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Die EllaMtimMMmz wird wringt
Sein Rachgebtn Englands in der Kreuzersrage — Eine Erklärung Chamberlains
Senf, 27. Juli. Die englischen Delegierten- lihrcr auf der Seeabrüstungskonferenz, Lord sribgeman und Lord Robert Cecil, dst> heute vormittag von London abgereist, iie werden am Donnerstag oder Freitag früh it Senf zurückerwartet. In der Zwischenkit haben keine weiteren Verhandlungen attgefunden , sodaß die Konferenz egenwärtig völlig ruht. Der Wei- re Verlauf der Konferenz hängt jetzt aus- Aeßlich von der Instruktion ab, die die Lon- pitet Regierung ihren Delegationsführern er» Ult hat . Die Aussichten auf der Abrüstungs- mferenz werden allgemein gegenwärtig »en i g günstig beurteilt. Lord Drid- wian hat einem Reutervertreter erklärt, die tetlung der englischen Regierung sei un- «rändert. Rach den letzten Instruktionen es Washington hält auch die a m e r i - snische Delegation ihren Standpunkt in er Kreuzerfrage voll aufrecht . Sie lehnt ich wie vor die englischen Wünsche auf Her- setzung der Tonnage und der Kaliber der hiffsgeschütze er Kreuzer grundsätzlich ab. ne Einigung erscheint unter diesen ilm» lilden in den kommenden Konferenz-Ver- mdlungen wenig Aussicht zu haben, falls ch mcht das Londoner Kabinett zu weit- hendstem Entgegenkommen gegenüber Ameke entschlossen haben sollte.
Gewisses Aufsehen in Genf hat ein Artikel s amerikanischen Delegierten auf der Ab- hrngskonferenz, Admiral Jones, in einem üshmgtoner Marineblatt hervorgerufen, in für den Fall eines Scheiterns der Genfer ^Mungrkonferenz da? kün ft i g« a m er i» mische Flottenbauprogramm ent» ckelt wird, nach dem die amerikanische Deletion der Washingtoner Regierung den Bau ® 18. Großkampfschisfen, von 60 modernen »u?em. 270 Zerstörern. 110 Unterseebooten ® 5 Flugzeugmutterschiffen vorgeschlagen während Amerika gegenwärtig nur 10
"he Kreuzer besitzt.
Reber die Dauer der Konferenz die Auffassungen gegenwärtig noch weit ^einander. Wan nimmt an, daß nach der uiLehr der englischen Delegierten bereits einigen Tagen eine öffentliche Sitzung der ^ferenz stattfinden wird, in der sodann die eiegationen nochmals ihren Standpunkt zu ® einzelnen Programmfragen darlegen Wen.
Eine Erklärung Chamberlains.
London, 27. Juli. In einer Erklärung " Unterhaus über die britische Marinepolitik 6te Chamberlain u. a.: Die britische Regung hat Coolidges Einladung so aufge- ll- daß er wünsche, die Politik der Washing- ?er Konferenz durch weitere 25er» Äderung der Ausgaben bei -lfrechterhaltung der nationa» ^Sicherheit zu entwickeln. Rur in der £3« der kleinen Kreuzer bestehe ein Absatz zwischen der englischen und ameri- ^chen Auffassung.
in Washington für Schlachtschiffe an« Knommene Formel sei unannehmbar bei Mqeugen, die Zwecken dienen, die in verschiedenen Ländern je nach ihrer Elenderen geographiskhen Lage verschieden sein müssen.
^Rationen, die je 100 000 Tonnen ^chtlchiffe besitzen, können als gleich in /.- Kampfkraft betrachtet werden. Don l1 Nationen, von denen die eine 10 Kreuzer L iv 000 und die andere 20 Kreuzer von
Tonnen besitzen, kann dies nicht be» werden. Das Land, das genötigt sein seine Tonnage auf kleinere Schiffe zu -uen, stände im Rachteil gegenüber j?“ anderen, das einem anderen Bauplan iJWiröe. Es würde nominiell Gleichheit, ^Wirklichkeit Ungleichheit geben. ->"ersa:n schloß, nad> Ansicht der eng» Regierung bürsten keine Schwierig» ■ bestehen, zu einem
^'Uich begrenzten Abkommen Über den ^•»»artigen und künftigen Kreuzerbau 6-.$‘3Tt9en- Die britische Regierung lehne af>. ein solches zeitlich begrenztes Ab- zu schließen, wenn es den Anschein tz. unverbrüchlichen Prinzips ^urch qlz Präzedenzfall gelten
Amerikas Stellung zur Rede Chamberlains über die Kreuzerfrage.
ff. Washington. 28. Juli. Die Erklärung Chamberlains über Englands unabänderliche Haltung in der Kreuzerfrage bestätigt in hiesigen politischen Kreisen die Auffassung, daß eine Verständigung unmöglich und eine Vertagung der Konferenz big 1931 unumgänglich ist.
Abbruch der Friedensverhandlungen zwischen Nord- «nd Südchina.
ff. Peking, 28. Juli. Die Friedenverhandlungen zwischen den Vertretern der Pekinger und Nankinger Regierung einerseits, und dem Militärgoverneur der Provinz Schansi andererseits sind endgültig abgebrochen worden.
Das FlumugungM Sei Kirchhain
Auch Ne beiden SchwerveeleAen gestorben
Der Inhalt unseres Extrablattes:
Kirchhain, 27. Juli. Heute nachmittag gegen 2 Uhr ging das Verkehrsflugzeug 306 bei Amöneburg in Flammen nieder. Es sind 3 Passagiere völlig verbrannt. Die beiden weiteren Jnsasien wurden in hoffnungslosem Zustand in die Marburger Klinik verbracht. Unter den beiden Verletzten befindet sich auch der Führer. :r
«Sie das Unglück geschah.
Wie wir bereits gestern durch Extrablatt meldeten, verunglückte am gestrigen Nachmittag das täglich in Richtung Kassel —Frankfurt verkehrende Postflugzeug Nr. 206. Das vom Piloten Dörr gesteuerte Flugzeug geriet bei der Umfliegung der Amöneburg in ein sag. Luftloch, in welches es absackte, mit furchtbarer Gewalt senkrecht abstürzte und auf dem Rücken auf- schluo. Bei dem ungeheuren Aufprall verbrach" das Flugzeug in zwei Scücke und die beiden noch etwa 300 Liter Benzin und Oel fassenden Tanks gerieten unter donner- ähnlichem Krach in Brand. Sofort entstand eine mehr als haushohe Flamme, welche riesigen Rauch entwickelte und. dem ganzen Ohmtal so das furchtbare Unglück anzeigend. Ter Absturz erfolgte direkt am Wege Amöneburg—Kirchhain, etwa 200 Dieter vor den Toren der Stadt Amöneburg. Sofort von den Feldern und dem nahen Steinbruch herbeieilende Leute bemühten sich zunächst um die beiden Passagiere, die beim Aufschlagen des Flugzeuges zusammen mit dem Postsack herausgefallen waren und sich schwer verletzt am unteren Abhang wälzten . Die ungeheure Hitze und die starke Rauchentwicklung verhinderten zunächst, daß man sich weiter um das Flugzurg bemühen konnte. Man wußie auch nicht, ob sich noch weitere Personen in dem Apparat befanden. Erst als durch die weiteren Explosionen einzelne Gepäckstücke herausfielen, sah man Teile menschliche' Körper aus den Kabinen des Flugzeuges herausragen. Mit Stangen und Haken bemühte man sich nun noch um die Rettung, jedoch konnte man nur noch drei völlig verkohlte Leichname bergen. Der Anblick der drei verkohlten Leichname war furchtbar. Die beiden Passagiere, die durch den inzwischen herbeigeeilten Dr. Hehen- kamp-Amöneburg sowie durch Schwestern in ärziliche Behandlung genommen wurden schaffte man dann sofort mittels Autos der Firma Noll-Kirchhain, die neben vielen anderen Autos sofort zur Stelle waren, nach Marburg in die Klinik. Hier verstarb der ei.,e Passagier beim Einliefern in die Klinik, während der andere einige Stunden spät-r versvarb, sodaß nunmehr sämtliche Insassen den Tod gefunden hatten. Das Flugzeug wird seit Monaten regelmäßig von dem Piloten Dörr von der Lüft-Hansa gesteuert, der an diesem Tage noch von einem Monteur begleitet wurde. Beide fanden den Tod. Sie verbrannten mit einen Passagier zusammen und waren fast bis *ur Unerkenntlichkeit verstümmelt. Die Identifizierung der Toten war ungeheuer schwierig. Die Papiere, soweit dieselben solche bei sich hatten, waren verbrannt. Erst mit Hilfe der inzwischen mit Kraft- Wagen von Kassel gekommenen Beamten der
Luft-Hansa, sowie der Flugpolizei war die restlose Feststellung der Toten möglich. Neben den beiden Piloten befanden sich in dem Flugzeug ein Bankier aus Hannover, sowie ein Herr aus Hofgeismar und der dritte aus Kassel, sämtlich mit dem Reiseziel F-ankfurt.
Das abgestürzte Flugzeug hätte beinahe noch ein zweites großes Unglück veranlaßt. Auf dem Rückwege von der Amöneburg nach Kirchhain befand sich ein mit zwei Schwestern besetztes Kirchhainer Auto, kaum mehr als 10 Meter hinter diesem schlug das Flugzeug unter ungeheurem Krach herunter, sodaß die Insassen des Autos zunächst >rst an eine Explosion des eigenen Wagens glaubten. Als sie aufgeregt aus dem Auto stürzten, sahen sie in unmittelbarer Nähe das sich soeben abspielende Drama. Die beiden Insassen des Autos, zwei Schwestern, bemühten sich sofort um die beiden aus dem Flugzeug gestürzten Passagiere, mußten aber bald seststellen, daß j/'ie Hilfe vergebens toar._ Mit schweren Schädelbrüchen wälzten sich die beiden bewußtlos in ihrem Blute, i
lieber das furchtbare Unglü^ welches nach Aussagen der Beamten der Flug- po'.izei, einzig in seinem Fall dasteht, erfahren wir noch von Augenzeugen,- daß unmittelbar über der Amöneburg das Flug- 'eug auf einmal stark schwankte, auch hörten auf dem Felde arbeitende Leute, daß der Motor aussetzte und Baute Schläge waren zu vernehmen. Im Zeitraum von Sekunden war dann aliles geschehen. Wie ein Blitz flammten mit einem Schlage riesige Flammen auf und entwickelien weithin sichtbaren Rauch. Das Unglück wurde von Leuten aus dem ganzen vorderen Ohmtal gesichtet, da man sich an das jeden Mittag gegen 2 Uhr von Kassel kommende Flugzeug direkt gewöhnt hatte.
Die Unfallstelle war bis zur sinkenden Nacht hinein das Ziel tausender von Zuschauern, die aus der ganzen Umgegend mit Autos, Motor- und Fahrrädern und zu Fuß herbeieilten. Von dem Apparat blieb auch kein Stückchen mehr ganz. Alles verkohlte restlos und nur Teile des Schwanzes und der Motor blieben zusammengeschmolzen liegen.
Wie ferner gemeldet wird, handelt es sich bei den sofort Getöteten um die Herren Dr. Milch aus Frankfurt a. M., Flugzeugführer Dörr aus Darmstadt, Bordwart Zhlow aus Magdeburg. Zn der Marburger Klinik verstärken Prokurist Kullmann aus Hannover-Linden und Stadtobersekretär Bauer aus Hofgeismar bei Kassel.
Die Uriglücksmaschine.
Bei der Maschine der Luft-Hansa Nr. 206 handelt es sich um eine der üblichen mittelgroßen, modern konstruierten Flug- dienstma'chinen, die lange Zeit allein auf dieser Strecke, daneben aber auch auf anderen Strecken ihre vollkommene Lufltüch- tigfeit bewies. Auch die Person des Führers Dörr gab die Gewähr, daß ein kaltblütiger Mann am Steuer saß, der stets die Maschine beherrschte und auf seinen Fahnen vom Glücke begünstigt war. Dazu kam noch, daß zufällig auch Monteur Fhlow von Kassel nach Frankfurt fahren wollte. Dieser als alter Luft-Hansa-Zahrer war für den Führer in den Minuten der Ge-
lFortsetzung siehe Seite 2.1
Sie WnlMit über Srchier
Paris, 27. Juli. (TA.) Zu der Rede des französischen Ministerpräsidenten über Orchies erfährt die Telegraphen-Anion von maßgebender Teste:
Der französische Ministerpräsident hat wieder einen großen Teil seiner Aus» führungen der Vergangenheit gewidmet. Er meint, die Vergangenheit erst dann in den Archiven der Geschichte ruhen lassen zu können, wenn Deutschland aufhör«, seine Schuld am Kriege und die Greuel- taten deutscher Truppen zu bestreiten. Aur für sich selbst nimmt er das Aecht in Anspruch, „falsche Darstellungen zu widerlegen", um den Glauben an sie in der Oef- fentlichkeit zu zerstören. Einensolchen Anspruch auf einseitige Feststellung der Wahrheit wird niemand dem französischen Ministerpräsidenten zuerkennen. Wenn auch bei dieser Gelegenheit davon abgesehen werden kann, auf seine bekannten allgemeinen Behauptungen über die Schuld am Kriege nochmals einzugehen, ist es doch notwendig, auf den Test seiner Ausführungen zu antworten, in dem er konkrete Vorgänge aus der Kriegszeit schildert und bestimmte Vorwürfe gegen die deutsche Armee erhebt.
Es handelt sich hierbei um die Ereignisse, die sich in den Tagen vom £3. bis 25. 25. September 1914 in Orchies abgespielt haben. Wir besitzen über diese Ereignisse urkundliches Material,
das wir jederzest der Oeffentlichkeit unterbreiten können. Darunter befinden sich namentlich: ein Auszug aus dem dienstlichen Bericht des Führers der bei den Vorgängen beteiligten Abteilung der freiwilligen Krankenpflege vom 26. 9. 14; ein ausführlicher Bericht des französischen Krankenpflegers Z. (San* don vom 26.9.14,der vom Konnte des Roten Kreuzes in Lille nach Orchies entsandt war; eine kürzere schriftliche Aussage des französischen Pfarrers Louis D u c r o q u e t; die eidlichen Aussagen der deutschen Aerztedes beteiligten deutschen Bataillons. Aus diesen Berichten ergibt sich in voller Klarheit und Bestimmtheit folgendes Bild der Ereignisse:
„Am 23.9.1914 fährt eine Kolonne von sieben Automobilen der freiwilligen Krankentransport-Abteilung der 7. deutschen Armee von St. Amand nach Orchies, um in der dortigen Gegend, wie schon mehrmals in den Tagen zuvor, deutsche und französische Verwundete aufzusammeln und der Pflege zuzuführen. Sie wurden, obwohl sie weithin sichtbar das Abzeichen des Roten Kreuzes führten, und obwohl sie nach ihrer ganzen Zusammensetzung ohne weiteres als Sanitätsformation zu erkennen waren, aus dem Orte Orchies von einer größeren Anzahl französischer Soldaten und Zi- vilisten heftig beschosse.n. Wegen dieses groben Dölkerrechtsbruches unternahm am 24. 9. 14 das Landwehr- Bataillon 35 eine Expedition gegen Orchies. Es stieß dabei jedoch auf starken Widerstand und muhte unter Zurücklassung von 8 Toten und 35 Vermißten zurückgehen. Daraufhin erhiest am 25.9.14 das erste Bataillon des 1. Bayerischen Pionier-Regiments den Befehl zur Ausfühurng der Expedition. Bei seiner Ankunft in Orchies war der Ort nahezu leer, denn die Bevölkerung war inzwischen unter Führung des Bürgermeisters entflohen. Den einrückenden deutschen Soldaten bot sich ein furchtbarer Anblick. Sie fanden 21 von ihren Kameraden, die am Tage zuvor verwundet oder unverletzt in Gefangenschaft geraten waren, als furchtbar ver * stümmelte Leichen vor. Ob die Täter französische Soldaten oder FranftireurS «waren, oder wie der eine ftanzösische Geistliche in seiner Aussage vermutet, Tur* kos waren, kann dahingestellt bleiben. Ze-