SonnerAag, »en 18. Augujl 1927
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ZnkraMimg am 5. Seplrmbee — Sleichberochligung mit vielen Sinitfitäntunsen
Das deutsch-französische Handelsabkommen ist. wie wir im gestrigen Handelsteil noch bekanntgebeu konnten, gestern vormittag 8.45 Uhr unterzeichnet worden.
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Der Vertrag wird auf Grund der Ermächtigungen, die sowohl der Reichstag wie die französische Kammer den beiter•> Egen Regierungen erteilt haben, mit 5. September d. I. vorläufig in Kraft gesetzt werden. Sobald die Parlamente dann wieder zusammentreten, wird ihnen der Vertrag zur endgültigen Bestätigung dorgelegt werden. Der Vertrag sieht die erste reguläre Kündigungsmöglichkeit am 1. April 1929 mit dreimonatiger Frist vor, sodaß er also erst am 30; Juni 1929 ablaufen kann. Reben diesen regulären Kündigungsbestimmungen ist aber auf Wunsch Frankreichs in ten Vertrag noch eine Klausel über ein ^außerordentliches Kündigungsrecht" ausgenommen worden, für den Fall, daß Frankreich vor dem regulären Ablauf des Vertrages doch noch seine große Zolltarifnovelle fertiggeftellen könnte.
Die neuen französischen Forderungen »ach Aufnahme einer solchen Klausel haben. wle wir erfahren, gerade in den Verhandlungen der letzten Tage eine sehr große Rolle gespielt. So war z. B. kurz vor der Unterzeichnung des Vertrages die Situation so, daß eine Verweigerung dieses Zugeständnisses seitens der deutschen Delegation das Scheitern ter Verhandlungen in letzter Minute wahrscheinlich hätte nach sich ziehen können. Diese Ver- antworutng glaubte die deutsche Delegation schon deshalb nicht übernehmen zu können, weil da« Zugeständnis dieses außerordentlichen Kündigungsrechtes ihrer Ansicht nach im wesentlichen nur theoretischer Ratur ist. Wie die Dinge liegen, kann man mit Bestimmtheit annehmen, daß die gegenwärtige französische Kammer vor den Reuwahlen im Frühling 1928 den Zolltarif bestimmt nicht mehr fertigstellen wird. Die neue französische Kammer wird nicht vor Juni 1928 zusammentreten, und auch sie dürfte voraussichtlich schon gleich nach ihrem Zusammentritt wieder in die großen Sommerferien gehen, im Winter 1928 auf 29 aber sich voraussichtlich ausschließlich mit dem französischen Budget zu beschäftigen haben, sodaß es kaum wahrscheinlich ist. daß ter französische Zolltarif vor dem Frühjahr 1929 Gesetz wird. älebrigenS hat die deutsche Delegation sich für ten Fall, daß Frankreich von diesem außerordentlichen Kündigungs- doch Gebrauch machen sollte, ausbedungen, daß dann das Frankreich zugestandene Weinkontingent in entsprechendem Maße gekürzt werten wird. Schon aus diesem Grunde glaubt man. daß Frankreich sich hüten wird, von dem außerordentlichen Kündigungsrecht Gebrauch zu machen. Auch in Berliner Regierungskreisen ist man der Auffassung, daß der jetzt abgeschlossene Vertrag nicht nur die zunächst vereinbarten 22 Monate ungekündigt laufen wird, sondern sogar noch darüber hinaus, d. h. Man sieht in dem Vertrag bereits das endgültige Handelsabkommen, das Deutschland immer angestrebt hat.
Der Wortlaut des Vertrages und seine Einzelheiten liegen auch ten Berliner amtlichen Stellen noch nicht vor. Immerhin wird von zuständiger Seite auf einige Einzelheiten aufmerksam gemacht, die für Deutschland teils erfreulich, teils unerfreulich sind. Erfreulich ist z. B.. daß Frank- rich in dem neuen Vertrag auf die Anwendung des § 18 des Versailler Vertrages, in dem bekanntlich die Reparationsgläubigen sich vorbehalten haben, je- derzeit deuHches Eigenteim in ihren Län- Sern wieder- zu beschlagnahmen, falls Deutschland seine Reparationsverpflich
tungen nicht erfülle, endgültig und grundsätzlich verpflichtet hat. Als ziemlich unerfreulich bezeichnet man es aber, daß eS nicht gelungen ist, für Deutschland die volle Meistbegünstigung bezüglich Marokkos durchzusetzen. Allerdings gewährt ter Vertrag Deutschland die Meistbegünstigung für den Waren- und Schiffsverkehr, jedoch bleibt das Rieterlassungsrecht für Deutsche in Marokko nach wie vor verweigert. Auch diese Frage spielte in den Endverhandlungen eine große Rolle und auch hier hätte es noch zum Scheitern ter Verhandlungen kommen können, wenn die deutsche Delegation sich nicht entschlossen hätte, guf ihre Forderung bezüglich des RiederlassungSrechtes in Marokko zu ver
zichten. Cs kann nicht verhehlt werten, daß auch der vorläufige Verzicht vom deutschen Prestigestandpunkt aus sehr schmerzlich ist. Die deutschen Unterhändler haben daher ausdrücklich erklärt, daß Deutschland es sich Vorbehalte, in späterer Zeit diese Frage neu aufzuwerfen, und daß es ferner ganz ausgeschlossen sei, einen späteren Vertrag abzuschließen, wenn diese Angelegenheit nicht zu Gunsten Deutschlands bereinigt ist. Einigermaßen, wenn auch nicht ganz befriedigend, ist die Bestimmung des Vertrages bezüglich Fran- zösisch-Indo-Chinas, wonach Deutschland die Meistbegünstigung in dieser französischen Kolonie grundsätzlich zugestanten erhalten hat, allerdings mit ter Einschrän-
Die Wiederholung des Szeanstuges
Sönnetfc wartet
Die Vorbereitungen des nächsten Fluges.
Berlin, 17. Aug. Das Ergebnis ter gestrigen Dessauer Beratungen über die Wiederholung des Ozeanfluges ist von einigen Blättern so ausgelegt worden, als hätten die Iunkerswerke auf einen neuen Versuch überhaupt verzichtet. Wie das Wolffbüro von einer Junkers nahestehenden Seite erfährt, trifft diese Auffassung aber nicht zu. Das Projekt des Ozeanfluges wirb von den Junkerswerken auch weiterhin betrieben, allerdings nicht mit irgendwelcher Rekordüberstürzung, sondern mit der ruhigen Sachlichkeit des Ueberle- gens, die auch, wie in der Presse durchaus anerkannt würbe, ben Vorbereitungen des ersten Versuches zugrunde lag.
In diesem Zusammenhang wirb übrigens auch bie Darstellung als falsch bezeichnet, wonach ber Start am Sonntag übereilt unb nur aus Prestigegründen erfolgt sei. obgleich bie Wettermeldungen ausdrücklich abgeraten hätten. Tatsächlich liegen die Dinge so, daß die Hamburger Seewarte, ebenso wie die anderen beratenden Meteorologen die Wetterlage am Sonntag als besonders günstig bargestellt haben. Entscheibend war habet, baß man den Flugzeugen, wenn sie bie verabredete Rorbroute über bie Orkney-Inseln wählten. auf ben größten Teil bes Weges nach Amerika günstiges Wetter unb sogar Rückenwind voraussagte. Auf ter Nord-'
oute« SM« ab
fee fanden die Maschinen bann aber so außerordentlich schlechtes Wetter, daß es ihnen unmöglich war, überhaupt bis zur Nordroute durchzudringen. Diese Tatsache bestimmte das Schicksal des Fluges.
Könneckes Vorbereitungen.
Köln. 17. Aug. Da an dem Propeller ter „Germania" noch Aenderungen vorgenommen werten, von denen sich Könnecke eine erhöhte Leistungsfähigkeit feines Flugzeuges verspricht, ist er heute nachmittag nicht mehr aufgestiegen. Unter den vielen Telegrammen an die Flieger befindet sich auch eine Depesche der Fliegerin Thea Rasche aus Neuyork, in ter sie Könnecke zu seinem Ozeanflug Glück wünscht. Könnecke studiert eifrig bie Wetterkarte unb hat sich auch eingehenb mit verschiebe- nen Wetterexperten besprochen, weil er keineswegs gesonnen ist. einen Start zu unternehmen, ber auf Waghalsigkeit hin- auöläuft. Als Bordfunker haben sich zahlreiche Bewerber gemeldet, ein Zeichen, daß es in Deutschland auch auf diesem Posten nicht an wagemutigen Männern fehlt. Heute nachmittag ist auf dem Kölner Flughafen in Begleitung von Geistlichen der bekannte Missionars-Pater Schulte im Hof eingetroffen, ber bekanntlich als erster ein Flugzeug für Missionszwecke benutzt. Schulte kam von Dessau, hatte ten bärtigen Probeflügen bei gewohnt und besichtigte hier eingehenb bie „Germania".
kung, daß zunächst erst der franzöfifch-ja- panifche Handelsvertrag abgeschlossen sein müsse. Ehe dieser Fall nicht eingetreten ist. hat sich Deutschland verpflichtet, von dem grundsätzlichen Zugeständnis der Meistbegünstigung keinen Gebrauch zu machen. Äne ähnliche Verpflichtung ist die deutsche Delegation auch bezüglich ter Konsulate in Elsaß - Lothringen eingegangen. Während der Vertrag Deutschland das Recht gibt, in allen französischen Gebieten Konsulate zu errichten, wird dieses Recht für Elsaß-Lothringen dahin eingeschränkt. daß Deutschland von diesem Recht in jedem einzelnen Fall ohne nochmalige besondere Vereinbarung mit der ffranzösischen Regierung nicht Gebrauch machen darf.
Der Malt des Abkommens
Berlin, 17. Aug. Mit dem beute unterzeichneten deutsch-iranzösischen Handelsvertrag ist eine der schwierigsten und langwierigsten vandelsvertragsverbandlungen zum Abfchlutz gekommen. Als di« Verbandlungen im Oktober 1924 begannen, batte Deutschland eben den völligen Zusammenbruch seiner Währung überstanden, während Frankreich im Verlaute ber Verhandlungen eine weitgehende Wäb-
rungsverschlechterung durchmachen mutzte. Infolge der Erenzverschiebungen war in vielen Produktionsgebieten, wie z. B. füt Eisen, Stahl, Kohlen usw., eine Verschiebung eingetreten, die die Verhandlungen weiter erschwerte. Dazu kam eine Reibe grundsätzlicher Schwierigkeiten von französischer Seite, insbesondere lehnte Frankreich zuerst den Standpunkt der Meistbegünstigung ab. Der heutige Vertrag ist im Trotzen und Ganzen
auf der Basis der Meistbegünstigung ausgebaut. Auch gegen weitgehende Bindung der beiden Kontrahenten, auf der ter jetzige Vertrag beruht, hatte Frankreich zuerst Widerspruch geltend gemacht. Weiter war es Frankreich nicht gelungen, eine Zolltarifnovelle durchzubringen. Die jetzige Lösung ist nur dadurch zustandegekommen, datz Frankreich sich vom Parlament eine Ermächtigung bat geben lasten, seinen Zolltarif während dreier Monate abzuäntern. Aus allen diesen Gründen konnnten die Verhandlungen nur langsam vorwärts kommen.
Der Vertrag ist, wie gesagt, auf Meist- oergünstigung basiert, auch hinsichtlich der Zolltarife, für diese jedoch mit einigen wesentlichen Einschränkungen. Die Meistbegünstigung tritt restlos am 15. März 1928 in Kraft, die Diskriminierungen sind formell in verschiedener Art vorgesehen.
(Fortsetzung siehe Seite 2J "
ehaos in China
Bedrohliche Lage Schanghais.
ft London, 18. Aug. „Daily News" meldet aus Schanghai, während die allgemeine Lage in China chaotischer als je sei, habe sich jetzt noch eine bedrohlichere Gefahr in der Schanghaier Gegend entwickelt. Die gemeldete Unterbrechung der Schanghaier» Hongtschau-Ningpo-Bahn durch britische Truppen auf Befehl des Generals Duncan, sei nicht die einzige der Besorg, raffe, denn infolge des Zusammenbruche» des nationalistischen Heeres suchen undiziplionierte Truppen Zuflucht, und die Besetzung der Bahn stehe vielleicht im Zusammenhang mit dieser Tatsache. In der Nähe von Schanshai lagern bereits vier reanirierende chinesische Militärbefehlshaber mit ihre« Heeren. Die Lage sei so bedrohlich, daß die Freiwilligen mobilisiert worden seien, um die Niederlasiungen zu verteidigen. Es sei bedauerlich, daß in diesem kritischen Augenblick der Befehlshaber der Der» teidigungsstreitkräfte, General Duncan, an Ruhr schwer erkrankt sei.
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$n*i genotoin-glitier vermißt
ft San Franzisko. 18. Aug. Die beiden Flugzeuge „Golden Eagle" und „M i ß D a r a n". die sich an den» Honolulu-Wettfliegen beteiligt hatten, find in Honolulu nicht eingetrof, fen. Sämtliche Schiffe wurden drahtlos benachrichtigt, sich der beiden Flieger anzunehmen, denen der Betriebsstoff ausgegangen ist, sodaß sie auf das Meer niedergehen mußten. Die Schiffe rotben ersucht, scharfe Ausschau zu halten. Die Marinestationen in Honolulu und in San Franzisko find mit der Organisation weiterer Nachforschungen nach den Ver» mißten beschäftigt.
Das letzte gelandete Flugzeug „A1 o h a" hat für den Flug nach den vorliegenden Wertungen 28,16 Stunden gebraucht.
„Woclaroe" siegt im Honolulu-Wettfliegen.
fk Honolulu, 18. Aus. Das Flugzeug „Woclaroe" überflog Honolulu um 12.09 Uhr und landete um 12.23 Uhr. Es errang damit den ersten Preis im Honolulu-Wett» fliegn von 25 000 Dollar.
fk. Honolulu. 18. Aug. Die Flugzeit des siegreichen Flugzeuges „Woclaroe" betrug 26 Stunden 17 Min 20 Sek.
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Re WelMnbenkonferem
2a ufane, 17. Aug. 3n ter heutigen Sitzung ter Lausanner Weltkirchenkonferenz sand ter Verhandlungspunkt des gemein* samen Glaubensbekenntnisses ter Kirchen folgende Formulierung:
.Unter Anerkennung ter Tatsache ter Lehrunterschiede ter einzelnen Kirchen find wir eins in dem gemeinsamen christlichen Glauben, welcher verkündigt ist in der Heiligen Schrift, welcher bezeugt und bewahrt ist in dem ökumenischen ltekenntnis, das den Ramen des Ricaenums trägt, sowie in den apostolischen Bekenntnis, welches ununterbrochen sich leben- big erweist in ter geistlichen Erfahrung ter Kirche Christi."
Die orthodoxe Kirchengruppe hat einige Vorbehalte zu dieser Formulierung vorg^racht.
Auf Vorschlag des Präsidenten wurde eine Kommission eingesetzt, die mit ter Bildung eins Fortsetzungsausschusses betraut wurde. Der Einberuf er dieses Ausschusses ist ter Schotte Lord Sands, von deutscher Seite gehört ihm ter Heidelberger Professor D. Marlin Dibelins an.