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Äberhessffche

Zeitung

MtzeigerjurtdLsMer kuchess>ML)<vbevhe!sew-> Amtliches VerKündünmasblattLr dkrei^W

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Nr. 152 62. Mrg. WarbMg o. Sahn

Senimten», den L Aul! 1927

Der Anzelgenprst« beträgt für den 10 gespült. Zeilenmillimeter 0.08 GM., kleine Baranzeige» 0.06 GM., amtliche und aus­wärtige Anzeigen 0.10 GM. Bei schwierigem Satz sowie bet Platz­borschrist 50°/, Aufschlag. Eammelanzeigen 100/, Tust schlag. Reklamen der Milli«. 0,40 GM. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Ziel 5 Tage. Beleg» werden berechnet, ebenso Auskunft durch die Geschäftsstelle und Zusendung der Angebote. Er- füllungsort Marburg.

1 Goldmark --- '/«.»Dollar.

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Marburger rageSauzelgtt

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ByrLs Zerfahrt in Rebel «n- Resen

Der M Dai vrrmgl - Die Rettung durch ras zalibwi - Paris erwartet beule Ne Flieger

ft. Paris, 2. Juli. Byrd machte

fien erklärte, er könne keine weiteren Dis, Positionen treffen.

Byrds Ankunft in Paris.

fk. Paris, 2. Juli. Byrd und feine Begleiter werden heute nachmittag in Baris eintreffen. wo sie als Gäste ihres Menagers Wanamaker im Hotel Continental absteigen werden.

Die Nachricht über die Landung der Amerika" verbreitete sich rasch in der Ge­gend von Ber. sodaß das sonst ziemlich ein­sam gelegene Dörfchen gar bald voll von Neugierigen war, die von allen Seiten herbciströmten, um die Helden des 40= Stunden-Fluges zu sehen und zu begrüßen.

nichts. Im Augenblick des Niederganges hatten wir das Gefühl, in einen tiefen Abgrund zu stürzen. Infolge seines Ge­wichtes wurde das Flugzeug unter die Wasseroberfläche gezogen, kam aber wieder hoch. Der Rumpf des Flugzeuges war jedoch zertrümmert und es blieb uns nichts anderes übrig als über Bord zu springen/

Die Bergung des Flugzeuges.

fk. Paris, 2. Juli. Der vom Marine- mrnisterium mit der Leitung der Ber­gungsarbeiten derAmerika" betraute Fliegermajor ist der Ansicht, daß das Flugzeug leicht wieder instand gesetzt und fahrbereit gemacht werden kann, während Byrd einem Vertreter desPetit Ppri-

, I Reden

l Der Forscher, der einmal die Geschichte unserer Zeit schreiben will, wird einen schwierigen Stand haben. Nicht, daß es ihm an Material gebräche. Im Gegenteil, gerade die Fülle des Stoffes könnte ihn erdrücken.

Wo soll er beginnen, woran sich halten? Wieviel von dem, was heute die Parla­mente beschäftigt, die Spalten der Tages­zeitungen, die Seiten der Fachblätter Mit, wird dem kühl sichtenden Artest des viel­leicht noch nicht Geborenen bedeutungsvoll erscheinen, was von allem wird auch nur die geringe Spanne eines Jahrzehnts überdauern?

And wenn allein die Zeit und das Ver­gessen dem Geschichtsschreiber klärend, sich­tend zur Hand gingen, wäre dies Artell gerecht? Könnte es nicht doch ein wenig gerechter, erfreulicher auch sein, wenn wir, wir Miterlebenden, schon kühler, vorsichtiger im Denken wären? Würden wir damit dem Historiker, ja. uns selbst nicht einen sehr wesentlichen Dienst er­weisen?

I

Wir leben in einer Zeit der Kongresse. Ihre Zahl ist Legion. Jeder bedeutet eine Hoffnung, nicht einer die Erfüllung auch nur der geringsten, selbst berechtigten Er- I Wartung.

^ewih, viele machen aus Hoffnungen Erfüllungen. Sie standen ja diesem Jahr­zehnt weitgreifender Pläne Pate, und so wird es ihnen eia dringendes menschlich auch erklärliches Bedürfnis, da von Vollendung zu sprechen, wo kaum ein dürf­tiger Ansatz ist.

Aber gerade das verfälscht unsere Zeit. Gerade dies Loben dessen, was wir wohl ipünschen, läßt uns schließlich verkennen, was wir eigentlich sind, wo wir stehen, und was wir sähen wir nur klarer - bet« I möchten.

Denn wir leben auch in einer Zeit großer Reden, deren Sinn von so wenigen ver­standen wird.

I * i

I Wir Mitlebenden haben uns daran ge­wöhnt. sie zu lesen und zu vergessen. Den künftigen Biographen eines Mussolini, Poincare, Stresemann. Briand sie alle werden wegen der Bedeutung unserer Zeit Biographen finden mögen die Bände offizieller und gelegentlicher Reden will­kommen sein. Der Historiker wird sich vor ein Rätsel gestellt sehen.

Wie ist es möglich", wird er sich fragen, daß im , September 1926 der Außenmi- [ nister Briand, zu Tränen gerührt, ausrufen konnte:Nichts mehr von Kanonen!", daß dann im gleichen Winter, unter der Leitung des gleichen Außenministers, die größte Militärorganisation, die die Weltgeschichte kennt: die Einreihung von Mann. Weib Greis und Kind in das französische Heer, beschlossen wurde, und daß trotzdem der deutsche Außenminister in seiner Nobel- preisrede sagen konnte, die Politik seit Lo­carno sei die Politik des Glaubens an eine neue Zukunft?"

And ferner wird er fragen:Warum zerbrach in Deutschland der Glaube an die sozialistische Internationale nicht in dem Augenblick, als der Sozialist Paul Bon­cour, der Schöpfer der neuen Idee des Volkes in Waffen, auf die Frage, ob er denn Deutschland ein annähernd gleiches Recht des Selbstschutzes zugestehen würde, eisern schwieg, und die französische sozi­alistische Partei dem Heeresgesetz zu­stimmte, das ganz Frankreich in ein be­waffnetes Lager verwandelte?"

Was soll schließlich der Historiker be­ginnen mit den beiden Nobelpreisreden die Briand und Chamberlain noch zu hal­ten verpflichtet sind? Da auch Chamber­lain Träger des Friedenspreises ist. wird er schon vom Frieden reden müssen und die wenig friedlichen Mittel verschweigen deren er sich beim Kampf für die Wohl­fahrt Großbritanniens bedient.

And der redende Nobelpreisträger Bci- and wird den redenden Poincare vergessen

im yMßWen Landtag Ans Anlaß des Atensdetlet SebttW

Sestern in Ber-stze-mer französischen Journalisten genaue Mitteilungen über de» letzten Teil seines Fluges. Danach war das Flugzeug 19 Stunden lang »on dichte« Rebel umhüllt. Bon Finiftäre an hatten die Flieger die Rich­tung verloren und flogen zweimal um West-Frankreich herum, wobei sie vermutlich in die nächste Nähe von Paris gekommen find.

Md etW

Paris. 1. Sufi. Kapitän 2 yrd hat sich h«lte nachmittag, nachdem er sich durch einen stundenlangen Schlaf erholt und reichlich ge- hatte, zum ersten Male über seine 2i<se und deren unglücklichen Ausgang ge- rtssert. ,2ch habe mich bald nach meiner Wunst über französischem Boden verirrt," foegann er seine Erzählung.

Der Kompaß war zerbrochen.

tarier Regen fiel. Dicker Nebel und die schdrze Nacht verhinderten mich, auch nur "«'Geringste auf der Erd« unter mir fest- §Een. Ich halte es für möglich, daß ich msganz in die Nähe von Paris geflogen da doch kann ich es nicht mit Bestimmtheit sag. Unterdessen ging ntein Benzinvorrak zu mde. Unser Flugzeug sank allmählich nef und tiefer und wir mußten unter allen nach einem Landungsplatz suchen. Battdeckte ich das Leuchtfeuer des Turmes donDer-sur-mer. Sofort war mein Ent- gefaßt, unter allen Umständen die Lmnng zu wagen. Wir berührten das War. Der Anprall war s ch w e.r. Das Untzestell und die Räber brachen.

D Apparat stellte sich auf die Spitze, do bewahrten rott unsere Kaltblütig­keit

t?m;.rftänöifften uns mit Blicken. Dann sulltstch die Kabine mit Wasser. Glück- ucherise gelang es uns mit großen An- strentgen. unser kleines Boot aus ©uni frei zu machen und wir er­reicht mit seiner Hilfe die Küste, nachdem wtr ,a 200 Meter rudern mußten. 3 ch to uh n atürlich nicht, wo wir uns «den- Wir klopften vergeblich an einze Sfaifter. Es wurde uns aber nicht gevsft Dann begegneten wir einem Fischer, k 1 in ein Haus brachte, wo meine beikt Begleiter sich sofort zum Schien hin legt en. Ich war bis 8 damit beschäftigt, in meinem j

Öiugtbud) Aufzeichnungen zu machen, wahrc Leutnant Ävville und einige Fischer «zeug zu retten versuchten. Um 8 rgens gelang es uns endlich, das

Flugz aufs Trockene zu ziehen.

U der Apparat denn heute am I Etr>. halb von Sand und Schlamm bedeckt."

Uebseine nächsten Pläne hat sich Dhrd >wch t geäußert. In den späten Nach- mrttagnden ist es gelungen, das Flugzeug retinachdem vorher bereits alle Appa- nn w und andere Gegenstände von der Kabine entfernt waren, ebenso <nn Sqnit Briefen und offiziellen Doku- Renten

Roville erzählt.

J?-,<r i s, 2. Juli. Der (Begleiter Bhrdsloville, schildert die angstvolle Vnmmi vor dem Niedergehen ins Meer nnPeParifien" wie folgt: Die Slun- zuletzt durchmachten, waren enA .überall herrschte dunkle Je»2 .^r glaubten wir in der du lein. Eine Landung war auchlossen, wir wären zerschmet- tert tooi. Vor Mitternacht hatten wir dann deindruck. daß wir uns im Trei- o«n beton. Am 2 Ahr hatten wir fast keinen ^Sbsstoff mehr. Am 2,30 Ahr gab Byiie Landungsrichtung an- Ins Anbekan Auf diese Weise gerieten wir aufs sser. Zu sehen war überhaupt

I ' A Juli. Im preußischen

I kam e» heute, als der Abgeordnete

Kruger- Brandenburg (Soz.) die In­terpellation über die Voroäuge in Ar-ns- öotf begründete, zu einer rege.rechten Prü- geler. Der Redner richtete "in seinen. Aus­führungen heftige Angriffe gegen, ° t e D c u k s ch n a t i o n a l e n. Als der deuilchnationale Abgeordnete Wiedemann wiederholt dem RednerUnverlchämtheit" undUnverschämter Kerl" zuruft, stürzt I mx der sozialdemokratische Abgeordnete Meyer-Berlin auf den Abgeordneten I Inzwischen sind auch kommu-

nmuche Abgeordnete zu den Bänken Der I Deuftchnationa.'en hlnübergelaufen, und es entwickelt sich eine regelrechte minuten- I a n g e Prügelei zwischen den kommu- nrstiichen, sozialdemo'rarischen und deutsch- I nattonalen Abgeordneten. Präsident B a r - I der bie Ruhe nicht Herstellen kann, verlaßt den Präsidententisch. Die Sitzung lst damit aufgehoben.

Wiedemann wurde, als er schon I durch etne eseitenkür den Sitzungssaal ver- laiien wollte, erneut von den sozialdemo- kratttchen Abgeordneten tätlich angegriffen. Der kommunistische Abgeordnete Schu­be r t hat bei der Prügelei Srirnwun- d en davongetragen, während der kommu- ntstiiche Abgeordnete Kellermann Tritte in den Leib bekam. Die Erregung sich auch den ziemlich gut besetzten P u b l r k u m s t r i b ü n e n mit, auf denen | eine lebhafte Debatte für und wider di« kämpfenden Parieieu entstand.

Der Aeltestenrat trat sofort zu- iamm-n, um zu den Vorgängen Stellung zu nehmen. Hier beantragten die Sozial­demokraten, die Sitzung nicht wieder auizu- nehmen und den Landtag bis zum Oktober zu vertagen. Die Rechrs- partelen und das Zentrum sprachen sich ledoch dagegen aus. Es wurde daher beichlo,sen, d-.e Verstöße gegen die Ge- 'chastsordnung lediglich mit Ord­nungsrufen zu rügen..

...Nach zweistündiger Unterbrechung er­öffnete Präsident Bartels

die neue Sitzung des Landtages.

Er teilte unter großer Unruhe des Hau- ses den Beschluß des Aeltestenrates mit. Der Aeltestenrat bedauere, daß das An- sehen des Parlaments durch solche Vorfälle, wre sie heute vorgekommen sind, geschädigt werde. (Gelächter bei den Kommunisten )

Aeltestenrat habe sich nicht fest- stellen laffen, wer von den Aboe- ordneten sich Tätlichkeiten zu Schul­den habe kommen lassen. (Hört, .hört' rechts, erneutes Gelächter.) Die Geschäfts­ordnung sieht gegen solche Vergehen., wie ft« heute vorgekommen sind, nur das Mit­tel des Ausschlusses vor. (Zuruf bei den Kommunisten: Wiedemann.) Infolge der Unklarheit über die Begebnisse habe jedoch von einem solchen Ausschluß abge­sehen jverden müssen. (Hörr, hört! rechts.) Prandent Bartels ruft darauf gemäß dem Be,chlutz deS Aeltestenrates den deutschna- ttonalen Abgeordneten Wiedemann nachträglich wegen der von ihm ausge­sprochenen Beleidigungen, die er trotz zwei­

maliger Rüge wiederholt habe, zur O r d- nZt n g. Auch der Äbg. Meyer- Berlin (Loz.) wird zur Ordnung gerufen. ES habe sich allerdings bei sthm nicht feststellen kaffen, r'5 er Angriffstaien verübt habe. (Unruhe und Gelächter rechts.) Der Prä- £i.i>et.fordert zum Schluß unter dauern­den Lärmrufen der Kommunisten und großer Unruhe daS Haus auf, die Verhand­lungen in würdiger Form weiterzuführen. Darauf erhält Abg. Krüger-Branden­burg (Soz.) daS Wort, der mit der Be­gründung der sozialdemokratischen Inter­pellation fortfährt.

Ein großer Teil der Deutfchimtiona- lcn verläßt den Saal

unter Zurufen der Kommunisten:Der Stahlhelm zieht ab!" Krüger erklärt, die Sozialdemokraten verlangten Ausdehnung des für Berlin bestehenden Stockverbots auf ganz Preußen.

Abg. S ch w e ch t (Dntl.) begründet dann die große Anfrage der Deutschnationalen wegen der

planmäßige« Ueberfälle von Mitglie- der« des Roten FrontkämPfcrbuitdeS ans Angehörige dechtsgerichtctcr Or-

Mnisatione».

Als der Redner beginnt, kommen die deutfchnationalen Abgeordneten wieder in den Saal, während die meisten Sozial­demokraten den Saal verlassen. Der Redner führt Beschwerde über viele Ueberfälle von Roten Frontkämpfern gegen Stahlhelmleute. Von den Kommunisten w'.rd dem Redner zugerufen:Doofer Kund!" Vizepräsident Dr. Wiemer rügt dwfe Zurufe. Zum Arensdorfer Fall erklärte der Redner, der Täter Schmel­zer sei schwer kriegsbeschädigt und voll­kommen unzurechnungsfähig. (Zu- ruf links:Das seid Ihr alle!") Das Reichsbanner wolle am nächsten Sonntag etne große Demonstration in Arensbon veranstalten. Wir warnen, so ruft der Redner aus, den Minister und machen ihn für d:e Folgen verantwortlich. (Lärm Itnks.) Die Deutschnativnalen berlangen I eine unparteiische Untersuchung, des I ganzen Falles. Gerade aber wegen dieses I Vorfalles halten sie an ihrem Mißtrauens- I Bo^um gegen ba» ganze preußische Kabinett seft. (Beifall bei den Deutschnationalen, I Züchen links.) »

Die kommunistische Interpellation wegen I des Terrors gegen die Roten Frontkämpfer I begmmder Abg. Kasper (Komm.). In seiner von Schmähungen strotzenden Rede erllärt er I u. a.: Als Präsident der Republik haben wir einen ehemaligen kaiserlichen I General (Rufe bei den Kommunisten: Mas- I senschlächter"), der Ehrenmitglied der

r d o r g a n i s a t i o n,S l a h l h e l m" ist. (Uebhaste Zustimmung bei den Kommunisten, I stürmische Rufe und Unterbrechung auf der I Rechten. Vizepräsident Wiemer erteilt dem Redner einen Ordnungsruf.) Solange Führer, wie der Dürgerblockkanzler Marx der vor dem »Stahlhelm" zu Kreuze knecht,

(Fortsetzung Rebe Seite 2J - |