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Mntag, W 4. M 1927

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|y Redaktion von 10—11 uud

Schwere Kämpfe an der Stbanlungfronl

fl. Lo » don. 4. Juli. „Daily Mail" neldet aus Peking: Schwere Kämpfe htt» an der Schantungfront im Sauge. Ihr Ausgang wird die Zukunft Lientfins und Pekings sehr beeinflussen, kie Schantungtruppen werde» beträchtlich «rsiärkt. Die Nordtruppen halten immer wch Lintscheng.

„Daily Telegraph" berichtet aus Weking: Zufolge des Durcheinanders ist e« chwer M erkennen, was in Schantung vor­letzt. Der Handel steht fast völlig still, «il die Währung um 20 Prozent gefallen st. Die Banken haben geschlossen. Die fadenbesitzer werden gezwungen, das von eu Soldaten ausgegebene Geld anzuneh- ite. Tschangtsolins Haltung ist die eines pschlagenen Mannes. Der Beginn der kegenszeit wird vielleicht alle militäri- tzen Bewegungen für einige Woche» zum Stillstand bringen.

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Bon der SttobrüfiungAonfttenz 6 e n f, 3. Juli. Zur Sitzung des Exper- en-Komitees der Seeabrüstungskonferenz « Samstag vernimmt man noch, dag die etroffene vorläufige E'n gung betreffend ie Charkateriftiken der Untersee- »ote nur gewisse Punkt« von unterge- 'rdneter Bedeutung betrifft, lebet die wichtigen Punkte konnten ch die Bertreter nicht einige«, be­ider, besteht noch eine Meinungsver- lhiedenheit zwischen Groh-Britannien, das ie Tonnage der Unterseeboote in Kate- »rien von 600 Tonnen und 1600 Tonnen reimen will, und den Bereinigten Staa- in und Japan andererseits, die diese Utt» »scheidung nicht anerkeuuen wollen. Die rage wurde auf eine spätere Tagung ver­hoben.

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6. Sr«N in Walten

tet „Malin" wittert gemeinsame deutsch­italienische Militärinteressen.

Paris, 3. Juli. Der „Statin“ bringt "t einigem Befremden die Nachricht, dah ch General von Seeckt mit fünf Wzieren in Italien befinde. Bei der Anderen Vorsicht, mit der Italien an der iiüstung seiner Marine und seiner nnee arbeite, bemerkt das Blatt, babe 'e Abwesenheit einer Studienkommission iutscher Eeneralstäbe in Italien erhöhte edeutung. Die deutschen Offiziere ^teressieren sich für jede Einzelheit der rlienischeu Militärverwaltung. Sie wurden auch von Mussolini empfangen »erden.

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ba$ WWttsebnls in Relktenblirg-EIE

st. Neustrelitz, 4. Juli. Bei den “tigen Landtagswahlen betrug die Wahl- Heiligung 60 bis 70 Prozent. Die Er- ^nis,e zeigen einen Ruck nach links. Die im neugewählten Landtag ver-

Deutschnationale 10

Sozialdemokraten 12

Deutsche Volksparte: 1

Demokraten 2

Handwerker 4

Kommunisten / 3

Kleine Landwirte 1

Völkische 1

Hausbesitzer 1

Wirtschaftspartei 0

l

Dle Neuregelung der Beamtengehütter

A« BesvirnngsttMung eom 1. Oktober ab gesichert

Die Frage einer Neuregelung der Be­amtengehälter hat in der vergangenen Woche den Haushaltsausschuß und das Plenum des Reichstages eingehend be­schäftigt, und es ist festzustellen, dah man in diesen Tagen zu positiven Ergebnissen gekommen ist. Der Antrag, den die Re­gierungsparteien im Haushaltsausschuh eingebracht haben und dem das Plenum zugestimmt hat, bedeutet für die Beamten eine weitere Sicherung ihres Wunsches nach einer durchgreifenden Neuordnung ihrer Bezüge. Durch diesen Antrag soll insbesondere bewirkt werden, daß die Neu­regelung der Beamtenbesvldung durch die parlamentarischen Derhandlungen nicht un­nötig verzögert wird. Zu diesem Zweck ist beschlossen worden, daß die Borlage des Reichsfinanzministeriums, sobald sie den Reichsrat passiert hat, 'unmittelbar darauf dem Haushaltsausschuh zur Er­ledigung überwiesen wird. Reichsfinanz­minister Dr. Köhler hat int Haushalts­ausschuß die bindende Erklärung abge­geben, daß die Vorlage der Regierung im August dem Reichsrat vorgelegt wird. Der Haushaltsausschuh wird, wie gleichfalls schon heute feststeht, im September zu einer Sondertagung zusammentreten, deren Hauptaufgabe sein wird, die materielle Beratung der Besoldungsvorlage so zu fördern, baß der Reichstag nach seinem Zusammentritt im Spätherbst das betref­fende Gesetz ohne Verzögerung verab­schieden kann. Weiter ist durch den An­trag der Regierungsparteien Vorsorge ge­troffen dafür, dah, falls die Regierungs­vorlage am 1. Oktober noch nicht ver­abschiedet sein sollte, die Beamten doch schon zu diesem Zeitpunkt wenigstens Ab­

schlagszahlungen auf die künftige Desol- dungserhöhung erhalten. Cs ist also zu- nächst die Durchführung der Deamten- besoldungserhöhung gesichert und ferner­hin Gewähr geschaffen worden, daß die Beamten schon am 1. Oktober in den Be­sitz der Erhöhungen gelangen.

Die Opposition ist mit Eren Anträgen, die Besoldungserhöhung bereits zum 1. Juli vorzunehmen, oder wenigstens von diesem Tage ab schon den Beamten eine Abschlagszahlung zu gewähren, nicht durchgedrungen. Auch eine Regierungs­partei, nämlich die Deutsche Volkspartei, ist im Anfang für eine Durchführung der Erhöhung schon zum 1. Juli eingetreten. Es hat sich aber gezeigt, dah der Wider­stand der Länder so groß war, dah man sehr große Mühe hatte, schon zum 1. Oktober die Besoldungserhöhung zu er­wirken. Die Absicht der Regierung, den Beamten am 1. Oktober Vorauszahlungen zu gewähren, wird übrigens von großen Teilen der Beamtenschaft offenbar nicht gebilligt. So hat z. B. der Gesamtvorstand des Deutschen Beamtenbundes eine Ent­schließung gefaßt, in der „eine Ermächti­gung der Regierung zu Vorauszahlungen auf eine in ihren Wirkungen noch nicht zu erkennende Reform“ abgelehnt und dafür eine besondere Zwischenlösung mit Wir­kung vom 1. April 1927 ab gefordert wird. Diese Forderung einer besonderen Zwischen­lösung hak jedoch Die Regierung abgelehnt. Sie hält vielmehr daran fest, daß die Bezüge der Beamten vorläufig unverän­dert bleiben und dah eine Aenderung erst zu dem genannten Termin vom 1. Oktober in Kraft tritt.

MH in Paris

Es werden jetzt Einzelheiten über die weiteren Pläne des Ozeanfliegers Byrd bekannt. Als sein nächstes Unternehmen bezeichnete Byrd die Ueberfliegung des Südpols. Er wirb den Flug in Begleitung der Mitglieder seiner diesmaligen Be­satzung, mit Leutnant Nobile und dem Norweger Baalchen und zwar in zwei Apparaten, einem einmotorigen und einem dreimotorigen Fokker, unternehmen. Sobald es wegen der äuherst starken Stürme in den Polargegenden nicht mehr möglich sein sollte, mit einem einmotori­gen Flugzeug vorwärts zu kommen, wird er den Apparat mit drei Motoren benutzen und den anderen Apparat sozusagen als Operationsbasis zurücklassen. Es ist also eine Zwischenlandung vorgesehen und zwar an einem möglichst vorgeschobenen Punkt. Die theoretische Lage des Südpols vermutete Byrd auf einer großen Eis­fläche.

Der Ozeanflieger Byrd in Paris.

Paris, 2. Juli. Nach ihrer Ankunft in Paris begaben sich die Ozeanflieger Byrd und Begleiter zum Triumpfbogen, wo sie einen Blumenstrauß mit den fran­zösischen und amerikanischen Farben am Grabe des unbekannten Soldaten niedcr- legten. Hierauf ging die Fahrt zum Cercle Jnteralliö, wo von der amerikanischen Botschaft unter Vorsitz des Marine­ministers Leygues, der den verhinderten Handelsminister vertrat, zu Ehren der Flieger ein Essen gegeben wurde. Hieran nahmen auch Chamberline und Levine teil. Nachmittags um 5 Uhr wurden Byrd und seine Begleiter vom Präsidenten der Republik empfangen. Ueberall, wo sich die amerikanischen Flieger zeigen, bereitet das Publikum ihnen Ovationen.

Heber sein Niedergehen bei Ver-sur-mer erklärte Byrd, daß ein glattes Aufsetzen möglich gewesen wäre, wenn der Schein­werfer des dortigen Leuchtturms weniger schnell rotiert und einen Ueberblick auf die

Meeresfläche erlaubt hätte. Das Versagen seines Kompasses in der Nähe des euro­päischen Festlandes führt er auf magne­tische Störungen von auswärts und auf die Wellen der drahtlosen Apparate zurück. Amtliche Kahle» zu den Transatlantik- slüge«.

Washington, 2 Juli. Dar Geo­graphische Institut fetzte amtlich die von Byrd zurückgelegte Strecke auf 3447, die von Chambertin zurückgelegte Strecke auf 3905 und die Länge des Lindberghschen Fluges auf 3610 Meilen fest.

Sculichtt WStag

3m Reichstag wurde am Samstag zunächst der kommunistische Gesetzentwurf über die Amnestie für politische Straftaten in zweiter Beratung behandelt. Der Ausschuß hat den kommunistischen Entwurf abgelehnt und be­antragt eine Entschließung, in der angeregt wird, im Gnadenwege noch mehr als bisher Zuchthausstrafen zu mildern. Weiter wird die Begnadigung angeregt in den Fällen, die nur deshalb nicht unter das Amnestiegesetz fielen, weil das Urteil nach dessen Inkraft­treten gefällt wurde. Schließlich regt die Entschließung die Einzelbegnadigung solcher politischen Gefangenen an, die infolge Uner­fahrenheit oder Verführung oder weil sie die Tragweite ihrer Handlungsweise nicht über­blickten, zu ihrem verbrecherischen Tun ge­kommen sind. Rach einer kurzen Debatte wird der kommunistische Gesetzentwurf mit 164 gegen 95 Stimmen abgelehnt und die Ausschustent- schließung angenommen. Alsdann ging daS Haus zur Beratung des Ausschußantrags über, der die Vorlage der Desoldungsreform, sobald sie dem Reichstag zugegangen ist, dem HaushaltSausschuß zur Bearbeitung über» weisen will. Sollte die Vorlage vor dem 1. Oktober nicht vom Reichstag verabschiedet werden können, so wird der Ausschuß vor dem 1. Oktober in einer Ermächtigung an die Reichsregierung Beschluß fassen, in welcher Höhe Abschlagszahlungen auf die künftge De- svldungsreform am 1. Oktober 1927 ausgezahlt werden können. Unter Ablehnung sämtlicher Aenderungsanträge wird der Antrag bet Ausschusses angenommen.

Mibbmb unb bte

Bereinigten Staaten

Von Dr. G. A. Rein, Professor der Universität Hamburg. Zeder aufmerksame Reisende in Amerika wird bald merken, daß noch immer ein sehr großes „Residuum“ (Aeberbleibsel) der Kriegsfeindschaft gegen alles Deutsche in weiten Kreisen vorhanden ist. Die Kriegshetze war in diesem Lande der mei­sterhaften Reklame so wild und zügellos, so ohne jedes höhere Verantwortungs-, ge­schweige denn Anstaltsgefühl, daß ein gan­zes Geschlecht davon vergiftet wurde. ES war eine Raserei, von der jeder Deutsche, der nicht int Ausland gereist ist, sich noch > heute keinen Begriff machen kann. Ein» - zelne ruhig urteilende Amerikaner denken nicht ohne Scham an diese Zeit zurück, sie erklären: alle Welt war vollständig ver­rückt. Andere geben die entschuldigende Erläuterung: Ihr in Deutschland habt eine so wilde, zügellose, gemeine Hetz- und Lügen-Propaganda nicht nötig gehabt; als der Ruf zu den Waffen kam, seid Ihr gegangen; bei uns aber und in England war die Entfesselung einer Begeisterung in den Massen oder eine öffentliche Raserei, wenn Sie so wollen, unentbehr­lich, um die Leute überhaupt für den Krieg zu gewinnen. Kein Mensch, besonders nicht im ausschlaggebenden mittleren Westen, wollte den Krieg. — Von die­sem künstlich hervorgerufenen Massenwahn machten sich die wirklich Unterrichteten und Gebildeten unter den Amerikanern verhältnismäßig leicht wieder frei, wenig­stens bis zu einem gewissen Grade; was aber den Massen und besonders auch der Jugend in diesen wilden Zähren einge­impft worden ist, verschwindet nicht so leicht. Ein sehr angesehener amerikani­scher Professor im Westen brachte mich mit seinem 12 bis 14 jährigen Sohn zu­sammen, damit dieser einmal sehen sollte, wie einer dieser schrecklichen Deutschen. — „vne of those terrible Germans“ — in Wirklichkeit aussähe; die Kinder in der Schule hätten die wahnsinnigsten Vor­stellungen von den Deutschen während des Krieges bekommen; sie hätten sie kaum noch für Menschen gehalten. Ein Zeichen von dem Ausmaß der Vergiftung in der jungen Generation, der naturgemäß alle kritischen Maßstäbe fehlen, bildet auch folgendes kleines Erlebnis: Eine junge Deutsche nimmt an einer „camping tour“ mit zwölf jungen Amerikanerinnen in den Rocky Mountains teil; sie befreundet sich am ersten Tag mit einer Millionärstoch­ter, die sich im begeisterungsfähigsten Back­fischalter befindet; am zweiten Tag erst wird dieser jungen Dame klar, daß ihre neugefundene Freundin eine Deutsche ist: „Bitte erinnern Sie mich nie daran, daß Sie eine Deutsche sind“, sagt sie da naiv zu ihn. Spricht das nicht Bände!?

Diese Hgltung der Masse (und die Rei­chen gehören darin auch zu ihr) erklärt es, dah noch heute, neun Zähre nach dem Kriege, auch noch Kriegs-Hetzfilme gegen Deutschland laufen. Da werden die Deut­schen dargestellt als aus Schmutz und Kot geboren, als die Verkörperung des Feigen, Hinterlistigen, Verlogenen, Brutalen, Rohen, Ehrlose», Verbrecherischen, kurz als die Verkörperung der Gemeinheit selbst. So lange diese Filme laufen und die Massen sich zu ihnen drängen, Abend für Abend, in allen Städten und Dörfern des nordamerikanischen Erdteils, solange kann doch von einem wirklichen Friedens­zustand zwischen dem amerikanischen und deutschen Volke nicht die Rede sein. Mit den Mitteln der Zensur scheint man beim Stande der Gesetze in Amerika gegen diese Filme nichts unternehmen zu können; die Massen laufen hin, die Schmutzbilder über die Deutschen bringen Geld ein, und da das Geschäft heilig ist, läuft die Propa­ganda weiter, ohne daß bei den im Staate Führenden die Absicht erkennbar wird, Die Hetze zu verbieten. SiÄht man als Deut­scher sich drüben diese Filme an, so kommt