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SMcher Reichstag
Berlin, 5. Juli. Präsident L oebe erinnert bei der Eröffnung der Reichstagssitzung daran, daß Fmm -Zetkin heute ihren 70. Geburtstag feiert. Er bittet die Freunde der Frau Zetkin, die gegenwärtig in Rußland weilt, ihr die Glückwünsche des Reichstags zu übermitteln.
Auf der Tagesordnung steht die erste Beratung des Gesetzentwurfes über das Washing- wner Llebereinkommen über die Beschäftigung der Frauen vor und nach der Aiederkunft und eines Gesetzentwurfes, der im Sinne dieses Llebereinkommens die arbeits- rechtlichen Dorschriften ändert. Ohne weitere Debatte werden die Dorlagen dem sozialpolitischen Ausschuß überwiesen.
Hierauf wird die zweite
Beratung des Arbeitslosenversicherungs- gefetzes
fottgesetzt.
Abg. Aufhäufer (Soz.) betont, der vor- üegende Gesetzentwurf würde gar nicht möglich sein ohne die große Dorarbett der deutschen Gewerkschaften und der sozialdemokratischen Pattei. Während die Deutschnationalen sich int Ausschuß völlig passiv verhielten, haben die Sozialdemokraten entscheidenden Einfluß geübt auf die Gestaltung dieses wichtigen Gesetzes, das sich trotz mancher noch vorhandenen Mängel durchaus sehen lassen kann. Wir Haben im Gegensatz zu den im ersten Entwurf vorgesehenen Landeskassen eine Reichsanstalt $ um Versicherungsträger gemacht. Daß das nötig war, hat geratze der gestrige Einspruch des bayerischen Regierungsvertreters betrügen. Der Redner begrüßt die Dorlage als einen bedeutsamen sozialpolitischen Fortschritt.
Abg. Lambach (Dn.) meint, die Sozialpolitik der vielgeschmähten Bürgerblockregierung müsse doch nicht so reaktionär sein, wenn sie sogar die Zustimmung der Sozial- denrokratte finde. Die mit der kaiserlichen Botschaft von 1884 eingeleitete deutsche Sozialpolitik Hot schon vor Jahren ohne Beteiligung der Sozialdemokraten einen großen Sieg in der ganzen Welt gehabt. Die Einführung der Arbeitslosenversicherung an Stelle der Erwerbslosenfürsorge sei eine alte Forderung der Deutschnationalen, ebenso die jetzt eingeführte Einteilung in Lohnklasfen.
Abg. Andre (Ztr.) erklätt, in allen Parteien gebe es sozial-politisch verständige Menschen. Man sollte deshalb bei der Sozialpolitik die Parteipolotik zurückstellen. Ohne Hie sozialen Dersicherungsträger würde der Stand der deutschen Volksgesundheit weit schlechter sein, ohne sie müßten die Arbeitseber auch weit höhere Löhne zahlen. Di« Sozialpolttik ertöte auch keineswegs den Spar- trieb in der Bevölkerung. Das sei durch die Erfahrung bewiesen. Alle Patteien sollten deshalb die von außen kommenden unberechtigten Angriffe gegen die Sozialpolitik zurückweisen.
Die jetzige Vorlage bringe eine« gewaltigen Fortschritt
tmd sie bedeute kaum eine neue Belastung, toil schon für Erwerbslosenfürsorge ähnliche Beiträge gezahlt werden müßten. Der Redner «ritt für großen Spielraum der Selbstverwaltung und für besondere Berücksichtigung »rr Kinderreichen und Kriegsbeschädigten ein. . Abg. Dr. Moldenhauer (St. Vpt.) Drückt die Anerkennung seiner Freunde für die musterhafte Arbeit des Ausschusses
der die Regierungsvorlage wesentlich "^bessert habe. Bei der Errichtung der ?tuen Reichsanstalr müsse auf straffe Zu- mwmenfassung und erprobte Sparsamkeit f^.der Verwaltung geachtet werden. ®e= FM« Schwierigkeiten ergäben sich daraus, S?B die Angestellten im allgemeinen die Asentlich-n Arbeitsnachweise nicht benutzen, ihre Verbände ausgezeichnete Stellen- ^chweüe haben. Wenn auch die allge- ?eine Einführung von Ersatzkas - ;.en sehr bedenklich wäre, so sollte man ue doch für die Angestellten zulassen. Die T^ursche Volkspartei werde dem dahin- sstzenden Antrag zustimmen. Die beste ^deitslosenfürsorge liege in einer guten MN«n- und Außenpolitik, die positive Ar- ermögliche.
z> ?^g. Schneider (Dem.) spricht seine gl^ledigung darüber aus, daß eine große Ml der bei der ersten Lesung geäußerten »Unld)e im Ausschuß erfüllt worden seien.
bayerische Regierungsvertreter habe »7 gestern mit einem Bchn auf die alte, f.7. °em anderen auf die neue Reichsver- ’^ung gestellt.
Sm einen -eutMen Nationalfeiertag
20 $ete bei bet anabhönoioftiteteter in Amerika
Berlin, 5. Juli. Im Rechtsaus- fchuß des Reichstages wurde heute gegen die Stimmen der Deutschnationalen. Deutschen und Bayerischen Volkspartei auf sozialdemokratischen Antrag beschlossen, sofort den demokratischen und sozialdemokratischen Antrag zu beraten., wonach der 11. August zum Nationalfeiertag erhoben werden soll.
Das Zentrum stimmte der sofortigen Beratung unter der Voraussetzung zu, daß der allgemeine Antrag des Zentrums über die Feiertage zugleich mitberaten werden soll.
Die Sozialdemokraten und Demokraten wandten sich in der Beratung gegen den Vorschlag des Zentrums, der dem 11. August folgenden Sonntag zum Nationalfeiertag zu erklären.
Im Rechtausschutz des Reichstages stellte Abg. Dr. Kahl (D. Vpt.), wie ergänzend zu berichten ist, den Antrag, daß der 18. Januar als gesetzlich geschützter Er- innerilngstag an die Rerchsgründung gelten solle. Für den Fall,.datz sein Antrag angenommen würde, könne er sich für seine Person auch durchaus bereit erklären, dem sozialdemokratischen-demokratischen Antrag seine Zustimmung zu geben.
Die Deutschnationalen ersuchten die Reichsregierung, zunächst einmal dem Ausschutz Material vorzulegen: 1. über die Gesetzgebung der Länder bezüglich der Feiertage, 2. über die wirtschaftliche Auswirkung der Feiertage, 3. über die Nationalfeiertage in anderen Staaten. Sie stellten außerdem den Antrag, datz der 2 8 Juni als der Tag der Unterzeichnung des Versailler Vertrages als Volk st raue r- t a g begangen werden soll, solange der Versailler Vertrag in Kraft ist. Die öffentlichen Gebäude sollen an diesem Tage Halbstock flaggen.
Die Kommunisten beantragten, den 1. Mai als gesetzlichen Feiertag einzuführen.
Als Vertreter Bayerns führte Gesandter von Preger aus: die bayerische Regierung werde es als Bruch einer früher gegebenen Zusage betrachten, wenn ohne
Zustimmung sämtlicher Länder der 11. August auf dem Wege der R e i ch s g e - setzgebung als Feiertag erklärt würde.
Ministerialrat Dr. Band mann gab namens der preußischen Staatsregierung folgende Erklärung ab:
Die preutzische Staatsregierung begrüßt den Gedanken, den Verfassungstag durch ein besonderes Reichsgesetz zum Nationalfeiertag zu erklären. Die Frage, ob. die reichsgesetzliche Anerkennung des 11. August als Nationalfeiertag ein verfassungsänderndes Reichsgesetz bedinge, ist von der preußischen Staatsregierung dahin beantwortet worden, daß eine Verfassungs- änderungnicht inFrage komme. Die Weiterberatung wurde auf Donnerstag, den 7. Juli vertagt.
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Neuqork, 5. Juli. Die anläßlich der Feier des Unabhängigkeitstages veranstalteten zahlreichen Feuerwerke haben im ganzen Lande viele Unfälle, namentlich mit Erblinden, herbeigeführt. Zwar find wenig Todesfälle zu verzeichnen, doch ist die Zahl der Erblindeten ziemlich groß. Im italienischen Mertel Neuyorks ereignete sich eine heftige Explosion durch eine weggeworfene Zigarette. die in einen mit Feuerwerkskör- psrn gefüllte« Korb fiel. Zn einem anderen Stadtteil entstand durch eine aus einem Hochbahnwagen abgefeuerte Rakete in einer alten Brauerei ein Brand, der einen Schaden von etwa y4 Million Dollars verursachte.
Ein Telegramm der »Chicago Tribüne" aus Neuqork berichtet, datz gelegentlich der Festlichkeiten zur Begehung des llnab- hängigkeitstages in den Bereinigten Staaten insgesamt 20 Personen ums Leben gekommen. davon 12 ertrunken und 8 überfahren seien.
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In Blähevu ist bekanntlich die alte Reichsverl.ffsung erst richtig anerkannt worben, als di« neue kam.
Bedenklich sei die Ausschaltung der Land- und Forsterbeiter, die bisher vielfach ohne Beiträge Erp>erbslosenfürsorge bezögen. Der gute Aufbau der Versicherung werd« leider verschnitten durch die Bestimmung, daß die Beiträge verschiedenartig nach den Bezirken festgesetzt werden können. So könne der Zustand eintreten, daß die Arbeiter für gleiche Leistungen ganz verschiedene Beiträge bezahlen müssen.
Abg. Beier (Wirlsch. Vergg.) begrüßt, daß aus der Fürsorge eine Versicherung mir Rechtsansprüchen werden soll. Die Syndikate und Kartelle sollten ihrer Wirtschaftskraft entsprechend stärker zu den Soziallasten herangezogen werden. Im Interesse des Handwerks müsse mit der Unsitte aufgeräumt werden, daß die Arbeitsämter arbeitslose Handwerker direkt an Private vermitteln.
Abg. Schirmer -(Bayer. Vpt.) weist darauf hin, daß die Stadt München den ersten öffentlichen Arbeitsnachweis eingerichtet habe. Das vorliegende Gesetz sei zu begrüßen und der Ausschuß habe gut gearbeitet, wenn auch nicht alle Mängel beseitigt werden konnten.
Abg. v. Ramin (Völk.) wünscht als Korrelat für die Unterstützung den Zwang zur Arbeitsleistung. Den Sozialdemokraten sei längst nachgewiesen, datz sie nicht nur die Arbeiter, sondern das Vaterland an den äußeren Feind verraten hätten. (Großer Lärm bei den Sozialdemokraten.- Vizepräsident Esser erteilt dem Redner einen Ordnungsruf..
MtetekWim btt 160 v. 8.?
Die „Boss. Ztg." weiß mitzuteilen, daß die Reichsregierung oder das Aeichswohlfahtts- minifterium soeben eine umfangreiche Denkschrift im Umfange von annähernd 80 Druckseiten fettiggestellt habe, die bisher nur den Mitgliedern des Wohnungsausschusses des Reichstages zugeleitet worden sei.
Die Schrift behandelt u. a. Fragen des Wohnungsbaus, insbesondere der Reuwohnungen und die zukünftige Mietgestaltung in den Altbauten. Ausgehend von der zu Anfang dieses Jahres beschlossenen Erhöhung der Altmieten auf zunächst 110 Prozent und ab 1. Oktober auf 120 Prozent der Friedensmiete wird in der Denkschrift gesagt, daß man gezwungen sein werde, im Saufe der Zeit entsprechend der wittschaflichen Entwicklung eine Stabilisierung der Qlltmieten auf 130 bis 160 Prozent vorzunehmen.
Deutfchenmord in Kattowitz.
Berlin, 5. Juli. Wie der „Lok.-- Anz." aus Warschau meldet, hat in Katto- Witz am Sonntagabend eine Bande von 26 Angehörigen des Aufständi- schen-Berbandes zwei deutsche Bür- er, die Brüder Opeldus, als sie sich auf der Straße deutsch unterhielten, überfallen und mit Messernbearbei- tet. Einer der Brüder wurde getötet. Todesurteil gegen 5 russische Ranbmörvor.
ff. Moskau, 6. Juli. In Artemows! im Tonezrevier wurden 5 Anführer der Raubmörderbande „Schwarze Maske" zum Tode und 10 Raubmörder zu Gefängnisstrafen verurteilt.
Die 8aoe in Wnn
fr. Loudon, 6. Juli. Aus Trinanfu wird berichtet, datz General Chow Yin Pen, der frühere Gouverneur von Fukien, der nunmehr das in Kaomi liegende Korps der Armee Suntichuanfangs kommandiert, zu den Nationalisten Lbergegangen ist und droht. Tsingtau anzugreifen. Eine Bestätigung des Uebertritts liegt allerdings noch nicht vor. aber da die Armee Suntfchuanfangs sich noch immer auf 50 000 Mann beziffern soll, von denen der größte Teil sich an der Peking-Tientsiner Eisenbahn zwischen Tsingtau und der Schantungfront befindet, ist die Loyalität seiner Streitkräfte für die Schantungverbündeten Tschangtsolius eine Angelegenheit von grötztcr Bedeutung.
60 MrWlUMN in Mskau
Riga, 5. Juli. Wie aus Moskau gemeldet wird, sind im Zusammenhang «nit dem Anschlag auf das Gebäude der G.P.U. 60 Personen verhaftet worden. Die G.P.äl. soll festgestellt haben, daß die Attentäter mit Emigrantenorganisationen und der polnischen Gesandtschaft in Verbindung standen.
Wie verlautet, soll der Attentäter Deckendorff bxreits erschossen worden sein. Offiziell wird diese Rachricht allerdings dementiert.
Rach weiteren Meldungen aus Moskau beabsichtigt die Sowjetregier-ung energische Maßnahmen zur Unterdrückung des ukrainischen Separatismus. Die , ukrainischen Parteiorganisationen und Äationaltruppenteile sollen aufgelöst werden. Ferner soll eine Einschränkung der Vollmachten der ukrainischen Regierung geplant sein.
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Genf, 5. Juli. Meldung der Schweizerischen Depeschen-Agentur. Die Konferenz der Seemächte ist in ein kritisches Stadium eingetreten. Es ist Tatsache, daß die bereits am ersten Tag aufgetretenen weitgehenden Meinungsverschiedenheiten über die Art der Deschränkung der Mattnerüstungen sich im Verlause der Besprechungen nur in wenigen Punkten geändert haben. Der amerikanische Admiral Jones hat heute bei einem Presseempfang zugegeben, daß es bisher nicht gelungen sei, in der Frage der Unterseeboote zu einer Einigung zu gelangen. Auch in der Frage der Kreuzer ist es bis zur Stunde zu keiner Einigung gekommen. In Anbetracht dieser Meinungsver- schiedenheiten herrsche in den Kreisen der Konferenz eine pessimistische Stimmung.
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Italien entschädigt die Opfer der Schießübung.
ff. Paris, 6. Juli. Der italienische Konsul in Chamiberi fordert im Hinblick auf die letzten Zwischenfälle auf dem Plateau von Monte Cenis alle Personen auf, sich mit ordnungsgemäß ausgestellten Pässen zu versehen, da die Grenzwächter Ordre erhalten haben, gegebenenfalls ganz entschieden vorzugehen. Was den durch die italienischen Artillerieschießübungen angerichteten Schaden anbetrifft, so erklärt der Konsul, daß die Uebungen einige Tage vorher angekündigt worden seien. Die Räumung des Gebietes sei nur erfolgt, um Zwischenfälle zu vermeiden. Für verursachte Schäden werde nach Ueberprüsung durch Sachverständige volle Entschädigung gezahlt werden.
ft. Rom, 6. Zull. Zu den Zwischenfällen am Monie Cenis erklärt „Agenzia Stefani", daß sich die Schießübungen in derselben unbewohnten und unbebauten Gegend auf italienischem Gebiet jährlich wiederholten. Für etwaige Schaden seien die Grundstücksbesitzer, Franzosen und Italiener, stets entschädigt worden.