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Marburger raseSanzejgtt

Nr.MSLWrs.

Marbmg a. Lahn

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Lanbeszeivma

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füllungsort Marburg.

i Golbmark — Dollar.

Scnfng, 13. gmti 1927

SberhMche Zeitung

M Fberhefflsch« Zeitung" er- JLjt sechsmal wichentlich. Be» monatlich 2 GM. au* Ky. Zustellung«grbühr, durch ^PestLSö GM.Für etwa infolg« gttfH, Maschinen defekt« oder Gr«ignist« ausfallend« Irrsten wird Mn Ersatz g«.

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»kl—1 Uhr.

Wliind mit der poWtn Rote nicht zufrieöen

Sie Beisetzung Woitows - Mnglnot fordert Abbruch »er biplomatifchen Beziehungen

Moskaus Antwort an die polnische Regierung.

Moskau, 12. Juni. Zn der heute tut polnischen Gesandten Patek über- richten Antwort auf die Note der polni- tzkn Regierung vom 9. Zuni nimmt die hvjetregierung mit Befriedigung Kennt- u von dem Ausdruck des Bedauerns der Mische« Regierung anläßlich der Er- ordung Woskows, erklärt aber diese nicht Wich als individuellen Akt eines Kchafinnigen ansehen zu können. Sie erachte diesen Mord als eine der Aeuße- Rtgen des systematischen Kampfes der «klen Mächte der Weltreaktion und der «edensgegener gegen die Sowjetunion ib e besitze zahlreiche Beweise für die uldsamkeit der polnischen Autoritäten Mnüber den die Sowjetregierung be- vvkrnden Organisationen und Perso, «, ja sogar für die direkte Unter- ltzung der letzter« in manchen Fällen, i der nächste« Zeit werde der polnischen Werung einige« Material zu dieser *gt vorgelegt werben. Ferner sei fest- M. daß der Mörder polnischer iaatsangehöriger sei. Die Sow- kzierung gibt ferner in ihrer Rote der »artung Ausdruck, daß die polnische tzierung alle nötigen Mahnahmen zur «sassenden Untersuchung der Angelegen- ir, zur Feststellung der Schuldigen und l Aufdeckung aller Fäden des Ber- *89, sowie zur raschen und strengen ikafung der Schuldigen, insbesondere ! direkte« physischen Mörders treffen id. Auherdem erwarte sie, dah die pol- k Regierung einen Vertreter der »letregierung zur Teilnahme am Um »chungsverfahren in diesem Prozeh zu- wird. Drittens fordert die Sowjet« irrung, dah die polnische Regierung, 1 die Sowjetregierung bekämpfenden «»isatiouen und Personen zur Ein- ihrer Tätigkeit auf polnischem zwiugt und sie aus Polen ausweist.

> sowjetregierung erwarte, dah die ^Iche Negierung ihr ohne Zögern die »recheude Mitteilung darüber machen

^ir Beisetzung Wojkows in Moskau.

io s k a u, 12. Juni. Der Sarg mit sterblichen Hülle Wojkows wurde nach "Eintreffen des von einer militäri- Eskorte begleiteten Trauerzuges auf ^"oten Platz auf einem Postament ge- dem Lenin-Mausoleum aufge- .Vertreter der Regierung, der Kom- Mischen Partei und der Eewerkschaf- melten Trauerreden, worauf der Sarg "vkow. Bucharin, Litwinow und am y Persönlichkeiten zum Bestattungs- der Kreml-Mauer getragen wurde.

Augenblick, wo der Sarg in die Gruft wurde, gaben die Geschütze Salut-

* ab. Bis spät in den Abend hinein viele Tausende von Demonstranten, .°iU Verstorbenen die letzte Ehre er- : ,eR wollten, am Grabe vorbei.

Frankreich und Rußland.

5$otis, 13. Juni. Scharfe Angriffe die russische Sowjet-Regierung rich- t gestern d°r frühere Kriegsminister Sinot in einer Parteiversammlung.

!^ot forderte den Abbruch der somatischen Beziehungen ^91 Frankreich und Rußland. Wem

an der Aufrechterhaltung der Ordnung in seinem Vaterlande ctroas liege, der müsse mit den Revoultionären in Moskau bre­chen. Maginot betonte, daß die russische Gesandtschaft in Paris nichts anderes sei, als ein Agent der 3. International«.

Die?»!gen des Moskauer Blaigerichts

Die Hinrichtungen in Moskau haben auch in Berliner politischen Kreisen sowie in den führenden Blättern aller Richtun­gen lebhafteste Beachtung gefunden. Man ist sich durchweg einig, daß das Borgehen der Sowjetbehörden, gleichviel von wel­chem Standpunkte man es ansieht, ein chwerer politischer Fehler war, der noch chwerwiegendere Folgen nach sich ziehen kann. Während die Presse der deutschen

Mittelparteien in ihren Kommentaren Rückschlüsse auf das Verhältnis Deutsch­lands zu Rußland zu ziehen vermeidet, macht sich in der Rechtspresse ein sehr auf­fälligen Abrücken von Rußland und dem­entsprechend ein Anwachsen der Sympa­thien für England bemerkbar. Am weite­sten geht darin der „Berliner Lokalan­zeiger", indem er schreibt: „Eine Re­gierung, die sich unter Verzicht auf jedes Gebot der Menschlichkeit und Gerechtig­keit nur mit solchen Barbaren am Ruder halten kann, ist ein für allemal gerichtet. Die Sympathien der Welt werden jeden­falls in dem Machtkampf zwischen Eng- alnd und Rußland nach dieser neuesten Massenhinrichtung sich selbstverständlich mehr und mehr der englischen Regierung zuwenden, die nun auch neben der Wahrnehmung ihrer eigenen Interessen die stärksten moralischen Beweggründe für ihr Vorgehen gegen Rußland in An-

SinanzmtiMtt KnmsmS Mich verunglückt

Beim Mtb, aut eine fndemde ArnßendnW auWtmgcn

München, 12. Juni. (Wolff.) Heute vormittag gegen 10 y2 Uhr verunglücke der bayerische Staatsminister der Finanzen Dr. Krausneck beim Einspringen in die Straßenbahn an der Arnulstraße am Starnberg Bahnhof in München tödlich. Er wurde mit schweren Verletzungen in. die Chirurgische Klinik eingeliefert, wo er inzwischen verstorben ist. Wie dem WTB. mitgeteilt wird, erfolgte das Ab­leben des Ministers schon fünf Minuten nach der Einlieferung in die Klinik, wahr­scheinlich infolge eines Bruches der Halswirbelsäule.

München, 12. Juni . Zu dem tragischen Tode des Finanzministers Dr. Krausneck er­fährt der Landesdienst des Süddeutschen Korrespondenzbüros noch folgende Einzel­heiten:

Der Minister hatte versucht auf den An­hänger eines fahrenden Straßenbahnzuges aufzuspringen, wobei er stürzte. Der Finanz­minister, der, wie bereitsgemeldet, keinerlei Ausweispapiere bei sich hatte, lag als un­bekannter Toter -nach seiner Einlieferung in die Chirurgische Klinik bis nachmittags drei

Uhr. 2» der Zwischenzeit waren die Söhne des Verunglückten wegen des Ausbleibens ihres Vaters besorgt geworden und wandten sich direkt an den Ministerpräsidenten Dr. Heldt, um Erkundigungen anzustellen. Mi­nisterpräsident Heldt tröstete zunächst die An­gehörigen und zog hierauf direkt bei der Polizeidirektion Erkundigungen ein, wo ihm mitgeteilt wurde, dah in der Chirurgischen Klinik «in unbekannter Toter liege, der anscheinend den Ehrenring des Deutschen Museums trage. Dem Mi- nisterpräsidentten war es bekannt, daß Dr. Krausneck seinerzeit bei der Eröffnung des Deutschen Museums durch die Verleihung des Ehrenringes der Museumsleitung geehrt wor­den war. Er begab sich hierauf persönlich in die Chirurgische Klinik, um dort zu seinem jähen Schrecken seinen verunglückten Minister­kollegen zu erkennen.

Beileidstelegvamme an Ministerpräsident Held.

ff. Berkin, 13. Juni. Laut „Mon­tag Morgen" haben Reichspräsident von Hindenburg und Reichskanzler Dr. Marx noch am Sonntag Beileidstelegramme aus Anlaß des tödlichen Unfalles des bayeri­schen Finanzministers iLr. Krausneck an den bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Held gesandt.

b

spruch nehmen kann." Auch die „Kreuz­zeitung" erklärt: „Die neuen unerhörten Bluttaten, deren sich Moskau jetzt schuldig gemacht hat, können nur dazu beitragen, die Reihen der Gegner des bolschewisti­schen Regimes zu schließen und die Anti- Sowjet-Front zu verstärken."

Unpersönlicher betrachtet die „Ger­mania", das Parteiorgan des Zentrums, die Vorfälle, in denen sie hauptsächlich ein Anzeichen für die Schwäche Moskaus sieht. Das Blatt schreibt: Wir sehen nicht, wieso die neuesten Bluttaten der bolsche­wistischen Polizei gegen wehrlose Gefan­gene, zum großen Teil gegen arme Teufel, die seit Monaten in Haft sind und die des­halb unmöglich eine Mitschuld an den jüngsten Attentaten in Petersburg und an­derswo treffen kann, die Stellung der Sowjetregierung stärken könnten. Wir erblicken darin im Gegenteil ein Zeichen der Nervosität der Moskauer Machthaber, ein unfreiwilliges Schwächebekenntnis. Diese Nervosität ist aus mancherlei wun­derlichen, zum Teil fast hysterisch an­mutenden Aeußerungen hochstehender bol­schewistischer Staatsmänner erkennbar ge­worden." Aehnlich äußert sich die „Vossi- sche Zeitung", indem sie feststellt: „Diese Terrvrmaßnahmen haben der Sowjet­

regierung mit einem Schlag das morali­sche Prestige zerstört, das sie sich in ' en letzten Monaten des englisch-russischen Konflikts erworben hatte."

Sehr interessant ist die Ansicht des Mos­kauer Korrespondenten des „Berliner Tageblatt", der mit „unabsehbaren Folgen für die internationale Politik" rechnet. Er entnimmt dem Vorgehen der Sowjetbe­hörden, daß das Tischtuch zwischen der Sowjetregierung und England völlig zer­schnitten ist und ein aggressiver Kurs ein« geschlagen wird und daß mit den Waffen, kriegerische ausgenommen, gegen England vorgegangen werden soll. Diese Taktik werbe aber jedenfalls eine für Rußland höchst ungünstige Wirkung auf die übrige bürgerliche Welt ausüben."

Fortschritt« iu de« englisch-ägyptische« Berhanplnngen?

fk. London, 13. Juni. Der ägypti­sch« Ministerpräsident Sarwat Pascha hatte gestern abend eine länger« Unterredung mit dem britischen Oberkommissar Lord Lloyd. Man sieht in dieser Unterredung eine« Beweis für einen gewissen Fortschritt der Berhandlungen zwischen England und Aegypten, zumal der ägyptische Minister­präsident ausgiebige Besprechungen mit den Oppositionsführern hatte.. . .

Sie MKtrbunMtagung

Die Sommertagung des Völkerbunds-' rotes, die soeben in Genf begonnen hat, verspricht in mehrfacher Hinsicht inter­essant und bedeutungsvoll zu werden. Da­bei wird sich das allgemeine Interesse auch diesmal wieder mehr den politischen und diplomatischen Besprechungen, die in den Pausen zwischen den einzelnen Sit­zungen stattfinden, zuwenden, wobei aller­dings hervorgehoben werden muh, daß auch die offizielle Tagesordnung außer­ordentliche Probleme aufweist.

Was zunächst die Frage, an der Deutsch­land in erster Linie stark interessiert ist, die Rheinlandfrage nämlich, angeht, so wird man sich hüten müssen, hier die Er­wartungen zu hoch zu spannen. Daß die Frage der Rheinlandräumung auf Grund des Artikels 431 des Versailler Vertrages von uns nicht zur Diskussion gestellt wer­den wird, ist schon seit längerem bekannt. Ein offizieller deutscher Schritt in dieser Frage wäre auch von vornherein zum Scheitern verurteilt, schon deswegen, weil die Voraussetzungen für einen Schritt for­mell noch nicht gegeben sind. Denn die Beseitigung der Ostbefestigungen ist zwar deutscherseits durchgeführt, aber man hat uns eine Bestätigung für die Erfüllung dieser letzten Entwaffnungsverpflichtung noch nicht erteilt. Die Frage der Ver­minderung der Besatzungstruppen wird zweifellos in den diplomatischen und po­litischen Gesprächen der Außenminister er­örtert werden. Ob es möglich sein wird, eine Herabsetzung der Truppenzahl, etwa um die oft besprochenen 10 000 Mann zu erreichen, ist nicht so sicher wie es von manchen Seiten hingestellt wird.

Es ist selbstverständlich, daß die große« Politischen Fragen, die im Augenblick die Welt in Atem halten, Gegenstand der Politischen Diskussion in Genf sein werd«» Das Verhältnis Englands zu Rußland, der russisch-polnische Konflitt, und die Aus­einandersetzungen zwischen Albanien und Jugoslawen. In maßgebenden Berliner politischen Kreisen beurteUt man die durch das Warschauer Attentat hervorgerufene Zuspitzung der ohnehin schon vorhandenen weltpolitischen Spannungen sehr ernst, doch glaubt man nicht, daß dieses Ereignis ern­stere Konseguenzen nach sich ziehen wird. Auffallenderweise beurteilt man in Ber­lin den Konflitt zwischen Belgrad und Ti­rana viel ernster und hält ihn für ein die Ruhe Europas bedrohendes Ereignis.

Zu den Fragen, die im Rahmen der offiziellen Tagesordnung zur Sprache kom­men, gehört vor allen Dingen die Memel­beschwerde. Ferner wird die Frage oes polnischen Munitionsdepots auf der Wester- Platte bei Danzig zur Erörterung kommen. Sehr zu begrüßen ist es, daß die Frage der Luftfahttlisten in letzter Stunde von der Tagesordnung abgefetzt werden konnte. Die Botschafterkonferenz hat sich — ein seltener Fall — hier einmal überzeugen lassen, daß ihre Forderungen bezüglich einer Sonderkontrolle der deutschen Luft- fahtt unberechtigt gewesen sind.

StitlMc Kriegsschiffe in «dingen

Danzig, 12. 3um. Wie die .Danziger Zeitung" meldet, traf gestern in Gdingen ein aus dem U-Doot-Mutterschiff „Eleeto" und vier tl-Booten der H-Klasse bestehendes eng­lisches Geschwader ein. Aamens des polni­schen Flottenkommandos wurde es von einem Marineoffizier begrüßt. Darauf stattete das englische Flottenkommando dem Komman­dierenden der polnischen Flotte sowie dein Seeküsten - ©taroftetr und dem Gedinger Bürgermeister einen Besuch ab. Einige eng­lische Offiziere begaben sich auf Einladung des Marschals Pllsudski nach Warschau, wo sie sich voraussichtlich zwei Tage aushalten werden. Gestern abend wurde zu Ehren der englischen Offiziere vom polnischen Flotten- kommando auf einem polnischen Kriegsschiff ein Gssen gegeben.