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Mnkag, len U. Zult 1927

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Die Unwetterkatastrophen -auern an

Sonntag nachmittag erneute Sewiller und Wolkenbrüche «der Berggießhübel und Mgegend

Sestern nachmittag brach ein neues star, K Gewitter über Berggießhübel und Ums jegeith Herrin. Ueber eine Stunde lang «die das Wetter. Unendliche Wassermev- Itn strömten hernieder. Die Gottleuba wd alle Zuflüsse schwollen aufs Neue an. ffie Straßen wurden unter Wasser gesetzt, tzoch in der Nacht trafen Reichswehrmann- tzasten ein, vor allem auch die Technische lothilfe ein, um zu helfen. Da alle drei läcker im Orte ertrunken oder erschlagen norden find, droht eine Hungersnot. Ren hat Feldküchen herbeigeholt, ebenso ßehrungsmittel aus den umliegenden Ori- haften, namentlich aus Pirna, herbeige- hafft. Die Reichswehr ist mit Aufbietung Ler Kräfte an den Bergungsarbeiten, kas Reichsbanner, der Zungdo, der Stahl- elm und der Rote Frontkämpferbund be- riligten sich mit sämtlichen verfügbaren Lennschaften an den Rettungsarbeiten. Auch über Chemnitz und Umgegend ging eitern mittag ein neuer Wolkenbruch nie- er. Gewitter von ungeheurer Heftigkeit »tludrn sich eine Stund« lang über der Stabt. Am schwersten heimgesucht wurde «s mittlere Erzgebirge, wo der Landwirt- Hast riesiger Schaden zugefügt ist. Aus le« Teilen des Erzgebirges laufen schreckensnachrichten über die neuen Un­bester ein. Zn der Gegend von Limbach, lnrgstädt und Hohenstein-Ernsttal hat das stwetrer besonders schwer gehaust. Kilo- •eterroeit gleicht die Landschaft einem gro- Mt See. Alle tiefer gelegenen Ortschaf­en und Chemnitz stewen mit Wohnhäusern ®b Fabriken unter Wasser, das zum Teil hten Meter hoch steht.

$ kohMpsor ter teilen Sein IMe In Berggießhübel

Berggießhübel, 10. Juli. Soeben *t der Stadtrat von Berggießhübel die kl« amtliche Liste der bei der Unwetter- stastrophe ums Leben gekommenen Nerso- *ft ausgestellt. Nach dieser Liste sind bis- « 82 Einwohner von Berggießhübe', 3 ■ntmetgäite und 8 ortsfremde Kapelar- 'iter als tot festgestellt, also insgesamt in Berggießhübel 93 Todesopfer, ist es immer noch nicht ausgeschlosien, 8 diese Liste sich vergrößern wird.

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Hochwasserunglück im Gottleubatal ‘ »vch furchtbarer, als eS die ersten Mel- vermuten ließen. Am schlimmsten. ” das kleine Städtchen Berggießhübel « Gotrleubatal gelitten, das 1300 Ein- ■"Mner zählt. Die Staatsstraße, die durch ».Gottleubatal und das Städtchen führt, lchon eine weite Strecke vor dem Städd» ungangbar. Uebermannshohe Trüm- von Felsen, Bäumen, Mauerresten, '-"gerät usw. versperren vollständig die und bieten einen furchtbaren An- 7‘. Inmitten der Stadt ist fast fein , ur unversehrt. Etwa 20 Häuser «b spurlos vom Erdboden ver­bunden.

.^«Freitagabend 9.10 Uhr setzte nach t. schwerem Gewitter zunächst ein mätzi-

, 9£n bi", der sich von Minute zu . "Ute verstärkte und nach einer l, u n d e schon Hochwasser zu Tal

, • Um 11.30 Uhr nachts etwa brach £tl*e Flutwelle über die immer noch w""g«loie Bevölkerung herein, und zwei "uren später rauschte eine Flutwelle |k"‘ "tlndestens vier Meter Höhe heran, ^unheimlicher Geschwindigkeit ver- ^afrshäuser, namentlich di« Leben»-

schwand ein Haus nach dem an­dern in den Fluten. Mit ihrem Mauer- und Balkenwerk stießen sie an an­dere Häuser und bereiteten ihnen ba»reiße Schicksal . An eine Hilfeleistung war gar nicht zu denken. In kurzer Zeit waren etwa 20 Häuser vollständig vom Erdbo­den verschwunden, während andere ein grauenvolles Bild der Zerstörung bilden.

Wie schnell das Unglück hereingebrochen ist, geht daraus hervor, daß in Brett­mühle bei Glashütte drei Männer beim Skat saßen,,die von den hereinbrechendem Fluten weggeschwemmt wurden und er­trunken sind. Versuche mancher Familien, über die Dächer noch eine Rettung zu fin­den, mißlangen, da in demselben Augetr- blick die Häuser in den Fluten verschwan­den.' Soweit feststeht, sind mindestens fünf

Familien vollständig vernichtet und aus­gerottet. Wieviel von den Sommerfrisch­lern, die sich bereits in dem Städtchen aufhielten, dem Unglück zum Opfer ge­fallen sind, läßt sich noch nicht feststellen. Jedenfalls war das Hauprfremdenheim Jo­han n-Georgen-Bad mitüber 50 Sommer­frischlern besetzt; von einem großen Teil dieser Sommerfrischler fehlt aber jede Nachricht. Keine Brücke über die Gottleuba ist begehbar; die meisten sind weggeschwemmt. Der Bahndamm ist unter« Pütt, auch die Bahnhofsgebäude -sind weggerissen, Bahngüter ver­schwunden, Bahnwagen umgestürzt usw. Wasser- und Elektrizitätswerk des Städt­chens ist vernichtet, so daß es ohne Wasser und Licht ist. Von keinem Gasthaus steht noch ein Stein auf dem andern. Auch die

Der irische Zustiz- und Außenminister erschossen ein Seiet tat Rache tat Sinnst Inet?

Son bau, 10. Juli. Drei Männer, die sich in einem Auto befanden, gaben auf den irifchen Justizminifter E' H i g g i n s, der mit feiner Gattin auf dem Wege zur Mesie nach Booterstomn in der Nähe von Dublin mar. mehrere Schüsse ab. Der Minister wurde von drei Kugeln in den Leib getrof, fen. Ein vierter Schuß verletzte ihn am Kopfe. Kurze Zeit nach dem Attentat ist O'Higgins seinen Verletzungen erlegen.

ft. London, 11. Juli. Zu der Er­mordung des irischen Ministers O'Higgins meldet das Reuterbüro: Im Zusammen­hang mit der Ermordung fand gestern Abend eine Kabinettssitzung statt. Bei dem plötzlichen Regierungswechsel war- O'Higgins außer zum Zustizminister auch zum Minister des Aeuheren ernannt worben und in dieser Eigenschaft hatte er an der Völkerbundstagung in Dens teilgenommen, von wo er erst am Freitag zurückgekehtt war.

O'Higgins war von 7 oder 8 Revolver­schüssen getroffen. Der tödlich 'Verletzte gab klar und deutlich seinen letzten Willen

bezüglich seiner Familie und seines Eigen­tums kund. Wie die Blätter melden, er­klärte der Minister, als er auf der Erde lag: „Man hat auf mich geschossen, ich fühle, daß ich sterbe. Ich habe mich immer um -LaS Wohl Alands bemüht und ich vergebe denen, die diese Tat begangen haben."

„Daily Expreß" erinnert daran, daß während der Zeit, in der O'Higgins Justiz« Minister war nicht weniger als 77 Au f - ständige hingerichtet wurden.

„Morning Post" zufolge ist eine amtliche Erklärung des Generaladjutanten der republikanischen Armee ergangen, wonach der Generalrat und der Stab des Großen Hauptquartiers jede Kenntnis von dem Anschlag und jede Verantwortung dafür bestreitet.

O'Higgins war während der irischen Un­ruhen verhaftet und eingekerkert worden. De Valera ernannte ihn zum Assistenten CoSgraves. O'Higgins zog sich aber die Feindschaft der Sinnfeiner zu, als er im Jahre 1921 die Unterzeichnung des eng­lisch-irischen Vertrages befürwortete. Im Jahre 1922 ist sein Vater ermordet worden.

Mittelgeschäfte, sind den Fluten zum Opfer gefallen. Das Städtchen hat in sieben Jahren bereits dreimal unter Hochwasser zu leiden gehabt, aber ein svlches Unglück war nichr zu erwarten und ist in der Kalastrophengeschichre Sachsens und auch wohl ganz Teulschtands ohne Beispiel. Die Gottleuba hat sich bei dem reihenden Wasser ein vollständig neues Bett gesucht, so daß ihr Lauf völlig neu festgestellt werden muß. An den Ufern des nvch immer reißenden Wassers liegen Vieih- kadaver, da eine Reihe von Gütern unb Wirtschaften teilweise zerstört sind und das Forsthaus Haselberg vollständig ver­schwunden ist. Man hat beobachtet, daß zunächst eine Windhose von Schönwald über die Lande brauste, der ein Wolken­bruch folgte, von dessen furchtbaren Folgen namentlich das Städtchen Berg­gießhübel betroffen worden ist.

Auch andre Städte im Gottleubatal, wie Liebstadt, Glashütte und Welfenstein, haben schwer gelitten. In W e e f e n ft e i n sind mindestens sechs Personen er­trunken unb von den Fluten fortgespült worben. Ein noch größeres Unglück würbe nur bab'irch vermieden, baß in Glashütte bet Nachtzug nach Pirna angehalten werben konnte, so baß er nicht in bie Fluten stürzte. Die Einwohnerschaft des schönen StäbtcheuS Berggießhübel ist vollstänbig niebergeschmettert.

Dresden. 10. Juli. In de« am fchwerften heimgesuchten Berggießhübel waren bi» heute mittag 86 Leichen aufge­bahrt. doch steht die Zahl, der Vermißten

auch hier noch nicht fest. Es wird leider damit zu rechnen fein, daß die Gesamtzahl der Toten in dem von Unwetter heimge­suchten Gebiet 100 weit übersteigen wird. In Pirna hat der Stadtrat gestern eine außerordentliche Trauersitzung abgehalten, in der eine Hilfs- und Rettungsaktion ein­geleitet wurde. Die öffentlichen Gebäude in Pirna haben Halbmast geflaggt. Die Rot ist groß und schnelle Hilfe dringend notwendig.

Unwetter in Weftsachse«.

Leipzig, 9. Juli. In Westsachsen und den angrenzenden Teilen von Thü­ringen wütete in den heutigen Nachmit­tagsstunden ein heftiges Unwetter. Die Flüsie traten über die User. Besonders schwere Hochwasserschäden werden aus dem Gebiete der Zwickauer Mulde gemeldet, wo das Wasier ungeheure Verwüstungen anrichtete. Auch die Elster und die Pleiße sowie ihre Zuflüße führen Hochwasser, so­daß viele Orte an den unteren Flußläufen bedroht find. Besonders schwere Hoch- wasiergefahr besteht für Groitzsch. Durch Blitzschläge wurden in Taucha und Meusel­witz zwei Personen getötet. Die Bahn­strecke Leipzig-Hof war durch einen Damm­bruch mehrere Stunden gesperrt. Der Ver­kehr konnte nur durch Umleitung der Züge aufrecht erhalten werden. In den Abend­stunden konnte der Verkehr eingleisig wie- ßen Jahreszeit. Vieh und auch Kleintiere der ausgenommen werden.

Der Rklckslag bis zum 26. Seo temtar vertagt

Am Sonnabend haben die Reichstags­ferien begonnen. Die große Wintertagung wird diesmal erst sehr spät ihren Anfang nehmen, da, wie bereits gemeldet, inzwi­schen im September oder Anfang Oktober eine kurze Sondertagung des Plenums stattfinden soll. Der Reichstag begann seine letzte Sitzung am Sonnabend schon früh. Hauptgegenstand der Beratungen bildete die dritte Lesung der Zollvorlage, die keinerlei Schwierigkeiten mehr bot. Während die Kommunisten am Freitag noch Obstruktionsversuche gemacht mit dem Erfolg, daß die Beratungen in die Sänge gezogen wurden, ohne daß dadurch das Ergebnis der Abstimmung im Sinne der Opposition irgendwie beeinflußt werden konnte, ist ihnen bei der letzten Lesung hierzu die Möglichkeit von vornherein da­durch stark beschnitten gewesen, daß von jeder Partei nur ein Redner zu Work kam. Die Regierungsparteien waren überein­gekommen, die Debatte noch dadurch wesentlich abzukürzen, daß sie eine gemein­same kurze Erklärung abgaben, die der deutschnationale Abgeordnete Thomsen zur Verlesung brachte.

Die Zollvorlage in der Gestalt, wie sie jetzt Gesetz wird, stellt ein Kompromiß dar. Vorläufig, d. h. bis zum Ablauf der Wahlperiode dürfte damit die Zollfrage erledigt sein. Die Erklärung der Regie­rungsparteien deutet aber bereits an, daß es sich hierbei nur um eine vorläufige Regelung handeln kann. Es wird voraus­sichtlich die Aufgabe des neuen Reichs­tages im nächsten Jahre sein, die schon seit, langem geplante große Zollresorm durchzuführen. Die Vorarbeiten hierzu sind schon im Gange. Insbesondere wird das Ergebnis der Arbeiten des Enquete- Ausschusses, der seit ungefähr einem Jahre die Produkttons- und Abfatzverhältnisse der deutschen Wirtschaft genauen statisti­schen Antersuchungen unterzieht, hier von großer Bedeutung sein.

(Äne Reihe von Aufgaben, deren Er­ledigung man vor der Sommerpause des Reichstages erwartet hatte, sind überhaupt nicht in Angriff genommen worden. Da­zu gehört vor allem das Reich sschul- g e s e tz. Wie man hört, sollen die Be­ratungen im Kabinett jetzt so weit gediehen sein, daß die Vorlage in der kommenden Woche dem Reichsrat zugeleitet werden kann. Der »Meichsrat würde dann die Aufgabe haben, die Vorlage soweit vor­zubereiten, daah sie der Septembertagung des Reichstages zur Behandlung zugeleitet werben könnte. In parlamentarischen Kreisen ist man hinsichtlich des Schicksals des Reichsschulgesetzes heute pessimistischer denn je. Es wird sogar die Ansicht ver- tteten, daß es dem Reichsrat kaum mög­lich sein werde, bis zum September diese juristisch, politisch und kulturell außer­ordentlich schwierige Materie durchzuarbei­ten, sodaß noch keineswegs sicher sei, ob Reichspräsident Loebe Ende September in der Lage sein werde, das Plenum des Reichstages zur ersten Lesung der Reichs- schulgesetzvorlage einzuberufen. Ja, es gibt angesehene, erfahrene Parlamentarier, die der Ansicht sind, daß das Zustandekommen des Reichsschulgesetzes in der laufenden Wahlperiode überhaupt noch sehr zweifel­haft sei. Und in der Tat, wenn die ge­plante Sondertagung im Frühherbst schei­tern sollte, dann wird es sehr schwer sein, das Reichsschulgesetz im nächsten Winter in allen Instanzen durchzubringen. Die im Winter im Vordergrund stehenden Etatberatungen und die Vorbereitung für die kommende Wach! werden die Zeit und das Interesse des Reichstages derattig beanspruchen, daß für große gesetzgeberische Aufgaben kaum noch Raum bleiben wird.

Von den übrigen Vorlagen, die der Reichstag entgegen den gehegten Erwar­tungen nicht erledigt hat, seien zum Schluß nur noch kurz erwähnt das Liqui- dationsgesetz, das Schau kstättengesetz und rs Spiritusmotwvolaesetz,