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SberhMche Zeitung
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Boston, 7. August. Der von Eouver- 8t«t Fuller eingesetzte Ausschuh, der sozusagen in letzter Stunde den Fall Sacco- Lanzetti nochmals überprüfen sollte, ist ebenso wie der Gouverneur selbst in einer io« ihm selstverständlich geführten Paral- leluntersuchung zum Resultat gekommen, bah zwar der Richter des Obersten Gerichtshofs von Massachufchetts Thayer »ährend des Prozesses in Unterhaltungen «it auhenstehenden Personen nicht die erforderliche Zurückhaltung bewahrt habe, daß er aber in der Führung des Prozesses selbst sich der strengsten Unparteilichkeit befleißigt habe. Der Ausschuh hat diese
Entscheidung im Laufe des Abends veröffentlicht. Der Ausschuh hat weiterhin feßgestellt. dah der Prozeh in Dedham im Jahre 1920 in durchaus unparteiischer Weise geführt wurde und gibt der Mei, 8iung Ausdruck, dah alle Aussagen, aus die sich die verschiedenen Anträge zur Wiederaufnahme de, Verfahrens stützen, nicht hinreichen werden, um die Geschworenen Munste» der Angeklagten zu beeinflussen, falls aufarnnd einer Ueberprüfung des velastungsmaterials eine Wiederaufnahme des Verfahrens zugelassen werden sollte. Der Ausschuh kommt zu dem Schluh, dah die Vernunft einen Zweifel an der Echuld Saccos und Vanzettis nicht zulasse, i- Boston, 7. Aug. Die Anwälte von Eacco und Vanzetti haben ein Gesuch um einen neuen Prozeh eingereicht mit der Begründung, daß die Verhandlungen im ersten Prozeß parteiisch gewesen seien und der Richter gegen die Angeklagten voreingenommen gewesen wäre. Außerdem sei neues Beweismaterial vorhanden. Den Gouverneur Fuller ersuchten die Anwälte die Vollstreckung des Urteils hinauszuschieben, um die Verhandlungen über den Antrag wegen eines neuen Prozesses zu ermöglichen.
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Paris, 7. Aug. (WTB.) Die gefönte Presse beschäftigt sich ausführlich mit dem Fall Sacco-Vanzetti und tritt Nnn großen Teil für eine Begnadigung der beiden Verurteilten ein. Die dmmunistische „Sjumanite“ veröffentlicht einen Aufruf zur Teilnahme an einer großen Demonstration, die heute nachmittag im Bois de Vincennes stattfinden soll, und zu einem 24stündigen Generalstreik. Auch das Komitee »Sacco-Vanzetti" hat trotz des Verbotes des gestrigen Ministerrates Kundgebungen auf offener Straße abgehalten und seine Anhänger für heute nachmittag zu einer großen Protestkundgebung aufgefordert, die jedoch außerhalb der Stadt stattfinden soll. 3n Paris und in ganz Frankreich haben bereits gestern an den verschiedenen Orten Kundgebungen verschiedener verbände und Gewerkschaften stattgefunden, bei denen es teilweise zu Zusammenstößen mit der Polizei gekommen ist. Die Blätter berichten, daß hvch- föhende Katholiken den Papst gebeten hät- föt, bei der amerikanischen Regierung zu Dunsten der Verurteilten vorstellig zu werden. Eine Zeitung meldet, im gestrigen Dinisterrat habe ein Mitglied des Kabi- netts die Frage eines offiziellen Schrittes der französischen Regierung beim Gouverneur von Massachusetts zugunsten der Derurteillen aufgeworfen. Der Mi- Werrat habe sich mit dieser Frage offiziell nicht beschäftigen können, aber es fei nicht ausgeschlossen, daß gewisse private vnerikanische Persönlichkeiten gebeten wer- de, loiildvn, über die in Frsnlnich Herr
schende Erregung nach Amerika zu berichten.
Die kommunistisch-anarchistische Wochenschrift „2e Libertaire" veröffentlicht In einer Sonderausgabe einen Appel an die amerikanischen Demokraten, der in die Warnung ausklingt, dafür zu sorgen, daß nichts geschehen möge, was nicht wieder gut zu machen sei.
München, 7. August. Vor dem hiesigen amerikanischen Generalkonsulat versuchten gestern Mitglieder der kommunistischen Partei gegen die beabsichtigte Hinrichtung Saccos und Vanzettis zu demonstrieren, was aber die Polizei verhinderte. 20 Kommunisten wurden festgenommen.
Sympathiestreik für Sacco und Vanzetti in Rewyork.
fk. Rewhork, 8. Aug. Die Gewerkschaften und die sozialdemokratischen Organisationen bereiten für Dienstag einen Sympathiestreik für Sacco und Vanzetti und Massenversammlungen vor. Die Mitwirkung der Kommunisten wurde abgelehnt.
Auherordentliche Sicherheitsmahnahmen.
Rewyork. 7. Aug. Da für sämtliche Rewyorker Polizisten der Urlaub gesperrt wurde, sind 14 000 Mann für den äußeren Dienst verfügbar. Richt nur sind, wie bereits gemeldet, sämtliche Untergrundbahnstationen unter besonderer Bewachung, sondern auch sämtliche öffentlichen Gebäude, Eerichtsgebäude, Börsen Kirchen, Klubhäuser und die wichtigsten Büros der Wockenkratzer.' Uniformierte Polizei und Kriminalpolizei haben Befehl, alle Personen, die verdächtige Pakete tragen, anzuhalten und den Inhalt zu untersuchen. Für sämtliche Großstädte im Osten, z. B. Boston. Philadelphia, Baltimore, wurden ähnliche Sicherheitsmaßnahmen getroffen und verschiedene Personen verhaftet, aber nach der Vernehmung wieder entlassen.
Paris, 7. August. Laut „Rewyork Herald" sind in Boston die Truppen alarmiert worden.
Der SmrrllW nicht kor Donnerstag
Segeiminb auf der ganzen Streike
st. Dessau, 8. Aug. Die beiden für den Ozeanflug bestimmten Junkersmaschinen werden die Namen „Eurova" und „Bremen" erhalten. R i st i c z und Edzard werden die „Europa", die fie auch bei der Aufstellung des Dauerrekordes benutzt haben, führen, Loose und Köhl die „Bremen." Autzer- dem werde der amerikanische Journalist Knickerbocker und der Provagandachef des Norddeutschen Lloyd von B L l e b i l d mitfliegen. Die Piloten rechnen damit, bei mittleren Witterungsverhältnissen etwa 40 bis 45 Stunden zu brauchen. Sie werden auf dem ganzen Fluge Gegenwind habe«.
Der voransfichtliche Start der Junkersflugzeuge.
Berlin, 7. Aug. Wie das Wolffbüro von der Leitung der Junkerswerke in Dessau hort, haben die technischen und meteorologischen Besprechungen zu dem Beschlug geführt, dab der Start der Transozeanflugzeuge nicht vor Donnerstag stattfinden soll. Damit e«t- sällt auch die Kombination eines Berliner Morgenblattes, das den Start des einen der beiden Flugzeuge bereits für heute abend ankündigte. Nach der augenblicklichen Lage beabsichtigt man am Donnerstag oder Freitag de« Start vorzunehmen, vorausgesetzt, dad die Witterungsausfichten keine besondere Verschiebung erfahren. Um 15.30 Uhr startete eine Maschine der Lufthansa mit dem amerikanischen Botschafter Schu r m an, Direktor Merkel von der Lufthansa und dem stellvertretenden Borsttzenden des Auffichtsrates der Lufthansa Dr. Heck an Bord nach Defiau. Botschafter Schurmann hatte den Wunsch ge- äubert, die Piloten und Professor Junkers noch vor dem Ozeanslug zu begrübe« und die beiden Flugzeuge zu besichtigen.
Amerikanische Unterstützung des deutsche« Ozeanflugs.
Berlin, 7. Aug. Wie das Wolffbüro erfährt, hat der amerikanische Botschafter in Berlin Shurman beim Staatsdepartement angefragt, ob eine Unterstützung der Ozeanflieger in der Weise möglich sei, dah eine amerikanikche Radiostation binnen 24 Stunden nach dem Start von Seit zu Zeit Nachrichten über die Wetterlage auf der amerikanischen Seite des Ozeans und an der Küste gibt. Er fügte hinzu, daß er mit Rücksicht auf das weitherzige Entgegenkommen, das die amerikanischen Ozeanflieger in Deutschland gefunden hätten, boffe, dah eine solche Unterstützung möglich sei. In der Antwort des Staatsdepartements wird ausgeführt, dah das Wetterbüro in Verbindung mit dem Marineamt gerne zu einer solchen Zusammenarbeit bereit ist. Die Station Bar Sarbor Man werde entsprechend den in Amerika zweimal täglich auf der Welle 2541 festgestellten Wetterbeobachtungen die gewünschten Wetternachrichten geben und zwar von 24 Stunden nach dem Start um 5 Uhr morgens bis 5 Uhr abends mittlerer Ereen- wichzeit. Die Berichte werden um 11 Uhr abends und morgens jeweils wiederholt.
Französische Plüne für Transozeanstüge.
fk. Washingtwn, 8. Aug. Wie die Blätter melden, wird nun auch der Flieger Co st es mit einem Beobachter zum Irans« ozeanflug auf dem Militärflugzeug starten, mit dem er bereits den Flug Paris—Diark unternommen bat. Der Kriegsminister bat die Erlaubnis bereits gegeben. Costes beabsichtigt, keine Probeflüge »u machen, da er seine Maschine gut genug kenne. Das Flugzeug erhielt den Namen „Coli-Nungesser". Der Aufstieg dürfte kaum vor Ablauf von zehn Tagen erfolgen.
Der Pariser „Martina!" erfährt, dah auch ein gewisser Paillord auf einem Livre Olivier starten wird.
Betrag bet »er mutztsKe« Klasseatottertr
Berlin, 7. Aug. Wie die .Vossische Zeitung" meldet, haben die beiden bei der Preußischen Generallotterie-Direktion be- schäfttglen Beamren, die trotz strengen Verbots Lose der Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie spielten, nach vierstündigem Verhör eingestanden, wie sie die hohen Gewinne auf ihre Lose erzielten. Danach verabredeten der Lotterieinspektor Boehm und der Lotterieobersekretär Scharn- s ch e i n, von denen der eine daS Nummern?
rad und der andere das Losrad bediente, daß der am Losrad sitzende Beamte einen hohen Gewinn nicht verlesen, sondern in die Tasche stecken solle. Als das gelungen war, kamen sie überein, daß der am Nummernrad sitzende Beamte am nächsten Spieltage die Nummer seines Loses als dritte Nummer verlesen sollte, worauf sein Partner den darauf fallenden Gewinn ansagte. Bisher wurde ein Fall festgestellt, bei dem den Beamten ein „Gewinn" von 100 000 Mark zu gefallen war und ein Zweiter Fall, hei dem sie 50 000 Mark „gewannen",
Sie Verteidigung an der sranzSMen Sftgrenze
Paris, 7. August. Kriegsminister Painlevö teilte einem Vertreter »es „Echo de Paris" mit, er habe gestern im Ministerrat bereits die notwendigsten Kredite bewilligt erhalten, um die Der» teidigungsorganisationen a« der französischen Grenze in Angriff zu nehmen. Man werde mit den Arbeiten in Metz und an der Grenze nördlich von Metz bereits ia diesem Monat beginnen.
Zwischenfälle in französischen Reserviftenlager«.
Paris, 7. August. Wie die „Humanic" beichtet, kam es vor einigen Tagen im Lager von Chalons $u einer Kundgebung von 500 Reservisten, die unter Ab, singen der Internationale bessere Verpflegung und höhere Löhne forderten. Einige Manifestanten wurden festgenommen. Si« tollen vor ein Kriegsgericht gestellt werden. Für ihre Befreiung find neue Kundgebungen angekündigt worden. Außerdem berichtet die „Humanitö" fast täglich über kleinere Zwischenfälle in den Reservistenlagern und an Bord der Kriegsschiffe. Kriegsminister P a i n l e » ä gibt in einer einem Vertreter des „Echo de Paris" gewährten Unterredung die revolutionäre« Umtriebe zu, erklärt aber, fie würden von den kommunistischen Zeitungen übertrie, ben. Sn seiner Eigenschaft als Kriegsminister treffe er alle Maßnahmen, um dieser Propaganda entgegenzuarbeiten. Er halte allerdings Gefängnisstrafe« für wirkungslos. Ma« müsse anders vorgehen und ein besonders schwerer Fall werde die verdiente Sühne finden.
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Abschluß dee internationalen SeumkjchasMnsmnr
Paris, 6. August. Der interntionale Gewerkschaftskongreß hat in seiner heutigen Schlußsitzung die Erörterung des Aus- schußberichtes über die Angelegenheit des Briefes Oudegeefts beendet. Der Berichterstatter Graßmann sprach den Wunsch aus, dah der englische Sekretär der Ge- werkschaftsinternativnale Brown gleichfalls sein Amt niederlege. Dem widersprach der englische Delegierte Citrine und forderte eine eingehende Untersuchung nicht nur des Falles Oudegeefte und Br.own, sondern über die allgemeine Lage der Ge- werkschaftsinternationalen. Oudsgeest ergriff hierauf das Wort, um feinem Bedauern darüber Ausdruck geben, daß die Behandlung persönlicher Fragen auf einem Weltkongreß die Kräfte der Internationale schwäche. In Zukunft werde man mit den Kommunisten viel größere Schwierigkeiten haben als bisher. Richt nur die englischen Arbeiter, sondern das ganze Proletariat werde den Kongreß verurteilen, weil er die Gewerkschaftsbewegung durch unnütze Diskussion geschädigt habe. Gegen den Einspruch des belgischen Delegierten Mertens, der auf die Rede Oudegeefts antworten wollte, wurdefvdann der Schlußder Debatte ausgesprochen und der von Graßmann erstattete Bericht angenommen.
Schweres Eisenbahnunglück bei Amsterdam. 6 Tote.
fk. Amsterdam, 8. Aug. Lei dem Dorf« Laren, einem beliebten Ausflugsort der Amsterdamer Bevölkerung, stieben gestern nachmittag zwei stark besetzt« Kleinbahn,Sge zusammen. Sechs Fahrgäste wurden getötet, 15 schwer und ungefähr 20 leicht verletzt.
Brand auf einer Kohlengrube.
ft. Berlin, 8. Aug. Auf der zum Grob- Kraftwerk Zschornewitz gehörenden Braun- koblengrube Eolva brach am Sonntag ein Brand aus. Das Sägewerk, die Zimmerei und die Tischlerei dftdeteg nach kurzer Zeit «in Flammenmeer ' .