Btzeigerjüridasjmher tmchessiMe)<vberhesserv-Amtliches Vevkündigungsblatt für dkreistklarburg
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Nr. 12162. Mri Marburg a. Laha
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ÄberhMfche Zeitung
«illwo», He S. Rai 1927
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•fei—1 Uhr.
Der Bruch Gnglan-s mit Rußland
WschMng am Dvnnrrslag — TschiisKnin (n Paris — Sriand
London, 24. Mai. Ministerpräsident Paldwin «ab heute in seiner große« Unterbausrede den Beschluß des britischen Kabinetts über den Abbruch der Beziehun- pn der englischen Regierung zu Ruhland bekannt. Danach soll das Handelsabkom« 1 «en mit Sowjet-Ruhland mit sofortiger Wirkung für beendet erklärt und die dip- fe«atischen Beziehungen mit Sowjet-Ruh- land abgebrochen werden. Die Abst'M- «ung soll am Donnerstag erfolgen. Dem russischen Geschäftsträger dürft«« die Palle schnellstens zugestellt werde«. Das Perso- wel der russischen Botschaft und der Hanls-Delegation soll bereits abreisefertig
Der Berliner Korrespondent des „P e - ’it Parisi e n" befürchtet, daß London Mnfolge eines Abbruches seiner Beziehun- zu Moskau Deutschland gegenüber noch wohlwollendere Politik als bis- befolgen und sich entschließest werde, eutschlands Neutralität schwer bezahlen. Pertinax äußert im
■dio d e Paris" die Auffassung, daß ch einen Abbruch der englisch-russischen Ziehungen keine schlimmen Rückwirkun- auf den Osten Europas zu erwarten n. Die Sowjets könnten nicht mehr dieselbe Angst einslößen wie 1920. Hinter ' n stehe eine ruinierte und armselige sellschaft, die weder zu produzieren, noch Mtieg zu führen in der Lage sei. Zweifel- werde aber das Foreign Office seinem Kampf gegen die Sowjets von de u t s ch I a n d eine gewisse M i t- rbe i t v e r l a n g e n müssen. Das Reich erde sicherlich seine berühmte östliche ientierung in die Wagschale werfen, um England Konzessionen auf anderen 'ieten zu erlangen. Frankreichs Haupt- k«rsgabe werde es daher sein, dafür zu >»rgen, daß England die in letzter Zeit Awenüber Deutichland geübte Zurückhal- fortsetze . Die französische Regierung »erde gut tun, sich weder durch die An- Menheit Tschitscherins in Paris, noch ^>rch den französischen Botschafter in kau beeinflussen zu lassen. Wünschens- sei, daß die Regierung gerade diese Mleaenheir benutze, um zu erklären, daß Eawjetrußland auf keinen ^Fall die von w® erstrebten Handelskredite von Frank- reich erhalten werde.
.Zn Berliner diplomatischen Kreisen hat etiu aus Paris kommende Nachricht, wo- ?«ch der russische Außenminister Tschit- Wrin unvermutet in Paris eingetroffen lebhaftes Aufsehen erregt. Wie Der* »nret, soll Tschitscherin seinen Erho- ^Ngsaufenthalt im Süden Frankreichs, ob- Wl dieser noch nicht abgelaufen war, ftdtzlich abgebrochen haben, nachdem ein Engeres Telegramm aus Moskau bei ihm ^Segangen war. Jedenfalls ist es rich- N- daß er in Paris eingetroffen ist und im Qai d'Orsay vorgesprochen hat, 5® « mit dem Vertreter Briands, Ber- AEwt, eine längere streng vertrauliche Merredung gehabt hat. In diplomati- Mr Kreisen wird das plötzliche unange- ^Nvigte Auftauchen Tschitscherin in Paris ^ unmittelbaren Zusammenhang gebracht dem letzten Besuch der französischen Jisatsmänner in London und mit der rnisiheidung des englischen Kabinetts über Eiiwn Abbruch der diplomatischen Be- Wtzugen zu Rußland. Man glaubt, daß ^ichltfcherin auf Weisung von Moskau in g’Ocis einen letzten Versuch unternommen die französische Regierung davon ab- s?dalten, sich im Falle eines Bruches zwi- England und Moskau auf die Seite j*29«inbs zu stellen. Man ist aber ebenso •rr Auffassung, daß Tschitscherin zu spät Paris gekommen ist. Alle Anzeichen stechen dafür, daß die französischen »matsmänner in London bereits zu weit- ®*9enbe Bindungen im Sinne einer Be- *StL,gung Frankreichs an der englischen Mlrußlandpolirik eingegangen sind, als
für sie ein Zurück noch möglich wäre."
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London, 24. Mai. (SU.) Wohl feiten ist eine Erklärung des Premierministers Baldwin mit solcher Spannung erwartet worden, wie seine heutige Rede über die Beziehungen zu Rußland. Der Sitzungssaal, die Diplomatenlogen und die Galerien des Unterhauses waren bis auf den letzten Platz gefüllt. Als der Sprecher kurz vor 3 Uhr seinen Sitz einnahm, war das diplomatische Korps bis auf den russischen Geschäftsträger vollständig vertreten. Bor der Regierungserklärung wurden zunächst mehrere kleinere Anfragen beantwortet. Auf eine Anfrage des Abgeordneten Thurtle, der Auskunft verlangte, ob der Kriegs- m'n'ster sagen könne, wie lange das Dokument, nach dem bei der Arcos gesucht wurde, im Kriegsministerium vermißt worden sei, erwiderte Sir Evans, daß es nicht im öffentlichen Interesse liegen würde, darüber eine Information zu geben. In seiner Rede führte dann
Premierminister Baldwin
aus, daß seit vielen Monaten Polizei- und Militärbehörden die Tätigkeit.von Geheimagenten verfolgt hätten, die sich ‘ mit der Beschaffung hochvertraulicher Dokumente befaßten. Dokumente, die Bezug hatten auf die bewaffneten Streitkräfte Großbritanniens. Rach eingegangenen Informationen und auf Grund des erlangten Beweismaterials im Ber- laufe dieser Beobachtungen habe es sich ergeben, daß die Agenten im Auftrage d er sowjetrussischen Regierung arbeiteten und daß sie ihre Instruktionen von Mitgliedern der Handelsdelegation im russischen Botschaftsgebäude erlangt hätten, die für die Uebermittelung von Dokumenten und Photographien oder von Durchschlägen der in ihren Besitz gelangten Dokumente nach Moskau gesorgt hätten. Dieser Argwohn sei bestätigt worden, als Anfang dieses Jahres ein britischer Untertan, der bei den britischen Luftstreitkräften beschäftigt war, wegen des Diebstahls zweier Dokumente verurteilt worden war. Ferner wurde bei der kürzlichen Entwendung eines Dokumentes beweiskräftig festgestellt, daß es zum Sowjethaus gebracht worden war. Aufgrund dieser Information wurde die Ermächtigung zur
Durchsuchung des Arcosgebäudes
erteilt. Baldwin schilderte dann die Tätigkeit in dem unterirdischen Photoraum in dem Arcosgebäude. Der in diesem Raum tätige Mann (Cooling) war in einem an den Direktor der Geheimsession gerichteten Dokument empfohlen worden, in dem auf bisherige gesetzwidrige Tätigkeit lobend hingewiesen wird. Cooling hatte eine Anzahl geschlossener Briefumschläge in Besitz, die an bekannte kommunistische Personen und Organisationen in Englandunbinden Bereinig- ten Staaten adressiert waren. Sie enthielten Instruttionen und Weisungen von der Roten Inte rnationale. Auch hier ergibt sich wieder, sagte Baldwin, daß
die Büros der Arcos und der Handels, delegation als Clearinghouse für um« ftürzlerische Korrespondenz
verwendet, wozu auch die Verteilung kommunistischer Propagandaschriften in der Vereinigten Staaten gehörte. Es ist durch die Funde genügend bewiesen, daß unter der direkten Kontrolle der Sowjetbehörden ein System bestand, wodurch revolutionäre Dokumente von russischen Organisationen geheim an kommunistische Agitatoren ht England und anderwärts befördert wurden. Zusamenfassend stellte Baldwin fest, daß das Beweismaterial dartue. daß
vom Sowjethaus aus sowohl Militär«
spiouage al» auch RevolutioUs-Propa-
reist Rußland die kalte Schulter
ganda im ganzen britische« Reiche u«d in Nord, und Südamerika betrieben
worden sei. Ein Unterschied zwischen den Mitgliedern der Handelsdelegation und den Angestellten der Arcos habe praktisch nicht . bestanden. Die Sowjetregierung könne sich der Verantwortung für den Mißbrauch der ihr gewährten Rechte nicht entziehen. Baldwin legte dar, daß durch diese Machenschaften
die feierliche« Verpflichtungen der Sowjetregierung, sich feindseliger Handlungen und jeder Propaganda gegen die öffentlichen Einrichtungen zu enthalte«, gebrochen
worden seien. Ferner habe die Regierung den Beweis in Händen, daß Borodin keineswegs als Privatmann in China tätig sei. sondern direkte Befehle von Moskau
• erhalte. Baldwin verlas ein Moskauer Telegramm, in dem die diesbezüglichen Anweisungen über die Tätigkeit Borodins gegeben werden. Weiterhin verlas Baldwin ein Telegramm des Sowjetgeschäftsträgers an die Moskauer Regierung, das etwa fünf Wochen nach der englischen Warnunasnote vom 23. Februar abgegangen ist. I« ihm forderte der russische Geschäftsträger eine Botschaft der Gewerkschaften von Shanghai an den Präsidenten des Eeneralrates des britischen Gewerkschaftskongresses. in der gegen die englischen Militärmaßnahmen in China Einspruch erhoben und einen Apell an die britischen Gewerkschaften gerichtet wird. Baldwin sagte zum Schluß: Diplomatische Beziehungen, wenn sie in solcher überlegter Weise und systematisch mißbraucht wurden, sind in sich selbst eine Gefahr für den Frieden und Seiner Majestät Regierung hat daher beschlosien, daß sie, außer wenn das Unterhaus am Donnerstag sich damit nicht zufrieden erklärt,
das Handelsabkommen beende«, die Zurückziehung der Handelsdelegatio« und der Sowjetmission au« London fordern und die britische Mission au» Moskau abberufe«
wird. Der gesetzmäßige Gebrauch der Arcos wird durch diese Entscheidung nicht berührt und die Regierung ist bereit, alle notwendigen Vorkehrungen für gewöhnliche Handelserleichterunaen zwischen den beiden Ländern zu treffen.
Mcitfmmen
Die Leitartikel der Morgenpresse zeigen, daß die formelle Berechtigung der Regierung zum Abbruch der Beziehungen zu Rußland nicht angezweifelt wird. Während die konservativen Blätter mit Entschiedenheit zustimmen, äußern die liberalen Organe zum Teil Zweifel über die praktische Zweckmäßigkeit des Schrittes.
Das Arbeiterblatt „Daily Herald" sagt: Ter Schritt der Regierung sei ei« unentschuldbarer Bruch des Handelsvertrages. der ein Schlag gegen den britischen Handel bedeute und folgenschwer für den künftigen Weltfrieden sein werde.
„Westminster Gazette" schreibt: Hat die Regierung die allgemeine Wirkung aiif die europäische Politik erwogen und ihre Aktion eingehend mit den anderen europäischen Staaten, besonders mit Frankreich und Deutschland erörtert? Die diplomatische Wirkung der Regierungsaktion wird wahrscheinlich sein, daß sie das genaue Gegenteil des Gewünschten yerbei- fübrt.
„Daily C h r o n i c l e" sagt: Rußlands feindselige herausfordernde Politik gab die formelle Rechtfertigung für den Beschluß der Regierung. Dennoch äußert da» Blatt ernste Besorgnis darüber, daß die Regierung es für nötig hält, diesen Schritt •
te MM gtfonten
ff. Lissabon, 25. Mai. de Pinedo, der mit seinem Flugzeug auf da» Meer «iedergehen mußte, ist im Schlepptau eines Dampfer» nach Fayal gebracht worde«.
zu tun, von dem ihre bestunterrichteten Ratgeber bisher abrieten.
..Daily New s" ermahnt die Regierung. nicht aus dem Auge zu verlieren, daß in irgend einer Weise die direkte Verbindung mit einer Nation von 160 Millionen wieder hergestellt werden muß.
„Tim e s" schreibt: Die Entscheidung der Regierung wird nicht ein Bruch mit Rußland fein, das man nicht mit seiner gegen, »artigen Sowjet-Regierung verwechseln darf.
Die Prawda über de« Abbruch der englischrussischen Beziehungen.
ff. Moskau, 25. Mai. (Telegraphen- Agentur der Sowjetunion.) Die „Prawda" schreibt: Der Beschluß der englischen Regierung, die Handels- und die diplomatischen Beziehungen zur Sowjet-Anion abzubrechen, ist nur ein erster Schritt, dem weitere Versuche, eine Einheitsfront gegen die Sowjet-Anion zu schaffen, folgen werden. Die Begleitumstände des Bruches werden die Sympathien gegenüber der Sowjet-Anio« sehr verstärken, die ttotz allem fortfahren wird, die Sache des Friedens zu verfechten.
RinistckMt In BortS
fk. Paris, 25. Mai. Heute vormittag findet unter dem Vorsitz des Präsidenten Doumergue ein Ministerrat statt, der sich mit den Rückwirkungen des Abbruchs der englisch-russischen Beziehungen auf Frankreich beschäftigen und der Bekämpfung der kommunistischen Gefahr gewidmet sein wird. Iustizminister Barthvu wird heute der Immunitätskommission der Kammer neues Deweismaterial über die Tätigkeit des Abgeordneten Doriot zur Kenntnis bringen und dessen Immunitätsaufhebung beanttagen.
Zu der gestrigen Unterredung Tschitscherins mit B r i a n d und P o i n» rar6 erklärte Pertinax, PoincarS habe zu Tschitscherin nur von den finanziellen Forderungen Frankreichs an Rußland gesprochen, während Briand ihm zu verstehen gegeben habe, daß er eine Gin» mischung Moskau» in französische Angelegenheiten nicht dulden werde. Tschitscherin und Rokowski hätten aus die, ser Sprache Briands annehmen müssen, daß alles beim alten bleiben werde.
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S°ziMmwlra!Wkr Parteitag
Kiel, 24. Mai. In der heutigen Nachmittagssitzung des sozialdemokratischen Parteitages wurden Die Abstimmungen über die zum Bericht des Parteivorstandes vor- liegenben Anträge der einzelnen Bezirke vorgenommen . Zur Durchführung wurden dem Parteivorstand Anträge preußischer Bezirke überwiesen, die bte Abhaltung eines besonderen sozialdemokratischen Preußentages fordern, der Gelegenheit zur Fühlungnahme der preußischen Wöhler mit der preußischen Landtagsfraktion geben soll. Annahme fand auch ein Antrag, wonach Kandidaten für Reich, Länder und Gemeinden freigewerkschaftlich organisiert sein müssen. Zur Beamtenfrage wurde die Entschließung des Partee- Vorstandes angenommen, wonach das Verhältnis der Partei zu den Spitzenverbänden der Beamtenorganisationen nur im Zusammenhang mit der historischen Entwicklung und ihrer Stellung zu den übrigen Zweigen der Arbeiterbewegung betrachtet werden könne. Insbesondere gelte das von dem Verhältnis zu den freien Gewerkschaften. Zugestimmt wurde weiter einem Anträge, wonach die Parteimttalie- btt nicht solche« Vereinen