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Ig, Rr. 6016. Sprechzeit

^Sedaktio» von 1011 und

Skimabcnb, w y. z«ni1927

B ^vbechesstsche Zeitung«' n>

[Werte Sachverstündige besichtigen die deutschen Sstsestnngen

Weitm Mcsstitimmkn zur Slrrsimannrrbi: MM* .DM AlrgrM", ..Oeuvre"

Betliit, 25. Juni. Wie der demo, tische Zeitungdienst erfährt, wird Eene- ,»n P a w e l z die Einladung an die jrrrständigen der alliierten Mächte in nächsten Tagen herausgehen lasten. , Besuch der zerstörten Unterstände soll tat der nächsten Woche erfolge«.

K Besichtigungsreise dürfte etwa 10 p in Anspruch nehmen. Boraussicht- wird als Vertreter Frankreichs Major mt an der Besichtigungsreise teilneh-

Beintort fueift

verurteilt. Der Sowjet-Union stehe das natürliche Recht zu. sich gegen Konterre­volutionäre zu wehren. Der Charakter dieser Abwehr sei eine innere Angelegen­heit der Sowjet-Union.

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Euter Eindruck der Stresemann-Rede in London.

Die Reichstagsrede Dr. Stresemanns, besonders der Teil seiner Ausführungen, der sich an die Adreste Poincar^s richtet, hat, wie der diplomatische Korrespondent desDaily Telegraph" feststellt, in London einen sehr guten Eindruck gemacht. Seine Argumente seien sowohl im Ton als

auch inhaltlich unanfechtbar gewesen, eine seltene Kombination von Festigkeit und Würde mit Masi. Stresemanns Logik sei unanfechtbar, in ihrer Art aber mehr französisch als deutsch gewesen. Bedauer­licher Weise würden die auf dem Spiel stehenden Dinge durch den rhetorischen Wettbewerb nicht geregelt, sondern bilde­ten für Europa wieder einmal den Gegen­stand größerer Unruhe. Bemerkenswert sei auch die ausierordentliche Bedeutung, die die amerikanische Regierung der Rede Poincarös in Luntzville sofort beigemesten habe.

' außenpolitische Debatte in der fran­zösischen Kammer vertagt?

LU. Paris, 23. Juni. Auf eine Anfrage Sozialisten Blum erklärte heute in der wer Poincarö, daß er die Absicht habe, ! lag für die Beantwortung der Inter- irionen über die Politik der Regierung int meinen und insbesondere über ihre wz- und Außenpolitik erst nach der Be- üpmg der Diskussion für die Wahlreform Ohen. Damit dürfte die Aussprache über »Ocke Poinearvs in Lunsville vorläufig hmagt anzusehen sein.'

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stoeftija unterstreicht- vollkommen vrinzip der Nichteinmischung in diese ^egenheit als Grundlage der Außen- A- Zur Erklärung Stresemanns über Abwehr der Propaganda der Entern betont das Blatt, diese könne in geschickten Händen sehr /Segen die Sowjet-Union mißbraucht Der Beitritt Deutschlands zu ! derartigen Front wäre reich an Fol- denen der Führer, der Außen- freundschaftlich zu warnen sei.

Schluß wendet sich das Blatt ent- gegen die Erklärung der Regie- »varteien daß sie sich der Verwerfung ätzten Todesurteile anschließt und sie

Ävrstija" zur Rede Stresemanns".

itIswestija" nimmt heute Stellung e Rede des- Außenministers Dr. Stre- Ms im Reichstag. Die Rede sei ein lus wichtiges Dokument in der Ee- te der deutschen Außenpolitik. Das s begrüßt die Erklärung Stresemanns :bie Absicht der deutschen Regierung, «Politik strickter Reutrali- izu wahren: es bezeichnet die Erklä- I der Regierung auf einer richtigen mtnis der wahren Interessen der $en Außenpolitik und Volkswirtschaft knb und mit der Entwickelungslinie i»wjet-deutschen Beziehungen im Ein- 1 stehend. Indessen stehe die Behaup- ! stresemanns, daß von keiner Seite versuch gemilcht worden sei, Deutsch- to bewegen, die Neutralitätspolitik Wben, in Widerspruch zur Erklärung Regierungsparteien über die entschie- Pewerfung des Gedankens einer Ein- bung Deutschlands in die aggressive «i gegen die Sowjet-Union. Sofern 5 als notwendig erwies, einen derar- 1 Gedanken entschieden abzuwehren, b vollkommen klar, daß dieser Ee- r. bestand und besteht. Wenn dem ; io wäre, hätte die Erklärung der Re- ^gsparteien eines so entschiedenen 's nicht bedurft. Man kann Strese-

gern glauben, daß niemand ernstlich !ug, sich der Offensivfront gegen die ^t-Union anzuschließen. Eine derar- ^fene Aufforderung sei deshalb nicht «Sen, weil die Vorberatungen die he Stellungnahme deutlich genug

W hatten und eine offene Aufforderung '4 machten.

Qett»re zur Stresemannredr.

DasOeuvre" erklärt: Man kann sich dagegen wehren, wenn Stresemann be­hauptet, daß ihm eine stärkere Herabsetzung der Besatzungstruppen als Bezahlung für Locarno zugesagt wurde, Locarno ist eine weite Verpflichtung seitens Deutschlands, ebenso wie unsererseits, für die kein Preis festgesetzt wurde, aber es ist richtig zu be­tonen, dxsi man nicht gleichzeitig das Be­satzungssystem in einer vollen Schärfe auf­rechterhalten und eine Entspannuugs- und

Annäherungspolitik betreiben kann; man muß wählen. Im übrigen vertritt das Q e u v r e" den Standpunkt, daß man die Frage der Rheinlandräumung nicht durch Polemik, sondern durch eine aufmerksame und loyale Prüfung regeln werde. Diese müsse Deutschland anregen.

Hierzu bemerkt das Wolff--Büro: Nach­dem Reichsminister Dr. Stresemann in seiner Rede eindringlich daran erinert hat, daß die in der Rote der Botschafterkonse- (Forljetzung siehe Seite 2.)

WWuß der arrßerrpolltlfcheu Watte ein kommimWKrr Süßtrauenlantrao absclcbnt .

Berlin, 24. Juni. In der heutigen Reichstagssitzung wurde die Aussprache über die auswärtige Politik fortgesetzt.

Abg. Graf Bernstorff (Dem.) gibt seiner Genugtuung Ausdruck, daß für die gegen­wärtige auswärtige Politik eine so starke Mehrheit im Reichstage vorhanden sei. Es muh erreicht werden, datz möglich st das ganze deutsche Volk sich hinter diese Autzenpolitik stellt. Es ist gar- nicht möglich, heute eine andere Politik zu machen. De Demokraten werden nur dann Opposition machen, wenn von der heutigen Außenpolitik abgegangen werden sollte. Der Redner spricht dann die Z u st i m m u n g seiner Partei zu den einzelnen Punkten der Rede Stresemanns aus. Wir müssen noch einmal an die Weltöffentlichkeit appellieren, um die große Aufgabe der Abrüstung end­lich einen Schritt fteiterjubringen. Das stärkste Hindernis ist die vielleicht unbegrün­dete Furcht vor Rußland. Die Reichs­regierung sollte besser der Sowjetregie­rung den freundschaftlichen Rat geben, an der Abrüstungskonferenz teilzu­nehmen und auch in den Völkerbund einzu­treten. Wir müssen in der Kolonial-Mandats- kommifsion Mitarbeiten, weil wir ein In­teresse an der Stärkung des Völkerbundes haben. Die Rheinlandbesetzung ist nach allem, was geschehen ist, eine Unmög­lichkeit. (Sehr wahr! bei den Demokraten.)

Inzwischen ist ein

Mißtrauensantrag der Kommunisten gegen den Reichsaußenminister eingegangen.

Abg. Dr. Bredt (Wirtsch. Vg.): Wenn jetzt das Zentrum auch in die stärkere Trompete stößt, so zeigt das, datz auch das Zentrum enttäuscht ist. In der Tat stehen wir an einem Wendepunkt in der Autzenpolitik. Wir haben die großen Hoffnungen nie in dem Um­fange gezeigt. Die Räumung des Ruhrgebietes haben wir erkauft mit der Annahme des Dawesplanes, die der ersten Zone mit dem Locarnovertrag. Wir fürchten, daß auch die Räumung der zweiten Zone er­kauft werden soll, und lehnen alle solche Verhandlungen ab. Die voll­ständige Rheinlandräumung muß selbstver­ständlich als notwendige Folge der Locarno- Abmachungen gefordert werden. Der Beitritt

Deutschlands zur Kolonial-Mandatskommission hat für uns nur einen problematischen Wert. Bisher ist der Völkerbund kein Staatenbund, sondern höchstens ein Bund der Regierungen. Wir müssen versuchen, einen wirklichen Bund der Völker zu schaffen, der dem deutschen das Recht in der Welt verschafft.

Abg. Graf zu Reventlow (Rat-Soz.) bezeichnet das Ergebnis der Genfer Verhand­lungen als eine vollständige Nieder­lage Deutschlands. Die Entente habe ihre Politik nicht geändert. Sie habe Deutsch­land zwar in Locarno Phrasen gegeben, aber keine Gegenleistungen für die deutschen Opfer. Ein vertrauensvolles, gleichberechtigtes Arbeiten mit Frankreich fei einfach fast un­möglich. Dr. Stresemann werbe schon ver­schämt um die Gunst Poincarös. Stresemann und Briand seien beide Freimaurer und Brüder des Grotzorient. Das sei Landes­verrat. Der Redner erhält einen Ordnungs­ruf.

Abg. Frau G o h l k e (Ruth Fischer, Linke Komm.) führt aus, die Deutfchnationalen woll­ten im Bunde mit den kapitalistischen Völker­bundsmächten den Entscheidungskampf gegen das Proletariat und feine russische Vormacht führen. Selbstverständlich werde Deutschland in die Bundesgenossenschaft gegen Rußland gezwungen trotz aller anderslautenden Be­teuerungen Stresemanns.

Nachdem noch die Abg. v. Graefe (Bölk.) und Korsch (unabh. Komm.) gegen die an­deren Parteien polemisiert haben, schließt die Aussprache und es erfolgen die

Abstimmungen.

Der kommunistische Antrag gegen den Ein­tritt Deutschlands in die Kolonial-Man­datskommission wird abgelehnt. Das kommunistische Mißtrauensvotum wird in einfacher Abstimmung gegen die Stimmen der Kommunisten und Völkischen bei Stimm­enthaltung der Sozialdemokraten abgelehnt.

Der demokratisch-sozialdemokratische An­trag auf Verlängerung des Sperrgesetzes der Fürstenabfindung wird ohne De­batte dem Rechtsausschutz überwiesen. Um 17.20 Uhr vertagt sich das Haus auf Montag 15 Uhr. Auf der Tagesordnung stehen Kriegs- gerätegefetz, Pachtfchutzordnung und kleinere Vorlagen.

Boftttare

Don Ernst Hengstenberg.

Riemand wird leugnen können, daß sich seit geraumer Zeit die außenpolitische Lage Deutschlands erheblich verschlechtert hat. Sft es nicht möglich, oder ist es auch nur schwer, den Zeitpunkt festzulegen, seitdem diese offen­bar sich gradmähig steigernde Verschlechterung eingeseht, die unstreitig heute den Zustand einer gewissen Ratlosigkeit und befremden­den Vereinsamung erreicht hat? Nun, der Zeitpunkt liegt bald hinter dem Tage der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund. Erinnern wir uns: Deutschlands Beitritt hob das Ansehen Frankreichs. Wie sehr man auch Dr. Stresemann begrüßte, D r i a n d jubelte man zu. Seine Geste erweckte mehr Eindruck als Stresemanns ehrlicher Wille. Frankreichs Kredit hob sich, und mit ihm festigte sich sein Franc. Als dessen Stabili­sierung geglückt war, konnte der Mann her­vortreten. der das Unheil Europas und den Haßgedanken gegen Deutschland verkörpert: Poincare I Lange genug und innerlich voll Ungeduld hatte er vom Tone und der Art seiner in Glanzzeiten übllchen Svnntags- reben abgestanden. Nun aber hat er die Hände frei und ist wieder am Werk. Hat man ihn in Deutschland vergessen? Wann hört man seinen Namen? Sanft und gelinde zuweilen, wenn er entgegen dem vorgesehenen Programm und übernommener Verpflichtung unklug und in alter Weise sich gehen läßt. Neuerdings jedoch auch wieder öffentlich und hemmungslos, was seine unverantwortliche Hetzrede vom 19. Juni in Luneville hin­reichend bewiesen hat. Alles in der inter­nationalen Lage beutet auf sein Wirken hinter der voy Briand gestellten Fassade. Vollends seitdem einerseits Englands Hände gebunden sind, anderseits aber die silberne Hochzeit der Entente corbtale gefeiert wurde, wie »Le Journal" den Besuch Dvumergues in London bezeichnete. Alles in der fran­zösischen Presse erhält heute wieder seine Wendung gegen Deutschland, und die Presse ist es, deren sich Herr Poincare tn seinem neuen Wirkungskreis bedient; das bewies u. a. die bemerkenswerte Zustimmung, die seine Luneviller Rebe in den meisten Pariser Blättern gefunden hat.

Wovon schreibt die französische Presse in diesen Wochen? Don der Rheinlandräumung, um mit einer sehr deutschen Frage zu be­ginnen, die zugleich eindringlich und scharf behandelt wird. Mit einer Einmütigkeit, wie sie in Deutschland kaum denkbar wäre, wird die Räumung unter allen Umständen ab­gelehnt. Die alten Poincare'schenBeweis"- gründe werden wieder hervorgeholt: Die Sicherheit Frankreichs in erster Linie . Und Locarno oder gar Thoirtz? Nun, Thoiry hat Poincare erdrosselt, ehe es noch recht lebte, und Locarno kennt er nicht. Denn dort wurde bekanntlich die Sicherheit Frankreichs, die im übrigen (außer vielleicht Italien zwi­schen 1935/40) niemand bedroht, so feftge- legt wie möglich . Es ist Driands wenig ehrenvolle Aufgabe, das Wort Locarno gu­te eilen noch in nichtssagenden Erklärungen in den Mund zu nehmen. Der vielberufene Geist von Locarno ist von Poinare gründ­lich ausgetrieben worden. Er ist der Mann der Wiälichkeiten, in seiner Gegenwart spukt es nicht . Er, ein Herz und eine Seele mit dem Generalstab, läßt Herrn Andre Piron- neau in »Echo de Paris" einen flammenden Artikel schreiben .Unsere bedrohte Sicher­heit!", dessen Sinn der ist: der Bestand der Rheinarmee kann unb darf nicht verringert werden . Das widerstreitet klaren Ab­machungen und Versprechungen, die Deutsch­land gegenüber für Poinacare niemals einen blinden Wert gehabt haben.

Ihm ist die Zusammensetzung der augen­blicklichen deutschen Reichsregierung nicht an­genehm. und es kommt bereits einer Ein­mischung in innerdeutsche Angelegenheiten gleich, in welcher Form und Häufigkeit Poincare in der Presse gehässige und zurecht- weisende Ausführungen gegen verschiedene Minister machen läßt. Der .Temps", der auch Herrn Driands Sprachrohr zu sein pflegt, nimmt alle Dorwürfe, die die deutsche Presse Herrn Poincare seit Locarno nicht mehr gemacht hat, vorweg und richtet sie gegen die jetzige Zusammensetzung der deut­schen Regierung. An Herrn Stresemann gibt man vor, nicht zweifeln zu wollen. Aber gelegentlich der Behandlung der Anschluß­frage, die auch ein Poin care -Schreck ist und politische Kinder einschüchtern soll, bekommt zugleich das Zentrum sein Teil; ihm werden die früheren Zeiten vorgehalten; jetzt habe es sich auf Befehl des Präsidenten Hinden­burg mit den Nationalisten verbündet.^