V»mer-wg,
IM 4. August ISN
fit ,Cte*flW< Sdtung* n> ।$<fnl sechsmal wöchentlich. De» ^gsprrts monatlich 2 GM. «s» ^te§L Zustellungsgebühr, durch MePostLLL GW.Aür etwa infolge Streiks. Waschtuendefekt, »der ^mentarer Lrrigntff» ausfallend« -Knmnern wird kein Ersatz geleistet. Verlag tz. Dr. k. Hitzervth, Druck da Unld.-Vuchdruckerei d. Aoh. Slug. Koch, Mark» 21/23. sternsprech«: Rr. 54. tu Rr. 55. Postscheckkonto r Amt Frankfurt e, M. Rr. 6016. — Sprechzeit her Redaktion do» 10—11 und »kl—1 Uhr.
Marburger ragrSanzeigrr
SeUchv ßonWfting
Nk. 180 SL Slchrg. Marburg a. Lahn
T« Anzeigenpreis beträgt fftt den lOgespalt. Zeilermülltmeta 0.08 GM., kleine Baran,rig« 0.06 SM„ amtlich« und auswärtige Anzeigen 0.10 GM. Bei schwierigem Satz sowie bei Platz. Vorschrift 50»/, Aufschlag. — Launuelanzeigen 100 »f, Autz schlag. Reklamen der Millim.
0,40 GM. g^et Rabatt gilt als Varrabatt. Ziel 5 Tage. Beleg« werden berechnet, ebenso AuSkSnfl durch die Geschäftsstelle und Zusendung der Angebote. Erfüllungsort Marburg.
1 Goldmark = '/«.»Dollar.
Meigerfär(dasMerkuchMchL)GbtthEm/>KnMÄiesVevKünüigungsblMfiärdKreisNorbmg
Em» und Banzrttl mtrttn WgerMel
Dir segnoMgung tnigfiilig abgeleW — AuSrMvnbsl für öle 6»»titer BlmzrttiS
fl. » - ft - n. 4. Aug. Der Gouverneur jet die Begnadigung Saccos und Sauzettis abgelehnt.
fk. London, 4. Aug. Der Gouverneur pon Masiachuset» kündigt die Hinrichtung non Saeco und Banzetti für yächften Donnerstag an.
verbotene Ausreise.
fk. P a r i s. 4. Aug. Wie Havas aus Loulogne-sur-Mer meldet, ist der Schwester Dauzettis, die sich auf ein Telegramm ihres Bruders hin, der sie vor leine« Tode noch zu sehen wünscht, an Lord eines holländischen Dampfers nach Seroperl einschiffen wollte, die Ausreise »erböte« worden. Eine endgültige Entscheidung über die spätere Genehmigung der Reise werde am Sonnabend getroffen werden.
--♦--
Str britische Beischasirr bei Kellogg
fks Wafh rugt en, 4. Bug. Der bei, tisch« Botschafer stattete Kellogg einen Besuch ab. DieUnterhaltung soll leine neue Phase der Besprechungen über die Seeab- röstungsfrage herbeigeführt habe.
Die Genfer Mariuelonfreaz.
fk. London, 4. Aug. Der parlamentarische Korrespondent des „SaUt> Te - legraph" schreibt: Testern abend wurde in gut unterrichteten Kreisen erklärt, daß die britischen Delegierten um Anweisungen wegen des japanischen Vorschlages ersucht haben. Die Tatsache, daß eine neue Sondersitzung des Kabinetts für heute Dormittag einberufen worden ist, deutet darauf hin, dcuß die britischen Haupwer- treter in Genf nicht in der Lage sein werden, heute der Konferenz die Ansicht der britischen Regierung vorzuschlagen.
Reuter meldet aus Genf um 0,30 Ahr früh: ES ist unmöglich, gegenwärtig daS Ergebnis der privaten Zusammenkunft der drei Delegationsführer festzustellen. Die Zusammenkunft begann um 22 Ahr und dauerte bis Mitternacht. Es verlautet, daß die Hauptdelegierten das Programm der heutigen Vollsitzung erörtern. Gerüchtweise verlautet, daß die heutige Konferenz mit einem Mißerfolg enden wird.
Der Korrepondent de« „Times" in Senf meldet seinem B atte bestätigend, er habe au, Unterhaltungen «it verschiedenen Delegationsführern nach Schluß der »estrigen Delegationsführer - Besprechung de» Eindruck gewonnen, daß eine E i n i - lung über die Flottenfrage nicht »öglich sei. Unter diesen Umständen könne es als sicher gelten, daß die Konferenz mit der heutigen Vollsitzung zu Ende gehe« «erde.
--♦--
waren nach Deutschland und die Einfuhr von Erzeugnissen der chemischen Industrie Schwierigkeiten bereiten. Das „Petit Journal" glaubt zu wissen, daß Deutschland auf die Forderung verzichten werde, in Elsatz-Lothringen Handeiskonsulate errichten zu können. Wenn auch noch kein Tag für die Unterzeichnung des neuen Abkommens vorgesehen sei, so könne doch gesagt werden, daß die Verhandlungen ihrem Ende entgegengehen. Es sei anzunehmen, daß in dem nächsten französischen Ministerrat am Sonnabend vormittag Handelsminister Bokanowski um die ' Ermächtigung nachsuchen werde, das Abkommen für die französische Regierung zu unterzeichnen.
RuWcht Rüstungen
Riga, 3. Aug. Aus Moskau wird gemeldet, daß der Arbeits- und Verteidigungsrat beschlossen habe, im nächsten Wirtschaftsjahr 18 neue Artillerie- und Munitionsfabriken in Zentralrußland und Sibirien zu errichten. Zu diesen Bauten werden inländische und ausländische Sachverständige der Metallindustrie herangezogen werden. Der Arbeits- und Verteidigungsrat hat die nötigen Mittel für diese Neubauten bereits bewilligt.
Wen für ihren sztnnflug
Rtstirz legt 3250 Mimt» in 22 Munitn zurück
Berlin, 3. August. Zu de« zahlreichen Nachrichten über Ozeanflüge mit Sportmaschinen und einem Transozcan- luftverkehr verbreiten der Norddeutsche Lloyd und die Zunlerswerle ein gemeinsames Lommünique folgenden Inhalt«!
„Die Presse beschäftigt sich in den letzten Tagen lebhaft mit der Frage des Ozean- fluaes und knüpft daran allgemeine Erörterungen über die voraussichtliche Art der Bearbeitung dieses Projektes im Großen. Alle diese Kombinationen find irrig. Richtig ist. daß Junkers im Auftrage privater Unternehmen die Versuche nach Vorarbeiten für einen Ozeanflug eiugeleitet hat. Wenn diese Versuche erfolgversprechend verlaufen, soll der Flug mit Zwei Maschinen. die die Namen „Europa" und „Bremen" erhalten sollen, gestartet werden.
Die Garantie für die Finanzierung des Fluges haben der Norddeutsche Lloyd und die Darmstädter- und Nationalbanl gemeinsam übernommen. Vereinbarungen über die Auswertung des Fluge- im Sinne der Schaffung eines regelmäßigen Verkehrs find nicht getroffen. Die Hearstprefie hat nach entsprechenden Verhandlungen mit den deutschen Partner« den einzigen vorhandenen Pafiazierplatz belegt. Die endgültige Besatzung der F.ugzeuge für den Fall eines Ozeanstartes steht noch nicht fest."
. Erneuter Probeflug.
Dessau, 3. August. Heute früh 5.25 Ahr sind die beiden Rekordflieger Loose und R i st i c z mit je einem Degleitflieger in Junkers-Maschinen mit Junkers-Motoren auf dem Dessauer Flugplatz zu einem Angriff auf den von Amerika gehaltenen Weltrekord von 51 Stunden gestartet. Dabei wurde die neue Zementstartbahn zum ersten Mal benutzt. Beim Start Looses
blieb der Startwagen an der Maschine hängen. Er fiel später bei Köchstedt ohne Störung des Fluges ab. Da man aber auf dem Flugplatz befürchtete, daß die Maschine doch irgendwelchen Schaden genommen haben könnte, erhielt Loose vom Flugplatz her den Landungsbefchl signalisiert. Infolgedessen ging er bald wieder auf dem alten Flugplatz in der Rühe der Iunkerswerke bei Dessau nieder, wobei die Maschine leicht beschädigt wurde. Loose und sein Begleiter, der Flieger Kohl, blieben unverletzt.
Das Flugzeug Risticz, das Don dem Flieger Rig ard begleitet wird, kreuzte zunächst zwischen Dessau und Leipzig. Es führt Betriebsstoff fiir 55 Stunden mit sich. Am 14 Ahr gab es vorübergehenv auf Weisung der Iunkerswerke seinen Pendelflug auf und ging für kurze Zeit zum Kreisflug über Dessau über. Dann setzte es jedoch den Pendelflug zwischen Leipzig und Dessau wieder mit größter Regelmäßigkeit fort. Aach 14 stündigem Fluge um 20 Ahr abend hatte Risticz bei einer Stundengeschwindigkeit von 125 Km. bereits 1750 Km. zurückgelegt.
Reben dem Angriff auf den Weltrekord sollten oie beiden Flüge vor allem der genauen Prüfung der technischen Grundlagen für den geplanten Ozeanflug dienen. Deshalb waren Looses und Risticz Maschinen mit verschiedenartigen Motoren ausgeftattet. Namentlich Loose hatte den Auftrag, das Funktionieren verschiedener Betriebsstoffe und die Auswirkung bestimmter Belastungsverteilungen , auszuprobieren. Dadurch hat nun seine auf Befehl erfolgte vorzeitige Landung einen kleinen Strich gemacht.
*
fk. DeUau, 4. Aug. Um 6,02 Uhr heute früh hatten die beiden Junkersflieger Sdgard und Risticz 22 Runden mit insgesamt 3250 Kilometer zurückgelegt. Der Motor arbeitet zur Zufriedenheit.
8k tintw-inmMWtn
MtickmMtrlmndlnngtn
fk. Paris, 4. Aug. Eine anscheinend Handelsministerium inspirierte Information besagt, die deutschen und französischen Delegieren setzten die Arbeit fort, »m so rasch wie möglich zu einem Wirt- Aaftsabkommen zu gelangen. Der gestrige lag fei besonders arbeitsreich gewesen, eine gewisse Anzahl von Fragen habe im Saufe der Verhandlungen geregelt werden Mnen. Im großen und ganzen könne ge- §gr werden, daß nur noch die Frage der «urfuhr französischer Seiden- und Woll
Die Grußpflicht im Saargebiet eingeschränkt.
ff. Berlin, 4. August. Die Regierungskommission in Saarbrücken hat, an» scheinend auf Grund der zahlreichen Proteste, sich veranlaßt gesehen, die Grußpflicht der Pvlizeibeamten und Landjäger gegenüber den Offizieren des interalliierten Bahnschutzkommandos einzu- schränken.
Ausschreitung eines französische» Offiziers.
Trier, 3. Aug. Als eine Radfahrer- Abteilung des hier in Garnison stehenden französischen Alpenjäger-Regiments gestern
an einer verkehrsreichen Ecke Lwei Fahrzeuge überholen wollte, kam ihr ein schweres Pferdefuhrwerk entgegen, das in der ordnungsmäßigen Verkehrsrichrung fuhr. Auf Zurufe des die Abteilung führenden Offiziers wich der Fuhrmann nicht aus, weil es keine Möglichkeit dazu gab. Daraufhin schlug der Leutnant nach dem auf dem Bock sitzenden Kutscher, und als er ihn nicht erreichte, kam er auf den Wagen und ohrfeigte den Kutscher mehrere Male. Rach dieser „Heldentat" schwang er sich wieder auf sein Rad und fuhr mit seiner Abteilung weiter. Die Untersuchung über den Zwischenfall ist bereits eingeleiter.
Seelttgc kandidiert nicht wieder
Die Aussichten der übrigen Kandidaten.
N e w h o r k, 3. Aug. Der Derzrcht Coolid- ges für seine Wiederwahl hat große Aeberraschung hervvrgerufen. Mich der ersten Erregung glaubt man jedoch, daß sich Coolidge dem Auf seiner Partei nicht entziehen könne, denn er sei der einzige Kandidat, der die überwiegende Mehrheit der Wähler hinter sich haben werde. Der linfe Flügel der Republikaner und die demokratische Opposition halten die Aussichten ihrer Kandidaten für gebessert. Als besonders wahrscheinliche Ersatzkandidaten werden u. a. genannt: Handelssekretär Hoover, Dizepräsident Dawes, Erstaatssekretär Hughes. Hoover hat sich durch die Leitung der Flughilfe große Beliebtheit erworben, hat aber gegen das Farmhilfsgesetz gestimmt, während Dawes das Gesetz unterstützte. Rach Ansicht der .Washingtoner Post" haben sich die Aussichten für di e Demokrat i sche Parteinicht gebessert, da diese den Zwist im eigenen Lager haben. Die Erfolge der republikanischen Regierung seien zu offenkundig, als daß da» Volk einen Wechsel wünschte.
*
Amerika hat in diesen Sommertagen feine große politische Sensation. Am vierten Jahrestage seines Amtsantrittes hat Präsident Coolidge den Pressevertretern eine kurze, schriftlich niedergelegte Erklärung in die Hand gedrückt, nach der er auf seine Kandidatur für die im nächsten Jahre fälligen Wahlen zur Präsidentschaft verzichte . Das Staunen der Journalisten über diese Mitteilung, die selbst für die nähere Umgebung Coolidges eine lleberraschung bedeutetes dürfte auch bei den an unbv- grenzte Möglichkeiten gewöhnten amerikanck- schen Journalisten groß gewesen sein, zumal Coolidge sich geweigert hat, seinen anscheinend sehr plötzlich gefaßten Entschluß irgendwie zu begründen. Presse und Politik stehen bisher dieser neuen Tatsache ziemlich ratlos gegenüber. Ja, es gibt Kreise, die in dem Entschluß des bisherigen Präsidenten und besonders in der Form, in der er an die Oeffentlichkeit gebracht worden ist, nur ein geschickürS Wahlmanöver sehen wollen.
Daß die Aussichten Coolidges die denkbar günstigsten sind, und daß seine Parier gerade durch ihn die größten Chancen für den Wahlkampf hat, wird nirgendwo bestritten. Immerhin hatten sich gewisse, zunächst mehr theoretische Bedenken erhoben, ob durch eine neue Kandidatur nicht die seit George Washingtons Zeiten geheiligte Tradition durchbrochen werde, daß kein amerikanischer Präsident länger al» zwei Amtsperioden am Ruder sein dürfe. Coolidge hat seine erste Amtszeit allerdings als Nachfolger Hardings und damaliger Vizepräsident nur kurz verwaltet. Senator Borah hat sich kürzlich noch zum Sttmin- führer der durchweg herrschenden Anschauung gemacht, indem er erklärte, daß in Coolidges Kandidatur für 1928 keine Verletzung der „Third-Term"-Tradition zu sehen sei. Man hält es für möglich, daß Cooltdge durch seine Erklärung • noch mehr derartige Meinungsäußerungen hervorragender Parteigänger hervorlocken will und daß er vielleicht seine Partei zu einem starken Gegendruck veranlagen und daß er dadurch seine Stellung von "vornherein nach allen Seiten unangreifbar machen will.
Reben diesen, die Sachlage taktisch wertenden Meinungen finden sich auch Begründungen sachlicher Natur. Vizepräsident Dawes, nach Coolidge wohl der aussichtsreichste Kandidat feiner Partei, hat die Coolidge-Erklärung durchaus ernsthaft aus- gefaßt. Es lassen sich auch für die Ernsthaftigkeit des Entschlusses allerlei Gründe anführen. Zunächst einmal bringt man, was sich ja auch aus dem Zeitpunkt erklärt, den Beschluß des Präsidenten mit dem Scheitern der Abrüstungs-Verhandlungen in Zusammenhang. Ist doch die Abrüstungs-Konferenz Coocidges ureigener Gedanke gewesen, und die vom englischen Standpunkt aus durchaus verständliche Hartnäckigkeit der britischen Llnterhändler, die auch durch die Vermittlungsversuche Japans im besten Falle nur zu einem Verschleierungszwecken dienenden Abkommen führen kann, hat Coolidge um einen gerade für den Wahlkampf sehr bedeutungsvollen Erfolg gebracht . Eine Ausgestaltung der amerikanischen Rüstungs-Politik, wie sie sich trotz des bisher eingelegten Vetos unter dem Druck der öffentlichen Meinung und