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Dienstag, -en S. Eept. 1927

tx* ,^Obrrhessische Zeitung" er ^tnt sechsmal wöchentlich. Br- zugsprcis monatlich 2 GM. aus- ^chließl. Zustellungsgebühr, durch Kj.Post2.25 GM.Für etwa infolge Atreik«, Maschinendefekt« »der ^«menlarer Ereignisse ausfallende Kummern wird kein Ersah ge- jeifleL Verlag b. Dr. §. Hiheroth, Druck der Unid.-Buchdruckerei b. Zoh. Aug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Nr. 54. u. Nr. SS. Postscheckkonto: Amt Frankfurt u. M. Nr. 6016. Sprechzeit (et Redaktion von 1011 und »1,11 Uhr.

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Anzeiger für (bas früher kurheWchef Oberhessen - Berkün-igungsblatt für Statt unt Kreis Marburg

z- Der polnische Borstoß in -er Sichecheitsftage

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Schon in den ersten Vortagen vor der Eröffnung der diesmaligen Völkerbundsbe- ratungen lief unter den in Senf versammel­ten internationalen Pressevertretern das Gerücht um, daß von polnischer Seite auf der diesmaligen Vollversammlung des Völkerbundes die Frage des Genfer Pro­tokolls in der Form eines Nichtangriffs-- paktes für alle europäische Staaten ange­schnitten werden würde. Diese Gerüchte haben sich jetzt noch mehr verdichtet, und man glaubt, daß die vor Wochen in der polnischen und französischen Presse be­handelte Frage der Schaffung eines Ost- Locarno lediglich den offenbar beabsichttgen polnischen Vorstoß im Völkerbund vor­bereiten sollte.

Was mit dieser polnischer Absicht, die die dolle Unterstützung der um Poincare gruppierten französischen Kreise finden dürfte, bezweckt wird, ist ohne weiteres klar. Polen will mit einem solchen Pakt jede Möglichkeit verbauen, daß Deutsch­land die Notwendigkeit einer Revision der deutsch-polnischen Grenze offiziell zur Er­örterung stellt. Polen hält ein solches Eoraehen jetzt für notwendig, nachdem nicht nur neutrale, sondern auch Politiker ter Ententeländer die Anmöglichkeit der Versailler Grenzziehung festgestellt haben. Polen fürchtet, daß diese Erkenntnis sich mehr und mehr auch innerhalb des Völker­bundes selbst durchsetzen könnte, so daß Deutschland in Aebereinstimmung mit den Gesichtspunkten des Locarnopaktes und >es Völkerbundsstatuts die Rachprüfung dieser Grenzziehung durch den Völkerbund dffiziell beantragen könnte.

In polittschen Kreisen verhehlt man sich ücht die Gefahren, die sich aus der hstematisch von Polen betriebenen Ge- «imarbeit in dieser Frage ergeben könn­en, die um so größer sind, als Polen für ine intensive Auslandspropaganda erheb- iche Summen aufwendet, während von ieutscher Seite auf diesem Gebiete so gut »ie gar nichts getan wird. Man verweist n dieser Beziehung gerade auf die Er- ahrungen, die deutsche Parlamentarier tuf Studienreisen in Amerika gemacht aben. Erst kürzlich wies die Abg. Frau lara Wende auf diese Tatsache hin, in «m sie erklärte, daß ihr in Amerika wiederholt die Frage entgegengetreten sei: »Die steht man in Deutschland zur Revision «S Friedensvertrages?" Sie hat dort en Eindruck gewonnen, daß von deutscher >eite im Ausland nichts unternom- >en wird, was über die Anmöglich­et gewisser Bestimmungen des Versailler Vertrages Aufklärung bringen könnte.

Wie verlautet, hat Dr. Stresemann in kiner Anterredung mit Chamberlain auch

Frage eines allgemeinen Aichtangriffs- vktes besprochen, wie er in der Oeffent- ichkeit angedeutet wurde. Wenn sich die heiligten Kreise auch zu unbedingter Ver- hwiegenheit verpflichtet haben, so dürst« ber den von Dr. Sttesemann vertretenen Endpunkt aber kaum ein Zweifel obwal- $. Deutschland kann sich niemals Der- stichtungen unterwerfen, die ihm die Mög- chkeit der Abänderung unhaltbarer De- ivmungen des Derfailler Vertrages Ehmen. Der französisch-polnischen These, °b ie Versailler Desttmmungen unab- Herlich seien, muß und wird die deutsche Auffassung entgegengestellt werden, daß Ur eine dem Selbstbestimmungsrecht, dem ^chtsempfinden und der historischen Wahr» eit entsprechende Abänderung des ^rsailler Vertrages den europäischen irieden auf die Dauer gewährleistet.

ff. Loudon, 8. Sept. Der augenblick­liche Leiter der polnischen Delegation in Genf, S o k a l. erklärte in einer Unter­redung mit dem Genfer Reutervertreter, es sei gut möglich, daß die Frage des Nichtangriffspaktes im Laufe der n ä ch st e n Tage in der Völkerbundsver­sammlung aufgeworfen werden würde. Die polnische Delegation beav- fichtige. die Initiative in der Frage zu übernehmen und sich dabei auf die Entschließung zu berufen, die von der Versammlung am 25. September 1925 an­genommen worden sei «nd die Aus­dehnung der Loearnovertrage usw. befürwortete. Die polnische Delegation sei der Ansicht, daß heute ein gewisses Unbehagen in Europa bestehe, das zu beseitigen äußerst wünschenswert sei; dies könne durch den Abschluß von Richtangriffsvereinbarungc» erreicht wer­den. Verhandlungen für ein Abkommen dieser Art seien augenblicklich zwischen Polen und Rußland im Gange und es entwickele sich befriedigend.

eine Warnung StionM

ff. London, 6. Sept. Pertinax berichtet demDaily Telegraph" ans Genf, Chamberlain «nd Bri- and stimmten anscheinend darin überein, daß jeder Vorschlag für ei« Oft- locarno nur mit Zustimmung und Unterstützung Dr. Stresemann« in Angriff genommen werden könnte. Aus diesem Grunde habe Briand, wie berichtet wurde, Mißfallen über den Schritt der Warschauer Regierung ausgedrückt «nd sei sogar soweit gegangen, zu erklä­ren, daß er einen solchen Plan seit langem im Sinne gehabt habe «nd jetzt erkennen «Hülfe, daß seine eigenen Pläne gefährdet werden.

Pertinax teilt mit, die polnische Re­gierung habe im Z u n i d. Z. nach Paris ein Memorandum geschickt, paß die Nheinlandfrage dazu benutzt werden sollte, um den Abschluß einesWeichsel- pattes". der dem Rheinlpndpakt in Pen Locarnoverträgen analog sei, herbeizu- führen.

Der Katholikentag in Doetmnnö

SWgebinw für tat RMMuWetz

Um 9,30 Uhr begann im Rahmen des deutschen Katholikentages die General­versammlung der katholischen Schul Organisation, in der Reichs­kanzler Dr. Marx seine schulpolitische Pro- grammrede hielt. Er führte unter anderem aus: Die erste und dringendste Aufgabe der katholischen Schulbewegung ist heute, bei den bevorstehenden Verhandlungen über das Reichsschulgesetz zu sorgen, daß die berechtigten Wünsche der deutschen Katholiken erfüllt werden. Wir haben die feste Leberzeugung, bah dies gelingen wirb, wenn man auf allen Seiten gewillt ist, mit den großen Grund­rechten, die wie gewaltige Quadern htnein- gesenkt sind,

mtt dem Elternrecht «nd der Eewissens- freibeit ernst zu machen.

Wer diese Grundsätze antastet, der rüttelt an den Fundamenten des Staates. Rur wo das Volk die Gewißheit hat, daß seine verbrieften Rechte nicht durch Machtdittate geschmälert oder gar außer Kraft gesetzt werden, wendet es sich dem Staat mit freudigem Herzen zu. Wenn vor einiger Zeit ein Redner be­tonte, es werde für die Entwicklung deS deutschen Schulwesens besser sein, wenn man nicht so sehr an Elternrecht urrd Gewissens­freiheit denke, als an das Recht des Staates auf die Schule, so können wir das nicht als richtig anerkennen.

Das Recht der Eltern anf die Erzieh««« der ihnen von Eott anvertrauten Kinder ist das Primäre.

Das Recht des Staates auf die Schule soll in den berechtigten Grenzen in keiner Werfe bestritten oder eingeengt werden. Das Wohl des Staates und der Allgemeinheit kann aber nicht bewahrt bleiben, wenn der Staat in bas Recht der Eltern und bas Gewissen eingrerst. Gerechtigkeit und Freiheit für alle Staatsbürger, auch in der Schulfrage, das muh die große Parole sein, die vor allem im jungen Volksstaate aus­genommen wird. Was könnte die Demokratie besseres tun, als sich freudig für die Ver­wirklichung dieser echten VollSgrundsätze ein­zusetzen. Die deutschen Katholiken sind ge­willt, diese Grundsätze zu schützen. Wenn diejenigen, die mit uns mcht einer Welt­anschauung sind, Schulen dieser Weltanschau­ung, toemt andere die Gemeinschaftsschule fordern, werden wir ihnen nicht im Wege stehen. Die Schule muh Volks fache werden, viel mehr als sie es bisher war. Sie mühte

die populärste Angelegenheit in unserem Dolksstaate sein. Sie hat ja die wichttgste Aufgabe der Erziehung des Rachwuchses zur geistigen und sittlichen Tüchtigkeit. Sie formt uns die Staatsbürger. Ihr vertrauen wir das kostbarste Gut an, das wir überhaupt be­sitzen.

Rur wenn alle Faktoren, die an der Schule beteiligt find, wenn Eltern, Kirche, Lehrer «nd Staat sich die Hand reichen und ein­trächtig überlegen «nd sorgen für das Wohl unserer Kinder, nnr dann wird die Schule r« dem gestaltet, was sie ««bedingt sein muh.

Aus dem Dolle heraus muß die Schule wachsen. Das Voll muß sie tragen mit seinem Interesse und mit seinen Sorgen. Was die katholische Schule der Zukunft anbetrifft, so soll sie überall das Veste leisten. Sie soll sein eine Schule der Autorität und Ehrfurcht. Sie soll sein eine Schule der Freude und Hingabe. Sie soll fein eine Schule der Staats­freudigkeit und tiefster Religiosität. Sie soll unterrichtlich das Beste bieten, was sich denken läßt. Do überall in der Welt neue Me­thoden gezeigt werden, die Erfolg versprechen, da sollen sie in der katholischen Schule ihren Platz finden. Die katholische Schule soll den ersten Lehrer, den es gibt, bekommen. Wir Katholiken sperren uns nicht gegen eine Reform der Lehrer­bildung. Alles was sie tut, um theoretisch und praktisch gründlich gebildete Lehrer unb Lehrerinnen heranzubilden, zu dem sagen die deutschen Katholiken ein frohes Ja.

Am Schluß der Tagung erllärte Reichs­kanzler Dr. Marx bei der Diskussion über das Reichsschulgesetz fei bedauerlicherweise manchmal der Eindruck ensttanden, als ob die alte Geschlossenheit des Zen­trums nicht mehr bestehe. Dieser Eindruck sei aber irrig, denn es handele sich nur um wenige einzelne.

, In her Versammlung wurde einstimmig eine Entschließung angenommen, in der es heißt:

t »Die deutschen Katholiken erwarten, daß das Reichsschulgesetz für die kacho- lrschen Kinder eine katholische Schule er­möglicht, die in ihrer ganzen Einrichtung den katholischen Forderungen entspricht. Sie erwarten ferner, daß auch katholischen Minderheiten ihr Recht auf konfefsiv- (Fortsetzuna fiefit Seite 23

Sie BeiaAingSverminternng

Genf. 5. Sept. Die deutsche Delegation gibt soeben über die Ratifizierung der Truppenverminderung im Rheinland durch die Alliierten folgendes offizielle Kommunique heraus:

Der französische Außenminister Briand hat heute im Namen der belgischen, briti­schen. französischen, italienischen und japa­nischen Regierung dem deutschen Reichs- außenminifter eine offizielle Mitteilung über die letzt beschlosiene Verminderung der Besatzungstruppen im Rheinland be­stätige« zu lassen. Briand bestätigt darin die Herabsetzung der gegenwärtigen Trup, penftärke um 10 000 Mann auf 60 000 Mann und fügt hinzu, daß diese Maß­nahme in kürzester Frist durchgeführt wer. solle, Heber die Einzelheiten, insbesondere über die Erleichterungen, die diese Maß, nähme für die Bevölkerung des besetzte« Gebietes mit sich bringen wird, ist eine weitere Mitteilung in Aussicht gestellt worden.

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Sermfragtn in Senf

Genf, 5. Sept. (WTD.) Dem Prä - fidialbüro der Dölkerbundsversamm» lung gehören auf Grund der heuttgen Wahlen außer dem schweizer Ehrenmitglied Motta und dem Vorsitzenden des Tages- ordnungsausfchusses, deBrouckere.an: Die sechs Vizepräsidenten der Versamm­lung, Scialoja (43 von 47 abgegebenen Stimmen), Briand, Chamberlain, Stresemann (je 41 Stimmen), Re­mo urS-Haiti (28 Stimmen) und Graf M e n s d o r s - Oesterreich (der in einem erforderlich gewordenen zweiten Wahlgang 32 Stimmen erhielt) und die 6 Präsidenten der Versammlungsausschüsse, Adatci» Japan, Da n do urand-Kanada, Be- nesch-Tschechoslowakei, van Ehsinga- Holland, H a m b r o - Norwegen, B e ch - Luxemburg. Die nächste Sitzung der Hauptverscnmnlung ist auf morgen nachmit­tag zum Beginn der Generaldebatte über den Jahresbericht angesetzt worden. Am Dienstag vormittag treten die sechs Ver­sammlungsausschüsse zu ihren konstitu- irrenden Sitzungen zusammen. /

Die Durchbrechung der tradittonellen Sitzordnung im Reformattonssaal, die heute vormittag eingefuhrt und heute nach­mittag rückgängig gemacht wurde, hat, wie wir hören, verschiedenen Delegattonen An­laß gegeben, Beschwerden unb Wünsche vorzubringen. Diese gehen dahin, für die Zeit bis zur Fertigstellung eines neuen Völkerbundgebäudes eines Turnus einzuführen, der den einzelnen Mächten das Einvernehmen wechselnder Sitze vorschreibt, denn einige von ihnen, darunter Deutschland und England, sind durch die schlechte Akustik und ihre Lage zu den SaalauSgüngen dauernd nicht unerheblich benachteiligt.

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Sur StioliungSrtfotm

ff. Berlin, 6. Sept. Zur Bereinigung der zwischen Preußen und dem Reich noch schwebenden Streitfrage in der Beamten­besoldungsreform findet am Mittwoch eine Besprechung der Vertreter der preußischen Landtagsfrattionen mit dem preußischen Finanzminister statt. Im Zusammen­hang mit der allgemeinen Besoldungs­reform ist eine nicht unwesentliche Besser st ellung der preußischen Lehrerschaft geplant. Reichs- finanzmiNrster Dr. Köhler ist gestern nach Berlin zurückgefehrt und hat seine Geschäfte wieder übernommen. Er hatte bereits gestern nachmittag die erste Be- sprechung über die bevorstchende Besol­dungsreform. .....