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Der Abbruch brs bMchm Szmnlluges
Sie Slurmfabrl ter „Bremen" — Sie „Europa" tot einen Szeanftug nicht mehr verwentbar
Sie Rückkehr ter „Bremen"
Dessau, 15. Aug. Nach den Berichten der Piloten hat die „Breme n“ eine Sturmfahrt hinter sich, wie sie in bei Geschichte der Luftfahrt geradezu einzigartig dasteht. Am bezeichnendsten ist wohl die Tatsache, daß die Maschine an manchen Stellen nur zwei Meter über dem Erdboden fliegen und Bäume und andere Hindernisse mit einer gewaltsamen Kraftan- sirengung überspringen mußte. Während der Motor sonst bald nach dem Starr ge- droffelt zu werden pflegt, mußte er diesmal »ährend des ganzen Fluges unter Vollgas arbeiten. Er hat diese Leistung vollbracht, ohne daß sich irgend ein Schaden gezeigt hätte, lieber der Nordsee traf die Maschine ein furchtbares Gewitter, das sie zwang, etwas von der Route abzuweichen. Als die Unwetter sich dann heute vormittag immer steigerten, faßten die Piloten den Entschlüß zur Rückkehr. Die Flieger werden jetzt zunächst eine gewisse Zeit zum Ausruhen brauchen. Inzwischen wird die »Bremen" genau untersucht und der Motor in allen Einzelheiten überprüft und überholt werden. Sobald auch die Besatzung der „Europa" in Dessau eingetroffen ist, »erden die Ergebnisse und Erfahrungen des Fluges eingehend erörtert werden. Diese Erfahrungen sind für den nächsten Versuch der Ozeanüberquerung zweifellos
Wie wir gestern durch Extrablatt be- hnnt gegeben haben, bat auch die „B r e» m e r" den Flug über den Ozean abbrechen rnb ihren Heimathafen Dessau auffuchen müssen, wo sie um 16.24 Uhr glätt gelandet ist.
Alle Blätter sind sich darin einig, daß -nan den Mut nicht sinken lassen sollte, und daß ein unter günstigeren Umständen wiederholter Versuch besseren Erfolg Haden werde.
Die Berliner Blätter sprechen in ihren Kommentaren zu der Rückkehr der „Bre- m-n" den kühnen Piloten ihre Hochachtung für die hervorragende Leistung aus. Die „Täal. Rundschau" schreibt: An einer Windstärke 12 über dem Atlantik zerbricht jeder menschliche Wille. Der Flug der Dessauer muß als eine flugtechnische Tat ersten Ranges gekennzeichnet werden.
Die „G e " m a n i a", die vor Resignation warnt, erinnert an Echter dingen, wo vor 19 Jahren das Werk Zeppelins in Trümmer ging. Unvergleichlich größer als die heutige Enttäuschung war die jener Tage hon Echterdingen, und dennoch wuchs ans bcn brennenden Trümmern der Luftschiffes die grandiose Hilfsgemeinschaft des ganzen Volkes, die Zeppelins Gedanken zum S'ege führten. Sollten nicht jetzt genug Gläubige und Hilfsbereite sich finden, um aufs neue an die Arbeit zu gehen, *ec wenigstens die Arbeit, tatkräftig zu unterstützen?
Die „DAZ." schreibt, nicht Mut, sondern Wahnsinn wäre es gewesen, unter den gegebenen Witterungsumständen den Flug fortzusetzen. Der Abbruch werde die Weiterverfolgung der Aufgabe nicht hindern. Je solider die technische Basis sei, auf der dec erste deutsche Tranzozeanflug gelingt, umso größer werde der Nutzen für das Ziel sein, ein wirtschaftlich brauchbares Schnellverkehrsmittel für die Ozean- überg".erung zu schaffen.
Die französische Presse betont die Schwierigkeit des Unternehmens und e-flärt, daß nunmehr die Aussichten der französischen Flieger wiederum gestiegen seien. Zahlreiche Pariser Zeitungen setzen chre Hoffnung auf den Flieger Coste, find aber der Meinung, daß K ö n n e ck e sein gefährlichster Wettbewerber für den Amer'kaflug bleibt.
D'e englische Presse bringt eingehende Berichte über den verzweifelten Kampf der deutschen Flieger mit Sturm, Stegen und Nebel. Ein liberales Blatt spricht von einem Mißerfolg, der fast so ruhmreich wie ein Erfolg geendet hab«.
von erheblichem Wert. -Wann er unternommen wird, das hängt von den erwähnten Besprechungen und der Aenderung der Wetterlage ab. Die Piloten der „Bremen" erklären, daß die Bravour, mit der die Maschine diese gewaltige Sturmfahrt überstanden hat, ihr Vertrauen in das schließliche Gelingen des Unternehmers nur noch verstärken konnte.
Die beide« Piloten der nach Dessau zurück- gekehrten „Bremen", Loose und Köhl, gewährten dem Verirrter der Tcle-raplien-Union em Interview. 3n diesem wiesen sie darauf hin, daß sie bereits in der Höhe der Nordsee mit schweren Gewitterstürmen zu kämpfen gehabt hätten. Auch über der Nordsee hätten sich bereits schwere Nebel gezeigt, deren Dichte über Irland ganz bedrohlich zugenommen hätte. Selbst die Scheinwerfer des Flugz^iges hätten die Nebel nicht durchdringen
können. Ohne jede Sicht sei die „Bremen" für den Ozeanflug allein auf den Kompaß angewiesen gewesen. Dazu sei noch hinzugekommen, daß der Brenn st offverbrauch sehr groß gewesen sei, da die Flieger mit aller Gewalt die Nebelwände zu überwinden versucht hätten. Weit über Irland hinaus sei der Entschluß zur Dückkehr getroffen worden.
Der Pilot Loose wie Hauptmann Köhl zeigten sich trotz allem optimistisch. Ste wollen möglichst bald bei besserem Wetter den Ozeanflug noch einmal wagen.
Berlin, 15. Aug. (TU.) lieber die Rückkehr des Ozeanflugzeuges „Bremen" nach Dessau erfährt die TU. noch folgendes: Die „Bremen" traf über der Nordsee dichtesten Nebel an. Die Unsichtigkeit über England war so stark, daß das Flugzeug nur in Baumhohe fliegen konnte. Das Gleiche war über der Irischen
KönneckeS letzte Vorbereitungen
Eine neue »Et RtkotdWmio
Köln, 15. Aug. (WTB.) Könnecke stieg heute früh um 8,20 Uhr zu seinem dritten Startversuchsflug auf, und zwar mit der gleichen Belastung wie gestern. Nach der Landung erklärte Könnecke, daß die fernere Arbeit zur Verstärkung der Wickelung und der Achse dienen müsse. Außerdem schwebten Verhandlungen mit einem sich persönlich für den Flug interessierenden Amerikaner, der dem Flug mehr eine wirtschaftliche Bedeutung beimißt, die aber erst bei der Landung in Amerika voll in die Erscheinung treten würde. Es sei aber mit der Möglichkeit zu rechnen, daß sich die diesbezüglichen Verhandlungen noch über die ganze Woche hinzögen. In der Zwischenzeit werde Könnecke dauernd Probeflüge unternehmen.
Ein Probebelastungsflug.
Köln, 15. Aug. Könnecke unternahm um 18,20 Ahr einen neuen Belastungsslug, wobei die Gesamtbelastung 3660 Kilogramm betrug. Der Flieger ist von dem Ergebnis dieses Fluges vollauf befriedigt, er beabsichtigt morgen früh die Probeflüge fortzusetzen. In der Besatzung der „Germania" ist der bereits angekündigte Wechsel eingetreten. Im Interesse der sicheren Durchführung des bevorstehenden Fluges ist Graf Solms zu dem Entschluß gekommen, daß die Bedienung der Funkanlage des Flugzeuges in die Hand eines erstklassigen Funkers gelegt
wird. Durch den Rücktritt des Grafen ist in der Aebernahme des größten Teils der Kosten des Fluges durch. Graf Solms keine Aenderung eingetreten. Könnecke beabsichtigt, nach einem erfolgreichen' Flug mit einem für einen speziellen Zweck neu zu bauenden größeren Flugzeug im nächsten Jahr einen großen Flug zu unternehmen, bei dem Graf Solms sein Begleiter sein soll. Heute abend ist der Funker Stehr, der als Begleiter des Fliegers Könnecke auf dem beabsichtigten Ozeanflug in Aussicht genommen ist, in Köln eingetroffen.
Neuer deutscher Flug-Weltrekord.
Berlin, 14. Aug. Mit 1000 Klg. Nutzlast startete am Freitag abend in Staaken das Großflugzeug „Rohrbach Roland", das in den letzten Wochen bereits neun neue Nutzlastrekorde über Geschwindigkeit und Entfernung aufstellte, unter Führung Steindorfs zum Höhenflug. Dabei wurde laut amtlicher Feststellung eine Höhe von 6550 Metern erzielt. Die in französischen Händen befindliche Weltrekord der „Breguet 19" von 6540 Metern ist mit dieser Höchstleistung von 10 Metern überboten worden. Das Ergebnis wird der F. A. I. zur Anerkennung als Weltrekord eingereicht. Bei diesem Fluge dürfte besonders erwähnenswert sein, daß die „Rohrbach Roland" ebenso wie bei den bisherigen Flügen mit drei normalen B. M. W. Serienmotoren ohne jede Voroerdichtung ausgestat-
See und über Irland der Fall. Beim Hinaustteten über das offene Meer schlug den Fliegern ein Sturm, Wind- stärke 11 bis 12, entgegen, sodaß die Flieger den Entschluß faßten, den Weiterflug aufzugeben und nach Dessau zurückzukehren. Der Rückflug fand unter den gleichen ungünstigen Witterungsverhältnissen statt. Die Landung in Dessau erfolgte glatt.
Die „Europa" schwer beschädigt
Bremen» 15. Aug. Die Rückkehr der „Europa" ist auf ernste Motorstörungen zurückzusühren, die sich nach etwa halbstündiger Fahrt über der Nordsee plötzlich eingestellt hatten nttb die Flieger Ristic, und Edzard nach vergeblichen Versuchen jat Behebung des Schadens zur Umkehr zwangen. Die Auffindung de» Landungsplatzes in Bremen gestaltete sich ziemlich schwierig. Schließlich konnten aber die Flieger die Lichter des Landungsplatzes entdecken. Die Landung war trotz aller Vorsicht der Flieger ziemlich bart, konnte aber ohne persönlichen Schaden der
beiden Flieger und ihres Passagiers Knickerbocker dnrchgeführt werden.
Die „Europa" von Gewittern umtobt.
Bremen, 15. Aug. Der Ozeanflieger Edzard gewährte einem hiesigen Pressevertreter ein Interview, in dem er u. a. aus- fuhrte: „Zwischen Oldenburg und Emden gerieten wir in ein schweres Gewitter. Unaufhörlich nmzuckten uns die Blitze »ud schwarze Wetterwände schlossen uns ein. Gut 100 Kilometer nordwestlich Borkum wurde unsere Maschine von Gewitterböen furchtbar geschüttelt. Plötzlich stellten wir fest, daß vor allem auch unser Motor überaus unregelmäßig arbeitete. Ich entschloß mich daher, int Einverständnis mit Rifticz schweren Herzens zur Umkehr. Ich habe das Gefühl, richtig gehandelt zu haben, indem ich umkehrte. Ich flog also Bremen an und landete auf de« Flugplatz. Infolge der im Verhältnis rmu Leergewicht dreifachen Belastung zerbrach da» Fahrgestell und der Schwanz des Flugzeuges z e r k u i ck t e.
(Fortsetzung steh« Seite 2J
««tritt MtmMMks
Shanghai, 15. Aug. Zn seinem Rundtelegramm „An das chinesische Volk", in dem er seinen Rücktritt vom Posten des Generalissimus der nationalistischen Heere mitteilt, erklärt Tschangkaischek noch, infolge der Kritik an seiner Führung der militärischen Operationen und seiner Rückschläge in Schantung. sowie der An, schuldigungen. daß er für die Spaltung im Kuomintang verantwortlich sei, die nicht geheilt werden könne, solange er Generalissimus ist und auch infolge seines physischen und geistigen Zusammenbruchs, stelle er die Parteieinheit vor persönlichen Ehrgeiz und habe beschlossen, die aktive Verbindung mit der nationalistischen Re» volution zu lösen. Er trete daher von allen seine« Posten zurück, werde jedoch weiterhin loyal die Partei als einfache» Mitglied unterstützen.
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Genf, 15. Aug. Zn einer Pariser Meldung eines gut informierten Blattes werden heut« einige Mitteilungen über die letzten Pariser Konferenzverhandlungen über die Herabsetzung der Rheinlandtrup» pen veröffentlicht. Der Pariser Konferenz sollen in der letzten Sitzung drei Vorschläge vorgelegen haben. Zunächst der non Eene» ral Euilleaumat eingereichte des französischen Eeneralftabes, in der eine Herabsetzung der französischen Okkupationstrup- pen um 2 Bataillone mit 1000 bis 1200 Mann vorgejchlagen wird. Ein Vorschlag Briands soll dagegen eine Truppenherab- setzung von 6000 Mann gefodert haben. Dieser Vorschlag soll nach den Darstellungen des Blattes zu stürmischen Auseinandersetzungen in der Konferenzsitzung ge» führt haben, sodaß die Sitzung ergebnislos abgebrochen und die Diskussion auf eine weitere Sitzung vertagt werden mußte. Rach der Mitteilung des Blattes soll der Vorschlag Briands auf Herabsetzung der Truppen um eine Zahl von 6000 Mann mit einem Vorschlag des englischen Außenministeriums übereinftimmen.
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Zu den französischen Angriffen übe, die Rede des Abg. von Kardorff
schreibt die Deutsche diplomatisch-politisch« Korrspondenz:
„Es bedeutet schon heute im Grunde bereits einen Anarchismus, wenn einzelne ftanzösische Matten sich zu entrüsten vorgeben, darüber, daß der Wgeordnete v. Kardorsf bei seiner Deichstagsrede zur BerfassungSseier von der Schmach gesprochen habe, die noch auf uns laste, weil durch den Dersailer Vertrag uns Beschuldigungen und Beschimpfungen auferlegt worden sind, die einseitig und ungeprüft von denjenigen erhoben wurden, die dabei Ankläger und Dichter in einer Person zu sein sich vermaßen. Es ist ein bedauerlicher SHangel an Psychologie, wenn sich in der Tat Leute finden sollten, denen das Derständnis dafür abgeht, daß ein großes Kulturvolk danach strebt, von einem solchen Schimpf freizukommen und daß es immer wieder Beschwerde dagegen erhebt, ihn irgendwo verbrieft zu sehen, auch nachdem die öffentliche Meinung aller Einsichtigen in der Welt — und das ist glücklicherweise heute schon die erdrückende Mehrheit I — ihn innerlich längst abgebeten hat, nachdem führende Staatsmänner, Historiker und Politiker ihn für ihre Person auch öffentlich al- unberechtigt anerkannten. Es sind bezeichnen- derweise immer diejenigen Blätter, die den Derständigungsgeist bekämpfen, in denen sich die künstliche Eptrüung darüber spiegelt, wenn irgendwo im Namen des deutschen Volkes moralische und materielle Entlastung und Wiedergutmachungsansprüche erhoben werden.