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W 30. K»l 1927
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Marburger
Tagesakmtger
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Dzeigerjurtdasstüher KuchessMe) Gberhessew-s KmUiches VerKündigmigsblEMd KreisAarbmg
400 Jahre Philipps-Universität
Einzug des Landgrafen PWpP in Marburg
Geffentliches Spiel zum Marburger Universitäts-Jubiläum von Th. Birt
Personen: Der Landgraf, Landgräsin Christine, Kanzler Feige zu Pferde. Außerdem Herold und Bürgermeister; endlich Studenten, Schüler und Professoren der alten Zeit.
Schauplatz: Der Markt.
(Der Jefäug ist auf dem Markt angelangt; Der Herold beginnt:)
Herold: Achtung! Achtung! Laßt das Geschrei!
Gebt Raum und haltet die Wege frei! Ein Fest, gar herrlich, wird heut' gemacht. Der Fürst zieht ein in aller Pracht.
Daß keiner uns hier den Weg versperr': Es ist Philippus, der Landesherr. Großherzig ist er ungemein.
Drum heißt er magnanimus auf Latein. Er sichert mit seiner gewaltigen Hand Vor Feinden und Räubern das Hessenland Und kommt geritten hoch zu Roß, Dahinter die Junker und sein Troß, Der Kanzler auch und die Räte zumal. Er will heut' speisen im Rittersaal.
Auch ist er — ihr seht es — nicht erschienen Ohne sein holdes Gemahl, Christinen, Die Landgräfin. Drum lob' ich sie. Sie leistet dem Ehehcrrn Kompagnie.
Wir wollen nicht bloß Mannsbilder fchau'n. Was wär' ein Fest auch ohne Frau'n?! Noch einmal ruf’ ich: Gebet acht! Ihr Weiber, die Fenster aufgemacht!
Ihr Jungfern, ihr Maidlein, in jedem Haus Reckt hübsch die Köpfchen znm Fenster hinaus! Ich seh' euch schon. Nun ist es traun. Als ob lauter Rosen herniederschaun. — Philipp, von hohem Stamm geboren. Ein feiner junger Fürst, feht hin: Heut' hat er Marburg sich auserkoren. Und große Dinge hat er im Sinn.
Die Sache will ich euch verkünden. Eine neue Schul' will er hier gründen. Ich weiß nicht, ob ihr mich versteht: Man nennte eine Universität.
Die Weisheit ist wie Kerzenschein, Und Marburg soll der Leuchter sein! O weh! Nun hab' ich es ausgeschwatzt. Das kommt, weil mir sonst die Kehle platzt. Jetzt aber will ich ganz verstummen. Trumschläger, schlage deine Trummen! Spielleute, Bläser ihr und Pfeifer, Macht musicam mit rechtem Eifer! Dann aber schweiget plötzlich still. Weil auch der Landsherr sprechen will. (Die Musik spielt ein kurzes Iägerlied.)
Philipp: Hier bin ich; mein Rößlein halt' ich an.
Wer ist hier, zu dem ich reden kann?
Bürgermeister: Ich, Herr ..
Philipp: O, mein Herr Bürgermeister!
Wir kennen uns ja. Geht es Euch gut? Ihr roerbet ja wahrlich immer feister. Was nicht die hessische Wurstsuppe tut! Bürgermeister: Seit Euer Gnaden zur Herrschaft gekommen, Hat eben alles zugenommen.
Christine (ihm die Hand reichend):
Ja. wenn ich euch seh', wird mir wohl zu Mut. Man merkt. Eure Hausfrauen kochen gut. O, Marburg, Marburg, wie eng und klein, Aber wie schön ist dies Städtelein!
Möcht' halt hier immer wohnhaft sein!
Bürgermeister: Durchlauchtigster Fürst, Ihr seid bekannt Als ein heller Stern schon im teutschen Land. So sag' ich in Ehrfurcht und ganz submiß: Was Ihr auch plant, ist gut gewiß.
Auch wir haben schon davon vernommen.
Philipp: Nun, das ist's, weshalb wir hierhergekommen.
Nicht unser Leib nur, Herr Bürgermeister, Es brauchen wohl Nahrung auch die Geister. Was nützt es, @enn euch der Magen satt
Und der Schädel da oben Hunger hat? Satt macht den Denkenden nur das Wissen, (mit erhobener Stimme): Drum Fehde allen Finsternissen!
So hab' ich beschlosien mit aller Kraft: Wie hell das Licht auch strahlen mag r Bon Leipzig, Wittenberg oder Prag, Auch in Hessen soll wurzeln die Wissenschaft, Und in Schönheit soll die Hochschul steh'n Drum hab' ich Marburg mir auserseh'n.
Bürgermeister: Und Marburg dankt Euch. So laß Euer Gnaden Sich erst zu einem Trünke laden (reicht einen Becher mit Ein willkumm aus einem guten Faß! (Wein).
Philipp (trinkt): Nun denn: in vino veritas!
Bürgermeister: Trinkt unsre Frau Fürstin nit auch uns zu? Wir haben Milch, frisch von der Kuh.
Philipp (lachend): Ei, laßt doch eure Kuh in Ruh'! Bürgermeister: Oder auch Honigwasser mit Zimmt? Philipp: Ei was, Wein ist's, was Christinchen nimmt.
Christine: Habt ihr gehört, was mein Eheherr spricht?
Gehorsam ist des Weibes Pflicht.
Bürgermeister: Frau Fürstin, ihr gebt da gute Lehr' Dem Weibervolk (er reicht ihr einen Trunk).
Christine: Heut' fällt mir's nit schwer.
Solch goldiger Wein war auch mein Begehr. Ist's Marburger Traube?
Bürgermeister: O! Nimmermehr!
Der Wein, den man hier in Marburg baut — An der Kirchspitz —, ist Euch en saures Kraut. Ihm ward von Gott die Kraft verliehn. Die Löcher im Strumpf zusammenzuziehn. Der Wein ist aus Elsaß, dem teutschen Land, Euch, Herr, zum Willkumm hergesandt. -
Philipp: Erst proben!
Dann loben! Zu Marburgs Heil sei der Pokal erhoben.
■. (er leert den Becher; dann feierlich):
Die Hochschul' zu Marburg an der Lahn, Sie sei denn hiermit aufgetan, Die Landesuniversität, Die da Weisheit erntet und Weisheit sät, Die Geistesnährerin,
. Der Jugend Lehrerin, Des Wissens Mehrerin, Des Unklaren Rlärerin, Die Rätsel lösend, die Gottes Welt Tausendfach an die Seele stellt. Am reinen Evangelia Ward meine Seele frisch und froh. Doch soll man, die Wissenschaft zu mehren, Hier alle freien Künste lehren. Theologen, Juristen, Mediziner, Sie alle sind gleichsam Gottes Diener. ’> . Doch die vielgestaltete Philosophie, Ein Progymnasma nenn' ich sie. Denn das Denken lernen und Reden, Das muß wohl die Vorschul' sein für jeden. Herbei denn, mein Geschäftsverwalter, Herr Feige, Kanzler, du mein Alter, Lies vor die Statuten, die wir verfaßt, Die du in der Satteltasche hast.
Feige: Die Statuten sind länglich von Natur,
Ich gebe daraus ein Pröbchen nur. Wo die Dominiciani hiebevor Geivohnt, hart über der Lahn am Tor, Und am Plan in der Nähe des Barfühertores, Da sollen sie lehren, die Prosessores. Acht sind's, die die Philosophie vertreten, Je vier in den andern drei Fakultäten, In Summa zwanzig. In jedem Jahr Beziehen sie 100 Gulden Solar. Nur hundert! Davon läßt sich nicht leben. Das Geld ist eben heute rar. ,
Drum werden auch Naturalien gegeben, - Wurst, Brennholz, ein altes Huhn, auch Kohl, • Gratis! Da fühl'n sich die Herr'n schon wohj;
Und ein Ohm voll Landwein, ein urceus vini,