SirnAW, ton 30. AuM 1927
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Leklnes ziuiht von Paris na» London
Ser Mger ohne SliiMtla — ein golührlilhes Landnaasmamver — Los von Srankrelch
fk. London, 30. Ang. Levine ist <nf dem ihm gehörenden Flugzeug „Mist Columbia" auf dem Flugplatz in Croy» da« angekommen. Auf die Frage, warum et diesen Flug unternommen habe, erklärte Levine, da sein Pilot ihn nicht nach London habe bringen wollen, habe er sich entschlossen, selbst zu fliegen. Er bemerkte noch, er wolle selbständig über den atlantischen Ozean fliege«.
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Der plötzliche Start Levines mit der .Columbia" nach Croydon hat sich in Formen abgespielt, die die gesamte Fliegerwelt m Paris auf daS höchste erregt haben. Um 11 Uhr vormittags erschien Levine und begab sich sofort in die Halle, in der das Flugzeug .Miß Columbia" untergebracht war. Die Mechaniker hatten jedoch den Magneten des
Motors versteckt,
um eine Einzelabfahrt Levines oder DrouhinS zu verhindern. Zum großen Erstaunen der anwesenden Monteure ging jedoch Levine geradewegs auf das Versteck zu, holte den Magneten hervor, ließ ihn aufnrontieren und den Apparat daun aus der Halle bringen, wo er, wie er erklärte. .k>M Propeller laufen lasten wollte. Levine ünig Weiße Flieger- Leibung. Er ließ den Motor anlaufen, dann di« vor den Rädern zum Verhindern des Ab» flicgens gelegten Bremsklötze abnehmen, um, wie er erklärte, einige Meter aus dem Boden zurückzulegen. Levine flog auf dem Boden bis zu dem angrenzenden Militärflugplatz. Er schien dort auf den Start eines vor ihm stehenden Verkehrsflugzeuges zu warten, machte darauf aber kehrt und stellte seinen Apparat in nördlicher Richtung bereit. Darauf lieh er ihn starten und
verschwand in einer Höhe von 500 Metern
von Le Bourget. Als man auf dem Flugplatz erkannte, daß Levine davonflug, stieg ein Flugzeug zu feiner Verfolgung auf, konnte ihn aber nicht einholen und mußte unverrichteter Dinge umkehren. 2n Fliegerkreisen behauptet man, daß Levine kein Fliegerpatent besitze. Der Erregteste von allen ist Drouhm. Aach dem .Temps" steht es absolut fest, bah sich an Bord der .Blitz Columbia" nur Levine befindet.
Levine über die Gründe seines Fluges «ach Croydon.
st. London, 30. Aug. Der amerikanische Finanzmann Levine, der gestern mit seinem Flugzeug .Miß Columbia" bei seiner Landung in Croydon wie gemeldet wird, der ersten Landung, die er je vollführt hat) fast tödlich verunglückt wäre, gab der Presse Ausschluß über seinen unerwarteten Flug nach London. Er sagte: .Ich brachte die .Miß Coluinbia" nach England, weil ich der Ansicht war, daß dies im besten Interesse des Fluges (nach Amerika) liege. Ich sah keine unmittelbare Aussicht, von Paris Wegzukommen. Immer, wenn Berichte, die ich von britischen oder amerikanischen Stationen erhielt, zeigten, daß die Bedingungen gut waren, schlug ich vor, zu starten. D r o u h i n lehnte es jedoch ab, mit der Begründung, die Berichte der französischen Detterbüros zeigten, daß die Wetterlage un« »fei". , Levine erklärte, Drouhin werde
Pfennig erhallen, der ihm unter ihrem Äontrcät zustehe und bemerkte weiter: Wählend ich in Frankreich war. wurde mir ledes mögliche Hindernis in den Deg gelegt. Alles, was ich unternahm, wurde dauernd in der Presse und anderswo kritisiert. Ich sah. daß mein Flug aus Paris so gut wie unter französischer Kontrolle stehen würde, und dies schien mir nicht gerecht zu fein. Schließlich, als ich keinen anderen Ausweg sah, beschloß ich, das Flugzeug nach England zu bringen und von hier zu starten.
Levine schloß, er werde entweder einen amerikanischen oder britischen Flugzeugführer zu bekommen suchen. Auf die Frage, ob er einen Flugschein besitz«, schüttelte Levine lachend den Kopf und fügte hinzu, daS Luftfahrtministerium habe ihn gebeten, nicht mehr zu fliegen, bevor et einen solchen Schein besitze.
London, 29. Aug. Levine landete am Nachmittag auf dem Londoner Flugplatz Croydon. Die anwesende Volksmenge machte beim Eintreffen der „Columbia" eine angstvolle Viertelstunde durch. Den« die Landung hätte beinahe mit einer Tragödie geendet. Die Flugplatzverwaltung hatte in Erwartung Levines bereits Krankenwagen mobil gemacht. Zunächst entging Levine mit knapper Not einem Anprall auf dem Boden. Als er sich wieder erhob, gelang es ihm,
noch knapp über die Flugzeugschuppen Hinwegzukommen, deren Dächer von den Rädern des Landungsgestelles gestreift wurden. Nach einer weiteren Runde um den Flugplatz versuchte er zum zweiten Male niederzugehen, jedoch wiederum ergebnislos. Darauf liefe der Kommandant des Flugplatzes ein anderes Flugzeug aufstei- gen. um der „Columbia" einen geeigneten Landungsplatz zu zeigen. Endlich, um 16.10 Uhr, gelang dann die Landung der „Columbia" verhältnismäfeig glatt.
Wammenkunst Chamberlain - Urlaub?
Ar chmptprobstme ter Seirctbunteiaauna
fk. London. 30. Aug. Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" schreibt, Chamberlain und B r i a n d würden vielleicht in Paris oder Senf die neue französische Theke fr6 -fe-re. Rheinstt.db«» setzung als Garantie für die augenblickliche Grenze zwischen Polen, Deutschland und Danzig und als Garantie gegen den Anschlufe Oesterreichs an Deutschland erörtern, falls diese Frage von der französischen oder deutschen Seite aufgeworfen werden sollte. Britische Kreise bezeichnen die Darlegung der französischen Presse über die Notwendigkeit eines Ost-Locarno als Bedingung für die endgütige Räumung des Rheinlandes als „Wechselreiterei". Großbritannien würde sich auch weiterhin derartige« Forderungen nicht anschliefeen. Das Recht Deutschlands oder Oesterreichs, an den Völkerbund um die Erlaubnis, sich zu vereinen, zu appellieren, sei ihnen ausdrücklich vorbehalten worden, sowohl gemäfe dem Vertrag von Versailles als auch dem Vertrag von St. Germain und auch in allgemeiner Art gemäfe Artikel 19 der Völkerbundssatzung.
Die britiche Regierung würde heute de« Anschlufe für inorpportun und gefährlich erachten und würde wahrcheinlich dagegen stimmen; dies habe jedoch nichts mit dem versuch zu tun, Deutschland oder Oesterreich zu zwingen, ei« Recht, das sie vertragsmäßig besitzen, auszu- geben. Einem solchen Verfahren würde England nicht zustimmen.
„Westminster Gazette" schreibt: Die überwältigende Ansicht in England ist, dafe die Rheinlandbesetzung so rasch wie möglich beendet werden müfete und dafe ihre Fortführung eine Duelle der Bitterkeit ist, die die Sicherheit vermindert statt vermehrt.
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Außenminister Dr. Etresemann wird am Dienstag Berlin verlassen, um an der Tagung des Dölkerbundsrales in Senf teilzunehmen. Ein Teil der deutschen Dölker- bundSdelegierten reist erst am Sonntag, da die eigentliche BölkerbundStagung erst in der kommenden Woche beginnt. In Berliner politischen Kreisen ist man der Ansicht, daß die kommende Tagung kaum irgendwelche Sensationen zeitigen wird. Don den auf der Tagesordnung der Ratssitzung stehenden Punkten sind von grundsätzlicher Bedeutng der Streit-
fülle zwischen Rumänien und Ungarn sowie zwischen Griechenland und der Deutschen Dulkanwerft. Handelt es sich doch hier um Fragen, die die Kompetenz der gemischten Schiedsgerichte berühren. In dem Streit zwischen Rumänien und Ungarn bemüht sich, wie wir hören, der englische Außenminister um eine Verständigung. Im übrigen stehen auf dieser Tagung des Rates auch wieder eine Reihe Danziger Fragen zur Entscheidung. 'Sei der Beurteilung dieser Fragen wird man von der durch die Verträge geschaffenen Lage ausgehen müssen; hiernach muh leider fest- gestellt werden, daß die Aussichten dafür, daß Danzig mit seiner Auffassung durchdringt, nicht gerade sehr günstig liegen.
In der Vollversammlung des Völkerbundes werden die Beschlüsse der Wirtschaftskonferenz und ihre weitere Auswirkung eine große Rolle spielen. Desgleichen die Fragen der Abrüstung. Wie wir hören, wird die deutsche Delegation in der Vollversammlung erneut ihren Standpunkt in der Abrüstungsfrage, wie er zuletzt vom Grafen Bernstorff vorgetragen worden ist, zum Ausdruck bringen. Bereits auf der letzten Tagung des Rates hat Dr. Etresemann angekündigt, daß Deutschland zu dieser wichtigen Frage in der nächsten Vollversammlung Stellung nehmen werde.
Wie bei den früheren Tagungen des Völkerbundes so werden auch diesmal besondere Besprechungen der Außenminister der Locarnomächte stattfinden. Es ist wohl anzunehmen, daß die in diesen Besprechungen die Frage der Auswirkung und der weiteren Gestaltung der Locarno- Politik eine große Rolle spielen wird. Als eine, wenn auch sehr unzulängliche und für den deutschen Standpuntt unbefriedigende Rückwirkung der Locarnopolitik wird in Berliner maßgebenden politischen Kreisen auch die soeben von den Kabinetten in Paris, London und Brüssel beschlossene Truppenreduzierung im Rheinland angesehen. Ueber den Umfang dieser Truppenderminderung liegen zwar an Berliner zuständigen Stellen noch keine authentischen Mitteilungen vor. Es ist aber anzunehmen, daß eine offizielle Benachrichtigung der deutschen Regierung durch die Okkupationsmächte schon in den allernächsten Tagen erfolgen wird; im Auswärtigen Amt erwartet man eine solche Benachrichtigung bereits im Laufe der nächsten 24 Stunden, sodaß bann der Außenminister Dr. Sttesemann in der Lage wäre, dem Kabinett, das sich wie gemeldet, endgültige Angaben zu machen. Wie schon gesagt, ist man auch in der Wilhelmstrahe über das Ergebnis der wochenlangen Verhandlungen unbefriedigt. In Neinlicher Weise hat man dort gefeilscht, statt endlich eine große Geste spontanen und ehrlichen Derständigungswillens zu tun. Immerhin ist es nach Ansicht hiesiger maßgebender
(Fortsetzung Rebe Seite 2,1
8n Eigener SM
In unserer Ausgabe vom 6. August ds. Js (Nr. 182) war die Notverordnung über di> Beflaggung der kommunalen Dienstgebäude und der Schulgebäude wiedergegeben, zugleich mit der beigegebenen Begründung, aus der hervorgeht, daß man „eine sofortige Aenderung der bestehenden Rechts, läge" (von uns gesperrt) für geboten halte und daß die Kürze der bis zum Verfassungstage zur Verfügung stehenden Zeit den Erlaß einer Notverordnung gerechtfertigt erscheinen lasse. An die Meldung war folgende redaktionelle Bemerkung geknüpft worden:
„Es ist natürlich völlig ungerechtfertigt, einer solchen Verordnung den Charakter einer Notverordnung zu geben und die Beschluß, fassung über ihre Durchführung dem Parlament selbst zu entziehen. Aber nach solchen Dingen fragt man heute in Preußen nicht mehr. Dort regiert im Augenblick nur Parteipolitik, die sich aber stolz Staatspolitik nennt. Im übrigen ist es doch recht bezeich. nend, daß man glaubt, zu solchen Zwangsmaßnahmen schreiten zu müssen, um den einzelnen Gemeinden das Flaggen in den Reichsfarben aufzuzwingen. Daß man sich mit solchen Machenschaften selber ein Armutszeugnis ausstellt, das scheint man im Schoßender hohen preußischen Regierung nicht zu begreifen. In der Tat, die Republik ist in Gefahr. Nur daß die, die sie zu Grunde richten, nicht rechts sitzen, sondern links, gerade in den Reihen derer, die stets mit ihrem Geschrei das Kapitol zu retten vermeinen."
Der unbefangene Leser wird feststellen, daß diese Worte nichts sollen, als den Versuch zurückw'eisen, die Flaggenfrage unter Umgehung des Parlamentes, — und wir h a b e n in Deutschland das parlamentarische System, — auf dem kalten Wege der Notverord- nung übereilt zu lösen. Früher hat die demokratische Opposition stets den schärfsten und lautesten Protest erhoben, wenn das Volk nicht befragt wurde in Angelegenheiten, die strittig waren, und die etwa auf dem Ber- ordnungswege gelöst werden sollten. Run kann es keinem Zweifel unterliegen, daß in der Flaggenfrage Deutschland in zwei scharfe Lager getrennt ist. Das hat mit der Frage Monarchie oder Republik ebensowenig zu tun, wie mit sogen, reaktionären Tendenzen. Auch gute Republikaner sind für schwarz-weitz-rot! Die Schlußfolgerungen ergeben sich von selbst. Die Berechtigung, ein derartiges Verfahren zu kritisieren, dürfte selbst vom demokratischen Standpunkte aus nicht geleugnet werden. Die meisten unserer Leser werden über die Form der Kritik, wie sie die redaktionelle Eile verständlich macht, hinweggesehen haben. Nicht so die republikanische Beschwerdestelle und ihr in Marburg bekannter Vertreter. Der Herr Re- gierungspräsident hat dann Anlaß genommen, zu verfügen:
„Auf die Beschwerde vom 8. August 1927 teile ich mit, daß ich den Landrat in Marburg (Lahn) und die sonstigen in Frage kommenden staatlichen Behörden ersucht habe, wegen des Artikels „Eine überstürzte Notverordnung Preußens, die Beflaggung der Dienstgebäude Sache der Landesverwältung" in Nr. 182 der „Oberhessischen Zeitung" vom 6. August 1927, der eine nach Form und Inhalt nicht zu dul- dende Herabsetzung der preußischen Staats- regierung enthält, die amtlichen Beziehungen zu der „Oberhessischen Zeitung" mit sofortiger Wirkung z u l ö s e n."
Wir haben dazu zu bemerken:
Zunächst einmal bestehen über den Wdruck der amtlichen Bekanntmachung feste Verträge mit fester Kündigungsfrist, die einzuhalten auch eine Regierung, die doch im Wesentlichen sich auf Treu und Glauben stützen muß, gezwungen sein wird.
Zweitens: Die öffentliche Bekanntmachung von Verfügungen der Behörden geschieht In den Zeitungen doch nicht etwa um der schönen Augen der Verleger willen, sondern roeil btf betreffende Zeitung eine Verbreitung, und zwar eine möglichst gute, sichert. Denn in einem demokrati- schen Staate noch mehr als in dem früheren „Obrigkeits"-Staate sollten die Behörden für das .Volk da feig. Zseifellsr ist die Stellung