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AMtifen», g 11. Ami 1927

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Die SMjki-Rlgikrung In der Abwehr

AnSweiinng aller Eaglünder Warnungen an FrankreichEngland rechlferligl sich

lit merkwürdige Gleichzeitigkeit der zitate in Warschau, Leningrad und gi?, denen hwhe und niedrige Funkiio- t des Sowjetregimes zum Opfer fielen, ihr zeitliches Zusammenfallen mit der Mrfung des englisch-russischen Gegen- is'haben nicht nur für Moskau, son» r auch für ganz Europa politische Be- rnng. Ob die Attentate, wie die Sow- ocrmuten, in den Rahmen einer en allgemeinen Aktion gegen das Sow- gime, dessen treibendste Kraft Eng- > ist, fallen, mag dahingestellt bleiben, r auch gesetzt, dah kein direkter ur- licher Zusammenhang zwischen den Ver­benen Mordanschlägen besteht, auf je- Frll wird sich das Eine nicht ableug-- lassen, dah der Abbruch der diplomati- i Beziehungen zwischen England und send für alle Feinde der Sowjetunion Signal zu verschärftem Vorgehen ge- m Ist. Und in diesem Zeichen totrb i die weitere Zukunft des Sowjetre- I zweifellos stehen. Man wird in ta nicht zur Ruhe kommen. Am Ge- eil dürfte die Situation für die Sow- »cht von Monat zu Monat gefährlicher en. Das geht auch aus denEnt- ingen über die Miniertätigkeit Eng-

die wir gestern veröffentlichten, lich hervor.

tttauä und aus den verschiedenen Auf- s der Parteiorganisation sowie den Er­jagen, die durch die russische Regie­KPresse gehen, ist ganz fraglos zu er- , daß die Sowjets einen Krieg nicht <hen, dah sie aber andererseits doch ten, daß es schließlich zu einem Krieg «er könnte. Mit den Sowjets ist hier sogenannte Stalingruppe, die gegen« iize Regierungsmehrheit gemeint, wäh- die um Sinowjew und Trotzki grup- v Opposition anderer Ansicht ist und .»Erfassung der Ofstensive zur Durch- ung der Weltrevolution" fordert. Aber das ungestüme Drängen dieser üb- M vorläufig kaltge sie Ilten Gruppe s wohl letzten Endes demselben Gefühl sich über den Häuptern des Bolschewis- zusammenziehenden Bedrohung ent- aen, aus dem heraus sich die regte« * Stalin-Gruppe auf die Beteuerung I Friedenswillens und aus die pro- ndtstische Abwehr verlegt.

brrdon, 10. Okuni. Die zuständigen vner Kreise bezeichnen die Meldung als ft erstaunlich, daß gewisse in Mos» Hingerichtete Russen von den Sowjetbe- *n der Spionage zug unsten der Eischen diplomatische «Mission Ibtgt worden sind. Es wird energisch sit ten, daß die britischen Behörden ®ise Beziehungen zu den fraglichen Per» 8 gehabt hätten. Es wird in diesem Zu» Umgang darauf hingewiesen, daß die von Sotoietregierung verdächtigten Mitglie- tt britischen Mission in Moskau keine rannt gen zu Russen außerhalb des Kreises 1 amtlichen Verpflichtungen haben konnten daß sie sogar sorgsam vermieden, sich Seilschaft tm Russen zu zeigen, aus M, ihre Handlungen könnten zu Ber» agungen führen. Diese Zurückhaltung

einen großen Gegensatz z u der >heit, der sich Rosengvlz und Eomjetmission in London er» rat wo sie ungehindert und ohne Äon» überall hingeben konnten. Es wird ge» ' daß eine der Spionageanklagen in Ber» mit einem Brie f des britischen

in Leningrad an ein -^9Tret* der britischen Mission sävskau gestanden habe. Dieser Bries die Antwort auf eine Anftage der bsiti» L-®iiTion, ob der Konsul Namen von ?Ten Firmen angeben könnte, die feine ^s ch« Produkte von englischen zu kaufen wünschten. In der Ant- ,°gtc der Konsul, er würde sich bemühen, i?16 notwendigen Informationen tu ver- js8 Dieser Brief wurde von den Sowjet- ^n,bei der Post beschlagnahmt. J^irten, er bezwecke ungesetzliche 3n» ««tonen zu erlangen. Ein Faksimile des wurde zugleich mit der Anklage aus Aage auf ber ersten Seite der .Jswest-ja" ^ntlicht. Roch einmal wird neu den Sen Kreisen energisch erflän. daß b e i J* b b r u te r D zieh ungen mit vowjetregierung sich die britische

Regierung von keinen geheimen Grün­den habe leiten lassen, wie es jetzt angedeutet wird. Wie stets gesagt worden ist, hatte die britische Regierung nicht die Absicht, den Kriegszustand herbeizuführen. Sie hofft vielmehr, dah unabhängig von den diplomati­schen Beziehungen, die Handelsbeziehungen fortgesetzt werden würden.

Geplante Ausweisung aller Engländer.

Riga, 10. Juni. Aus Charkow wird gemeldet, dah die ukrainische Regierung in den letzten Tagen neue scharfe Mahnahmen zur Bekämpfung des ukrainischen Separa­tismus unternommen hat. Einige Trup­penteile sind aufgelöst worden. Die ukrai­nische Regierung hat die Zentralregierung in Moskau um Unterstützung ihrer Mah­nahmen ersucht. Zn Charkow und Odessa sind zahlreiche weitere Verhaftungen, dar­unter auch solche von Ausländern, vorge­nommen worden.

Die Oppositionsführer erheben lebhaft Protest gegen die Schreck-nsherrschaft. Das Oberste Kriegs- und Reoolutionstxi- bunalgericht hat zur Rechtfertigung gegen­über der Oeffentlichkeit die Akten der Hin­gerichteten eingefordert. Weiter wird ge­meldet, dah die Sowjetregierung beabsich­tige,

sämtliche britischen Staatsangehörige« aus der Sowjetunion auszuweisen.

Als Eegenmahnahme gegen die angebliche englische Truppenzusammenziehung in In­dien werden Truppenteile der Roten Ar­mee in Turkestan, Buchara und in der Mongolei zusammengezogen. In der Pro­vinz fanden neue Demonstrationen gegen England statt. Die Kommunistische Inter, nationale verstärkt ihre Propaganda in de» astatischen Ländern.

Moskau beruhigt Frankreich.

fk. P a r i s, 11. Juni. Die russische Bot­schaft hat der Pariser Presse eine Mittei­lung übermittelt, in der sie zur D o r s i ch t gegen falsche Nachrichten über die Absicht der Moskauer Regierung ermahnt.

Gerüchte über eine Mobilisierung der Roten Armee werden kategorisch dementiert.

Die Erk.Lrung stellt weiter fest, dah fast alle Mitglieder der Botschaften, die sich illegale Propagandatätigkeit zu Schulden kommen liehe«, längst abberufen worden seien und Frankreich verlassen hätten.

Smnslug mb getarnt

Ansprachen Schumanns und SlrOmaunS im amManischen Klub

fk. Berlin, 11. Juni. Bei dem Bankett des amerikanischen Klubs zu Ehren der beiden amerikanischen Flieger in dem mit den Farben der Vereinigten Staaten und des deutschen Reiches ge­schmückten Festsaal des Hotels Adlon dankte der amerikanische Botschafer in Berlin, Schurmann, zunächst in einer Rede dem deutschen Softie für den herz­lichen und begeisterten Empfang von dem die Amerikaner ganz überwältigt worden seien. Chamberlin habe gestern gesagt, was ihm den stärksten Eindruck mache, sei, daß der Beifall so ganz und gar spontan schiene; das deutsche Volk und die deutsche Regierung hätten sich ver­einigt, Chamberlin und seinen Begleiter für ihre Rekordleistung zu ehren. Heute seien alle Rationen der physischen Gewalt unterworfen. Ihre Befriedigung könne nur durch die erlösende Gewalt einer großen Idee erreicht werden. Locarno" war für unsere beinahe ver­zweifelnde Welt ein neuer Hoffnungs­trieb. Lindbergh und Chamberlin sind die Herolde einer neuen Aera der Ge­schichte der Menschheit."

Die Rede des Botschafters wurde mehr­fach von stürmischem Beifall unterbrochen. Auf Aufforderung der Präsidenten des amerikanischen Klubs sprach bann, von lebhaftem Beifall begrüßt, Reichsaußen­minister Dr. S t r e s e m a n n, der ein­gangs darauf hinwies, daß der Empfang der Flieger in Deutschland gezeigt habe, daß hier großes Verständnis für heroische LeistungenEinzelner bestehe. Er selbst habe zwar gelegentlich darauf hingewiesen, daß eine lieber« schätzung des Wertes gefähr­lich erscheine.Wenn sich die Leistung jedoch mit einem geistigen Ziele verbindet, so kann dadurch Großes für die Menschheit geschaffen werden." Dankbar begrüßte er es, daß Botschafter Schurmann die Ueberquerung des Ozeans durch feine Landsleute mit dem Locarno­pakt in Verbindung bringe, obwohl feine große Ration außerhalb des Völker­

bundes stehe, und den Ideen von Locarno feine Anerkennung zolle. Auch für die Außenminister verschiedener Länder ginge die Fahrt oft durch Rebel, und oft­mals fei es ungewiß, ob das Ziel er­reicht werde. Maßgebend fei bei dem Er­folg der Ozeanflieger bei aller Ungewiß­heit der feste Wille, und es bleibe be­stehen, daß das gesteckte Ziel erreicht werden muffe.

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Sor ter MStagung

DieTägliche Rundschau" kommt heute noch einmal auf die Probleme der Genfer Tagung zu sprechen und schreibt u. a.: lieber die Art und Weise, wie die deutsche Delegation sich zu den großen poli­tischen Fragen verhalten soll, herrscht in der deutschen öffentlichen Meinung volle Uebereinstimmung. Auch im Kabinett be­steht keine Meinungsverschiedenheit.

Weiter schreibt das Blatt über die Zer­störung der Ostbefestigungen werde in den nächsten Tagen eine Note an die Botschaf­terkonferenz überreicht werden. Heber die Haltung der -Regierung in der Frage der Verifizierung zur Zerstörung der Unter­stände bestehe volle Einigkeit.

Die «rutsche Delegation.

Berlin, 10. Juni. Zur Ratstagung in Genf werden sich, wie die Blätter er fahren, u. a. begeben: Reichsautzenminister Dr. Stresemann, Staatssekretär von Schubert, die Ministerialdirektoren Dr. Gaur und Dr. Zech l in, die Geheim­räte von Bülow und von D i r k s e ni und Gesandter Frehtag. Die Delega­tion ist heute abend von Berlin abgereist. Der Reichkaußenminister hat sich zunächst nach Frankfurt a. M. begeben, wo er der Musikausstellung einen Besuch abstatten wird. Am Sonntag dürste Dr. Strese- mann dann in Genf eintreffen. Unmittel­bar nach feiner Ankunft werden die in« offiziellen Genfer Verhandlungen begin­nen. Stresemann dürfte die neue Tagung des Völkerbundsrates eröffnen.

gltegtt

Dor 36 Jahren packte Sebine-Tater in Wilna fein Bündel und fuhr mit Kind und Kegel in wvchenlanger Schlingerfahrt ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Pfingsten 1927 fährt Levine-Sohn, einst Pferdejunge, dann Händler und Mil­lionär, in nicht ganz zwei Tagen von Rewyvrk nach Eisleben-Cottbus. Einige Liter Betriebsstoff mehr, und er Hütte feine Heimat wiedergesehen.

Bor 10 Jahren fuhr Chamberlin, einst auch Cowboh int weiten Westen, dann Photograph und Pilot, nach Europa, um als Kampfflieger der amerikanischen 2lrmee gegen die Deutschen zu kämpfen.

Pfingsten 1927 lenst er ein mäßig großes Passagierflugzeug über den Ozean, über­fliegt den stchein und landet, von Millio­nen, ja von 2lllen bejubelt, im Herzen Deutschlands.

Kaum ein Menschenalter ist vergangen, seit der schönste Traum des Erfinders, fliegen zu können wie der Bogel in der Lust, erfüllt ward. And schon scheint es kaum noch eine Grenze zu geben, die der Aeberwindung von Raum und Zeit sich entgegenstellte.

Zeit was bedeutet sie noch, seit der Schnellzug durch die Lande jagt, oas Flug­zeug den Kaufmann und Bergnügungs- reisenden in sicherer Fahrt über Berge und Meere trägt?

Jahre sind es nicht Maße des Men­sche« nur, sein Leben zu teilen, sein Wir­ken zu ordnen, feine Ziele zu halten und zu leiten? Schwellen gleichsam, die dem Zug Richtung und Halt bedeuten, und er don­nert über sie hinweg?

Raum ist er nicht bald das Weltall nur, ohne Grenze für Bolk und Heimat, überwunden dort, wo die Aatur ihn un­eben gestaltete, verteilt, besiedelt vom Menschen nach seinem Willen, seiner Ber- nunft?

O, der Mensch vermag viel. Wie er den Wald sich eroberte und das Meer, den Flüssen ihren Lauf vorschrieb, ihre Kräfte in seinen Dienst zwang, so zwingt er auch wohl den Raum, wandelt den Begriff Der Zeit, der unsere Arväjer noch schreckte.

Doch, was vermag der Mensch gegen den Menschen, gegen das Blut, das leben- tragende, lebenwollende Blut? Schuf er, züchtete er je den neuen Menschen nach seinem Bilde von Raum und Zeit, daß «'v ihm gleich sei?

Als Lindbergh, der erste TranSozean- flieger, noch in Schweden die Schulbank drückte, sprengte man einen Schornstein, der am Wasser gelegen war. Der wag­halsige und doch klug berechnende Zunge erfuhr, dah der Schornstein zum Wasser hin fallen müsse, er kletterte hinauf, klam­merte sich an die stürzenden Steinmassen, sprang ab und schwamm ans Land.Ich muhte nur den richtigen Moment abpassen, durfte nicht zu früh abspringen, sonst wäre ich erschlagen worden." Das vermag der Mensch.

Als Chamberlin in Eisleben landete, fragte er, dem die Borstellung vom deut­schen Menschen als einem grausamen, rachedürstenden Wesen durch Die amerika» nische Presse geläufig war, ob die Deut­schen noch amerikafeindlich gesinnt seien. Er ist empfangen und geehrt worden wie kaum je ein Kaiser. Auch das vermag der Mensch.

Aber man bedenke: Seit fast einem Jahrhundert fährt die Eisenbahn, sie hat die Binnengrenzen, diese unerträglichen Hemmnisse jeden wirtschaftlichen Auf­schwungs, beseitigt, hat die Menschen und ihre Kulturgüter einander nähergebracht. Doch kommt der Norddeutsche nach Bay­ern, der Sachse nach Ostpreußen, so sind sie wie in einem fremden Lande. And kommt der Deutsche nach England, mag et die englische Sprache gut beherrschen, er ist und bleibt ein Fremder. -