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Keilas
Löbe
Marburger
ZagesaWigtt
Wische Lauderzeitung
Ne. 199 62. Mrg. Marburg a. Lahn
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fl. Paris, 26. Aug. Rach einer -avas-Meldung ans London ist die Uederreichung der englischen Ant. »ort aus die franzöfifche Rote in der Frage der Verminderung der Rheinland- tnppen aller Wahrscheinlichkeit nach heute zu erwarten.
ff. London. 26. Aug. Der diplomatische -torresvondent des „Dail, Telegraph" schreibt z« den gestrigen Kabinettserörterun- gen über die Frage der Herabsetzung der Be- sotzungstrnvven im Rheinland:
Die offizielle Haltung Srobbritanniens ist »eiterhin von drei Haupterwägungen geleitet:
1. dab die Verminderung wesentlich sein soll,
2. dab sie im Verhältnis der Zahl der im Rheinland anwesenden französischen und englische» Truppe» erfolgen soll und
1 dab die Frage der französischen Sicherheit eiue besondere Frage ist, deren Verknüpfung mit der Frage der Truppenverminderuu« im Rheinland weder durch den B e r. sailler Vertrag noch de» Lo- carnopakt gerechtfertigt ist.
Sie SenkmaiSweihe in Ammt
Im Beisein des belgischen Kronprinzen, des belgischen Kriegsministers und des französischen Pensionsministers Marin fand am Dienstag in dem belgischen Städtchen Dinant die Einweihung eines Denkmals statt, das zur Erinnerung an die dortigen Vorgänge kurz nach Kriegsausbruch errichtet worden war. Dabei wurden von den genannten drei Persönlichkeiten Reden gehalten, die sowohl, was ihren Ton als auch ihren Inhalt betrifft, in deutschen politischen Kreisen stärkstes Befremden ausgelöst haben. So identifizierte sich ausdrücklich der belgische Kronprinz mit einer vohergegangenen Rede des Bürgermeisters von Dinant, der u. a. behauptet hatte, belgische Franktireurs hätte es überhaupt nicht gegeben und die in Dinant von den Deutschen vorgenommenen Erschießungen von Zivilpersonen seien daher nichts anderes gewesen, als grausame Verbrechen der deutschen Soldaten. Auch der Prinz sprach gleichfalls von den „grausamen Verbrechen", welche die zivilisierte Welt vor Schrecken hätte erstarren lassen. In Dinant seien allein' 674 Personen erschossen worden. Der belgische Kriegs» Minister de Broqueville betonte, daß er ebenfalls mit diesen vorhergehenden Reden übereinstimme und daß die Ereignisse von Dinant das schrecklichste Gemetzel sei, das die Geschichte kenne. Die Deutschen hätten Krieg geführt, indem sie Unschuldige getötet hätte». Der französische Pensionsminister betonte unter Bezugnahme auf die von Vandervelde vorgeschlagene Enquete, daß die Wahrheit bezüglich der Franktireure festgestellt sei und daß die Deutschen die in dem belgische» Memorandum festgestellten Verbrechen begangen hätten. Deutschland habe nur noch seine Verbrechen einzugestehen. Ein anbetet; Redner war noch weiter gegangen, indem et, die Deutschen sogar ein Volk vo» Mördern nannte.
Die politische Bedeutung der Reden wird sofort klar, wenn man sich die wiederholten An- spiegelungen vergegenwärtigt, die die einzelnen Redner auf den zwischen Deutschland und Belgien jetzt erörterten Plan der Ein- setzung einer unparteiischen Untersuchungskommission für die Ereignisse in Belgien machten. Das Ziel, das hier verfolgt wird, liegt in einer Linie mit der kürzlich von der französischen Presse unter offensichtlicher Lei- tung der französischen Regierung unternommenen Aktion zur Sabotierung der geplanten unparteiischen Enquete. Die Teil» nähme eines französischen Ministers an der Veranstaltnng überhaupt und noch mehr seine Aeußerungen beweisen, nunmehr ganz offiziell, daß die französische Regierung es ist, von der der Hauptwiderstand gegen die geplante Enquete ausgeht. Es ist aber zum mindesten ebenso interessant sestzustellen, daß nicht nur der belgische Kronprinz, sondern auch der bei- gische Kriegsminister, also ein Mitglied des Kabinetts Vandervelde, von dem ja der Bor- schlag der unparteiischen Untersuchung aus- ging, Hand in Hand mit Frankreich arbeiten. Unter diesen Umständen muß bereits ernsthaft bezweifelt royrben, ob es überhaupt noch zur Bilbung ber geplanten unparteiischen Untersuchungskommission kommen wirb. Die Reben von Dinant haben mit aller Deutlichkeit gezeigt, wie groß bie Wiberstänbe sinb, bie sich der Verwirklichung des Vanderveldeschen Vorschlages entgegenstellen. Es liegen in Berliner politischen Kreisen auch Anzeichen vor, daß nicht nur von Paris aus, sondern auch von sehr maßgebenden politischen Faktoren in Brüssel auf ihn ausgeübt wird, zu weichen beginnt. i
Gegenüber der geradezu grotesken Behaup. tung eines der Redner in Dinant, es habe 1914 überhaupt keine Franktireure gegeben, sei zunächst darauf verwiesen, daß Belgien selbst in Hunderten von Fällen den Gegenbeweis geliefert hat, indem es so und so oft den Frankti. reurkrieg und seine Träger in begeisterten Reden und Feiern als Beweise des belgischen Patriotismus verherrlicht hat. Was den speziellen Fall Dinant betrifft, so ist es unglaublich, wie man angesichts des für die Bewohner des Maasstädtchens geradezu vernichtenden Aktenmaterials heute noch bet haupten kann, daß in Dinant unschuldiges Blut veraossen gorben fei. Es Lat natürlich'.!
Me - »e üeneenel
Paris. 25. Aug. 3m Palais Luxembourg, in dem sonst ber Senat tagt, wurde heute vormittag um 10 Ahr die 24. Tagung der 3nterparlamentarischen Anion in Anwesenheit von 400 Parlamentariern aus 35 Staaten eröffnet . 37 deutsche Delegierte teuren anwesend, unter ihnen der Deichstagspräsident Löbe. Dach einer Eröffnungs ansprache des bisherigen Vorsitzenden Baron Adelsvaerd wurde Senatspräsident Do unter zum Vorsitzenden der Tagung gewählt.
Do um er erinnerte in seiner Ansprache
Meigerjurldasfrüher kuchMct,L)<vberhrssen/.>Kmttiches VerkürMMiSsblMjürdkreisMwbMy
die Sitzung auf nachmittag vertagt.
Auf die Rede des Reichstagspräsüdenten antwortete in der Nachmittags-
So wünschenSwett, so notwendig auch die Harmonie zwischen den Völkern ist, so fuhr Poincare fort, so läuft sie doch so oft Gefahr, durch unvorhergesehene Zwischenfälle gestört zu werden, sei es nur, daß hier und dott Interessengegensätze, Rivalitäten, Eigenllebe, intensive Vorurteile, vielleicht sogar in gewissen Kreisen gefährliche Hintergedanken vorhanden sind. Ausgabe ber Interparlamentarischen Anion muh es deshalb fein, soweit als möglich, das zu beseitigen, was die Rationen entzweit und das zu fettigen, was sie einander näfjerbringt.
Der Kongretz der interparlamentarischen Anion beriet als ersten Punkt der Tagesordnung den Geschäftsbericht des Genera sekre- tärs. Als erster Diskussionsredner gab der Senator Dan durant der Hoffnung Ausdruck, datz die Vereinigten Staaten, England und Frankreich die interparlamentarische Anion ihrem höchsten Ziele, dem obligatorischen Schiedsgerichtsverfahren einen Schritt näher bringen mögen.
Reichstagspräsident Löbe führte alsdann u. a. aus: Die Konferenz wird hoffentlich eine Etappe zur Konsolidierung des Krieges bedeuten.
Sttanb bat Mut bewiesen durch die Aufnahme der Verhandlungen mit Sire- j e m a n ». Man hat iedoch den Eindruck, dab auf diesem Wege der Verständigung ein Stillstand eineetreten sei. Die Beziehungen zwischen den Völkern mühten öffentlich sein, und die Eeheimdiplomatie mübte abgeschafft werden. Wenn Frankreich uns erklären würde, dab vom 1. Januar 1828 ab kein einziger Franzose mehr auf deutschem Gebiete steht, so würde ein Wort ausgesprochen werden, das der Menschheit dient.
Nach weiteren £arRegungen des Japaners Ta Kebe und des Polen DenibinSki wurde
Englands Satzung in der Mcmlandstage
Frankreich gegen Krüsnng »er Sriegeschnlösrage nn» gegen Sermindttnng »er Besatzung
Aber die militärische Rheinlandbesetzung ist die einzige Garantie für den Frieden und die Stabilität in Osteuropa, so lange hinter der Fassade von Locarno sich noch etwas anderes verbirgt als das Bestrebe» des Völkerbundes. zu einer einheitlicheren ganz Europa umfassende« Politik. (Lebhafter Widerspruch der deutschen Delegation.)
De Jouvenel schloß: Wenn man lange Zett Gegner gewesen ist, muh man sich langsam auf den Weg ber Freundschaft begeben, anstatt durch Aeberstürzung einen neuen Bruch herbeizuführen. Frankreich will den Stieben, aber es will seinen Frieden nicht trennen von dem Frieden der anderen. „Sin Europa, ein Friede, das ist unser Grundsatz." De Jouvenel erntete auf seine Ausführungen lebhaften Beifall, hauptsächlich seitens der polnischen Delegation.
Die Diskussion über den Tätigkeitsbericht der interparlamentarischen Frfedensdelegation wird morgen vormittag fortgesetzt.
Eine Erklärung Abe»
Paris, 25. Aug. (WTB.) Wie wir hören, wird die deutfcheDelegation bei der interparlamentarischen Anion höchstwahrscheinolich morgen eine E r k l ä - r un g abgeben, um auf die heutige Rede de 0uunene16 cu antworten, weil sie den Eindruck hat, daß diese Rede sich gegen die Locarnopolitik richtet. Senat und Kammer in Frankreich hätten den Locarnoverttag gebilligt, so erklärt man innerhalb der deutschen Delegation, während
be Jouvenel ihn jetzt mit so großen Zweifeln umgibt.
Heber die Ausführungen, die der Präsident des Reichstages, Lobe, heute vormittag auf der Konferenz der interparlamentarischen Anion gemacht hat. gibt er dem Pariser Vertreter des WTB. folgende Erklärungen:
„Ich bin in meinen Ausführungen ausgegangen von der A m st e l l u n g der Re- parativnsfrage aus der Atmosphäre der Sanktionen und Dewaltmahnahmen auf die der friedlichen wirtschaftlichen und schiedsgerichtlichen Verständigung. Die Welt hat diese Wendung als Anfang einer versöhnlichen Wendung der gefährlichen Stteitfragen begrüßt. Heute befürchtet man, wenn keinen Rückgang, so doch einen Stillstand dieser Entwicklung. Die Gründe fhr diesen Stillstand sind einmal das Wühlen in alten Wunden und die Heimlichkeiten der Diplomatie und die militärischen Vorbereitungen, die das Mißtrauen wecken. Es gilt in unseren Tagen einem großen Zug freiwilligen Entgegenkommens, der bezwingt und überwältigt, der durch Offenheit und Ehrlichkeit und Der- trauen die Völker zur Nachahmung zwingt. Ich sehe einen solchen Schritt darin, wenn Frankreich zu Deutschland sagte,
vom 1. Zanuar 1928 an steht kein fran- zöfifcher Soldat mehr auf deutschem Boden. und wenn Deutschland zu Frankreich sagen würde, wir erklären offen, daß wir auf jede Vermehrung unserer Heeresftärke verzichten, weil ja die deutsche Abrüstung der Anfang der allgemeinen Abrüstung sein soll.
Einen solchen Schritt würde ich sehen darin, wenn England oder Amerika ttotz des Scheiterns der Abrüstungsverhandlungen von sich aus erklärten: „Wir werden unsere Rüstungen um 20 Prozent vermindern und dadurch ein weithin leuchtendes Beispiel geben.“ Wir rufen nach dem Staatsmann, der einen solchen kühnen Schritt wagt, auch gegenüber dem Mißtrauen bei seinem eigenen Volke.
fitzung der interparlamentarischen Union, in der die Diskussion über den Tätigkeitsbericht fortgesietzt wurde,
Senator Henry de Jouvenel folgendes: Eine-vernünftige Politik müsse sich weniger mit den Beweggründen als mit den Folgen beschäftigen.
Aus diese» Gründe» sei eine Enquete über die Kriegsverantwortlichkeit gefährlich.
Jeder Mensch soll sich vertragen und feinen Namen verteidigen. Aber man sehe, daß der Reichstag offiziell Dokumente veröffent- liche, aus denen sich ergebe, daß Belgien seine eigene Neutralität verletzt haben soll, wenn man nur auf das Urteil der Welt verweise und aus den Gerichtshof, vor den eines Tages die Frage der Kriegsursachen gebracht werde — aber die jetzige Generation sei noch zu jung, um in Ruhe die Kriegsereignisse zu beurteilen. Wir dürfen hier nur die Verantwortlichkeit in Gemeinschaft mit dem Frieden beurteilen. Um das Friedenswerk zu fördern, müssen wir die wirtschaftlichen Fragen über die territorialen Fragen stellen, sonst kommt es eines Tages zu einem Konflikt. Man mutz die Solidarität des Friedens organisieren, wenn nicht eines Tages die schreckliche Solidarität des Krieges kommen soll. Löbe sagte heute morgen, er habe den Eindruck, daß man zurückhaltend mit dem Frieden sei. Da» ist darauf zurückzuführen, daß zwei Europa geschaffen wurden:
Ei» Westeuropa, in dem der territoriale Status quo durch die Grobmächie garantiert ist, uud ei» Osteuropa, i» dem die Unterschriften Zweier Großmächte, nämlich Englands und Italiens, als Garanten fehlen.
Deutschland habe auch bas Abkommen mit Rußland getroffen, in dem Augenblick, in den es in den Völkerbund eingetreten sei und das Völkerbundsstatut gebe Deutschland die Möglichkeit, falls Rußland gegen irgend jemand agressiv vorgehen sollte, durch sein einfaches Vetorecht die Einmütigkeit, bie für eine Aktion des Völkerbundes notwendig fei. zu verhindern. Lvebe sagte ferner, räumt das Rbeinland am 1. Sanuar 1928:
Leider sei es der Anion nicht gelungen, der bösen Leidenschaften Herr zu werden. Der Hatz, die Eifersucht und die Herrschsucht der Völker hätten 1914 durch den Weltkrieg wie ein schwerer Donnerschlag die Welt überrascht. Für die Welt habe der Krieg eine Rückkehr zur Barberei der früheren Jahrhunderte bedeutet. Aber gerade die Schrecken des Weltkrieges hätten die Regierungen veranlatzt, die internationalen Beziehungen wieder enger zu knüpfen. Der Döikerbund sei geschaffen worden, dem die wichtigste Ausgabe für die Annäherung ber Völker zufiele. Auch die Interparlamentarische Anion habe eine ähnliche Aufgabe wie der Völkerbund.
Ministerpräsident Poincare, der bei Beginn seiner Rede von der Versammlung lebhaft begrüßt wurde, unterstrich den Friedenswillen Frankreichs und versicherte die Konferenz der großen Sympathien des. französischen Volkes. Die Versammelten erbeben sich hierauf von ihren Sitzen und bereiteten Poincare eine begeisterte Ovation. Aur wenige der ©elegierten blieben sitzen, unter ihnen die Mehrzahl der deutschen.
Poincare ging bei seinen Ausführungen aus von der Weltausstellung in Paris, den damals gezeigten Fortschritten der Technik und Wissenschaft, von dem großen Aufblühen der Menschlichkeit, die durch den Krieg jäh unterbrochen worden sei. Die Lehre beä Krieges sei die, daß man in noch stärkerem Matze jedes Wett unterstützen müsse, das der Annäherung diene. Richt etwa, daß die einzelnen Vaterländer ihre Kraft oder ihre Vitalität verloren hätten oder verlieren mühten. Das Vorhandensein unabhängiger Rationen so erklärte der Ministerpräsident, die einander nacheiferten und nicht mehr feind- lich aegenüberfte&en, ist eine der unerläßlichsten Garantien für den Fortschritt der Zivilisation.
Keiner vo« uns, wessen Landes Bürger er auch fein möge, würde darin willige», nur ei» Wrttbiirger ru fern.