v* ^obechesstsch« Seihtng" te> liefet sech-mal wöchentlich. ve-
pnzeigerjuridasstüher kuchMche)Gberhrssew-> Amtliches VerkündigmigsblMMdkreisNlwbwg
ßtePoflLLL GM. Für etwa infolge 6W<U. Maschinen defekte oder tkmoi tatet Ereignisse ausfallend« fhanmtt» wird Ma Ersatz geleistet. Verlag d.Vr.S.-ttzerotk
MllrbllkMk
Tüg^lmzrjger
51t 189 62. MkS. Mmömg tu Lahn
Äberhessssche
Zeitung
Der Anzeigenpreis beträgt ffc den 10 gespalt. Zellenmillimeter 0.08 SM„ klein« Baranzeigen 0.06 GM„ amtlich« und aus- ivärtige Anzeige» 0.10 GM. SM schwierigem Latz sowie bei Platz- Vorschrift 50»/, Aufschlag. — Sammelanzeige« 100 */. AuP schlag. Reklamen der Millim. 0,40 SM. Jeder Rabatt gilt als Äarrabatt. Ziel 5 Tage. Belege werden berechnet, ebenso Auskunft durch di« Geschäftsstelle mtb Zusendung der Angebote. Er- ■f füllungsort Marburg.
1 Goldmark -- i/«,,Dollar.
Mische LlM-ttzeWg
Kob. Ang. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher! Rr. 54. ». Nr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt ML M. Rr. 5015. — Sprechzeit Nl Redaktion von 10—11 und
Montag, |M 15. August 1927
Die WnkeMuMuge auf dem Wese nach Amerika
..Eurrpa" in Sternen netgelnnbet — „Sterner über dem Ozean — Schlechtes Wettet
Der Abflug ist erfolgt. Die Junkers-Flieger sind, während diese Zeilen geschrieben werden, bereits außerhalb der Grenzen des Deutschen Reiches. Und Millionen Herzen schlagen in stolzer Freude, aber auch in banger Sorge höher. „Werden sie es schaffen?" Diese Frage liegt auf allen Lippen. Grenzenlos ist das Vertrauen in die deutschen Pil-ten und in die Maschinen, die sie über den Ozean tragen. Aber nahezu trostlos sind die Spätabendmeldungen über die Wetterlage auf dem Atlantik. Wohl haben die Flugzeuge in letzter Stunde die nördliche Route über Bremen, Helgoland, die Nordspitze Irlands gewählt. Aber auf dem Meere herrschen Gewitterstürme, droht ein Ge- genwind von gewaltiger Stärke außerordentliche Anforderungen an den Betriebsmittelver- drauch zu stellen. So daß nur zu hoffen ist, daß eine Aenderung zum Besseren ebenso rasch eintritt, wie sich in der Zeit von gestern nachmittag bis in die Abendstunden die Wetterlage verschlechtert hat.
Bor dem Start.
ff. Hamburg, 14. Aug. Nach dem Bericht der deutschen Seewarte von 11 Uhr vormittags weist die Wetterlage auf dem Ätaniif im allgemeinen zur Zeit folgende Mge auf: v
Das Tiefdruckgebiet von 748 mm liegt «och im wesentlichen unverändert westlich von Irland, auf 45 Grad nördlicher Breite und 12 Grad westlicher Länge. Die Regenfront, die noch gestern am Anfang des Kanals lag, ging nach Irland und Eng- .land vor und reicht schon bis an die Ost- friesischen Inseln. Es schiebt sich eine zweite ftront von Nordwestengland bis in die Normandie vor. Auf der Strecke bis zum 10. Längengrad herrschen heftige West- bis Nordwinde von 50 bis 55 Stundenkilometer-Geschwindigkeit, Regen und stellenweise tiefe Wolken; im Bereich von 10-r20 Grad westlicher Länge herrscht vorwiegend Nordwestwind; von 35—40 Stundenkilometer dreht der Wind nach Norden und ab 35 (Stab auf Nordosten, auf 35 Kilometer Stundengeschwindigkeit. Der Vorstoß des Erönlandhochs wird dafür borge tragen, daß im Westatlantik die Nordostströmung noch eine Zeitlang anhält, sodaß für den größeren Teil des Fluges ein günstiges Wetter zu erwarten ist.
Eine intime Abschiedsfeier.
ff. Dessau, 14. Aug. Kurz vor dem biart der Ozeanflieger "hatte im Verwaltungsgebäude der Flugzeugwerke noch eine intime Abschiedsfeier statrgefunden. Ministerialrat Brandenburg überbrachte dabei die Grüße des Reichsverkehrs- Ministers und des Staatssekretärs Gut- brodt. Profeffor Junkers führte aus, daß von den Junkerswerken alles getan worden sei, was'geschehen konnte; das übrige liege nun bei den Fliegern. Er wünsch; ihnen alles gute. Namentlich unterstrich Professor Junkers die Verdienste, die sich Oberingenieurs Thiedemann, als den technischen Verbreiter des Ozeanfluges erworben habe. Herr Ministerialdirektor dankte Professor Junkers für die freundlichen Wünsche und bat ihn, dem Herrn Reichsverkehrsminister Koch seinen Dank zu übermitteln. Schließlich übermittelte Post- mrektor Kruse die Wünsche der Reispost. Er gab der Hoffnung AuÄ>ruck, daß alle Sendungen wohlbehalten ankommen, übri- stens seien für 70 000 Mark Sendungen befördert worden, und zwar habe die „Breven" 2000, die „Europa" 15 000 Sendungen an Bord.
Es wird gestartet
, ft Dessau. 14. Aus Um 15.20 Uhr erscheint die grobe Junkersmaschine 6. 31 über •ein Startplatz. Das ist das verabredete Zeichen kür die Belegschaft, sich auf den Flugplatz iiuznfiuden. Da im Augenblick der Presse «tue offizielle Mitteilung übet die Tatsache
des Starts noch nicht gemacht worden ist, so bedeutet doch der Rundflug 6. 31, dah die Ozeanmaschine» starten werde«.
Die Entscheidung ist gefallen; die Piloten werden beute abend starten.
Die Bekanntgabe, daß beute der Start erfolgen wird, bringt Leben in das wartende Dessau. Im Hotel „Zum goldenen Beutel", das Hauptquartier der Presse, schwirrt alles durcheinander. Bor dem Hause sammelt sich eine Menge, die mit Ungeduld die Bekanntgabe des genauen Starttermins erwarten. Bor dem Hotel steüen die Gymnasiasten, die den Fliegern einen Lorbeerkranz überreichen wollen. Rach dem schier endlosen Hin und Her der letzten Tage, ist die Nachricht von dem heutigen Start gerade eine Befreiung.
Sofort nach dem Alarm des G. 31 strömt die Belegschaft nach dem Startplatz. Auch die Einwobnerschaft von Dessau pilgert in langen Zögen dorthin. Die Autos der Junkerswerken und die der Piloten können kaum sich einen Weg bahnen. In der Nähe des Flugplatzes beginnen bereits die scharfen Absperrungen. Inzwischen haben sich im „Goldenen Beutel" die Piloten und die beiden Passagiere der Ozeanflugzeuge von ihren Ange- börigen verabschiedet. Dann erscheinen die letzten kleine» Sache», die sie »och in dem Flugzeug verstauen müsse». Die Flieger müsse» sich so schnell wie möglich in Sicherheit bringen, um nicht vo» de» vielen Händen im letzten Augenblick erdrückt zu werden.
Dessau, 14. Aug. Um 17.45 Ubr bestiegen die Piloten am Starthaus ein Auto und liehen sich zu den Maschinen bringe», Bon alle» Seite» werde» ihnen noch einmal die Hände gereicht und Abschiedsgrühe gewechselt. Dann bestiegen die Piloten die Maschinen.
fk. Dessau, 14. Aug. Auf Grund der metreologischen Brrbältnisse ist im letzten Augenblick die südliche Route über Holland aufgegeben und dafür die nördliche Route über Bremen, Helgoland, nordöstlich von Schottland, über die Orkney-Inseln eingeschlagen. Auch über dem Atlantik soll die nördliche Route beibehalten werden. Sie ist auch die kürzeste. Bon de» Orknay-Jnseln wird in direkter Linie auf Cape Race zugesteuert. Unter diesen Umständen werden sich auch die Dispositionen für die E. 31-Maschine ändern, da die E. 31 eine Landmaschine ist und das Risiko eines weiteren lleberwasser- fluges nicht im Berbältnis zum Auftrag stebt. Bei Helgoland wird 6. 31 umkebren und dann voraussichtlich in Bremen landen.
Die Besatzung der Flug^uge.
„Europa": Piloten Ristic, und Edzard; Passagier: Journalist Knickerbocker.
„Bremen": Piloten Loose und Köhl; Passagier: Baron v. Sünefeld, Abteiluugschef des Norddeutschen Lloyd.
Der Start.
Dessau. 14. Aua. Um 17.58 Uhr startete das Begleitflugzeug E. 31. Es umkreiste den Flugplatz.
Die „Bremen" ist 18.21 Uhr gestartet und war 18.22 Uhr in der Luft. Der Start ging glatt von statten.
Die „Europa" startete 18.25 Uhr.
Beide Flugzeuge entschwanden in nördlicher Richtung.
®. 31 in Bremen gelandet.
fk. Bremen. 14. Aug. Bon der deutfchen Lufthansa wird mitgeteUt, die Begleitmaschine G. 31 ist 20.20 Uhr in Sternen gelandet.
„Europa" notgelandet.
ff. Berlin, 15. Aug. Rach einer Meldung des Flughafens Bremen ist die „Europa" um 22455 Uhr gestern abend in Bremen mit Bruch gelandet. Die Besatzung ist unverletzt. Die Landung dürfte ooraus- fichtlich durch de« starken Rebel und Ge- witterbilduug über der Küste verursacht
worden sei. Genaue Einzelheiten fehlen noch.
An Bord der „Europa" befanden sich Rifticz und Edzard und Mister Knick- bocker.
Zur Landung der „Europa".
ff. B e r l i n, 15. Aug. Zu der Rotlandung der „Europa" wird weiter gemeldet:
Rach dem die „Europa" bereits etwa eine halbe Stunde über der Nordsee flog, trat aus bisher unaufgefliirter Ursache, eine Motorstörung ein, die den Flugzeugführer veranlaßte, in der Richtung nach Bremen zurückzukehren. Nachdem das Flugzeug noch eine weitere halbe Stunde über dem Bremer Flughavc« gekreuzt war, ging es um 2.55 Uhr nieder. Infolge der starken Belastung der Maschine kam das Fahrgestell und der Propeller zu Bruch. Die Insassen find sämtlich unverletzt. Die „Europa" hatte bereits in der Gegend von Magdeburg die Führung mit der „Bremen" verloren.
Betreffs der Notlandung des Flugzeuges „Europa" wird »och mitgeteilt, dah der Flugzeugführer infolge des starken Nebels über der Nordsee nach Bremen zurückkehrte, um von dort aus eine» günstigeren Kurs zu wählen. Bei der Landung wurde das Flugzeug schwer beschädigt. Das Fahrgestell sowie der Pro- 'peller sind vollkommen unbrauchbar, der Schwanz ist völlig abgebrochen. Der gleichfalls schwer beschädigte Motor wurde mittels Flugzeugs nach Dessau zurücktransportiert, um dort repariert zu werden.
(Durch Extrablatt bereits bekannt gegeben.) *
In der letzten Nacht sind folgende Meldungen über die Ozeanflieger eingegangen:
Südlicher Kurs der „Bremen".
fb. Bremen, 14. Aug. Bisher ist das Flugzeug „Bremen" hier noch nicht gesichtet worden. Da von Hannover keine Meldungen über das Flugzeug vorliegen, nimmt man an, daß es einen südlichen Kurs über Osnabrück eingeschlagen hat.
Braunschweig, 14. Aug. Die „Bremen" ist 19,13 Uhr über Braunschweig geflogen. Flughöhe 100 Meter.
Hannover, 14. Aug. Die „Bremen" ist 19,38 Uhr über Hannover geflogen.
Bremen, 14. Aug. Die „Europa" und die Begleitmaschine haben um 20,10 Uhr Bremen überflogen.
Die „Bremen" über Ostfriesland.
fk. N o r d e n in Ostfriesland, 14. Aug. Um 21.15 Uhr ist über Norden ein Flugzeug mit starkem Motorgeräusch gesichtet worden, welches Orientierungslaternen mit sich fühtte. Nach Nachrichten aus Bremen, dürfte es sich um die „Bremen" handeln, die um 22 Uhr über Borkum erwartet wird.
Die „Bremen" in England gesichtet.
fk. Berlin, 15. Aug. Nach einer bei der Lufthansa eingetroffenen Meldung hat die „Bremen" nach Mitternacht die Küste von Südengland erreicht und wurde 1,40 Uhr Über Wakefield nördlich von Manchester gesichtet.
fk. London, 15. Aug. Die „Bremen" parierte heute früh 4 Uhr Fleewood 35 Kilometer nördlich von Liverpool bei starkem Regen. Die Wettermeldungen aus Nordirland um 3 Uhr berichten von starkem Regen, bei einem nordwestlichen Wind von 40+50 Stun* denkilometer.
Die „Bremen" über der Ostküste von Irland.
fk. Berlin, 15. Aug. Nach Meldungen aus London hat die „Bremen" um 545 Uhr
Kingstown passiert. Kingstown liegt etwa 5 englische Meilen südlich von Dublin in der Dublin-Bey.
Im Flughafen von Trusten wurde gestern abend s/412 Uhr ein drahtloses Telegramm aus Deutschland aufgefangen, in dem die deutschen Flieger angewiesen werden, wegen der schlechten Wetterverhältnisse im Norden ihren ursprünglichen Kurs zu ändern und weiter südlicher zu fliegen. Aus Hüll wird berichtet, daß die Küstenwache bet Flam- brough ein von der See kommendes Geräusch eines Flugzeuges hörten, ohne indessen etwas sehen zu können. Man nimmt an, daß es sich um die deutschen Flieger handelt.
Neue Drahtnachrichten über de» weitere« Flug der „Bremen" liegen nicht vor. Es ist damit zu rechne«, dah sie nunmehr de« Atlantischen Ozean erreicht bat
♦
Unwetter über Holland und Rordtrland.
fk. B e r l i n, 15 Aug., 3.30 Uhr früh. Nach einer Funkmeldung ist über Holland in der Nacht ein wolkenbruchartiger Regen niedergegangen. Zur Zeit regnet und stürmt es «och heftig. Auch über Rordirland herrscht starker Regen bei heftigen nördlichen Winden mit einer Geschwindigkeit von 40—50 Stundenkilometern und einer Sicht von 4 Kilometern über See.
Regenfälle und Nebel.
sk. Newyork, 15. Aug. Außer über Newyork werden auch über Schottland und Neusundland Regenfälle und Nebel gemeldet
♦
Nach dem Start.
Dessau, 14. Aug. Vom Sonderbericht» erftatrsr des WTB. — Die Ozeanmaschinen mit ihren tapferen Besatzungen sind fort. Die nervöse Spannung, die namentlich in den 'etzten Tagen bei der Unbestimmtheit der Wetterlage über Dessau lag, ist vorbei. Man 'onzentriert sich zetzt auf die Nachrichten von dem Flug. Werden die beiden Maschinen gut hinüberkommen? Wer den Start fin Dessau unter lebte, wird den überwältigenden Eindruck dieses Anblicks nicht vergesien. Wie die Maschinen, die so schwer belastet waren, daß für sie erst noch eine Zulassung des Reichsverkehrsministeriums eingebolt werden mußte, erst langsam, dann schneller die Startbahn entlang rollten, dann unter Spannung aller Kräfte sich in die Luft erhoben, das war schon im Anfang ein Sinnbild des schweren Kampfes, den die beiden Maschinen auf dem ganzen Fluge zu bestehen haben werden. Das Tümerwinken, die begeisterungsvollen Grüße, die die Menschenmassen den beiden Maschinen in tosenden Jubel mit auf den Weg gaben, das wollte kein Ende nehmen. Tausend gute Wünsche begleiten unsere Ozeanflieger. In den Kreisen der JunkevS- toerfe hat man auch weiterhin daS feste Vertrauen, daß die Maschinen eS schaffen werden. ES wird noch bestärkt durch den ausgezeichneten Verlauf des Starts. Die „Bremen" fetzte zwar, nachdem sie sich bereits von der Erde losgelöst hatte, noch einmal *urz auf, kam dann aber bald zum Flug. Noch besser verlies der Start der „Eurova". Beide Maschinen sind noch auf der Startbahn, und zwar etwa auf 600 Meter vom Boden losgekommen. So hofft man daun, daß auch der Flug sich glücklich vollziehen wird. Und das ist die Hoffnung nicht nur der Stadt Dessau, sondern sicher des ganzen deutschen Volkes, daS seine Ozeanflieger nun im Geiste begleitet.
Die Besatzungen der Ozeanflugzeuge an Nungessers Mutter.
Dessau, 14. Aug. Die Besatzungen der Ozeanslugzeuge „Bremen" und „Europa" haben bei ihrem Start an Frau Nungesser rn Paris folgendes Telegramm gesandt: „Auf den Bahnen des weißen Vogels" gedenken wir der beiden Helden und grüßen in Ehrfurcht Nungessers Mutter. Köhl. Loose, v. Hünefeld an Bord der „Bremen". — Risticz, Edzard, Knickerbocker an Bord der „Europa"..