Einzelbild herunterladen
 

OberlMsche

Zeitung

Anzeiger für (das früher kurhessische) Sherhessen - Berkün-igungsblatt für Statt unt Kreis Marburg

9tt. 209 62. WA

Warburg a. 8abn

Marburger ragesanzeiger

wllllwOtvx den 7. Sept. 1927

SMA Lan-eszeitung

Die ^Oberhesstsch« Seitimg* et- sechsmal w-chentltch. 55e- p,g--rei« monatlich 2 GM. aud- Zustellrmgsgebühr, durch tzi,Pos!2L5 GM.FLr etwa infolge Waschin en defekte oder ^etnenlaret Ereignisse ausfallende -lummern wird kein Ersah ge» Met. Derlag b. Dr. §. Hiheroth, Druck der Univ.-Buchdruckerei b. Zoh. Aug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Nr. 54. u. Rr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt «. M. Rr. 5015. — Sprechzeit hei Redaktion von 10—11 und '1,1-1 Uhr.

Der.-Anzeigenpreis betrögt st» den -10 gespalt. Zeilenmilltmeter 0.08 GM., kleine Baranzeige» 0.06 GW., amtliche und aus­wärtige Anzeige« 0.10 GM. Bet schwierigem Sah sowie bet Plah- dorschrift 50«/, Aufschlag. — Sammelanzeigen 100'/, Auf» / schlag. Reklamen der Milli«:.

0,40 GM. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Ziel 5 Tage. Belege werden berechnet, ebenso Auskunft durch die Geschäftsstelle und Zusendung der Angebote. 6e» füllungsort Marburg.

,■*' 1 GolLmsrk — '/»..Dollar.

Auch ein h-llSn-ifcher Vorstoß

zur Mbrrbtltbuug ie8 Sruser MetokM

Der Vorschlag Beelaeets .....

Genf, 6. Sept. Zu Beginn der Heuti» gen Nachmittagssitzung, die der General­debatte des Jahresberichts gewidmet ist, gab der italienisch« Senator Crppico ein Angebot der italienischen Regierung bekannt, wonach diese im Hinblick auf die Bedeutung des Filmwesens und besonders des Lehrfilmes sich erbietet, ein inter­nationales Lehrfilminstitut mit Sitz in Rom als Völkerbundein­richtung zu stiften, diesem Institut einen der historischen Paläste Romes zur Ver­fügung zu stellen und er auf eigene Kosten zu unterhalten. Der Antrag wird auf dem üblichen Geschäftswege weiter behan­delt werden. Von politischer Bedeutung war die

Rede de» holländischen Außenministers Bcelaert van Nrokland.

Die Tendenz seiner Ausführungen ergibt sich aus einem EntschließungSentwurf fol­genden Wortlauts: In der Ueberzeugung, daß, ohne Wiederaufrollung der Erörterun­gen über das Genfer Protokoll vom Jahre 1924, es wünschenswert ist, zu prü­fen, ob der Augenblick nicht gekommen fei, um das Studium der Grundsätze wie­der aufzunehmen, die die Basis dieses Pro­tokolls gebildet haben, und in der Erwä­gung, daß eS außerordentlich wichtig ist, daß die Versammlung die 'Arbeiten der Vorbereitungsausschusses der Abrüstungs­konferenz fördert, beschließt die Ver­sammlung, die Prüfung der wesentlichen Grundsätze des Genfer Protokolls und die Schlußfolgerungen des Vorbereitungsaus­schusses -een zuständigen Versammlungsaus­schüssen zu überweisen. Der Minister äußerte sich im Interesse des Anse-henS und Wirkens des Völkerbundes gegen eine Verminderung der Zahl der jähr­lichen Ratstagungen, ohne einen übermäßigen Optimismus oder auch nur die Ueberzeugung von dem unbedingten Bedürfnis einer RatSinterventwn in jedem Fall von Differenzen zwischen den einzel­nen Nationen anzuerkennen. Eine gewisse Zaghaftigkeit des BölkerbundSrateS erfor­dere noch nicht radikale Aenderungen der Methoden. Die

Lebensfrage für de« Völkerbund fet die «brnstnngSfuage. '

Die Völkerbundversammlung, so führte der holländische Minister u. a. aus, mag sich ihrer großen Verantwortung be­wußt fein. Im Augenblick scheint eine Verwirklichung der Herabsetzung der Rüstungen unmöglich, wohl aber scheint eine Beschränkung der Rüstungen heute chon erreichbar. Mit Bezug auf das Sen- er Protokoll meinte Heelaert Den Brok- and: ES ist nicht begraben, es schläft nur. Weiter plädierte der holländische Außen­minister für die Verwirklichung der Forde­rungen der Veltwi^rtsHaktSkon«

ferenz, für den Kampf gegen den Pro­tektionismus und, als erste Stufe auf die­sem Wege, für die allgemeine Einführung von Handelsverträgen mit bedingungsloser Meistbegünstigung; denn die wirtschaftliche Abrüstung fet neben der moralischen daS wirksamste Mittel, um zur materiellen Ab­rüstung zu gelangen.

Die Rede sand auf den meisten Bän­ken, besonders natürlich bei den kleineren Nationen, die dem Gedanken der Genfer Protokolle durchweg zustimmen, lebhaften Beifall. , ;

Die nächste Sitzung ist auf Mittwoch vormittag 10.15 Uhr zur Fortsetzung der G e n e r g lde b a t t v anberaumt.

wttwitning

Genf, 6. Sept. Heute nachmittag hat eine Zus ammenkunft zwischen Chamberlain, Briand, Benesch und Lokal statt­gefunden, an der Benesch als Vorsitzender der Abrüstungskommifsion der Vollversammlung terlnahm. In dieser Unterredung sind die bekannten polmscheu Vorschläge eingehend er­örtert worden. Für heute abend ist eine Unterredung zwischen Chamberlain, Briand und Stresemann vorgesehen, in der die Erörterung über diese Frage fortgesetzt werden soll. Der heute nachmittag in der Vollver­sammlung eingebrachte holländische An­trag, der eine Wiederaufnahme der Grund­sätze des Genfer Protokolls vom Jahre 1924 vorsieht, bedeutet in der gegenwärtigen Si­tuation eine Unterstützung der pol­nischen Absichten. Die Tendenz des holländischen 2&rtrageS, der allgemein größtes Aufsehen erregt hat, läuft darauf hinaus, durch Wiederaufrollrmg der Gedankengänge deS Genfer Protokolls den Gesamt­komplex des Schiedsgerichtsge­dankens sowie der AbrüstungS- und der Sicherheitsfrage wieder in die allgemeine Diskussion zu werfen. Er bedeutet somit eine, wenn auch nicht beabsichtigte, Unterstützung der polnischen Absichten, den Gedanken der allgemeinen Sicherheit und im Zusammenhang damit den Ausbau von Sicherheitsverträgen in den Vordergrund zu rücken. Der holländische Antrag hat jedenfalls eine neue Situation in Genf herbeigeführt. Die Lage hat danach eine ernste Komplizierung erfahren. Die «englische Delegation macht aus ihrer ab­lehnenden Haltung gegenüber den konform laufenden holländisch - polnischen Aktionen keinen Hehl. Die an anderer Stelle wieder­gegebene Erklärung, die heute Chamberlain englischen Pressevertretern gegenüber abge­geben hat, müsse, so wird in englischen Kreisen festgestellt, als eine bindende und eindeutige Stellungnahme der englischen Regierung auf- gefaßt werden. England lehne grundsätzlich die Wiederaufrvllung der Gedankengänge des Genfer Protokolls von 1924 ab.

Eine ernste Krisis in Gens

Mont gegen ten polnischen Vorschlag einet „OStlcmrno“ — Wie Arland Wergangen mutte

Die Präambel -es polnischen Vorschlages

st. Paris, 7. Sept. Der Genfer Be­richterstatter des »Petit Parisi en" will in der Lage fein, die Präambel ja dem zu erwartenden polnischen Antrag anzugebcn. Diese stellt zunächst fest, daß das große Hindernis für die Or- zanifierung der Sicherheit die Frage der Sanktionen und der Definierung des Angreifers im Falle eines Angriffes sei. Die Präambel erinnert daran, daß, um dem abzuhelfen, die 7. Völkerbunds« Versammlung das hinnehmen müsse, was em 25. September 1925 mit der Ent- . fchlietzung angenommen worden sei, die : die Verstärkung und Verwirklichung der Schiedsgerichtsabkommen an, empfehle. Es genüge jetzt nur, dieser Ein­schließung eine Formel der Verurtei. lang jeden Angriffs hinzuzufügen und de« Passus dem Artikel 15 des Völ­kerbundsstatuts einzufügen.

Die Präambel hebt hervor, daß es gegenwärtig schwierig sei, die in dem Ver­trag von Locarno enthaltenen Garantien zu verallgemeinern, aber daß man die Grundlage des Schiedsgerichtsverfahens und die Pflicht de Anwendung des Paktes erweitern könne.

♦

Ein weiterer Ausbau der Locaruo-Ver- KSge in der Form, daß Deutschland die­selbe freiwillige Anerkennung der deutschen Vstgrenze aussprechen würde, wie sie in Locarno für die Westgrenze erfolgt ist, kommt, wie auch der „Vorwärts" noch einmal feststellt, für keine deutsche Regie­rung in Frage. Die polnische Beweis- , führung, die auf französischer Seite von den Herren de Ioudenel und Sauerwein unterstützt wiro, daß der Locarno-Pakt nur oen westlichen Grenznachbarn Deutsch­lands Sicherheit gegen einen Angriff gebe, nicht aber Polen, ist durchaus schief. Ab» Ken davon, daß es mehr als grotesk ienn heute noch ein in Waffen starren­der Staat ein Sicherheitsbedürfnis geltend macht gegenüber einem Deutschland, das restlos entwaffnet ist, dessen Festungen geschleift und dessen Grenzen nach allen Seiten ungeschützt sind, kann man nur immer wieder darauf Hinweisen, daß in Locarno Schiedsverträge, auch mit Polen abgeschlossen worden sind, die die volle Sicherheit für gegen einen immer noch be­fürchteten deutschen Angriff verbürgen. Zu diesen Feststellungen sehen wir uns bereits heute genötigt, auch wenn wir noch nichts Destimmtes über den polnischen Plan dissen. Aebrigens ist.bekannt, daß ein ^Vst-Locarno" in der oben näher be­zeichneten Form auch auf den scharfen Widerspruch Englands stößt, das ja seiner­zeit schon das Genfer Protokoll haupt- i sachlich deshalb abgelehnt hat, weil es die für die Stabilisierung der Ostgrenzen ge­forderten Garantieen nicht geben wollte.

Chamberlain lehnt ab

Rach Blättermelbungen aus Genf ant­wortete Chamberlain auf Fragen britischer Pressevertreter über Vie wieder­holten Berichte bezüglich eines neuen pol- polnschen Vorschlages betreffend die Eicherheitsfrage:

Es bestehen mit Bezug auf die Grenzen Vst- und Westeuropas örtliche Berein- : barungen, durch die die in Betracht kom. Nendeu Parteien die feierlichste Zusage

geben, zu keinem Angriff Lberzugehen. 3d) kann mir nicht vorstellen, welche wei­tere Sicherheit durch irgend ein neues Ab­kommen gegeben werden würde und bin der Ansicht, daß es

der Gipfel der Unklugheit fein würde, den Anschein zu erwecken, als ob man Pie Stärke der Sicherheit unterschätzt, indem man neue schafft, die im wesentlichen nichts hinzufügen und tatsächlich die anderen beeinträch­tigen würden.

Zur Abrüstungsfrage erklärte Chamberlain, es sei schwierig, hierüber etwas zu sagen. Die Haltung der briti­schen Negierung bleibt unverändert.

Französische Angriffe gegen Chamberlain

Die gestrigen Ausführungen des hollän­dischen Außenministers und des Polen Sokal in Genf veranlassen Sauer­wein im „SRatin** zu heftigen Angriffen gegen England. Chamberlain werde zweifellos un­nachgiebig bleiben. Der Genfer Korrespondent des „Petit Parisien" hebt ebenfalls den Widerstand Chamber­lains gegen ein Wiederaufleben des Een. fet Protokolls hervor und auch P e r t i • nax hält im „Echo de Paris" den holländischen Vorschlag, für aussichtslos.

*

Uneinigkeit -er französischen Delegation -

Wie von zuverlässiger Seite mitgeteilt wird, bestehen innerhalb der französischen Delegation schroffe Gegensätze in dieser Frage, und zwar zwischen B r i a n d auf der einen Seite und Paul B o n c o u r und L ou ch e u i auf der anderen Seite. Außenminister Briand soll nach seiner Rückkehr von seinem mehrwöchigen Urlaub nach Paris die volnischen Paktvor- schlüge bereits in einem weit vorgeschrittenen Stadiul-der Behandlung innerhalb des Ka­binetts vorgefunden haben, jedoch keineswegs mit der dort vorgenommenen Behandlung diser Anglegenheit einverstanden sein. Briand soll nun, wie versichert wird, gegenwärtig for? dein, daß die - ।

Initiative und Durchführung dieser An­gelegenheit ihm überlassen s

bleibe, um dann die polnischen Vorschläge in Übereinstimmung mit Chamberlain wei. ter durchführen zu können. Maßgebend Mr Briand soll hierbei die ihm bekannte gründ», sätzlich ablehnende Haltung der englischen Re­gierung sein, die nach wie vor alle Vorschläge, die auf die Grundsätze des Genfer Protokolls hinauslaufen, kategorisch a b l e h n t. Paul Boncour und Loucheur wollen dagegen die weitere Verfolgung zunächst der volnischen De­legation überlassen. Die Absichten, die den polnisch-französischen Vorschlägen zugrunde lie­gen, laufen schließlich darauf hinaus, bei der allgemeinen Diskussion in der Vollversamm­lung des Völkerbundes eine Atmosphäre zu schaffen, die dann im weiteren Verlauf not- wendigerweise zu der Eröffnung von Verhand­lungen über den

Abschluß eines Ostlocarnovaktes ‘ mit Einschluß Deutschlands

führen würde. Man weist darauf hin, daß in ähnlicher Weise die Verhandlungen über das Genfer Protokoll trotz des Scheitern» zum Abschluß des Locarnopaktes geführt haben.

*

Die Arbeit der Ausschüsse. '

Genf, 6. Sept. Die sechs Ausschüsse der Völkerbundversammlung nahmen heute vormittag ihre Arbeiten auf, be­schränkten sich jedoch auf die Formalien. Das Hauptinteresse dürfte sich auf die Ar­beiten des dritten, des Abrüstungsaus­schusses. konzentrieren, in de« der Vor­sitzende Benesch heute ankündigte, daß daß er neben der zur Zeit allein auf der Tagung stehenden Frage einet Beschleunig gung des Ratszusammentrittes im Falle von Krisen eine im Zusammenhang mit dem Abrüftungsproblem stehende Frage der Gesamttagesordnung eiubezichen werde.

Besprechungen Dr. Stresemanns in Genf.

Genf, 6. Sept. Heute vormittag stattete Reichsaußenminister Dr. Strese- mann dem britischen Außenminister Chamberlain einen kurzen Besuch ab und empfing hiernach den litauischen Ministerpräsidenten Woldemaras in Begleitung des Berliner Gesandten Sidzikauskas zu einet längeren Be­sprechung. Die Besprechung, zu der sich die litauische Delegation vormittags beim Reichsaußenminifter eingefunden hatte, mußte nach einftünhiget Dauer abge­brochen werden, da der Reichsmiuister an einer Sitzung des Präfidialausschusses der Völkerbundverfammlung teil» nehmen mußte. Die Behandlung der zahlreichen Streitfrage« zwischen Deutsch- land und Litauen wird jedoch fortgesetzt werde«.