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zer Redaktion von 1011 und *ki1 Uta.

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Nr. 119 62. Mrg. Marburg a. Kahn

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Der Flu>

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' Paris. 21. Mai. Der amerikanische Pieger Lindbergh ist um 10 Uhr 22 Minu, kn auf dem Flugplatz Le Bourget gelau­tet.

*

' Die ersten Versuche, den Ozean ohne Hoischenlandung zu überfliegen, liegen ; Leit zurück. Schon im Mai 1919 stieg der

«stralische Flieger Hawker in Neufund- k land auf. mutzte aber etwa 1300 Kilometer ttou der irischen Küste auf dem Wasser nie- kdergehen, er selbst wurde von Fischern ge- krettet, seine Maschine war verloren. Er- Mslgreicher war die Ueberquerung des Dvzeans, etwa um dieselbe Zeit, des Ämeri- Mmers Read. Er gelangte in ununterbro- Menem Flug von Newyork über Neufund- - Wb zu den Azoren, wo er sich einige

Tage aufhalten mutzte, um dann seinen Mrg in Lissabon erfolgreich zu beenden. Än Juni 1919 wagten die beiden Flieger Mock und Sir Arthur Brown nach einmal dm Versuch und gelangten auch nach 16« Madiger Fahrt nach Irland. Erst drei Stifte später wurde das Wagnis wieder Mternommen. damals gelang es zwei Por» ftagiesen Sacadara und Toutinho, mit drei iWischenlandungen den Flug von Lissabon sst& Brasilien glücklich durck^uführen. Auch »ei Amerikaner überguerten im Jahre 1824 den atlantischen Ozean über Schott- fanb. Irland und Grönland. Aber mit all Uesen Flügen war die Verbindung Paris- Mewyork. auf deren Zurücklegung ein ^Treis von 25 000 Dollar gesetzt war, noch mcht hergestellt. Eine Reihe von Fliegern tat den Versuch unternommen, vier haben »nerzeit schon beim Abflug in Amerika Gr Leben eingebützt, und auch die beiden Metz' gestarteten Flieger Nungesser und ^Toli dürften wohl ihr Leben dabei verio- tot haben. Hauptmgnn Lindbergh hat die Eiegespalme errungen. Er flog allein, «f einem einmotorigen Ryan-Eindecker, lediglich durch seinen Langstreckenfli'g tot St. Louis nach Newyork war sein Seme bekannt geworden. Sonst hatte er =tot seinem kühnen Plan kaum etwas »et« leiten lassen. Der Flug war ein unerhör- tts Wagnis. Fast 35 Stunden ohne

dchlaf am Steuer eines Flugzeuges, zwei Tage und eine Nacht bei Sturm und im Mel, von geringster Höhe bis in die eisi- Nn Luftschichten wechselnd, den Weg durch

- «ueinbe Messungen suchend es ist eine deldentat. die kaum ihresgleichen hat. Es E ein Beweis von Willenskraft, der durch Nichts überboten werden kann.

f M Sie Ankunft

j rSegen 10.15 Uhr hörte man ein leichtes ^otorgeräusch und kurz darauf tauchte der Eindecker in etwa 200 Meter Höhe im Lichte tat Scheinwerfer auf. Lindbergh ging, nach- tam er einen Kreis über dem Flugplatz be­schrieben hatte, glatt nieder. Sofort stürmte jfe Menge herbei, ritz den Flieger aus dem ^e heraus und trug ihn unter lautem Jubel Mi Beifall unter dem Absingen der amerikani- s^n Nationalhymne auf den Schultern über ta Platz. Lindbergh schien sehr gelassen, Melle hin und wieder. Er erschien jedoch tahr ermüdet und erlitt einen leichten bchwächeanfall, so datz man ihn auf Umwegen tat in ihrer freudigen Erregung sinnlosen Mgc entzieh, n muhte. Man brachte ihn in

Gebäude des Flughafens, wo er von den ^schienenen offiziellen Persönlichkeiten, tatunter dem amerikanischen Botschafter "tttidt und dem französischen Arbeitsminister llulliöres, begrüßt und beglückwünscht wurde.

llrber die Landung des amerikanischen Flie­ss Lindbergh auf dem Flugplatz Le Bourget tatten Einzelheiten erst in den Morgenstunden erfahren, weil die Menge alle Verkehrs- tattel zwischen dem Flugplatz und Paris lahm-

i über -e en Sabri mit 179 km Stiinbengt gelegt hatte. Ein ohrenbetäubender Lärm der Tausende von Automobilen wurde vernom­men, da die Volksmenge wie eine Mauer stand. Telegraphenstangen wurden umgeriffett, so datz auch die Leitungen in Mitleidenschaft gezogen wurden. Nach demParis Sott sollen verschiedene Autos in Flammen auf­gegangen und Opfer an Menschenleben zu be­klagen sein. Die Agentur Havas gibt in ihrer 6 Uhr-Morgenausgabe nachträglich folgende Schilderung über die Landung Lindberghs: Im Augenblick der Landung durchbrach die auf 100 000 Personen geschätzte Menge die Polizeikette und suchte nach dem Teil des Flugplatzes zu gelangen, wo das Flugzeug niedergegangen war. Lindbergh wurde aus dem Flugzeug gehoben und während man ihm eine ungeheure Ovation bereitete, im Triumph in eines der Verwaltungsgebäude getragen. Lindbergh erklärte, er habe den Wunsch, der Mutter des vermißten sranzösischen Ozean- sliegers Nungesser einen Besuch abzustallen. Trotzdem die Menge ungestüm verlangte, Lindbergh solle sich aus dem Balkon zeigen, ge­schah das nicht. Der amerikanische Botschafter Myron T. Herrick erschien, um die Menge zu beruhigen. Lindbergh war übermüdet und ein auf dem Flugplatz zu feinem Empfang er­schienener amrrikanischer-Arzt. krachte..ihA un», beachtet in seinem Auto nach Paris, wo er am Grabe des Unbekannten Soldaten vorbeifuhr und dort einige Minuten verweilte. Kriegs­minister Painlev« hatte, sobald die Nachricht von der Ankunft Lindberghs eingetroffen war, diesem durch feinen Kabinettsches feine Glück­wünsche zu dem Gelingen des Fluges Newyork- Paris ausdrücken lallen.

Lindbergh empfing in der amerikanischen Botschaft zwischen zwei und Drei Uhr nachts einige amerikanische Journalisten. Nach dem Newyork Herold" brachte er seine Verwunde­rung satüber zum Ausdruck, datz es ihm ge­lungen fei, in so kurzer Zeit den Ozean zu überfliegen. Er hätte noch 500 oder 1000 Stel­len weiterfliegen können. Während des Flu­ges habe er über Neuschottland und Neufund­land besseres Wetter gehabt, als es dasWetter- büro oorausgefagt hatte, lieber dem Ozean fei er jedoch in» einen Nebel geraten, den er durch Tiefer- oder Höhergehen nicht vermeiden konnte. Daraufhin sei er 1000 Meilen durch dichten Nebel geflogen. Im übrigen habe er oft die Höhe gewechselt. Bisweilen fei et in 10 Fuß Höhe über dem Meeresspiegel geflogen, und bann habe er sich wieder in einer Höhe von 10000 Fuß gehalten. Ein einziges Mal habe er in der Nacht die Lichter eines Schiffes auf hoher See gesichtet. Am Tage habe er kein Schiff bemerkt. Nach derChicago Tribüne" waren die ersten Worte Lindberghs bei seiner Landung:Bin ich hier? Ist das wirklich Paris?"

Die Havasagentur schildert die Folgen der gestrigen Kundgebung wie folgt: Heute mor­gen ist der Flugplatz ein Schlachtfeld. Klei­dungsstücke, Stöcke, Hüte lagen überall ver- streut. Die Fensterscheiben der verschiedenen Pavillons und die Türen waren zertrümmert. Erst im Verlaufe des heutigen Vormittags wurde bekannt, daß zehn Personen Verletzun­gen erlitten hatten. Der Zustand von zwei Verletzten soll ernst fein. Um den Flieger in der Nacht n ch Paris zu befördern, war es not­wendig, die entgegengesetzte Richtung einzu- schlagen, damit man auf Umwegen die Stadt erreichen konnte Erst gegen 2 Uhr vormittags traf Lindbergh in Paris ein, wo man in der amerikanischen Gesandtschaft ein Nachtlager improvisiert hatte.

glnbbttgh nb*t feint Fahrt

fk. Paris. 23. Mai. Lindbergh hat sich ..... Vertreter desJournals"

gegenüber dahin geäußert, datz die Errich­tung einer Hande s'luaverkehrslrnie Parie- Newyork praktisch in» Auge gesagt werden könnte.

n Ozean

Wnllaktit glatt ge'anhct

3mMali n" erklärt er, der schlimmst« seiner Fahrt sei der Empfang in Le Bourget genesen. Der Flieger fuhr fort: Die Chance allein genügt nicht, bei einem derartigen Unternehmen. Zch ver­fügte aber über das, was immer noch das beste ist: ei« gutes Flugzeug, einen ausge­zeichneten Motor und vorzügliche Znstru- meute. Das Wetter war natürlich nicht so, wie die Meteorologen voraussagten. Einen Augenblick war es so fürchterlich, datz ich wirklich Lust hatte, umzukehreR. Vor allem die Bereisung, der schlimmste Feind des Fliegers, machte mir zu schaffen. Zch muhte auf 3 Meter über dem Meeres­spiegel niedergehen und stieg zeitweilig auf 3009 Meter Höhe. Erst gegen Morgen konnte ich eine mittlere Höhe einhalte«. Die Nacht war am schlimmsten. Die Kälte machte sich bemerkbar und der Sturm. Zum Umkehren war es zu spät. Zch beschloss, koste es, was es wolle, den Flug fortzu- setzen.

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Newyork, 22. Mai. Ungeheure Men« fchenmengen tanzten, fangen und jauchzten vor Freude und vollführien auf Pfeifen und Blas­instrumenten einen ofjrenbetäuben den Lärm, als die Meldung über die Ankunft Lindberghs eintraf. Massen von Konfetti wurden von den Wolkenkratzern geworfen und verdunkelten den Himmel. 3n den Fenstern erschienen Fahnen. Tausende versammelten sich vor den Nachrichtenbüros, um die Einzel­heiten zu erfahren, und lasen die Telegramme aus den andern Städten, wo eine gleiche un­gebändigte Freude zum Ausdruck kam. Die Kirchenglvcken läuteten und die Sirenen der Fabriken, Lokomotiven und Schiffe heulten. Auster am Maffenstillstandstage waren ähn­liche Kundgebungen noch nicht erfolgt.

Auch England feiert Lindbergh.

fk. London, 23. Mai. Die Leistung des amerikanischen Fliegers Lindbergh wird auch in ganz England begeistert gefeiert. Die Blätter bringen fpaltenlange Berichte über den Flug. Der Luftfahrtminister Samud R o a e hat Lindbergh und. der amerikanischen Regierung seine Glückwünsche übersandt. Auch dem amerikanischen Botschafter in Lon­don wurde ein Glückwunschtelegramm über­sandt.

Ti« französisch« Press« über Lindberghs Flug.

Paris, 22. Mai. Die französische Morgen­presse widmet der Ankunft Lindberghs aus­führliche Betrachtungen. .Petit Pari- s i e n veröffentlicht eine Würdigung aus der Feder Painlsves unter der Überschrift: .Lindbergh zur Ehre", in der es heißt, der Sieg Lindbergh sei ein prachtvoller, unend­licher Triumph. Das Gelingen seines Fluaes beweise die immer größere Herrschaft, die der Mensch über die Materie, über die Zeit und über den Baum gewinne.

.Journal" schreibt: Wenn wir Lind­berghs Erfolg feiern, bann denken wir auch ein wenig an Äungesser und Coli und zollen auch ihnen Beifall. Ob sie sich im Jenseits befind«, oder an irgend einer abgelegenen Stelle im Eismeer, es bleibt uns dank Ban­gester und Coli das stolze Gefühl, daß Fran­zosen zuerst das versucht haben, was eben noch unmöglich und wahnsinnig erschien.

Das .Oeuvre" äußert: Beglückwünschen wir uns zu dem wunderbaren Ausgang des großen Unternehmens, das für die. die an der Menschheit nicht verzweifeln wollen, eine beträchtliche Stärkung bedeutet. Wir wollen in dem Sieg Lindberghs nicht einen rein amerikanischen Sieg erblicken: es ist ein Sieg der ganzen Menschheit. Lindbergh hat dadurch daß er durch seine Willensstärke einen Der- bindungsstrich zwischen zwei Kontinenten zog, (Fortsetzung Rebe Seite 2.)

War KranstM uns bietet

Deutschlands Aussichten nach Pertinax.

fk. P a r i s, 23. Mai. P e r t i n a x be- sprau, gestern im Hinblick auf die bevor­stehende Ratstagung im Zuni, welchen Er. folsi Strefemanu diesmal heimbringe« werde, nachdem es ihm gelungen fei, im Dezember die Aufhebung der Militarkon- trolle durchzusetzen u«d im März den Ab­zug der französischen Garnison aus de« Saargebiet. Pertinax meint, Strejeman« werde im Zuni schweres Spiel haben. M i t der Rheinlandräumung fei ee vorbei und mit einer Neubesetzung der Kolonialmandate sehe es schlecht aus. Der Rückzug Briands und die Ersetzung des Botschafters Lord d' Abernon durch einen weniger deutschfreundlichen Botschafter hätten die Entwicklung der englischen Poli. tik stark beeinflusst. Man sei der Ansicht, dass die Stunde der Verhandlungen über die Räumuugsfrage noch nicht geschlagen habe. Strcsemann habe daher auch formell nur die Dereinbarung der Desatzungstrup. pen rerlangt. Zn Locarno hätten die deut­schen Unterhändler allerdings das Der- sprschen erhalten, dass Deutschland zur ge. gebenen Zeit als für die Verwaltung einer Kolonie für fähig erklärt werden solle. "MkDSMWund habe aber «ich, die Macht den alliierten Rationen ihre Kolonial. Mandate wegzunehmen, die ihnen Artikel 119 der Versailler Vertrags zuerkannt habe, und selbst wenn eine von ihnen auf ihr Kolonialmandat verzichtet, jo hatte jeder andere alliierte oder verbündete Staat immer das Vorrecht gegenüber Deutschland.

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Genf, 21. Mai. Im Verbindungsausschutz der Weltwirtschaftskonferenz ist es heute mit­tag zu einer vollkommenen Einigung in Sachen des forojetruffifefjen Antrages ge­kommen. An der Fassung der soeben zustande» gekommenen Einigungsformel ist auch von deutscher Seite mitgearbeitet worden. Die Gnigungsfotmel lautet:In Anerkennung der Wichtigkeit der Belebung des Welthandels und unter absolutem Verzicht auf eine Ein­mischung in die politischen Fragen betrachtet die Weltwirtschaftskonferenz die Teilnahme der Mitglieder aller hier vertretenen Länder, was auch die Unterschiede in ihren Wirtschafts­systemen sein mögen, als ein glückliches Vor­zeichen für eine friedliche wirtschaftliche Zu­sammenarbeit aller Völker.

Es herrscht selbstverständlich Einvernehmen darüber, daß, nachdem die sowjetrussische Dele­gation nur für die Entschließungen A, B und C gestimmt hat, die übrigen Entschließungen der Weltwrtschaftskonferenz für die Sowjet­union keine Wirkung haben.

Nach Annahme dieser Kompromihformel dankte Sir Arthur Balfour dem Führer der sowjetrussischen Delegation Ossinski, der seinerseits für die Mitarbeit des englischen Delegierten bei der Erzielung der Verständi­gung dankte.

Reue Schwierigkeiten.

Gens, 21. Mai. Nachdem heute nachmittag durch die von dem Verbindungsausschuß ange­nommene Einigungsformel in Bezug auf Sow­jetruhland der Weg zu einem befriedigenden Abschluß der Weltwirtschaftskonferenz geebnet schien, hat sich heute nachmittag bei der Ab- ftimmung in der Dollkonferenz über die ein­zelnen Ausschüßberichte eine erhebliche Schwierigkeit dadurch ergeben, datz die sowjet­russische Delegation sämtliche vorgelegten Be- richte abgelehnt hat. Wenn auch von russischer Seite bereits eine Erklärung in dieser Hal­tung durch Stimmenthaltung bei der bevor­stehenden en bloc-Abttimnmna in Au»KM ge-