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len B. August 1927

e* ^vbechesstsib« Betttmg* » schein! sechsmal wichentlich. Ye- ptg «preis monatlich 2 SM. aus» fchlteßl. Zustellungsgebühr, durch ptePost2^ö GÄLFür etwa tn folgt Streiks. Mafchtaendefekt« oder elementarer Ereignisse ausfallend« vkuulmeru wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag d. Dr. §. Httzeroth, Druck der Unid.-Buchdruckrrei b. Zob. Ong. Koch, Markt 21/23, gernsprecherr Rr. 54. n. Rr. 55. Postscheckkonto r Amt Frankfurt «, M. Rr. 5015, — Sprechzeit der Redaktion von 10—11 Iwd

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Sa»o «n- Banzrtti hmgerichtet

Sie letzten Stunden rat der iMettsvMtrelkung — Bisher 8 Ate bei Protestkundgebungen

Sacco und Vanzetti sind tot. Alle Protest­kundgebungen, alle Warnungen auch von Sei­ten der amerikanischen Presse baden die Hin­richtung nicht mehr verhindern können. Die Eigenart der amerikanischen Rechtsprechung entzog Urteil, Begründung und Strafvollzug vollkommen jeder Kritik, jedent behördlichen Eingriff.

Niemand weih heute, ob die Hingerichteten schuldig waren oder nicht. Doch nicht so sehr dagegen wandte sich — und nach unserer An­sicht mit Recht — das Emvfinden weitester Kreise in aller Welt — nicht nur der Kom­munisten! —, sondern in erster Linie gegen die für deutsches Rechtsemvfinden unverständ­liche, für menschliches Gefühl unerträgliche Hinauszögerung der letzten, unumstößlichen Entscheidung. Lautete sie auf Tod, so muhten Sacco und Vanzetti vor 7 Jahren vom Leben zum Tode befördert werden. Das will das Empfinden des Menschen: die Strafe soll dem Urteil auf dem <5u6e folgen. 7 Jahre Unge­wißheit bedeuteten vielfachen Tod, und die Hin­richtung nach dieser Quälerei mutet uns an wie eine Erlösung, da wir schließlich nur neue Qual befürchten mußten.

So sinnlos die Demonstrationen sind, die letzt gegen eine ferne Regierung veranstaltet werden, die Opfer, die hierbei gefallen sind und noch fallen werden, sind eine schwere An­klage gegen ein unerhörtes Verfahren, das men Angeklagten gegenüber anwandte, di« doch schließlich auch Menschen sind.

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ft. Boston. 23. Aug. Sacco und Banzetti find kurz nach Mitternacht amerikanischer Zeit hingerichtet wor­den. *

Hinrichtung Madeiras.

fk. Boston, 23. Aug. Auch Madei­ra « ist hingerichtet worden.

. fk. B o ft o n, 23. Aug. M a d e i r o s betrat um 12.02 Uhr die Totenkammer und wurde um 12.09 Uhr für tot erklärt.

Sacco folgte Madeiras «m 12.11 Uhr und wurde um 12.19 Uhr für tat erklärt.

Vanzetti betrat die Totenkammer um 12.20 Uhr und wurde um 12.26 Uhr für tot erklärt.

Die Sicherheitsmaßnahmen in Boston.

fk. Boston, 23. Aug. lieber 200 be­rittene städtische und staatliche Polizei­beamte wurden in beherrschenden Stel­lungen an den Straßen, die von den Toren des Gefängnisses wegführen, aufgestellt. Die Polizei der Boston- und Maine-Bahn leisteten Patrouillendienst, in der Mthe des Gefängnisses. Scheinwerfer wur­den an der Seite des Gefängnisses auf­gestellt, die nach der Bahn zu gelegen ist. Auf dem kleinen Fluß, der parallel mit der Gefängnismauer fließt, wurden alle Schi ffe entfernt. Ein Polizeiboot mit starken Scheinwerfern patrouillierte. Die Straßen in dem Teil der Stadt, in dem das Gefängnis liegt, war vollkom­men menschenleer, aber an jeder Straßenecke standen Polizisten. Im Bezirk Charleston, der an das Gefängnis grenzt, und im Gebiet außerhalb der polizeilichen Absperrung drängten unzählige Fuß­gänger, als sich die Hinrichtungsstunde näherte. In den mehrstöckigen Gebäuden, die an das Gefängnis grenzen, blickten zahlreiche Einwohner mit ihren Kindern aus den Fenstern heraus.

Die lebten Stunden Sattes und Ban- lettig.

Gestern abend um 8.40 Uh, teilte der Gefängnis-Gouverneur Sacco und Banzetti und Madeiras mit, daß fie in der Nacht sterben mutzten. Banzetti antwortete: »Wir mästen uns dem Unvermeidlichen fügen.- Sacco schrieb einen Brief an . leinen Vater in Italien. Madeiras Wen

die Mitteilung von der Vollstreckung des Todesurteils ganz gleichgültig zu lasten.

Ueber die Hinrichtung Saccos werden folgende Einzelheiten bekannt: Auf dem Wege zur Totenkammer sagte Sacco an der Eingangstür in italienischer Sprache: »Es lebe die Anarchie!" Ohne eine Aufforderung abzuwarten, nahm er auf dem elektrischen Stuhl Platz. Während er angeschnallt wurde, rief er in gebrochenem Englisch: „Leb wohl, mein Weib, lebt wohl, meine Kinder und alle meine Freunde." Bor der Einschaltung des Stromes wandte er fich noch einmal an die Zeugen: „Denken fie an diesen Abend,

meine Herren!" Nach einem weiteren Ausruf: „Leb wohl, Mutter!" erfolgte 12.19 Uhr die Hinrichtung Saccos.

Banzetti, der ebenfalls einen sehr ruhigen Eindruck machte und mehr ge­sammelt war, hielt vor seiner Hinrichtung eine längere Rede. Als er um 12.20 Uhr das Totenhaus betrat, drückte er seinen Wärtern die Hände und setzte sich dann gleichfalls ohne Aufforderung auf den elektrischen Stuhl. Er erklärte noch zu­letzt: „Ich bin unschuldig, niemals gestand ich das Berbrechen ein. Ich bin keines Verbrechens schuldig. Ich bin un­schuldig, nicht nur in dem mir zur Last

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Rach» für Sam und ganzem — 5 Ate 25 »«letzte

fk. Genf, 23. Aug. Gestern abend kam es vor dem amerikanischen Konsulat in Genf zu Demonstrationen gegen die Hin­richtung von Sacco und Banzetti, wobei verschiedene Polizeibeamte verletzt wur­den. Die Demonstration wurde bis in die Nacht fortgesetzt. Etwa 60 Personen wur­den festgenommen.

fk. Gen f, 23. Aug. Sine Menge von etwa 400 Personen, meist jungen Leuten, begab sich gestern in den späten Abend­stunden vor das Dvlkerbundspalais. Dir Fensterscheiben des großen Bersamm- lungSsaaleS des Völkerbundsrates, der Bibliothek und das Eingangsportal wur­den völlig zertrümmert.

Bei den Zusammenstößen mit der Poli­zei wurden verschiedene Polizeibeamte verletzt. Die Demonstrationen wurden bis jn die Nacht fortgesetzt. Eine nach vielen Hunderten zählende Volksmenge durchzog die Straßen und bewarf mehrere Kinos und Hotels mit Steinen, sodaß die Fenster­scheiben zum Teil zertrümmert wurden. In der Nähe des Bahnhofs Cornavin wurde von einem Unbekannten ein Schuß abgegeben, dem ein Angestellter zum Opfer fiel. Hierauf zogen die Demonstranten zu einem benachbarten Po­lizeiposten, um dort die Fensterscheiben mit Steinen einzuwerfen. Die Polizei machte von der Schußwaffe Gebrauch, gab jedoch nur blinde Schüsse ab. Die städtische Feuerwache kam zur Hilfeleistung herbei und wehrte die Demonstranten mit der großen Motorspritze ab. Die Lage in der Stadt ist noch sehr kritisch. Das ganze Bataillon der städtischen Feuerwehr ist auf geboten.

fk. Genf, 23. Ang. Bei den gemelde­ten Kundgebungen hat die Polizei 17 Per­sonen verhaftet, darunter mehrere Italiener. Außer gegen die Polizeiposten

eines amerikanischen Reisebüros, mehreren Kinos und einer Bar richtete fich die Wut der Demonstranten besonders gegen das Bölkerbundspalais. Die Borh alle und der große Ver­sammlungssaal find mit Glas­scherben und Steinen ühersat. Unter der Menge befanden fich viele, die die jugendlichen Demonstranten auf­wiegelten. Junge M 8 d ch en von 16 bis 18 Jahren schleiften große Steine herbei. Der Angriff auf das Völkerbundsgebäude wird von der Genfer Bevölkerung aufs schwerste verurteilt. Man weift allgemein darauf hin, daß die Bereinigten Staaten ja dem Bund garnicht angehören und man fragt fich, welches die eigentlichen Beweggründe der Demouftration gewesen find.

Zu den Demonstrationen in Genf wird weiter gemeldet: Die Demonstranten drangen in die amerikanischen Reise­büros ein und zertrümmerten alle Einrichtungsgegenftände. Die Polizei konnte nicht Herr der Lage werden und alarmierte die Feuerwehr. Auch diese konnte die Lage nicht ändern. Bei dem versuch, das Postgebäude zu stürmen, machte eine Truppe der Polizei, die fich Lutzerft bedroht sah, von der Schuß­waffe Gebrauch und tötete fünf Demonstranten. 25 Demon­stranten wurden schwer ver­letzt. Die Demonstrationen dauerten die ganze Nacht hindurch und hielten heute morgen noch an.

gelegten Fall. Ich beging niemals ehr Berbrechen." Nachdem feine Hände ange- jchnallt waren, fuhr et fort: „Ich wünsche allen Menschen zu vergeben, wa- fie an mir tun.“ Nach diesen letzten Worten Banzettis erfolgte um 12.20 Uhr die Hin­richtung.

Alle drei Hingerichteten hatten in ihrer letzten Stunde jeglichen geistlichen Zuspruch abgelehnt, sodaß während der Hinrichtung kein Pfarrer anwesend war.

Ein Polizist bei einer Demonstration erschossen.

Pittsburgh, 23. Aug. In Cameron (Pennsylvania) sprengte die Staatspolizei eine Versammlung von 2000 Sacco--Dan- zetti-Anhängern unter dem Hohngeschrei der Menge mit Knüppeln und Gasbomben. Dabei wurde ein Staatspolizist von den Demonstranten erschossen. Verstärkungen der Staatspolizei trafen ein, da weitere Ruhestörungen befürchtet werden.

(Weitere Meldungen siede Seite 2.}

Dir Sümpft am tfangtlt

Schanghai, 22. Aug. Wir ans Nankinl gemeldet wird, dauert dort die Beschießung militärischer Objekte durch die Rordtrupven an. Bon Pukau aus wird mit Gewehren und Maschinengewehren gefeuert. Da die Beichte, ßung von Kauffahrteifabrzeugeu von den Fluhufern aus erneut einsetzte, fahren die Schiffe wieder geschlossen und unter Bedeckung. Heute wurde ein englisches Schiff unterhalb von Nanking beschossen. Da« Feuer wurde durch ein englisches Kriegsschiff rum Schwei­gen gebracht. Ein englischer Kreuzer hat jnm Schutz des britischen Eigentum» in Nanking Marinesoldaten gelandet und dann seinen Weg nach Wuku fortgesetzt.

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Der Schach« am die SefatzaagS- vmmndmms

Die euglisch-franzöfischen Rheinland- * besprechungen. V

fk. London, 23. Aug. Der Parla­mentarische Korrespondent des „Daily Telegraph" schreibt: Obgleich die Pa­riser und Londoner Besprechungen über die Frage der Herabsetzung der Rhsinlan-d- truppen fortdauern, wird anscheinend in britischen Kreisen keine sofortige Lösung in den auseinandergLh endrn Ansichten der englischen und der französischen Regierung erwartet. Paris scheint heute geneigt, die britische Garantie für Frankreich und Bel­gien im Locarnovertrag für geringfügig an­zusehen, wenn sie nicht durch andere Ga­rantien französischer Art verstärkt wird, die nicht einmal alle im Versailler Der» trag vorgesehen sind. London andererseits findet es etwas schwer, diese verändert« Auffassung der französischen Regierung zu verstehen und ihr zuzustimmen. , ! ...

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Der Pariser „Time-"-Korrespondenter­klärt heute, die französische öffentliche Mei­nung wolle nicht zugüben, daß die Siche­rung der Reparationszahlungen der einzige Grund für hie Besetzung deS Rheinlandes sei. Die BesatzungSfrage werde in Paris fast ausschließlich vom Stand« punkt der französischen Sicherheit betrach­tet. Es sei notwendig, so fährt das Blatt fort, sich daran zu erinnern, daß Frank­reich ständig an eine mögliche militäri­sche Ueberraschung seitens Deuffch- iands glaube, obwohl doch folgende Maß­nahmen für die Sicherheit der Grenz» Frankreichs getroffen worden seien: ,

1. Abrüstung Deutschlands; ■>

2. Schaffung der neutralen Zone; " -

3. Fortführung der Kontrolle durch den Völkerbund.

Der Schutz einer Grenze in Friedens- zeiten durch die Besetzung weiter Gebiets- teile jenseits der Grenze führe ein ganz neues Element in das alte Problem der europäischen Sicherheit ein. Das sei der Grund, weshalb die französischen Militär» eine Besatzungsarmee von mindestens 60 000 Mann beizubehalten wünschten. Französi­sche Beobachter sähen in der deutschen For­derung auf eine weitere Verminderung der Rheinlandtruppen die Ahsicht, diese Streitkräfte so zu schwächen, datz sie ihren Wert a-ls eine Garantie völlig verlieren.

„Westminster Gazette" veröffentlicht einen Leitartikel I. A. Spenders über di« Rheinlandfrage, worin es beißt: Es wurde zwischen den Unterzeichnern des Locarnopaktes vorausgesetzt, daß in einem angemessenen Zeit­raum eine wesentliche Verminderung des Be- satzungsbeeres im Rheinland stattfinden soll. Wenn dies verschoben wird oder die Vermin- derung nicht wesentlich ist, wird die Stellung Dr. Stresemanns in Deutschland ernstlich ge­fährdet werden und die PolitikderVer- söhnung einen äußerst ein ft en Schlag erhalten. Es bestehen zweifellos Einwände dagegen, daß diese Besetzung sich ganz in französischen Händen befindet, und es bestehen noch größere Einwände gegen die Nichterfüllung der in Locarno gegebenen Zu­sage. Spender bemerkt: Wir wollten klar zum Ausdruck bringen, daß, Wenn die Fran-