben zu zeigen. Ich halte es nur mit meiner Würde und mit meiner Stellung als republikanischer Minister nicht für vereinbar, ein Haus zu betreten, das die nationale Würdelosigkeit so weit treibt, am Nationalfeiertage eines frem­den Landes dessen Nationalflagge zu hissen, hingegen es ablehnt, am deutschen Verfassungstage die Reichsflaggen zu zei­gen, ebenso wie ich auch Veranstaltungen fern bleibe, wo man glaubt, mir die schwarz-weiß-rote Parteifahne der Deutsch- nationalen in provozierender Weise unter die Nase halten zu müssen. Auch der Hin-

<ÜMieiW- fefc. Seite : . . . -

Schweres SwlSnngM in 3mmn

280 Personen ertrunken.

fk. Tokio, 8. Sept. Wie gemeldet wird, find bei Koishu in der Provinz Hokaida am Dienstag durch das Kentern eines Fährbootes 280 Personen er, trunken. Rur sechs Personen konnten gerettet werden. Bisher find 29 Leiche« geborgen worden. -

Auch Lid 6W verloren

Newhork, 7. Sept. Die amerikanische« DampferLapland" und©armania mel­den, daß die S. O. S.-Rufe desOld EAorh" aufgefangen haben. Auch der PafsagierdampferTranshlvania" fing den drahtlosen S. O. S.-Ruf derOIb Glorh" auf, die wahrscheinlich bei 45,50 Grad nörlicher Breite und 41,15 westlicher Länge steht. DieEarmania" und die Transshlvania" eilen dem Flugzeug zu Hilfe. Die Independent Wireleß Com­pany meldet um 14 Ahr mitteleuropäischer Zeit, die Schiffe im nordatlantischen Ozean berichten, dah hoher Seegang und starker Wind herrsche. Deshalb werde die Auffindung derOld Glorh" und die Rettung der Flieger schwierig sein. Auch die Deutsche Seewarte erklärt, das Flug­zeug befinde sich in einem kritischen Gebiet, wo kalte Luftmassen vom Pol her gegen den Aequator hin stoßen. Es herrschen dort böige Südwestwinde bei starken Regensällen.

lllewhvrk, 7. Sept. Der Dampfer Tranfhlvania" hat die Stelle erreich, an der sich dieOld Glorh" befinden soWe, aber er hat keine Spur von ihm ge­funden. Der Dampfer konnte jedoch direkt« Funknachrichten von dem FlugzeugOld Glorh" auffangen, das sich noch über Wasser halten soll. ES war aber Sicht möglich, festzustellen, ob sich die Flieger an Bord des Flugzeuges oder auf ihrem mitgeführten Gummiboot befinden. Die Nachforschungen werden fortgesetzt.

fT. Newhork, 8. Sept. Der Dampfer T ra ns sh lva n ia" hat die Suche nach Old Glory" aufgegeben. DieCali- fornia''setzte ihre Nachforschungen in nörd­licher und der DampferAmerican" Mer-, chant" in östlicher Richtung fort. ,

fk. London, 8. Sept. Seit gestern nachmittag ist von der »Old Glory" keine Nachricht mehr eingegange«, auch ist das Flugzeug von keinem Dampfer mehr gesichtet worden. Es besteht nut noch wenig Hoffnung auf eine Auf- findung.

-Sir John Carling" «ach London gestartet.

Harbour Grace, 7. Sept. Das FlugzeugSir John Earling" ist zu seinem Transatlantikfluge nach London gestartet.

Tonrtneh wM heute weiter fliege«.

fk. London, 8. Sept. Der englische Ozeanflieger Eourtneh will heute »ach Amerika weiter fliegen.

®o« de« Weltfliegern.

fT. London, 8. Sept. Die Weltflitzger Brock und S ch l e c sind wohlbehalten in Rangoon angetommen.

Flugzeugabsturz i« Wie«.

Wien, 7. Sept. Heute abend ist auf dem Flugfeld« Aspern der Leiter der poli­zeilichen Flugplatzinspektion Aspern, Poli­zeirat Dr. Mekitsch, mit einem französi- fchen Zweidecker abgestürzt und auf der Stelle tot liegen geblieben. Als das Flug- zeug über der FlugzeuKalle war, versagte plötzlich der Motor. Äm keinen Flurscha­den anzurichsten, wollte Mekitsch mit einer Ken Biegung auf den Flugplatz zurück-

l. Der Apparat rutschte aber über dem Linken Flügel ab und stieß sich förm­lich in den Boden ein und Dr. Aiek lisch wurde erdxüÄ.. , ... - --------,