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Marburger rageöaMm

Mische Lan-eSzettung

Sonnadrnd, den 27. August 1927

werter Offenheit und Anerschrockenheit in seiner Ansprache vor der Interparlamen­tarischen Anion den Finger auf die Wunde gelegt, an der insbesondere Eu­ropa blutet. Anter Variierung eines Wortes des französischen Kriegsministers Painleve hat er des Näheren ausgeführt, wie überall das Mißtrauen, das schlimmer sei, als der Haß, die Beziehungen der Völker vergifte. In ganz besonderem Maße gelte das für die Beziehungen zwi­schen dem deutschen und dem französischen Volk. Löbe wies auf die verheißungs­vollen Anfänge hin, die die Völkerver­ständigung zunächst genommen hat; er gab seinem Bedauern Ausdruck, daß seit geraumer Zeit die Bemühungen, insbeson­dere die deuffch-ftanzösischen Streitfragen zu bereinigen, nahezu erfolglos seien. Der Reichstagspräsident betonte den ehrlichen

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1 Goldmark V«,«Dollar.

Friedenswillen Deuffchlands, er erinnerte an die Opfer, die Deutschland bereits auf den Altar der deutsch-französischen Ver­ständigung gelegt hat und er gab der Hoffnung Ausdruck, daß Frankreich durch sichtbare Beweise Deuffchlands Hoff­nungen nicht länger enttäuschen möge.

Löbes vom Geiste aufrichtigen Frie­dens- und Versöhnungswillens getragene Ausführungen haben ein Echo in Frank­reich gefunden, das für die Weitergestal­tung der deuffch-ftanzösischen Beziehungen das schlimmste befürchten läßt. Löbe hatte auf dem unvereinbaren Widerspruch zwischen dem Gedanken der Völkerversöh­nung und der Rheinlandbesatzung hinge­wiesen und an Frankreich den Appell gerichtet, einen spontanen und aufrichten Beweis seines Friedenswillens dadurch zu geben, daß es seine Truppen vom Rhein

Spaltung lm englischen Kabinett

Schakstk Segmsaß 6tamtetlmn-6ail

Rot-Gold. Cs kommt allerdings hinzu, daß im Laufe der Jahre diese Flaggen­frage zu gleicher Zeit das AnterscheidungS- ; I Merkmal für Parteigruppierungen gewor­den ist, und, wie das so leicht geschieh,- diejenigen, die Schwarz-Rot-Gold vertreten

I (einige von ihnen meinen sogar nur das Rot, obwohl sie Schwarz-Rot-Gold sagen) setzen ihre Parteiansicht gleich dem Staatswohl.

Man hat einst versucht, diesem Streit I m^ourch auszuweichen, daß man eine neue Flagge vorschlug, die dann von beiden I als das Symbol Deuffchlands anerkannt würde. Das Parlament, in dem neuen republikanischen Deutschland der höchste I Ausdruck der Regierungsgewalt, sollte ent- I scheiden, ob es mögliich sei, die leidige

Flaggenfrage aus dem Kampf der politt- scheu Parteien auszuschalten. Das wäre zweifellos eine Lösung gewesen. Aber der I Gegensatz in den Regierungs­koalitionen im Reiche und in Preußen ist es Wohl, der dazu geführt I hat. daß man von Preußen aus, von dem man längst das schärfste Geschütz gegen das Reich auffuhr, versucht, die Flaggenftage im Sinne der augenblicklichen dorffgen I Konstellation zu lösen und zwar im Kampf.

Man kann auch anders, angeblich soll der Wille des Volkes enffcheidend sein, d. h. also das Parlament, aber die preußische Regierung häst es trotz ihrerdemokrati­schen" Gesinnung für richtig, die An­gelegenheit unter Amgehung des Paria»

I ments druck» eineNotverordnung" SU. lösen, das heißt mit den schärfsten Mitteln der Verfügungen Zwang auszu­üben, nicht nur auf die eigentlichen Arnts^ stellen, sondern sogar auf Private. Denn wenn ein Beamter in feinem Hause ist, ist er doch wohl ein Privater. Das ver­stehen wir in Deutschland jedenfalls unter Freiheit, die durch die Verfassung garan- | tiert ist.

MS zu welchen Unfinnigfeiten der Flaggenstreit sich in den letzten Tagen gesteigert hat, das kennen wir aus den Meldungen über die Beflaggung der Ber­liner Hotels. Die Leute, die früher die Freiheit auf ihre Fahne geschrieben haben, arbeiten heute mit den Mitteln des schärf­sten wirtschaftlichen Boykotts. Sie glau­ben, damit zu schaden und zu zwingen. Ach, du lieber Gott, vielen, denen sie schaden wollen, nützen sie vielleicht nur. Außer^ dem dürften die "Betroffenen, soweit es sich um wirtschaftliche Korporationen oder Selbstverwaltungskörper handelt, nicht gewillt sein, sich von eing; äugen,*

fk. London, 27. Aug. Zu dem in der Frage der Verminderung der Rheinlandtruppen angeblich erzielten französischenK o m p r o m i tz" auf der Basis der letzten Vorschläge des britischen Kabinetts berichtenTime s aus Paris:Die britischen und französischen Meinungs-Verschiedenheiten seien überwunden. Die französische Regierung nimmt grundsätzlich die britische Auslegung an. Die Frage der Sicherheit sei nicht erörtert worden. . Die britische Regierung stimme einer Herab, setzung um nur 10000 Mann zu. Es werde erwartet, daß Frankreich 8000 > Mann zurückziehen werde. Es bestehe guter Atzrund zu der Vermutung, daß dies die end» jgültige Lösung ist und daß ihre An- 1 rahme durch die französische Regierung noch \ «r der Genfer Zusammenkunft verkündet Werden wird. Die Gesamtzahl der Xtuppen würde dann etwa 60000Mann rbetragen und es verlautet, daß die belgische Re» /gierung hiermit einverstanden sei.

- DerTime s"-Berichterstatter gibt zu, daß in Pari» eine Tendenz besteht, die Locarno- Abkommen so zu behandeln, als ob sie niemaisabgeschlossen worden feien, und jedenfalls wertlos für die Wiederher­stellung und für die Aufrechterhaltung des < Frieden fiter.. -

Pertinax berichtet imD aily »Telegraph" aus Paris: JDie Frage der Verminderung der Rheinlandtruppen / könne jetzt als geregelt angesehen werden.

Etwa 1800 britische, 1100 belgische und 6800 französi­sche Truppen solle« zurückge­zogen werden.

I Dee diplomatische Korrespondent des Daily Telegraph" schreibt: Die französische Antwort auf den letzten briti­schen Vorschlag war bis gestern Abend noch nicht in amtlichen brßtischen Kreisen ein-, getroffen. Der Korrespondent wendet sich in eingehenden Ausführungen gegen die französische These, daß die ' Besetzung des Rheinland.es durch alliierte Truppen rechtlich über die Vertragsgrenze hinaus verlangt werden könne. Eine solche ausgedehnte Besatzung würde die Sicherheit bedrohen, die Deutsch­land durch den Locarnooertrag versprochen orden sei.

eine teulsche Aniworl an te 3eu»entl

Die interparlamentarische Anion, die ihre Hauptaufgabe in der Förderung aller Bestrebungen erblickt, die dem Frieden, der Gerechtigkeit und der Versöhnung der öfter dienen, hat zu ihrem diesjährigen agungSvrt Paris gewählt. Seit der letz­en Tagung der Anion, die im vorigen Jahr in Washington stattfand, hat sich n der Welt manches ereignet, was den ltftieden in stärkster Weise bedrohen JEann. Man denke an die Wirren in k Mna, an den Bruch zwischen England U pid Sowjetrußland, an den Konflikt an R >r Adria, an das Scheitern der Ab- s chstungsverhandlungen, an den Stillstand f ^r Locarnopolitik usw.

, Angesichts dieser den Weltfrieden aufs ' stärkste bedrohenden weltpolitischen Lage i hat der deutsche Reichstagspräsioent Löbe . in seiner Ansprache die Aufmerksamkeit des Kongresses in Paris auf all die Mo­mente gelenkt, die eS verhindern, daß die Verständigung unter den Völkern zustanoe kommt. Löbe ist auch den Franzosen als Pazifist bekannt; er hat wiederholt in öffentlichen Versammlungen in Paris sich | für die Verständigung zwischen Frankreich | und Deutschland eingesetzt. AuS dieser | seiner geistigen und poliffschen Grund- I Einstellung hat nun Lobe in anerkannens-

fotzungsheer bestehen darf, da die

das gesauste britische Heer gewährleistet sei.

Chamberlain ergriff, wie ge­wöhnlich, die Partei Frankreichs.

Es werd« damit ein äußerliches Schauspiel ge- botcn, das Cecil zurücktrete, oder mit seinem Rücktritt drohe, als Protest gegen Chemberlain und um den Locarnooer' trag zu retten, für den Chamberlain die Hawtanerkennung erhalten habe. «an glackt nicht, daß die aus Paris gemeldete Vertnbarung, das Besatzungsheer auf 60000 «om herabzufetzen, Lord Cecil zufrieden stell« werde.

Leck MM-etttkn

^London, 27. Aug. Lord Robert Ceöl hat dem Ministerpräsidenten seine Deiission eingereicht.

Nuß mMch-stmiMchr Kompromiß

« wetten zurückgezogen: 6 $00 srmMchr, isoo britische, lioe belgische DelntzmigSmnnnschnften

zurückziehe. Der Vertreter Frankreichs, Herr de Iouvenel hat die versöhnlichen Worte beantwortet, die alle Freunde einer deutsch-französischen Verständigung wie des deutschen Vertreters mit einer Rede einen Schlag ins Gesicht empfinden müssen. Als kürzlich Herr de Iouvenel die Vertte- tung Frankreichs beim Völkerbund nieder­legte, wurde dieser Schritt dahin gedeutet, daß de Iouvenel ein Gegner der Verstän­digungspolitik BriandS geworden sei. Nach der Rede, die er jetzt gehalten hat, kann Über seine außenpolitischen Ansichten kein Zweifel mehr bestehen. De Iouvenel hat sich offen als ein Gegner einer vorzeitigen Rheiniandräumng bekannt, er hat die Rheinlandbesatzung als die einzige Sicher­heit bezeichnet, die Frankreich Deutschland gegenüber habe und er hat darüber hinaus unumwunden erklärt, daß Frankreich nicht eher seine Truppen aus dem Rheinland zurückziehen werde, bis Deuffchland die Grenzverhältnisse im Osten als unabänder­lich anerkannt habe.

ES ist zu begrüßen, daß Prof. Schücking, der ebenso wie Löbe Pazifist und jedes überttiebenen Rationalismus unverdächtig ist, in so entschiedener Weise sich gegen die ungeheuerlichen Ansichten des Herrn de Iouvenel zur Wehr gesetzt hat. Pro­fessor Schücking hat mit Recht betont, daß die Gesinnung, die aus den Ausführungen de Iouvenels spricht, die stärkste Gefähr­dung de« europäischen Friedens bedeutet. Es spricht Bände, daß ein Franzose, der noch nicht einmal zu den chauvinistischen

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Mggenftrott

Die Flagge ist das Hoheitszeichen des Staates. Wer sie streicht, erniedrigt sich, und wer sie wechselt, gilt als ein nicht ehrenfester Mann, um es einmal ge­linde auszudrücken. Wer sich eine andere Flagge wählt, will seine Vergangenheit leugnen, will nicht die ruhige Entwicklung, in der sich vielleicht auch Ideen wandeln, er will Kampf und Revolution verewigen.

Ist es ein Wunder, daß in dem Deutsch­land, das wir kennen, in dessen National­gesang wir vonDeutscher Treue" singen; Männer sich finden in großer, in über», großer Anzahl, die, mögen sie sonst viel­leicht zur politischen Entwicklung stehen wie sie wollen, sich für verächtlich halten, wenn sie die Flagge strichen oder änderten. Sie sind und bleiben schwarz-weih»rot. Nur in Deutschland ist es möglich, daß es auf der andern Seite Männer gibt, die leichten Herzens neue Farben einzuführen gewillt sind. Der Franzose hängt neben das Bild Napoleons das Bild Poincares oder irgend einen andern Führer der Republik. Es fällt ihm nicht ein, seine Geschichte zu leugnen. Der Bastillensturm ist ihm eben­so gut französisches Nationalheiligtum wie die Siege Napoleons. Er ist mit Leib und Seele im innersten Gefühl Franzose. Der Deuffche fühlt sich ber- standesmäßiger vielfach erst Wohl, wenn er irgendeine Frage zum Eris-Apfel des

Heitzornen gehört, vor einem Kongreß, ber ch die Pflege des Rechtsgedankens in eer Linie zur Aufgabe gesetzt hat, jetzt offeidie These verttitt, daß die Sicherung des riedens allein durch Kanonen und Bajette gewährleistet werden kann. Der ©tarounft, den de Iouvenel hier vertre­ten it, bedeutet nichts anderes als eine glatt Verleugnung der Locarnopolitik. Sein Verquickung der Besatzungsfrage mit t Frage der Ostgrenzen ist unver- einbc mit dieser Politik und steht in schrom Widerspruch selbst zum Ver- saillLLerttag.

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d as, 26. Aug. Auf der heutigen Be- ratunber inter. rrlamentarrschen I U n l t befähle sich der belgische Senator I Maut t e mit der Frage der be lg i- I schcst - utralitätm Weltkriege I und Deportierung belgischer I 5Ir6«t nach Deutschland. Er schlug der I Bollvmmlung eine Entschließung zur An- I nabmer, die dem Vorstand zur weiteren I Beoamg übergeben wurde. In dieser Ent- I schließ' wird der Friede als höchstes Gut I und aas von allen Regierungen su erstre- I dende al bezeichnet und ieder kriegerische I Angrnder Revanchekrieg und jede Zuflucht I jui bren Gewalt mißbilligt und gebrand- I markt.r diesem Sinne, heißt es bann, er- I Haie interparlamentarische Union ein- I mutig, die Verletzung der belgischen Reu- I tralitan August 1914 ein höchst be- l ^°"^cher und zu verwerfender I

k t g;n sei. Sie gebe der Hoffnung Aus- I "B*"'. die Respektierung der Verträge I tunfti® Regel für das Verhältnis der |

fk. London, 27. Aug. Fi, politischen Krei- hn N-» » «nn-M- >- " -

nach Cecil, der Kanzler des Herzogtums Lancaster, von seinem Posten im Kabinett zurückgetreten sei.

Der politsche Sonderberichterstatter des Daily Expreß" schreibt: Der Grund sür das Rücktrittsgesuch Lord Cecils sei eine Kabinettsspaltung, die seit mehreren Tagen in politischen Kreisen ein offenes Ge­heimnis fei und besonders Champerlain und Cecil betreffe. Die Krisis fei entstan­den wegen der Frage der Verminderung der Rheinlandtruppen. Cecil habe den Standpunkt vertreten, die Weigerung der französischen Regierung, chre Truppen um mehr als 5500 Mann zu verringern, sei ein Verbrechen gegen den Geist von Locarno. Cecil gehe noch weiter und er­klärt«, daß überhaupt kein Be-