MnSIag, Ml 3. Mlü 1927
Cit Sethmg*' tf
sechsmal lvtchenllich. Ut» pizsprets monatlich 2 GM. auS- schließl. ZuslellangSgebühr. durch z«P»stL2ö GM.Iür etwa tnfolgt Streik«. Maschinen defekte oder ^«wenlarer Ereignisse ausfallend« zdwonern wird kein Ersatz geleistet. v«lag».Dr.S Kchervttz, Druck der Unid.-Vuchdrucherei b. geb. Sug. Aoch. Markt 21/23. Fernsprecher! Nr. 54. u. Rr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt e. W. Nr. 5015. — Sprechzeit M viedakiron von 10—11 und
'/,!—! Uhr.
ÄbecheMche
«mr-nm T* w**e
rageSmelstt / ■ B B B B II LanöközrttlW
Ne. M 62. Scheg. Marburg a. Lahn
Der Anzeigenpreis beträgt für den 10 gespalt. Zellenmillimeter 0.08 EM., kleine Baranzetgen 0.06 GM., amtliche und au«- tvärtig« Anzeigen 0.10 GM. Bei schwierigem Satz sowie bet Platz« Vorschrift 50»/, Aufschlag. — Sammelanzeige« 100 •/, Autz schlag. Reklamen der Milli«. 0,40 GM. Jeder Rabatt gilt «1# Barrabatt. Ziel 5 Tage. Beleg« werden berechnet, ebenso Auskunft durch die Geschäftsstelle und Zusendung der Angebote. Erfüllungsort Marburg.
1 Goldmark — V.,,Dollar.
Anzeiger fürtbasMier lzmchessMe)<Vberhessen/>Kmtliches VerKünüigungsblatt jur dkreisülarbupz
ecncrol v. 6*6181
TU. Magdeburg, 2. Mai. In Lallenstedt ist General der Artillerie von Scholtz im Alter von 76 Jahren ge
storben.
General der Artillerie Friedrich von Lcholtz ist am 24. März 1851 als Sproß einer alten schleswig-holsteinischen Familie in Flensburg geboren. Den Feldzug 1870/71 machte er bei der 9. Artillerie- biigade mit. Später stand er in den Garnisonen Flensburg und Itzehoe. 1885 wurde er in den Eeneralstab versetzt, 1906 zum Quartiermeister ernannt und 1908 zum Generalleutnant. Im Jahre 1912 wurde er als General der Artillerie zum Kommandierenden General des neugebkl- "beien 29. Armeekorps in Allenstein ernannt. Am 16. Juni 1913 wurde er in -ten erblichen Adelsstand erhoben. An der Spitze des 20. Armeekorps zog er auch in den Weltkrieg und war an der Anlage und Durchführung der Schlacht von Tannenberg zu einem wesentlichen Teil beteiligt. 1915 wurde er Oberbefehlshaber der &. pstmee, später der Armeeabteilung D. Mit Minen Truppen eroberte er während der kSommeroffenllve in Polen 19.15 die Festun- Mn Lomza, Ossowiecz und Grodno Einige toonate später kam er nach Mazedonien, Wm wo er nach dem Zusammenbruch die Gruppen mieder in die Heimat zurück- Dhrte. 1919 nahm er den Abschied, leb e Wige Zeit in Allenstein und zog sich spä- sirr nach Ballenstedt auf einen Ruhesitz zu-
! --------tzc--------
ktnernl v MM 75 Mrr alt t Dieser Tage feierte der bekannte Heer- Whrer aus dem Weltkriege, General von Wallwitz, in vollster Rüstigkeit in Berlin Minen 75. Geburtstag. Es erübrigt sich, I*® deutschen Volke ein Bild der Taten M geben, die General von Gallwitz im Weltkriege für sein Vaterland vollbrachte. Kenn Ostpreußen zu Beginn des Feld- MgeS nicht vollständig von der „russischen Mmpfwalze“ zermalmt wurde, so hat man
nicht zum geringsten Teil dem Feld- Mrngenie des Generals von Gallwitz zu Mdanken. Der Vormarsch seiner Armee- Mvpe in Rußland und Serbien waren Ereignisse, die in die Weltgeschichte Ein-- Png gefunden haben. Auch in den bluti- *n Kämpfen um Verdun leuchtete immer p immer wieder der Name des deut- Ken Heerführers hervor. Schon in der sarkriegszeit machte das mathematische Mie Generals von Gallwitz als Jnspek- kur der Feldartillerie viel von sich "kchen. Auf Grund feiner Verdienste Alieh ihm der Kaiser damals den erb- Men Adel. Nach dem Weltkriege kan- •pierte General von Gallwitz als Reichs- ftsabgeordneter. Als Abgeordneter der ^Lischnationalen Volkspartei vertrat er * ersten deutschen Reichstag 1920/24 mit «kräftiger Umsicht die Wünsche und Formungen seiner Wähler. In den letzten Mren hat sich General von Gallwitz «m politischen Leben zurückgezogen.
i --♦—
i
Der Albanien-Konflikt
ndon, 2. Mai. Im Unterhaus ^>ärte heute Chamberlain, angesichts der Men Anfragen über die italien.sch-jugo- ^>ischen Beziehungen wolle er eine all- Me Erklärung dazu abgeben. Die eng-
Regierung habe kein unmittelbares treffe an der Frage, aber ihr Bestes ge- direkte Besprechungen zwischen den Parteien zu erleichtern. Sie ^ube, daß durch direkte Bespie- .^ssgen eine Regelung am leichtesten werde. Er würde in diesem oder , km ähnlichen Falle nicht anraten, daß 'einer Völkerbund - Intervention Kiffen wird, bevor die Parteien mit* ^®nber ihre Meinungsverschiedenheiten -^kert haben. Er glaube nicht, daß durch S Veröffentlichung von Akten seiner (Er* ^ung wesentliches hinzugefügt werden ?ae. und fürchte, eine so!'s Veröffent- könnte den Erfolg von Desprechun- “ »wischen den beiden.nur beetn»
RtlchsManzen und NMwirWast eint Stogrmnmrtte Sr. Mikks
Berlin, 2. Mai. Vor den Mitgliedern des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller sprach heute abend Reichsiinanzminister Dr. Köhler über das Thema „Reichsfinan- zen und Volkswirtschaft". Er gedachte zunächst der
groben Verdienste des Reichsfinanzministers Dr. Luther und seiner Mitarbeiter
um die Neuordnung der Reichssinanzen. Dreifach sei die zu leistende und geleistete Aufgabe gewesen, zunächst die Wiederaufrichtung und Stabilisierung der Währung, dann die Balancierung des Reichshaushalts und endlich die Regelung der Reparationsleistungen. Die im Zusammenwirken von Dr. Marx und Dr. Stresemann erreichte Regelung der Reparationsleistungen durch das Londoner Abkommen bilde die Grundlage unserer jetzigen Verpflichtungen. Mit dem Sachverständigenvlan sei hoffentlich die rein politische und wirtschaftsfremde Behandlung dieses groben Problems der Weltwirtschaft endgültig überwunden.
Nur auf freiwilliger Leistung eines freien Volkes könnten die schweren Lasten abgedeckt werden.
Dies klar erkannt und ausgesprochen zu haben, sei eines der groben Verdienste der Sachverständigen. Die deutsche Wirtschaft hat in der vergangenen Zeit die ihr zugewiesene Ausgabe zu erfüllen begonnen. Die Rsichsregie- cung hat die Wirtschaft in ihrem Bestreben tatkräftig unterstützt. Sie wird in dieser Hinsicht auch künftig ihre Pflicht tun. Unsere Reichshaushalte lassen das stete Bemühen, die Kräfte unserer Wirtschaft zu stärken, klar erkennen. Der überaus starke Aderlab, der an ihr vorgcnommen werden mußte, um die Währung zu erhalten, hätte zu außerordentlich nachteiligen Wirkungen führen müssen, wenn an seine Stelle nicht bewußt und im Einklang mit dem Dawesplan
eine Politik der Wirtschaftsförderung
getreten wäre, die fortzuführen die Regierung >ünd insbesondere der Finanzminister als die grobe Aufgabe ansieht. Reichsminister Dr. Köhler ging dann auf die Staatshaushalte im Einzelnen ein. Weniger günstig als der Abi-Pub für 1926 sieht der Erat für 1927 aus. Habe der Etat für 1927 schon grobe Schwierigkeiten bereitet, so mache ihm
die Aufstellung des Reichshaushalte, für 1928
größere Sorge. Wir rücken mit diesem Etat in das Normaljahr der Revaraiionsbelastun- gen hinein. Es fehle uns zur Abdeckung der Betriebsfond sowie der Ueberichub für 1926 mit insgesamt 400 Millionen. Auf der anderen Seite stiegen die Reparationsleistungen um rund 350 Millionen, sodab wir in groben Zahlen schon eine Verschlechterung gegen bisher in Hübe von 750 Millionen hätten. Hier könne nur starke Einschränkung der Ausgaben helfen. Unsere Cesamtlage bietet noch in gar keiner Weise , optimistischen Auffassungen Raum. Von einer kontinuierlichen Linie des Ausstiegs ist wenig zu merken.
Wem es gut gebt, oder wer es nötig hat, zu erklären, daß es ihm gut gehe, der möge nicht obne weiteres verallgemeinern, denn solche Verallgemeinerungen geben ein fals ^es Bild von unserer Leistungssäbigkeit und können uns Mr schaden. Unsere öffentliche Last ist gegenüber derjenigen anderer Länder in ihrer Auswirkung sehr viel schwerer, trotz aller gegenteiligen Behauptungen. Deshalb müssen
Steuererhöhungen ganz «über Bereich jeder Erörterung
bleiben. Sleuermäßigungsmatznahmen müssen und werden fortgesetzt werden. Zur jetzigen Anleihepolitik des Reiches bekenne ich mich durchaus, wobei allerdings zwei Voraussetzungen zu erfüllen wären:
1. daß der Begriff der werbenden Anleihe eng zu fassen ist und nicht lediglich zu weitestgehender Entlastung der laufenden Ausgaben diene, da sonst eine verhängnisvolle Schuldenpolitik das Ende wäre,
2. muß der Kapitalmarkt aufnahmefähig sein und die Anleihebedingungen müssen der Marktlage entsprechen. Lkch habe noch eine Ermächtigung, im laufenden Etatsjahr fast eine Milliarde als Anleihe aufzunehmen. Ich werde in den nächsten Monaten bestimmt nicht und auch später nur mit äußerster Zurückhaltung von dieser Ermächtigung Gebrauch machen. Für die Behandlung der Ausländsanleihen ist in erster Linie die wechselnde Lage des Geldmarktes entscheidend. Daß die heutige Derknappung insbesondere den Realkredit betroffen hat, gibt dabei zu denken. Ich beabsichtige in allernächster Zeit eine Reihe von Gesetzentwürfen vorzulegen, die eine
Fortführung der Steuerreform des Jahres 1920
bedeuten im Sinne einer weiteren grundlegenden Vereinheitlichung und Vereinfachung der gesamten Steuergesetzgebung in Reich und Ländern einschließlich des Derwaltungsverfahrens. Ein Grundsteuerrahmengesetz, ein Gebäude-Entschuldungssteuer-Gesetz und endlich ein Gesetz über die Vereinfachung des Verfahrens in Steuersachen sollen diesem Ziel dienen. Endlich soll eine Vereinfachung der StSuerverwal- tung zum Zwecke der Ersparnis an Derwal- tungskosten und der Vereinfachung für den Steuerpflichtigen vorgesehen werden. Ich bin der Auffassung, daß
schärfste Vereinfachungen organisatorischer Art
durchzuführen sind, um mit geringstem Aufwand den Höchst-Rutzeffekt zu erreichen. Daß in _ der Oeffentlichkeit auch das Problem »Föderalismus oder Anitaris- m u s" eine Rolle spielt, ist selbstverständlich. Ich kann als Süddeutscher nur eindringlich warnen vor einseitiger Betrachtung und allzu derbem Zugreifen. Wer die Frage nur vom materiellen Gesichtspunkt betrachtet, geht durchaus abwegig, es geht bei dem ganzen Problem auch um die Seele der Millionen Menschen südlich des Mains. Der Minister schloß: Die Zusammenfassung aller Kräfte wird uns die Stärke geben, die notwendig ist, um die ungeheuerlichen Folgen des Krieges und der Rachkriegszeit zu überwinden und unser Volk in allen seinen Schichten wieder besseren Tagen entgegenzuführen. Der s v z a l e Gedanke müsse dabei nicht nur theoretisch, sondern in der Praxis verwirklicht werden. Rur durch feine Realisierung werde dsss deutsche Volk dem Aufstieg entgegengeführt werden können. Voraussetzung dafür ist eine gesunde Wirtschaft. Gerade die Wirt- schasts- und Handelsvertragspvliiik der nächsten Monaten wird diesen Gedanken zum Ausdruck bringen müssen im Sinne einer engeren Verflechtung der deutschen Wirt- Ichaft mit der Weltwi rtschaft und &er Kräftigung des inneren Marktes in der Erhöhung der Konsumkraft unseres Volles.
trächtigen, indem sie Meinungsver- d)iebenbeiten neu belebe, die, wie er hoffe, vorbei seien. Die Entschließung der Bo t- schafterkonferenz vom 9. November 1921, über die einige Mißverständnisse zu bestehen schienen, verpflichte die Signatarmächte nur, im Falle der Völkerbund eingreifen sollte, die Unabhängigkeit und Integrität Albaniens wieder herzustellen, ihren Vertretern im Rat anzuempfehlen, daß die italienische Regierung mit der Widerherstellung der Unabhängigkeit Albaniens betraut werden möge. Die in dieser Entschließung angeführte Möglichkeit sei noch nicht entstanden und werde, wie er hoffe, auch nicht entstehen. • - ....... -
Orleans Mrr Erfahr
ff- Washington, 3. Mai. Der Befehlshaber des Ingenieur-Korps der Armee, der Hoover auf feiner Reife durch das Ueberfchwemmungsgebiet begleitet hat, erklärte, New Orleans fei jetzt sicher vor den Fluten, sofern nicht etwa unvor- hergefehene Ereignisse eintreten sollten. Die Maßnahme zum Schutz der Stadt fei endlich von Erfolg gewefe».
Rücktritt der syrische« Resieruug.
fk. 3. Mai. Wie die Radio Agentur aus Beirut meldet, ist die syrische Regierung zurückgetreten.
SS eütt in ter englischen Arbetlervarlei
Von Hermann Carol».
Die Sensation des kürzlich abgehaltenen Parteitages der englischen Independent Labour Party bildete die Enthebung Macdonalds von seiner bisherigen Tätigkeit als Schatzmeister der Partei. Sie erfolgte in' geheimer Sitzung mit 312 gegen 118 Stimmen. Gegen Macdonald stimmten vor allem die Abgeordneten der Bergarbeiterdistrikte. Die Kaltstellung Macdonalds ist ein deutlicher Beweis für die innere Gärung in der britischen Arbeiterbewegung, in der zur Zeit die radikalen Elemente an Raum zu gewinnen scheinen. Der Einfluß der Labour Party als der parteipolitischen Zusammenfassung der englischey Arbeiterschaft auf den äußeren und inneren Kurs Großbritanniens ist zu bedeutsam, als daß diese Entwicklung von der deutschen Oeffentlichkeit so einfach übersehen werden könnte.
Die englische Labour Party, die erst int Jahre 1900 gegründet wurde, verdankt ihren für die Beständigkeit der parlamentarischen Verhältnisse Englands fast sensationell anmutenden Aufstieg nicht zuletzt ihrer eigenartigen Beschaffenheit. Roch vor dreißig Jahren gehörten die mit Hilfe der gewerkschaftlichen Trade Untons gewählten Arbeitervertreter im Unterhaus der liberalen Fraktion an. So T. Burt. der 1874 als erster Arbeiter in das englische Parlament einzog; so nach ihm Manner wie Hyndman, Sidney, Webb, Hardie u. a. An diesem Zustand änderte sich auch dann nichts, als später die ersten, die sogen, „älteren“ politischen Zusammenschlüsse der Arbeiter erfolgten, nämlich die Gründungen der Social Democra- tic Federation (SDFZ, der Fabian Society und der Independent Labour Party. Es sei uns gestattet, in Kürze auf die Besonderheiten dieser Gründungen einzugehen. Sie alle nämlich haben 1900 neben den Trade Unions an dem Zustandekommen der großen britischen Labour Party mitgewirkt und bestehen noch heute als „Fraktionen" innerhalb der Partei fort. * Sie alle sind noch heute die gewichtigen Träger der verschiedenen gegensätzlichen Meinungen innerhalb der Labour Party.
Die älteste dieser Gründungen, die auch zugleich die kleinste geblieben ist, indem ihr Mitgliederbestand schwerlich jemals dis Zahl 12 000 überschritt, ist die 1881 von H. M. Hyndman gegründete Social Demv- cratic Federation (SDF.j. Ihr Führer Hyndman hat sich während des Weltkrieges zwar hemmungslos an der Hetzarbeit der Northclisfe's beteiligt, der Charakter der Organisation ist indes stets linksradikal gewesen und ist es herfte mehr denn je zuvor. Schon drei Jahre später entstand die noch immer sehr starke und einflußreiche Fabian Societv, eine vorwiegend intellektuelle Gruppe mit starken staats- und gilben - sozialistischen Einschlägen. Die hervorragendsten Vertreter englischen Geisteslebens, Sidney Webb, Dernard Shaw, zeitweilig auch H. E. Wells, gehörten und gehören ihr an. Ihre Aufgabe sieht sie vor allem in der Vorbereitung der Intellektuellen auf die Verwirklichung ihrer sozialistischen Ziele. „Fabian-Society" nennt sie sich nach dem als „Zauderer" bekannten römischen Feldherrn Fabius, deshalb, weil sie nicht den Umsturz durch rohe Gewalt erlangen, sondern warten will.^is die Zeit zur Verwirklichung ihres Programms reif ist.
Am bedeutsamsten ist die dritte, 1893 vollzogene Gründung der Independent Lobour Party, der „Unabhängigen Arbeiterpartei". die sozialistische, teilweise sogar marxistische Ideen vertritt und eine Zeitlang überdies neben den deutschen Unabhängigen der Wiener Internationale angehörte. Sie ist stets besonders regsam gewesen und noch heute gleichsam bei „Sauerteig" der großen Labour Party. Gerade jetzt wieder bringt sie die große