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1 Goldmark — V«,,Dollar.
Nr. 87 «LWrg, Marburg o. Sahn
MNiwoch, ten 11 Avril 1927
Oft ^Vberbesstfch« Zeitung-' erscheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich 2 GM. aus- schließ!. Zustellungsgebühr, durch »ftPostLSS GSLFür etwa infolge Streiks, Waschinendefekt« oder ^ementarer Ereignisse ausfallend« -kümmern wird kein Ersatz g«. leistet. Verlag d. Dr. § Httzeroth, Druck »er Unw.-Buchdruckerei tz» g* Sag. Noch, warft 21/28. gern sprech er: Rr. 54. u. Nr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt g, W- Rr. 6016. — Sprechzeit t# Redaktion von 10—11 und
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Sas llrleil im Lolmmkr Prozeß
Colmar, 12. Avril. In dem Beleidigungs- orozeb des Abä« Saess gegen den Redakteur fts Journal" Selsen verneinte« die Eeschwo- tteett sämtliche von dem Zivilkläger gestellten Frage«. Der Vorsitzende verkündete, daß die Klage Saegvs gegen das „Journal" und seinen siedakteur Selsen abgewiesen sei.
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Nach dem Beschluß der Zeugenverneh- - Itung erklärte der General st aatSan- 6alt, der Streit, um den es sich hier andcle, gehöre nicht vor das Gericht, 6 er Fragen, die den Staat 6ctreffen, erühre. Diese Fragen würden vom P a r - iament und den zuständigen Ausschüssen, gicht aber vom Gericht behandelt. Helseh ab« nur seine Pflicht als Journalist getan, ser Generalstaatsanwalt fordert daher die «schworenen auf, die von den klagenden ivilparteien ihnen vorgelegten Fragen tätlich mit Nein zu beantworten.
Ab6 Haegy erklärt, er habe in seinem eben nie etwas anderes gewollt, als dem lsatz und damit Frankreich zu »jenen. Der Rechtsanwalt Helseys, der iorstand der Pariser Anwaltskammer enri-Robert, erklärt: „9166 Haegh, rheben Sie sich und stimmen Sie mit mir in in den Ruf: „ES lebe Frankreich!" Abc liegt) entspricht dieser Aufforderung, «rauf Henri-Robert feststellt, daß der Le- kiide ein Ende bereitet sei, wonach das -saß ich von Frankreich trennen wollte, «s Publikum stimmte die Marseillaise il, während sich die Geschworenen zur Be- lung zurückziehen. Als diese wiederer- tinen, werden 9166 Haegy Blumen mit kau - w e i tz - r o t e r Schleife überreicht. t er hochhebl und mit Helseh teilt. Die eichworenen verneinen, wie bereits gemeldet, sämtliche von der Zivilklagenden artet gestellten Fragen und der Vorsitzende lrkündet, daß die Klage HaegyS gegen das iournal" und seinen Redakteur Helseh j gewiesen ist.
KktMimmon
st. Paris. 13. April. Das Ergebnis 8 Kolmarer Prozesses wird von den eisten Blättern als ein politisches Ereig » Kefeiert. Jedoch warnt „Avenia" vor ederstützung.
Der „Figaro" schreibt: Der Abzetz beseitigt. Das Unbehagen bleibt.
ßs Kabinett des Linkskartells har i durch seine anatiklerikalen Ungesch.ck- chkeiten verschärft. Die Regierung mü,ie so ihre Aufmerksamkeit demVerwaltungs- rver. dem eine besonders heikle Aufgabe gewiesen sei, zuwenden und müsse nach lni Bedürfnisse der Elsässer und nicht nach «gereichten Empfehlungen die Beamten Men. Man muh sich mit den Zeugen ks Kolmarer Prozeffes vor Augen halten l« ein autonomisches Elsaß bettet: Ein deutsches E.sah!
Die „E r e No u v e l l e" schreibt: Welche Erledigung wir auch darüber empfinden, <8 Haegy zum ersten Male in seinem Lein ,.vivc la France!" gerufen bat, so muh «il doch abwarten. was seine Presse tut. 3«l „Jo u r n a l" schreibt Helsey, Deutsch- «d hat gestern .in blendender Klarheit ? wahre Gesicht des Elsaß gesehen. Das °B ist französisch, vollkommen und unab- ^erlich französisch. Wir werden niemals «üben, daß man an das Elsah rührt.
^»rr eines französischen Militärflugzeuges. Bermersheim, 12. April. Gestern ^nnttag gegen 3.30 Uhr bekam ein über Bliersheim kreisendes französische« Militär» «Szeug Dergaserbrand. Jedenfalls aus *l>virrung darüber sprang der im Deglei- ^*6 befindliche Flugschüler in einer Höhe * 300 Metern aus dem Apparat und blieb
zerschmetterten Gliedern auf dem Boden e8QL Der Flugzeugführer, ein Sergeant 8 NugzeugersatzbataillonS 22 aus Lachen. 'n®e im Gleitflug niedergehen und landete i der Dähe des Rheins auf einem Wiesen» ^wlde. Ein zufällig dort weilender Mann w>le den bewußtlosen, aber sonst unver»
Flugzeugführer aus dem vollständig ^kümmerten .Flugzeug hervorziehen.
Die Sealhmg der Kuomin-Wrtei
Mm genommen — Savm mrbWert?
Tschaugkais hrks Absichten.
kk. P a r i«, 13. Avril. Wie der Sonderberichterstatter der Savas-Agentur in Schanghai meldet, wird General Tschangkaischek beute in Nanking die Sauvtfüürer des rechte« Flügels der Kuomintang-Partei versammeln. Es sei wabrschei..lich, daß der offizielle Bruch mit Sanlau erfolgen werde auf der Grundlage:
Annahme der Rote der Grobmächte uud
Reaktion «egen dir Einmischung Sowjet- Rublands.
Wie „Times" aus London berichtet, bestätigt sich die Nachricht von dem Dorrücken der Nordtruppen. T s ch i k i a n g soll fest in der Hand der Nordtruppen fein. Der Rückzug der Südtruppen über den lZangtfe wurde durch Sperrfeuer von Kanonenbooten gedeckt. Der Mißerfolg Tschangkaischeks toerde auf die Zwistigkeiten in der Kuamintang-Partei zurück» geführt. Die Bevölkerung von Nanking ist durch den starken Bombenabwurf in fr htbarer Erregung. Das britische Konsulat in Kiukang ist geplün» dert worden.
Pukau besetzt.
ff. London, P. April. Reuter meldet aus Schanghai: Die Nordtruvven haben Pukau ohne Widerstand besetzt.
. Japan mobilisiert?
London, 12. Avril. Der Sonderberichterstatter des „Dails Telegraph" meldet aus Schangbai, die Haltung der Japaner bean- svruche das stärkste Interesse, da alle Anzeichen auf eine allgemeine Mobilisierung des japanischen Heeres hinwiesen. Der Berichterstatter fragt, ob man eine offene
Kriegserkläru«g «ege« Rußland erwarte« müße, oder ob die Mobilisierung für örtliche Operationen bestimmt sek. Die javanischen Einwohner in Hankau sandte« ei« Ultimatum a« ihre Regierung und forderten, daß eine Er- veditionsstreitmacht sofort abgeschickt werde, um das ihnen rugefügte Unrecht zu sühnen. Der Korresvondent schliebt, die allernächste Zeit werde Ereignisie von grober Bedeutung im Fernen Osten sehen. Aus Peking wird dem „Dails Telegraph" berichtet. Gerüchte über das (Sintreffen großer javanischer Verstärkungen in der mandschurische« Eisenbahnzo«e seien im Umlauf. Rach einer Reuter-Meldung au» Tokio sind weitere vier Torpedobootzerstörer angewiesen worden, sich zur Ausreise nach Schanghai bereit zu halten.
fk. London, 13. April. Nach einer Meldung aus Tokio hat die japanische Re» ffierung beschlossen, neue Streitkräfte nach China unverzüglich abzusenden. Bier weitere Torpedobootszerstörer sind auf dem Wege nach Schanghai. Wegen der Lage in Nordchina sollen die Garnisonen in Tientsin vergärst we-den.
Der Eindruck der Nankingnote in Peking.
fk. London. 13. April. Nach einer „Times"-Meldung aus Peking hat die Note der Möchte an die chinesischen Behörden wegen der Borfälle in Nanking in Kreisen der Pekinger Fremdenlolonie ziemlich enttäuscht, da man allgemein schärfere Bedingungen erwartet hatte. Die Schwäche der internationalen Noten wird für den Zusammenbruch der Stellung der Ausländer verantwortlich gemacht. Man sei der Auffassung gewesen, daß die Nankinger Dorfälle den Mächten eine gute Gelegenheit gegeben hätte, den verlorenen Boden zurückzugcwinnen.
Auflösung b:s MuWrn Setm
Kowno, 12. April. (TA.) Zn der heutigen Sejm-Sitzung wurden zu der Diskussion über die Antwort der Regierung auf die Znterpellation zum Falle des verhafteten volkssozialistischen Abgeordneten PajaujiS drei ÄebergangSfvrmeln vorbelegt, von denen die erste, von den Volks« lozialisten eingebrachle, der Regierung das Mißtrauen ausspricht. Für diesen Miß» ttauensantrag stimmten die Sozialdemokra» ten, die Dolkssozialisten, die Minderheiten einschließlich der Memelländer und die Bauernpartei, zusammen 45 Stimmen. Dagegen stimmten die Rechte und die Sau« tininlai mit 30 Stimmen. Der Mihtrauens- antrag war also angenommen. Bald nach der Abstimmung überreichte Ministerpräsident Woldemaras dem Sejm-Präfidium einen vom Staatspräsidenten unterzeichneten Akt über die Auslösung des Sejm, den der Sejmpräsident verlas. Zn ihm wird gesagt, daß der Sejm aufgelöst ist und daß Neuwahlen durch einen besonderen Akt ausgeschrieben werden sollen. Sitzung wurde darauf geschlossen.
Drr Mstn-BandersleMwinftl
Berlin, 12. April. Die gleichzeitig in Berlin, Hamburg und Köln begonnenen Grmittelungen betreffend die Betrü g e - reien und Fälschungen auf dem Gebiete der Zigarettenfabrikation haben einen solchen Umfang angenommen, daß beim Landgericht I in Berlin ent 3 e r n a t eingerichtet wurde. 58 handelt sich um Fälschungen von gangbaren 6 eka nuten Zigarettenmarken sowie von Zigarette nbande- r o le n. Bon den in Berlin verhafteten Personen sind einige wieder aus der 11« - ^rsuchungShaft entlaffen worden. Arthur K r a lauer, der Inhaber der Fabrik Dilia, der noch in Untersuchungshaft sitzt,
stand durch drei Gebrüder 23 i lka in Berlin mit Hamburg in regster Verbindung. Diese drei und verschiedene andere wurden in Hamburg festgenommen. Flüchtig sind noch eine gewisser Küttner und ein Ta- bakgroßhändler Karl B ing aus Hamburg, die Hand in Hand arbeiteten und sich zur Zeit in Kowno befinden. Die Fabrik, in der die Banderolen gefälscht wurden, ist noch nicht entdeckt.
Wie eine weitere Meldung besagt, ist außer dem Inhaber der früheren Zigarettenfabrik Data, Krakauer, jetzt auch def- sen Geschäftsführerin, ein Fräulein Mo - f c S, verhaftet worden, die den Verkehr zwischen Bing in Hamburg und Krakauer in Berlin vermittelte und angeblich große Mengen von gefälschten Banderolen nach Hamburg gebracht haben soll. Ferner wurde eine Reihe von Geschäftsleuten festgenommen, die mit Krakauer in Verbindung standen. In Düsseldorf wurde ein Kaufmann Kohn aus Berlin verhaftet, bei dem man eine ganze Kofferladung gefälschter Banderolen fand. Die ins Ausland aeflüchreten Fabrikanten Bing, Brüll und Katzki können, solange sie außerhalb der deutschen Grenzen bleiben, nicht verfolgt werden, da auf Grund von Zollvergehen eine Auslieferung nicht erfolgen fa«n. Wegen unrcchtmägigen Herstellens bekannter Zigarettenmarken erfolgten zahlreiche Verhaftungen, und zwar hauptsächlich in Berlin.
Polnischer Filmproteft.
ff. $ e 11 i n , 13. April. Wie das „Berliner Tageblatt" erfährt, ist gestern eine polnische Not in Berlin überreicht worden, in der die polnische Regierung gegen den Film „Land unterm Kreuz" Einspruch erhebt.
Türkei und Balkanbund.
fk. A n g o r a, 13. April. Bei der Budget-Beratung erklärte der türkische Minister des Aeußern. daß dis Türkei jeden Balkanbund ohne türkische Beteiligung als gegen die Türkei gerichtet betrachtet.
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Auch die Reserve« müßen abgeriistet werde«.
Genf, 12. April. Die vorbereitende Ab« rüftungskommiffion fetzte heute vormittag zunächst bas Arbeitsprogramm für die nächsten Tag« fest. Aach Beendigung der Restpunkte •n der Frage der Luftabrüstung soll am Mittwoch oder Donnerstag die internationale Kontrollfrage behandelt werden. Aach Ostern soll am Dienstag und Mittwoch unter dem Dorfitz Graf Dernstroff's das Redaktionskomttc für die Vorbereitung der privaten , Waffen« fabrikativnS-Konfereirz zusammen« treten. Die vorbereitende Abrüstungs-Kommission wird am Donnerstag nach Ostern noch einmal eine Sitzung abhalten, um den vom Büro der Komm.ssion inzwischen ausgearbeiteten Bericht über die 1. Lesung entgegenzunehmen, worauf dann die vorgesehene Vertagung der Abrüstungs-Kommission entschieden wird.
Den gegenwärtigen fachlichen Diskussionen der vorbereitenden Abrüstungskommission muß angefichts der Tatsache, daß
in alle« grundlesenden Fragen eine Einigung innerhalb der Kommissto» nicht zn« stände gekommen.
ist. nur untergeordnete Bedeutung beiaernessen werden. Die Sliinming während der heutigen Verhandlung war außerordentlich niedergeschlagen. Es wurden heute zunächst einige Restpunkte der Flottenabrüstung erledigt. Dabei wurde der englische Vorschlag auf Kebernahme der in den Artikeln 13 bis 18 des Washingtoner Abkommens enthaltenen Grundsätze angenommen, die im Kriegsfälle die Wiedereinstellung außer Dienst gestellter Schiffe und die Verwendung für fremde Rechnung i m Dau befindlicher Kriegsschiffe verbieten. Ferner wurde er&rtett die bereits früher be» handelte Frage der Mannfchaftsbe« schränkung in der Marine. Auch hierin kam es wiederum zu keiner Einigung zwischen der englischen und der französischen Auffassung und diese Frage wurde schließlich ,wie es jetzt hier üblich geworden ist, auf die spätere zweite Lesung verschoben. Frankreich will nämlich den Verzicht auf Unterscheidung zwischen Offizieren und Mannschaften nur bann zugestehen, wenn diese äln- terfchelbung auch für bie Lanbstreitkräfte wegfällt. Auch in bei Frage der Begrenzung der Estektive der Luftwafff« bestehen bie gleichen Gegensätze. Lvrb Robert Cecil gab bekannt, baö bie englische Regierung bereit fei, einer Beschränkung bes Personals bet Luststreitkräfte zuzustimmen unter der Bedingung, baß eine Trennung zwischen Offizieren unb Mannschaften nicht vorgenommen würbe. Dem englischen Standpunkt schlossen sich bie Delegierten von Amerika tmb Japan an. Zum Schluß erklärte
Graf Ber«storff,
baß bie Frage bei Einbeziehung bet ausgebilbeten Reservist en in bie Rüstungsbeschränkungen für bie deutsche Delegation eine prinzipielle Frage von größter Bedeutung darstelle. Cs bestehe fiir bie deutsch« Delegation keine Möglichkeit, einer Konvention zuzustimmen, die nicht auch bie ausgebilbeten Reservisten, sowohl bei Land«, bei Lust- als auch bei Seestreitkräfte umfaßt.
®taf Bernstorfs meldete feinet einen Dor« behalt zwecks Wieberaufnahme bei Frage ber Begrenzung b«s MateiialS bet Luftwaffe für bie zweite Lesung an. Für Zivilaviatik erklärte er, daß bie deutsche Delegation den Grundsatz nicht annehmen kann, nachdem die Abrüstungskonvention auf dem gegenwärtigen Stand ber Zivilaviatik aufgebaut sein soll.
Auch der argentinische Delegierte lehnte jede Berbinbung zwischen Militär- und 3t- vilaviatik entschieden ab.
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vk. StO zm ÄenterteWre®
Münster, 12. April. ($11.) Auf de« heutigen westfälischen Zentrumsparteitag in Münster verbreitete sich Reichsministet a. D. Dell über die bedeutsamen der Fragen der Außen- und Znnenpolitik und knüpfte daran Programmatisch« Darlegungen über die neuzeitlichen Aufgaben des Zentrum«. Er betonte die Notwendigkeit der Räumung des deutschen Westens und die Undurch» führbarkeit des Dawesabkommens, bracht« mit der endgültigen Regelung de« Finanz»