MMmch, -en 17. August 1927
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Borlaufis kein neuer Szeanflug
Auch stönntlke kam
Dessau, 18. Aug. Am Dienstag wurden bis i« den späten Nachmittag Be, sprechungen zwischen den leitenden Herren der Zunkerswerke und de» Piloten der .Bremen" und der „Europa" gepflogen. Sie beschäftigten sich vor allem mit der Sichtung und Erörterung der Erfahrungen des ersten Versuches und führten zunächst zu dem Ergbnis, dah fürs erste eine Wiederholung des Fluges nicht in Frage kommt. Auch wenn günstige Wetter- konstcllationen eintreten sollte», würde in den nächsten Tagen ein neuer Start also nicht erfolgen. Ob er darüber hinaus noch »or dem Eintritt der Herbstwetterperiode ftattfinden wird, hängt von dem weiteren Verlauf der Besprechungen ab. Jedenfalls ist di« Leitung der Zunkerswerke der Auf- fasiung, dah die „Bremen" die Probe bestanden und ihre Eignung für das Projekt des Ozeanfluges bewiesen hat. Umsomehr will man eine Ueberstürzung der Wiederholung vermeiden uich sich auch durch andere Ozeanflüge nicht beeinslusien küssen. 3n diesem Zusammenhang wird ee» den Zunkerswerke« auch betont, daß sie den Amerikaflug nicht in erster Linie von der sportlichen Seite her «»sehen, sondern unter dem Gesichtspunkt der tech- »ikchen. der wisienschaftlichen und der praktischen Entwicklung im Luftwese«.
Nie ter Nm finanziert wir»
Direktor Sachsenberg gab dem Sonderberichterstatter der Tetegravhen-Union folgende Einzelheiten über die Finanzierung des Ozeanfluges und die Teilnahme der Zunkerswerke an dem Unternehmen bekannt:
„Tie Initiative zu dem Unternehmen ist nur insofern von Junkers ausgegangen, «IS Junkers seit langen Jahren daran arbeitet, einen Flugzeugtyp zu entwickeln, der große Nutzlast bei geringem Eigen- gewichl hat und zur Ueberwindung großer Strecken geeignet ist. Da in der Oesfent- lichkeir Vorwürfe erhoben wurden, Junkers könne keine Höchstleistungsmaschinen bauen pnd sei nur deshalb nicht in der Liste der- lenigen Firmen, die Weltrekorde aufgestellt harren, mußte der Beweis erbracht werden, daß diese Auffassung irrig ist. Durch die sich aus der Situation ergebenden Versuche, Weltrekorde aufzustellen, ist die Rekord- ferie aufgestellt worden, die beim Eintreffen Chamberlins in Deutschland
Junker- in den Besitz von beinahe einem Drittel aller vorhandene» Welt- lnftrekorde.
gebracht hat. Auf die vielseitige Anfrage, iveshalb deutscherseits nicht etwas Aehn- iiches unternommen werde wie es die Amerikaner mit ihrem Ozeanflugzeug gezeigt hätien, wurde in einer Veröffentlichung »er Zunkerswerke geantwortet, daß sowohl Flugzeuge wie Motoren für die Durchführung solcher Pläne vorhanden seien, »aß aber nicht die Absicht bestände, an ein solches Projekt heranzugehen, es sei denn, »aß schwerwiegende Gründe nationaler Natur dafür sprächen. Aus «n vielen Verhandlungen, die geführt durden, kristallisierte sich allmählich da» Projekt des Herrn von Hünefeld und ,deS Herrn Edzard als wirtschaftlich durchführbar heraus, die als Garanten den Norddeutschen Lloyd und die Darmstädter Na- üvnalbank nennen konnten.
An di« Zusammenarbeit von m i n d e - Jens zwei Maschinen war deshalb don vornherein gedacht, weil die Möglich- teit der Ortsbestimmung frei einer Gruppe don Flugzeugen, die, _ in verschiedenen Höhen fliegend, zuverlässigere Wind- und llbtrislbeofrachtungen machen können, günstiger ist als bei einem Flugzeug. Bei ®tn Verhandlungen mit den beiden Gruppte ttxud* pon JMkerSentschschenHer Ei»»
noch nicht Barten — Sie Wien »es ilntetneftmen»
fluß auf die Besetzung der Flugzeugführerstellen genommen. Außer den beiden durch ihre Rekordflüge bekannten Piloten Risticz und Loose legte Junkers großen Wert darauf, auch Hauptmann Köhl, der sich im JunkerS-Nacht- flngdienst große Verdienste erworben hat, der als der erste Pilot für den Nachtflugdienst gelten tonn, hinzuzuziehen. Hauptmann Köhl hat sich zudem als Exponent einer Reihe anderer Ozean-Ueberquerungs- projekte gleich im Anfang an Junkers gewandt, sodaß er in erster Linie Anspruch darauf hatte, berücksichtigt zu werden.
Die Verträge, die abgeschlossen wurden, sind ihrem Charakter nach Charterverträge. Die Charterung läuft bis zum Moment der Landung in den Vereinigten Staaten bezw. am Bestimmungsort. Die Summen, die aufzubringen waren, um den Flug durch
führen zu können, belaufen sich auf 100 000 bis 120 000 Mark je Flugzeug. Die Versicherung des Flugzeuges, Die Umbaukosten, Versuchs kosten, Lebens- und Unfallversicherung der Besatzung betragen je 40 000 Mark. Hierzu kommt noch der Wert des von Junkers gestellten Flugzeuges, der mit rund 100 000 Mark zu beziffern ist. Die direkten Kosten des Fluges betragen also je Maschine ungefähr 220 000 Mark, die zur Hälfte auf Junkers und zur anderen Hälfte auf die Vertragspartner entfallen. Die indirekten Kosten, die von Junkers aufzubringen waren, sind natürlich weit höher als die Anlegung der Startbahn, die weit über 100 000 Mark beanspruchte. Dazu kommen noch die Pro- duktionSauSfälle, die durch die Vorbereitungen des Fluges unvermeidlich waren.
Mußen und das RelchWulsefetz
Bttichitbaa- ter 6t»kmbettagune teS Reichstages?
Bekanntlich hat der Reichstag bei seinem Auseinandergehen Anfang Juli vereinbart, die bis Mitte November angesetzten großen Parlamentsferien durch eine etwa 8—lOtägige Sondertagung Ende Sevtember ru unterbrechen. Der Hauptgrund für die Einschiebung dieser Sondertagung war der Wunsch des Reichstages, den neuen Reichsschulgesetzentwurf in erster Lesung zu erledigen, um damit Zeit für die notwendigen Ausschutzberatungen zu schassen, so datz man bann schon im November oder spätestens Dezember mit den Plenarberatungen der »weiten Lesung hätte beginnen können.
Wie wir nun aus parlamentarischen Kreisen erfahren, mutz mit der Möglichkeit gerechnet werden, datz der Beginn der für den 23. September angesetzten Herbst-Sondertagung des Reichstages sich vielleicht bis in den Oktober hinaus verzögern wird und zwar aus folgendem Grunde: Wie man sich erinnern wird, ist der Gesetzentwurf des neuen Reichsschulgesetzes seinerzeit dem Reichsrat noch ohne Begründung zugegangen. Der Reichsrat hat sich daher während seiner Juli-Tagung nicht mehr mit dem Entwurf befatzt. Auch den einzelnen Ländern ist die allgemeine und die Einzelbegründung zur Schulvorlage erst vor einer Woche zugegangen. Jnsolgedesien hat die Preußische Regierung sich für ihre Stellungnahme zum Reichsschulgesetz eine Bedenk- »eit bis zum 20. Sevtember ausbedungen, um in der Zwischenzeit die Angelegenheit gründlich zu beraten. Zu diesem Zwecke ist ia auch kürzlich der Ministerialrat Lande vom preu
ßischen Kultusminister mit der besonderen Ausgabe der Ausarbeitung eines Gutachtens über den Reichsschulgesetzenntwurf beauftragt worden.
Da . nun aber die Preußische Regierung sich «über ihre Stellungnahme zum Reichs- lesetz erst bis zum 20. Sevtember schlüssig werden will, kann auch der Reichsrat sich vor diesem Datum nicht mit der Schulgesetzfrage beschäftigen. Er würde frühestens erst am 21. Sevtember mit der Beratung des Gesetzentwurfes beginnen können, und da zweifellos angenommen werden muß, datz sich bei der außerordentlichen Wichtigkeit der Materie auch die Reichsratsberatungen, die ia schon durch die Notwendigkeit zeitweiliger Rück- svrachen der verschiedenen Ländervertreter mit ihren Regierungen technisch sehr kompliziert sind, über mehrere Wochen hinziehen, so ist in der Tat nicht abzusehen, wie der Reichstag unter diesen Umständen am 23. September mit der ersten Lesung des Reichsschulgesetzentwurfs beginnen könnte. Bekanntlich tonn sich das Parlament ordnungsgemäß erst mit einer Vorlage befaßen, wenn diese den Reichstag durchlaufen bat, es müßte denn fein, datz der Gesetzentwurf in Form eines Initiativantrags durch die Regierungsparteien selbsttätig und getrennt von den Reichsratsverhandlungen im Reichstag eingebracht werden würde, wie dies ia auch schon vor dem Beginn der Sommerferien zeitweilig beabsichtigt war. Andernfalls bliebe eine Verschiebung der Herbsttagung um ein bis zwei Wochen, also voraussichtlich bis Mitte Oktober, unvermeidlich.
Dom Reich ist keine finanzielke U n t e r st ü tz u n g gegeben worden. Das Einzige, was das Reich zur Verfügung stellen konnte, ist der Wetter- und Funkdienst im Zusammenhang mit der gesamten Wetterberichterstattung durch die Hamburger Seewarte. Von der Stadt Dessau und dem Anhaltischen Staat sind Beiträge zur Startbahn gegeben worden. Mit einem direkten Nutzen rechnen die Geldgeber für das Unternehmen nicht. Die Eingänge aus der Po st befördern ng dürften kaum mehr als 70 bis 80 Ö00 Mark ausmachen."
Könnecke fliegt noch nicht.
Äöl«. 16. Aug. Direktor Moll von de« Casparwerke« erklärte heute abend de» Presievertreter» bezüglich der Vorbereitungen Könneckes a. a.: Der für heute früh «»gefetzte Startversuch konute wegen des böigen Windes und des anhaltenden Regenwetters nicht ftattfinden. Inzwischen ist von Zürich ein neuer Szintilla-Aulasser eingegangen, um ihn gegen den bisherigen Bosch-Anlasser auszutauschen. Ferne, ist von Frankfurt ein neuer Versuchspropeller eingetroffen zu dem Zweck, durch Festelluug der Bergleichswerte die bisherigen Bro»
peller mehr zu verschränken um einen höheren Wirkunsgrad zu erreiche«. Die öfteren Landungen mit der bisherigen Nutzlast von 3660 Kilogramm beanspruchen die Elastizität der „Germania" in auheror- dentlich hohem Mähe und ziehen die Maschine durch die Erschütterungen bei der Landung stark in Mitleidenschaft. Zur Wetterlage erklärte Direktor Moll, dah die gesamte Wetterlage auherordentlich ungünstig sei. Ueber Irland beträgt die Windstärke 7 bis 8, an der französischen Ostküfte sogar 9. Es werde damit gerechnet werden müsien. dah diese Wetterlage immer noch zwei bi» drei Tage anhalte. Unter diesen ungünstigen Wetterverhältnisien sei an einen endgültigen Start Könneckes vor Ende der Woche nicht zu denken, zu, mal auch noch die einzelne« technische« Ueberprüfungen eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen. Wie wir noch hören, kommt die Mitnahme des Bordfunkers Stehr nicht in Frage und man steht diesbezüglich mit anderen Kräften, in Unter*
Handlungen.
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Paris, 16. Aug. Wie die Telegrapheck- Union von durchaus zuverlässiger Seite erfährt, wird der deutsch-französische Handelsvertrag Mittwoch vormittag 914 Uhr im französischen Handelsministerium unterzeichnet werden. Auf deutscher Seite wird die Unterzeichnung durch den Botschafter Herrn v. H ö s ch und Ministerialdirektor Posse, auf französischer Seite vom Handelsminifter Boka- nowski vollzogen werden. Augenblick, lich find die beiden Delegationen mit der Paraphierung des Vertrages beschäftigt, die fich wohl bis in die späte« Nachtstunde« hinziehea dürfte.
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Sie Wendung tn Wim
Vormarsch der Rordtruppen. — Rückzug der Südtruppen in Ehina.
Schanghai, 16. Aug. Aus zuverlässiger Quelle wird gemeldet, dah die Südtruppeu eilig das Nordufer des Pangtse räumen. Die Truppen Suntschuanfangs, des Kommandeur» der Nordtruppen» rücken mit groher Schnelligkeit vor. Tausende von Flüchtlingen find aus Nanking und Tschinkiang nach Schanghai angereift.
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RMSfinnnznünWrtnm nn» Swmttntefoltung
Unmittelbar nach der Vertagung deck Reichstags hatten die demokratischen Ab» geordneten Rönneberg und Vrodauf unter Hinweis auf oie Aktton, die die sächsische Regierung in Bezug auf die Deamtenbe» soldung vorgenommen hat, den Reichs* finanzminister ersucht, auch für die Reichs« beamten noch vor dem 1. Oktober mindestens eine ähnliche Maßnahme wie in Sachsen zur Durchführung zu bringe». Darauf ist jetzt eine Antwort Dr. Köhlers eingegangen, in der es, den Blättern zu« folge, u. a. heißt:
„Aamens der Reichsregierung habe ich mich bereit erklärt, die Unterstützungsmittel der Behörden der allgemeinen Reicks Verwaltung um rund drei Millionen Reichsmark zur Linderung der Rot derjenigen Reichsbeamten, die sich in schwieriger wirtschaftlicher Sage befinden, zu verstärken. Diese Maßnahmen erscheinen mir zweckmäßiger als das Vorgehen Sach« fenS. Zu meinem Bedauern muß ich davon absehen, der Reichsregierung sowie den gesetzgebenden Körperschaften eine ähnliche Regelung vorzuschlagen, wie sie das Land Sachsen neuerdings getroffen hat." * - ■
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Sir vnMche StaatSlettcrfe
Berlin, 16. Aug. Zm Gebäude der Generaldirektion der Preußischen Staatslotterie hat heute vormittag unter starkem Andrang des Publikums die Einschüttung der Losröllchen in das Mummernrad begonnen. Die Konttolle war außerordentlich verschärft. Der Präsident der Lotterie-Direktion, Geh. Finanzrat Dr. Huth, sowie die Direktoren Köhler und Dr. 5culner beobachteten die Vorgänge aus nächster Rähe. Der technische Leiter der Lotterie-Direktton, Richter, leitete die Einschüttung, der die neubestellten Ziehungskommissare, Präsidialoberin- spettor Claassen, Regierungsinspektor Ro» loff und Regierungsobersekretär Gehrke beiwohnten. Dom preußischen Finanzministerium war Ministerialrat Schön- fr eck anwesend. Die Staatslotterie-Ein-
chmer wäre« durch die Herren Wüste-,