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f* ^vverhesfisch« Settung* « Hetnf sechsmal wLchenUtch. Be- monatlich 2 GM. au»> Meßl. Zustellungsgebühr, durch hjeP»st2LS SM.Für etwa infolge Streiks, Maschinendefekt« oder ^mentarer Lreigniff« ausfallend« gymneta wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag d. Dr. Kiheroth. Druck der Unib.-Duchdruckerel b. geh. Slug. Koch. Markt 21/23. gMispr«<b«rr Nr. 54. u. Nr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt 2®. Nr. 5015. Sprechzeit (et Redaktion von 1011 und 1,11 Uhr.

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Berlin, 31. Mai. DasBerliner Tageblatt" veröffentlich den Brief des Reichskanzlers Dr. Marx an den Abg. Tr. W i r t h. der folgenden Wortlaut hat:

Sehr verehrter Herr Kollege! Zu meinem Bedauern bin ich genötigt, eine -höchst unangenehme Ange­legenheit zur Sprache zu bringen. Es bandelt sich um die Rede, die Sie am 15. Mai d. I. auf der Reichsbannerver­sammlung in Königsberg gehalten haben. Rach den fast übereinstimmenden Berich­ten der vermiedenen Zeitungen haben ' Sie u. a. mit Bezug auf die bevorstehende Abstimmung über das Republikschukge- setz geäußert, wenn die Monarchisten für das Republikschutzgesest stimmten, so würde das vom Standpunkt des Monarchisten aus eine Schande sein. Die Handlun-teile sei aber verständlich, iwenn man die Gesinnungslum- rperei zum politischen Prinzip erhebe. An einer anderen Stelle sollen tSie nach den Berichten gesagt haben: .Sorgen Sie dafür, daß die republikani­sche Regierung in Preußen bleibt und daß jie nichtrepublikanische Re­gierung im Reiche möglichst bald verschwindet. Das muß bei der nächsten Reichstagswahl entschieden werden." Wegen dieser Aeußerungen ist sowohl im Vorstand der Reichstagsfrak­tion. wie beim interfraktionellen Aus- Wrß insbesondere von den Mitgliedern der deiitschnationalen Partei B e - sch werdebeimir er hob en worden. ; sich muß erkenne^, daß, wenn Sie diese Äeußeruna wirklich getan haben sollten, bas vom Standpunkt der Zentrumspartei "rufs Tiefste zu beklagen wäre.

geht nicht an, daß ein hervorragendes Mitglied der Partei Angehörigen einer anderen mit der Zentrumspartei in Koa­lition befindlichen Partei den Vorwurf einer Gesinnungslumperei macht. Ganz /unbegreiflich ist, wenn Sie in der Tat die Aufforderung an die Versammlung ge­richtet hüten, die nicht republikanische Re- pieruna im Reich möglichst bald zu beseiti­gen. Diese Bemerkung enthält

einen unerhörten Angriff gegen die Regierung,

He bis setzt wirklich noch nicht im gering­sten etwas getan hat, was den Vorwurf kechtfertigen könnte. Sie verhalten sich feindlich aegenüber der bestehenden Ttaatsform der Republik. Die Bemer­kung ist aber auch vom Standpunkt des Zentrums aus unerklärlich, weil das Zen­trum, nachdem die fozioldemokratifcke Partei die Bildung einer Regierung mit unmöalich gemacht hatte, die fetzt im amt befindlk'e Reichsregierung aus wohlerwogenen staatserhaltenden Grün­en mitaefchaffen hat. cr* muß "'men m meiner Stellung als Vorsitzender der *e<tH*en. Zenirumsnartei die Bitte vor- kuqen, mir umgehend eine Mit- ^iluna darüber zugeben zu lassen, ob «je die obenerwähnten Aeußerunaen tat- Acklich gemacht haben. Für den Fall der Jefahung möchte ich Sie um eine gefl. wrung darüber bitten, welche schritte Sie zu tun gedenken, die in solchem Falle mit den Pflichten eines Zen- ^unsanbänaers von selbst oeboten sind. Würden solche Schritte von Ihnen nicht in 5,.i5fi*t gestellt werden, dann würde ich wfch zu meinem Bedauern im Interesse ues Ansehens und der Würde der o.entrumspartei genötigt sehen, die I wir erforderlich erscheinenden Maßnah- $ <net zu treffen.

gez. Marx,

Vorsitzender der Deutschen Zentrums­partei.

i Die dasBerliner Tageblatt" weiter i weidet, trägt der Artikel derDeutschen I ^epuhiik", in dessen Rahmen Wirth den I ^lrx-Brief wiedergibt, die Ueberschrift: -»Kein Streit um Worte Ab- | wehr und Angriff". Darin ver-

... * ' - 6

Der SiemSmarsch ter Slitchimsen akllna MM MnM - Der Hm KM ahmgtteUm

London, 31. Mai. Wie Reuter aus Schanghai meldet, soll die Angriffsbewe­gung der Nordtruppen unter General Fentien am 26. Mai in Honan zu einem vollständigen Mißerfolg geführt haben. Die Südtruppen führten am 28. Mai einen Ge­genangriff aus und zwangen die Nord­armee zum Rückzug. Die Südtruppen ver­suchen nun. das Eros der Armee Fengtien abzuschneiden. Andere Generale schicken sich jetzt an, sich mit den Siegern zu vereini­gen. Infolgedessen ist die Stellung der Nordarmee äußerst gefährdet. Die Un­sicherheit der Lage hat die Japaner und Engländer zu dem -Beschluß veranlaßt, Truppen nach Nordchina zu entsenden.

Peking in Erwartung der Südtruppen.

fk. Peking, 1. Juni. Tschangtsolin hat dem diplomatischen Korps mitgeteilt, daß er seine Truppen zurückziehe und sie nördlich von Songhai gruppieren werde. Die chinesischen Kreise treffen daraufhin bereits Vorbereitungen, um die Stadt zu verlasien und di« Ausländer pla­nen Verteidigungsmatznahmen.

wahrt sich Wirth einleitend dagegen, daß die Streitfragen auf das formale Gebiet abgeschoben würden. Die politische Lage sei nicht ohne Bedrohung. Persönliche Sympathien und Antipathien dürften keine Rolle spielen. Auf ihrem Kieler Parteitag hätte die Sozialdemokratie den Weg zu Koalitionsverbindungen mit den bürgerlichen Parteien in aller Form neu geöffnet, während die Deutschnationalen versuchten, das Zentrum im Bürgerblock Sr alle Zeiten festzumachen. Dann fahrt

irth fort:

Herr Marx trägt etwas stark auf. Er glaubt, daß ich in Königsberg, nach seinem Brief, den Satz geprägt habe:Sorgen Sie dafür, daß die republikanische Re­gierung in Preußen bleibe und daß die nichtrepublikanische Regierung im Reiche bald verschwinde. Das muß in der näch­sten Reichstagswahl entschieden werden.' Ich streite vorerst noch nicht darüber, ob das der genaue Wortlaut aus meiner in Königsberg gehaltenen. Rede ist. Ich würde auch in diesem Wortlaut durchaus etwas politisch Zulässiges sehen. Wie emp­findlich sind doch heute Minister gewor­den! Mein Hinweis auf die kommende Reichstagswahl sollte doch für jeden Kun­digen die Frage, um die es sich handelt, genügend umschreiben. Mehrmals schon habe ich und erneut auch in Königsberg ausgeführt, daß die ganze Frage sich dahin konzentriere, bei der nächsten Reichstagswahl zwei bis drei Dutzend entschied en e Republi- kanermehr indenReichstagzu bringen. Glaubt jemand, daß dann nochH im Innenministerium und im Reichsjustiz­ministerium ein Reaktionär sitzen könnte? Ich mache eben aus meinem Herzensgrund kein Hehl.

Ich stehe der heutigen Reichsregierung 'ablehnend gegenüber.

Ich stehe zu ihr in Opposition, wie ich mehrmals deutlich zum Ausdruck gebracht habe. MeinNein" ist unberufen wahr. Wenn man also zu einer Regierung in Opposition steht und das deutlich durch den Stimmzettel erklärt, so ist es ganz selbstverständlich, daß man diese Regierung möglich st bald gestürzt sehen will, und alles tut, diese Regierung zu Fall zu bringen. Der Zeitvunkt ist damit noch nicht berührt. Er liegt in der Entwicklung selbst beschlossen. Wenn also die Zen-

fk. L o n d o n, 1. Juni. Wie aus Peking gemeldet wird, wird in ausländischen Krei. sen mit der Besetzung Peking unaufhaltsame Dorrücken der Südtruppen gerechnet. Die außerhalb der internationa­len Niederlassungen wohnenden Ausländer haben sich schutzsuchend in diese begeben.

Die in Nordchina stehenden auslän­dischen Truppen, die mit 810 000 Mann bei Peking und Tientsin konzentriert find, dürften demnächst ihren Bestaiü» auf 16 000 Mann erhöhen.

Marschall Tschantsolin hat eine Er­klärung veröffentlicht,, nach der seine schwere Niederlage in der Provinz Honan auf den Verrat von zwei Heer­führern zurückzuführen ist.

Bevorstehender Sturz Tschantsolins?

fk. London, 1. Juni.Times" berichtet aus Tokio, in Japan werde der Rückschlag, der die nördlichen Streitkräfte betroffen habe, als Borbote des Sturzes Tfchantsoli.ns betrachtet.

trumspartei glaubt, daß meine oppo­sitionelle Stellung mit der Zugehörigkeit nicht vereinbar ist, so bitte ich um eine einfache klare Mitteilung dar­über. Was Herr Marx will, geht aus dem Brief, den ich hiermit der Oeffentlichkeit übergebe, klar und deutlich hervor. Die nächsten Tage führen mich zu weiteren Versammlungen im Reiche. Ich werde jetzt schon alles tun, um für die kommende Reichstagswahlen-Bewegung die Republi­kaner zu wecken. Von Herrn Marx stammt das interessante Wort:Die heu­tige Zentrumsfraktion entspricht nicht mehr der Zusammensetzung ihrer Wähler."

Zentrumsvorstand,undFall Wirth".

B e r l i n, 31. Mai. Von der Zentrums­partei wird offiziell mitgeteilt:,Die Presse berichtet, daß in dieser Woche eine Sitzung des Reichsparteivorstandes einberufen worden sei, in welcher über den Reichs­kanzler a. D. Dr. Wirth einGericht" ab­gehalten werden soll. Es i"' Tatsache, daß eine Sitzung des Parteivorstandes stattfin- den wird. Die Einberufung dieser Sitzung ist nicht durch die Erörterung über die Königsberger Rede des Herrn Dr. Wirth, sondern durch laufende Angelegenheiten der Partei veranlaßt worden. Die Ange­legenheit Wirth steht nicht auf der Tages­ordnung.

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Rußland plant eine ergmumenflmton

Rigcr, 31. Mai. Aus Moskau wird ge­meldet. daß die Sowjet-Regierung anläß­lich des erwarteten Besuches der englischen Schiffe im baltischen Meer darauf hinzu- w"isen beabsichtigt, daß der Besuch der eng­lischen Flotte in den baltischen Ländern einer Demonstration gegen die Sowjet- Union gleichkomme. Die Demonstration richte sich deutlich gegen Kronstadt und Leningrad. Die Sowjet-Regierung werde sofort, nachdem die englischen Schiffe das baltische Meer verlasien haben, eine Ge­gendemonstration veranstalten und die russisch-baltische Flotte nach den skandina­vischen Ländern schicken. Der englische Be­such in der Ostsee sei eine ernste Bedrohung des Friedens.

Afrika auf dem Weltmarkt

Von Wolfgang Weber.

Der Verfasier ist kürzlich von einer Studienreise durch die afrikanischen Wirtschaftsgebiete zurückgekehrt.

Die letzten Jahre und Monate haben die Bedeutung Afrikas für die europäische Ver. sorgung erheblich gesteigert. Mit der Hebung der Erzeugung finden wir gleich» zeitig eine Verbesierung ver Güte der ein­zelnen Rohstoffe, die den Vorsprung Amerikas vor Afrika so verringert, daß sich die europäische Rohstoffgrundlage wahr­scheinlich von dort nach dem schwarzen Erd, teil verschieben wird.

Am auffälligsten zeigt sich der Fort­schritt bei Kaffee, der früher im Verhältnis zu den südamerikanischen Sorten über­haupt keine Rolle spielte. Don 1924 auf 1925 hat sich seine Erzeugung in Ostafrika von 170 000 Sack auf 450 000 gehoben. Diese Mehrproduktion kommt ausschließlich Europa zugute, dessen Markt sich besonders für die Sorten Kilimandscharo und Tan» ganyika in steigendem Maße aufnahme­fähig zeigt. Die rasche Erneuerung und die sorgfältigere Pflege der Anlagen, die mit dem Wohlstand besonders der griechi­schen Pflanzer in Ostafrika zusammen- hängt, üben auf die Qualität einen so großen Einfluß aus, daß auch die deutschen Kaffee-Importeure ihre Vorurteile gegen den afrikanischen Kaffee mehr und mehr fallen lasien.

Dieselbe Entwicklung finden wir bei der Baumwolle. 1922 betrug die Erzeugung in der südafrikanischen Union (hauptsäch­lich in Transvaal und Natal) 2,8 Milli­onen englische Eewichtspfund, 1923 7,3 Millionen, und sie steigt ununterbrochen weiter. Ein bezeichnendes Beispiel gibt auch der Aufschwung der Baumwolle, die 1906 in Uganda eingeführt wurde. Im Jahre 1912 produzierte man. 50 000 Ballen zu je 400 Pfund. Der Mangel an Ver. kehrsmitteln während des Krieges drückte die Zahl 1918 auf 27 000 Ballen herab, aber unmittelbar nach dem Kriege setzte jener außerordentlicheBoom" ein, den wir bei fast allen afrikanischen Rohstoffen finden: 1921 75 000 Ballen. 1923 93 000 und 1924 125 000 Ballen. Weit bedeut­samer find aber die neuen Bewäsierungs, anlagen im eigentlichen afrikanischen Baumwollgebiet, in Aegypten und hn Sudan. Die Staudämme von Makuar und Dschebel-Aulia sollen die sudanische Erzeugung annähernd verdoppeln, so daß man allein in ihrem Gebiet mit einem jährlichen Ertrag von über 200 000 Ballen von je 500 Pfund rechnet. Durch die außer­ordentlichen Steigerungen wird der Anteil Afrikas am Weltmarkt verschoben. 1918 errechnete man einen Weltertrag von 23 Millionen Ballen, von denen 60 Prozent Amerika, 20 Prozent Afrika und Indien lieferten. Da aber Amerika die Hälfte seiner Erzeugung selbst verbraucht, auf die europäische Versorgung also nur etwa 25 Prozent der Weltproduktion entfallen, so ist bei vorsichtiger Schätzung wahrscheinlich, daß Afrika in einiger Zeit in der Beliefe­rung Europas an erster Stelle stehen wird.

Die anderen Rohstoffe zeigen das gleiche Bild. Der Anbau von Sisal beispielsweise, vor 30 Jahren von Deutschen aus Mexiko nach dem Kap eingeführt, hat in der Hand kapitalkräftiger Auswanderer einen erheb­lichen Aufschwung genommen, weil er auch auf dem trockensten Boden rdächst und die Verwertung des bisher brach liegenden billigen Bodens ermöglicht. Karakulschafe (Persianerfelle) find besorckers in Süd­westafrika sehr beliebt; in der Weltproduk­tion behauptet Afrika seit einigen Mo­naten den ersten Platz hinter Amerika.

Die politischen Fragen, die Afrika augenblicklich bewegen, werden ausschließ- lich von dieser wirtschaftlichen Entwicklung beeinflußt. Die Selbständigkeitsbewegun­gen einzelner Negerstämme wären bedeu­tungslos, wenn diese nicht allmählich die