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SmnerStag, Hfl 7. guli 1927

mt ^vberhefflsch« Bettung" et- HMt sechsmal wöchentlich. Ve- «lg«preis monatlich 2 SM. aus» Mitt?L Zustellung«gebühr, durch ^t«Post2^5 SM.Aür etwa infolge Htreik«, Maschinen defekt« »der elementarer Ereignisse ausfallend« Kummern wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag v. Vr. §. -itzervth, Druck der Unib.-iöuchdruckerr! d. Aoh. Ang. Koch. Markt 21/23. Aernsprech«: Rr. 54. tu Rr. 55. «ostscheckkonl»; Amt Frankfurt

M. Rr. 5015. — Sprechzeit I# Redaktion Omi 10—11 na»

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Schweres GLsenbahmrnslück im Harz

rckmolwe und zwei Wagen der Sarz-Suerbabn ins Wasser geilürzl — Btsder 9 Ale sesnnden

ft Wernigerode, 7. Juli. Die Direktion der Nordhausen—Wernigeroder Nkenbahn teilt mit:

Mittwoch nachmittag 17,40 llhr ent­gleiste infolge Dammrutsches inTeildesZugeslO4, von Nord- ausrn—Venneckenstein—Braunlage kom, «end. Gegen 15 llhr brat* in dem nörd- lichen Harzgebiet eine Wetter- atastrophe aus. die in kurzer Zeit le» Thumkuhlerbach zu einem reitzenden Strom anschwellen liest. Eg bildete sich vor lern Bahnübergang eine Wasserstauung Nit Wasserwirbeln, wodurch vermutlich irr untere Teil des Dammes unterspült ! wrde. sodast im Augenblick des Hin-

bersahrens des Zuges der Lamm zusammenbrach.

Mit Rücksicht auf die Hochwassergefahr inb die, teilweise lleberflutung der Schie­lt» war die Lokomotive außer mit dem Kaschinenpersonal noch mit einem Re- lierungsbaumeister und einem er­fahrenen Bautechniker besetzt wor- r». Der Zug wurde in langsamer Wahrt zu Tal geführt. Trotzdem

«t die Vorstchtsmastnahme das Unglück richt verhindern können.

Das . Lokomotivperfonal, Lokomotiv­führer Gierke und Heizer Schmidt aus Nordhaufea und Reglerungsbau- meister Meyer und Bautechniker Lothe, beiden aus Wernigerode, f a n- dea den Tod. Auster der Maschine sind ein Packwagen und ein Per­sonenwagen abgestürzt. Leider stnd auch aus dem Personenwagen einige Passagiere tödlich ver­unglückt.

3m Krankenhaus Wernigerode find 10 verletzte untergebracht. Lebensgefahr M für keinen der Verletzten vorliege». Durch das vorfichtige Fahren und das schnelle Wirken der Bremsen sind die Lbri- sse» Wagen sofort zum Stehen gebracht werden, sodast Verletzungen in diesen Ma­ssen nicht vorkamen, peber die tödlich »rrunglückten Fahrgäste können Personal- angaben noch nicht gemacht werden, weil ^Wasserfluten die Feststellung verhin-

st. Blankenburg, 7. Juli. Wie ein Augenzeuge zu dem Unglück auf der Harz- Luerbahu berichtet, sollen bisher, auster ^r» 4 Personen vom Personal, 5 Passa- |iece als Leichen geborgen roots *e» ein. Die Wasiermasien des Thum- ^llkrrbaches haben die Leiche« hnn- *"te von Metern weit «egge- l'iilt.

Stt Bericht eines AusenzenM

Don einem Augenzeugen, der die Fahrt dem verunglückten Zug mitgemacht wird folgende Schilderung gegeben:

^er Zug, der neben dem Packwa- sstn noch sieben Waggons mit sich führte, kurz nach 6 llhr von der Station ^seiannen- Hohne in langsamer Fahrt ab. Drnter dieser Station befindet sich ein gro- I?1 Tunnel. Der Zug hatte eben diesen Hunnel passiert, als die Lokomotive plötz- ins Rutschen geriet und bei einer Bie­

gung aus dem Geleise heraussprang. Ich selbst stand auf der Plattform des dritten Wagens, als der Wagen zweiter Klasie vor mir sich loslöste und mitsamt der Lo­komotive und dem Packwagen d i e Böschung h i n a b st ü r z t e. Gleich­zeitig legte sich der Wagen, in dem ich war. langsam zur Seite und kippte um. Ich fiel von der Plattform herunter und blieb wie durch ein Wunder unverletzt. Das Umschlagen des Wagens, in dem ich mich befand, hatte glücklicherweise verhin­

dert, dast die fünf weiteren Wagen, die alle voll besetzt waren, ebenfalls die Böschung herabstürzten. Im nächsten Augenblick, als der Wagen umgestürzt war, entstand eine furchtbare Panik. Alle Fahr­gäste liefen aus den Wagen ins Freie und rannten laut schreiend umher. Von der Lokomotive, dem Packwagen und dem Wa­gen zweiter Klasie sah man tief unten, mehr als 100 Meter unterhalb der Unfallstelle, die Trümmer aus dem Wasser ragen.

Prinz

tödlich munglM

Bei einer «prinskenklimnz in Luzern

Berlin, 8. Juli. Prinz Friedrich Sigismund von Preuhen, der am Sonntag beim internationalen Reitturnier gegen Vertreter von 8 Nationen in der Olym­piade-Vielseitigkeitsprüfung den 1. Pre's errungen hatte, hat im weiteren Verlauf des Turniers einen schweren Unfall erlit­ten. Sein Pferd scheute und warf den Reiter ab. Der Prinz blieb im Steig­bügel hängen und wurde vom galoppieren­den Pferde mitgeschleift. Dabei trat ihn das Tier einige Ma e aus Brust und Leib. Als es gelang, das Tier einzufangen, war der Prinz bewustt.os. Er erlitt schwere Quetschungen der Lunge und innere Ver­letzungen. die eine Operation notwendig machten. Dabei wurde festgestellt, dast d:r Prinz 5 Rippen gebrochen hat und die Le­ber eingerisien ist.

L u z e r n. 6. Juli. (5.30 Uhr.) Prinz Friedrich Sigismund von Preuhen ist heute nachmittag an den Verletzungen, die er sich bei dem Sturz gelegentlich des 2«- ternationalen Pferderennens zugezogen hatte, gestorben.

M Wtn Slundm des Prmzen

Hebet ben Hergang des Anfalls des Prinzen Sigismund werden folgende Ein­zelheiten gemeldet:

Das Pferd des Prinzen blieb beim Neh­men eines schwierigen Hindernisses mit der Hinterhand hängen und kam zu Fall, wobei der Reiter so schwer verletzt wurde, daß er bewußtlos liegen blieb.

Erst nach geraumer Zeit wurde man auf den Unfall aufmerksam und fand den verunglückten Prinzen auf. Der Prinz wurde zweimal operiert. Nach der zweiten Operation sind Kom­plikationen eingetreten, die am gestrigen Nachmittag den Tod des Verun­glückten zur Folge Hane. Außer fünf Rippenbrüchen und einer Leberzerrung soll der Prinz sich auch einen Darmbruch zu- gezogen haben.

Er verschied bei vollem Bewutztsei«. . Die an dem Reitturnier in Luzern be­teiligten deutschen Reiter haben zum Zei­

chen der Trauer ihre weitere Teilnahme an dem Turnier abgesagt.

♦

Prinz Friedrich Sigismund, der ein Alter von sechsunddreißig Jahren er­reicht hat, war ein Sohn des Prinzen Friedrich Leopold. Gemeinsam mit sei­nem im Felde als Flieger gefalle­nen Bruder Friedrich Karl begei­sterte er sich schon in früher Jugend für jeglichen Sport. Die beiden Brüder zeichneten sich bald als Hockeyspieler, Fuß­baller- und Leichtathleten aus. Prinz Friedrich Karl war bekanntlich jahrelang der Schlußmann der damals unschlagbaren Potsdam—Berlin-Mannschaft des Ber­liner Spotzt-Clubs. Nach dem Kriege wandte sich Prinz Friedrich Sigismund dem Turniersport zu, in dem er, Schüler des vortrefflichen Oberst Kraehe, bald eine erste Rolle spielte. Die reiter­lichen Erfolge des in Sportkreisen unge­mein beliebten Prinzen häuften sich, und bald brachte er es auch in der schwereren Kunst, seine Pferde selbst für große Auf­gaben zu schulen, zu hoher Meisterschaft. Als im vorigen Jahre die deutschen Rei­ter zum ersten Male wieder gegen beste ausländische Gegnerschaft in Luzern und Hilversum antraten, war es Prinz Fried­rich Sigismund, der aufsehenerre­gende Erfolge davontrug, und vor wenigen Tagen erst gewann er auf Hei­liger Speer die Olhmpiade-Bielseitigkeits- Prüsung des Luzerner Reitturniers gegen die besten Turnierreiter Europas. Für die Amsterdamer Olympiade 1928 galt er als unsere stärkste Waffe, und um seine Pferde und sich selbst für diese große Ausgabe mit allem Ernst und allem Eifer, die ihn in seiner sportlichen 'Betätigung auszeichne- ten, vorzubereiten, hatte er auf seiner mecklenburgischen Besitzung Kölzol Trai­ningsanlagen geschaffen, die in der Tat in Europa nicht ihresgleichen haben.

Dort lebte der Prinz in den Sommer­monaten ein Leben, das feinem Sport, seinen Pferden und feiner Familie gehörte. Seine Gattin, eine geborene Prinzes­sin Schaumburg-Lippe, teilte die sportlichen Passionen ihres Mannes in vollem Maße; sie selbst zählt zu unseren erfolgreichsten Turnierreiterinnen. Eine neunjährige Tochter und ein Sohn von acht Jahren sind - dieser Ehe entsprossen.

Sie Bekletzle»

* Wernigerode, 6. Juli. Außer einigen 'nach Anlegung von Notverbänden wieder 'Entlassenen sind neun Personen mehr oder 'weniger schwer verletzt dem Krankenhaus zu­geführt worden. Ähre Namen sind: Frau Kabelik aus Guthleben bei Nordhausen, Frau Frieda Balke aus Derlin-Köpenik. Herr Rosenhagen aus Berlin N. 15, Frau Salomon aus Wittenberg (Dez. Potsdam). Herr Leon­hardt aus Lingen a. Ems, Herr und Frau

Brabant aus Wittenberg (Dez. Potsdam) und der 18 jährige Willi Hilder aus Hildesheim. Lebensgefahr scheint bet keinem der Verletzten zu bestehen.

Vom Blitz erschlagen.

ff. Blankenberg, 7. Juli. Durch Blitz wurden in Elbingerode gestern ein Hirte und 15 Stück Jungvieh erschlagen. Das Vieh ist dann von den Wasiermasien nach Wernigerode abgetrieben worden. ■

zur Frage der MielSerWung

Berlin, 6. Juli. Zu der Meldung der „Vossischen Zeitung", daß Mietser­höhungen bis zu 160 Prozent zu erwarten seien ,wird von zuständiger Stelle mitge­teilt, daß diese Meldung jeder Grundlage entbehrt. Die sogenannte Denkschrift, von welcher in der Meldung die Rede ist, ist ein Referentenentwurf, der schon seit län­gerer Zeit gefordert worden war und im Mai dieses Jahres den Wohnungsressorts der Länder und dem Wohnungsausschutz des Reichstages zugänglich gemacht wor­den ist. In einem Abschnitt dieses Re­ferentenentwurfs befindet sich in einer theoretischen Erörterung der Satz, datz die Neubaumieten sich auf 13 0 bis 160 Prozent der Friedensmiete stellen werden. Es wird aber hinzugefügt, datz eine Herabsetzung dieser Sätze wünschens­wert sei. Wiederholt wird bei dieser Ge­legenheit, datz vor dem 1. April 1928 eine Steigerung der Mieten über 120 PrtMNt nicht in Frage kommt.

Sie z»MderuflM

Erklärungen Schieles vor dem Reichstagsausschutz.

'Berlin, 6. Juli. Der handelspolitische Ausschuß des Reichstages beschäftigte sich heute mit den Gesetzentwürfen über Zoll­änderungen.

Abg. Höllein (Komm.) fragt die Re­gierung, wie sie sich die 'Auswirkungen der Zolländerungen denke. Der Redner begründet dann im einzelnen Anträge, die im ganzen auf Zollfreiheit für Lebensrnittel hinauSgehen und eine sofortige Deseitigung der Jndustriezölle fordern.

Reichsernährungsminister Schiele sieht keine ungünstige Auswirkung des autonomen Zolltarifes voraus, der hier beantragt ist, denn die Reichsregie­rung werde jede Gelegenheit benutzen, den autonomen Zoll in einen Dertragszoll umzu­wandeln. Gegenwärtig seien die Getreide­preise rückläufig. Außerdem hätten wir ab 15. 12. bis Ende Juni einen Einfuhr­überschuß von 283 586 Tonnen Roggen. Man kommt in das neue Jahr also noch mit lleberschüssen, den die In­haber zu dem gegenwärtigen Preise schwer unterbringen können. Der vorgeschlagene K a r- toffelzoll werde keinen wesent­lichen Einfluß auf den Preis haben. Der Kartoffelzoll berge eine Gefahrenzone. Diese läge im Oste n. Dort seien im Jahre 1926 50OOO Hektar weniger mit Kar­toffeln angebaut, weil der Kartoffek- bau unrentabel sei. Das entspreche einer Menge Kartoffeln, die die gesamte Brutto­einfuhr an Kartoffeln übersteige. Der geforderte Autonomietarif bedeute eine Steige­rung von nur L/t Pfennig pro Pfund Kartoffeln. Ser Fleischkonsum sei bei uns merklich hinauf­gegangen und erreichte bald den der Dor­kriegszeit.

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öomMfld ReichstflgMlutz

fk. Berlin, 7. Juli. Mehreren Blät­tern zufolge rechnet man in parlamentari­schen Kreisen bestimmt damit, daß der Aeltestenausschuß des Reichstages heute den Abschluß der Reichstagsverhandlungen für diesen Sonnabend beschließen wird. Der interfraktionelle Ausschuß der Regie­rungsparteien beschäftigte sich gestern mit der Frage b-es Verfassungstages; da eine Einigung innerhalb oer Regie, rungsparteien nicht erzielt werden konnte, wurde beschlossen, heute im Rechtsausschutz die Vertagung der Frage zu beantragen.

Auch soll das LiquidationSschä« dengesetz kaum mehr für diese gegen­wärtige Tagung in Frage kommen.

Was das Zolltarifgesetz aube- trifst, so wird damit gerechnet, daß da» Gesetz am Freitag und Sonnabend in 8, und 3. Lesung im Plenum erledigt werde» könne.

Tie Frage der Behandlung des R e i ch », schulgesetzes ist noch offen.