Freilos, den 1. April ISN
Die „vderhesslsch, Zeitung- erscheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich 2 GM. aus- schließ!. Zustellungsgebühr, durch dtePestLLL GM.Für etwa infolge Cttttt«, Maschinen defekt« »der elementarer Ereignisse ausfallend« Rmmatrn wird kein Ersatz gr» lristet. Verlag d. Dr. § Kttzeroth. Druck der Unid.-Vuchdruckerei d. goh. Sag. Koch. Markt 21/23. ffern sprech er: Rr. 64. a. Rr. 65. Postscheckkonto: «ml Frankfurt «L M. Rr. 5016. — Sprech,eit Ht Redaktion von 10—11 und
1,1—1 Uhr.
Marburger rageSaryetger
O O M A «Mch, II ■ ■ ■ ■ eonWItuiw
St. <7 SL MlkS. Rardurg o. Lol»
9tt Anzeigenpreis beträgt M den 10 gespalt. Zeilemnillimet« 0.08 GM, kleine Baran,rtge» 0.06 ©9Rn amtlich« und auswärtige Anzeigen 0.10 SM. Set schwierigem Satz sowie bei Platz- porschrift SO«/, Aufschlag. — Sammelanzeige» 100 •/, Aus schlag. Reklamen der Mllllm.
0,40 SM. Zeder Rabatt gilt alS Varrabatt. Ziel 5 Tag«. Beleg« werd«» berechnet, ebenso Auskunft durch die Geschäftsstelle und Zusendung der Angebot«. Erfüllungsort Marburg.
1 Goldmark = Dollar.
ByzeiserMidasMerkmchMche)GberlMn/:KmUichesVevkündismitzöblattsurdkreisÜ!arbmg
8et einem slllimolum an die Snnlenreglerung
Amerlko lehnt ob — Beunruhigung in Lenden und Boris
fd London, 1. April. „Daily Mail" zufolge wurde gestern abend in einer dringenden Sitzung des Kabinetts im Unterhaus zur Prüfung der Lage in China, besonders wegen den Ausschreitungen gegen Engländer in Ran- king, beschlossen, der Kantonesen-Regierung einer Art Ultimatum zuzustellen, in dem Genugtuung für die Ermordung - dritischerStaatsangehöriger durch bantonnestsch« Regierungstruppen verlangt wird.
„Times" meldet, die Frage der Genugtuung für die in Nanking dur Kantontruppen begangenen Verbrechen wird gegenwärtig zwischen Großbritannien, den Bereinigten Staaten und Japan erörtert und es wird eine baldige Entscheidung erwartet. Die Gesandten der genannten Mächte in Peking haben sich über die endgültigen Anempsehlun- ten an ihre Regierungen geeinigt, und in London wird eine Mitteilung über di« Haltung in Washington und Tokio erwartet. Die Not- wendig'-eit, auf energischen Maßnahmen gegenüber de« Urhebern der verbrechen zu bestehen, wird durchaus anerkannt.
Auch der diplomatisch« Korrespondent des „Daily Herald" will wissen, daß geplant «•erbe, ein Ultimatum an -die chinesische Regierung zu senden und für den Fall der Ab- lchnung des Ultimatums etwas zu tun. was in amtlichen Kreisen als „energische Schritte" bezeichnet werde.
lieber den Charakter des energischen Schrittes" sei noch keine Entscheidung gefallen. Unter den Borschlägen werde genannt, die 'Besetzung der Wusungsorts und die Blotkade aller Häfen, die von den Äontone,en besetzt sind. Der Korrespondent Bgt allerdings hinzu, alles hänge von den Antworten ab, die Washington und Tokio erteilen würden.
: Beratungen über die Chinesische Frage im Weißen Haus.
rft Washington, 1. April. Präsident Coolidge hatte mit Staalssekre- tär Kellogg und dem Marinesekretär Ailborg eine lang« Beratung über de« Wunsch de» diplomatische« Korps in Peking, gemeinsame Schritte zu unterneh» ■en, um Genugtuung für die Ueberfälle ttf Ausländer und die letzten Plünderun- Ien im yangsetal zu verlangen. Bisher ist ein Beschluß noch nicht gefaßt worden. 3e Staatsdepartement wird darauf hin- tooiefen, daß sowohl der General der Kantoatruppen in Schanghai, wie der Winjstern des Aeußern, Tsche« in Hankav, ihr Bedauern ausgesprochen haben und Lchadenersatzleiftungen zugesagt haben, soll» eine Untersuchung die Schuld der htutonefischen Truppe« an diese« Vorfälle« Ergebe. Die Regierung de. Bereinigten ötaaten sei offenbar bemüht, jede« An- ichrin eines Ultimatum« z« »et« • 11 b ex. Es wird vermutet, haß Staats« Sekretär Kellogg sich auf einen formelle« Protest beschränke« wird.
ft Schanghai, 1. April. (Reuter.) 3n Schangtschau wächst die Feindseligkeit hegen die Amerikaner. Der amerikanische Konsul und der Vizekonsul haben auf einem amerikanischen Kanonenboot Unterkunft bergen. Die amerikanischen Firmen haben me Arbeit eingestellt und die Amerikaner imd in der Nähe der Wasserfront zu« mmmengezogen worden. Die Chinesen
haben die amerikanische Fahne vom Konsulat heruntergerissen. In Schanghai werden die Verteidigungsanlagen der Südgrenze der internationalen Niederlassungen gegenüber der französischen Konzession verstärkt.
ft London, 1. April. Die letzten Berichte aus China deuten auf eine Verschärfung der Lage hin. Zu der Meldung, daß die Mächte an die Kantonbehörden aus Anlaß der Vorgänge in Nanking mit Forderungen herantreten wollen, wird berichtet, daß bereits ein Entwurf von Wiedergutmachungsschulden formuliert worden sei und auch die Schritte für den
Fall einer Ablehnung der Forderungen erwogen wurden.
Die Lage in China rüst in Paris und London starke Beunruhigung hervor. Der Oberbefehlshaber der Kanto« nesen-Armee, Tschangkoischek, soll beabsichtigen, den Vormarsch nach Norb- china anzutreten.
Zwischen den englischen und den amerikanischen Behörden in China find Meinungsverschiedenheiten ausgebrochen. Die Plünderungen in den britischen Konzessionen in Nanking dauern an.
Der Reichstag gegen -en Dawes-lnn Die unerträglichen RevamttonsWen
Berlin, 31. März.
Auf der Tagesordnung der heutigen Vormittagssitzung des Reichstages steht als erster Punkt: Kriegslastenetat.
ttbfl. Dr. Dessauer (Zentr.)
toiift darauf hin, daß die Reparationslasten, wenn sie erst ihre volle Höhe erreicht haben werden, vier Milliarden betragen, d. h.
mehr als ber ganr« Reichsetat vor dem «ri?«e.
Der Redner schildert Deutschlands bisherige Reparationsleistungen. Allerdings seien in den beiden ersten Jahren Deutschland mehr als 2200 Mill: Anleihen zugeflossen. Aber diese Erleichterung werde nicht von Dauer sein. Deutschland könne nicht jedes Jahr so gewaltige Anleihen aufnehmen. Deshalb sei die Frage, ob Deutschland die von ihm verlangten Leistungen aufbringen kann, noch ein offenes Problem. Selbst der ReparationSagent habe diese Frage bisher umgangen. Er habe aber bereits ausgesprochen, daß >
ber DaweSplan nur eine Vorbereitung auf bie endgültige Regelung ber Reparationen
fei. (Hört, hört!) Die Blutmengen, die man der deutschen Wirtschaft entziehen und fremden Wirtschaften zuführen wolle, seien so groß, daß man noch gar nicht ühersehen könne, welche Wirkungen diese Blut- transfusien auf den Blutspender und dem Blutempfänger ausüben werde. Trotzdem bereue das Zentrum das Vertrauen nicht, das es der Daweskommission entgegengebracht habe. Ihre Arbeit habe zum mindesten die Sachlichkeit wiederkehren lassen.
Deutfchlanb trage feine Lasten nicht, weil eS sich moralisch dazu verpflichtet fühle, sondern weil eS alS ber Unterlegene biese Leistungen vertraglich übernommen habe. SS bestehe aber ans eine Revision Vieser Lasten. (Lebhafte Zustimmung).
Die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund habe die SchicksalSgemeinschast der Völker wenigstens angedeutet. Das Problem der Kriegsschuldenregelung sei di« Barrikade, die den Weg zur Völkerverständigung nochver sperre. Der Redner schließt mit dem Nusdruck der Hoffnung, daß diese Verständigung recht bald möglich werde. Dazu gehörten vor allem di« Auswirkung der Gedanken- gänge von Thoirh und die Entwaffnung der Welt. (Lebhafter Beifall im Zentrum).
Abg. Dietrich-Vaveu (Dem.)
ersuchl di« Regierung dringend, dafür zu sorgen, daß aus dem Etat alles verschwindet, waS über bie uns auferlegte Zahlung von 2y« Milliarde hinausgehe. Die Be - satzungskosten z. B. habe die En- tent« zu tragen. Sang- und klanglos sei leider das Urteil des Haager Gerichtshofes in Vergessenheit geraten, das die Anrechnung der Liquidationsentschädigungen auf die Reparationslasten ablehnt. Dabei sei «S
eine ber größten Ungerechtigkeiten gewesen, bie ntan gegen das deutsche Volk begangen habe.
(Sehr richtig!) Di« Entschädigungen müßten endlich auf Grund gesetzlicher Ansprüche und nicht aus Härtefonds gezahlt werden. Das Transferproblem fei noch gan- ungeklärt. Der einzige Trost sei, daß wirtschaftliche Unmöglichkeiten auf die Dauer nicht lebensfähig seien. Der Redner betont, daß wir nicht als Kriegsschuldige zahlen, sondapn weil wir
Abg. Dr. Qu atz (Dtn.)
glaubt,, daß die Steuerlast des deutschen Volkes nicht mehr stärker angespannt werden könne, zumal diese Anspannung fast jedesmal automatisch eine Steigerung der Reparationszahlungen zur Folge habe. Diese Bestimmung des Dawesptanes fei vor allen anderen reformbedürftig. Die Regierungsparteien seien der Meinung, daß
die Lösung der Frage der Liquida- tionsgeschädigte« noch eine Angelegenheit des lausende« Jahre»
sei. Als ein Beispiel dafür, rote weit die Wirkungen des Dawesplancs reichen, führt der Redner die Tatfache an, daß das Reich 850 Mill, für Vorzugsaktien der Reichsbahn ausgeben mußte, um überhaupt noch einen geringen Einfluß auf dieses wichtige Instrument der deutschen Wirtschaft zu behalten. Eine weitere Funktionsstörung infolge des Dawespca- nes sei die Senkung der Lebenshaltung des deutschen Volkes. Ma« zwinge uns zum Dumping auf dem Weltmarkt, obwohl die ganze Welt überindustrtalistert sei. Hoffentlich werde dieser Zwangsexport nicht zum Hungerexport. Die dritte gefährliche Störung sei das Konrrollseystem.
Deutschland habe sich al» zahlungswilliger Schuldner gezeigt. Es müsse sich Zwang und Kontrolle verbitte«, solche Maßnahmen steigerten nicht die physologische Leistungsfähigkeit. Man dürfe nicht müde werden, das deutsche Recht auch in der Frage der Reparationen zu vertreten. (Beifall 6et den Deutfchn.) Abg. Keil (Soz.) stimmt der vorzüglichen Darstellung de« Reparationsproblems durch Dr. Dessauer voll zu. Wichtig sei das Eingeständnis von Dr. Quatz, daß die Reparationen sch»n zur Verelendung großer Teile des deutschen Volkes geführt haben; daran sei aber die deutsche Wirtschafts- und Sozialpolitik mit schuldig.
Abg. Dr. Schneider (D. Vpt.) betont gleichfalls die erfreuliche Ueberein- stimmung der Redner aller Parteien in der Reparationsfrage, obwohl es sich hier um den bedauerlichsten Etat handele. Ein schärferer Gegensatz, als zwischen der internationalen Reparations- und Handelspolitik fei nicht denkbar, aber die vitalen Kräfte ständen hinter der Handelspolitik
(Fortsetzung siebe Seite 2.)
SelOtiirngtn im Santtng
Grzesinskt gegen dir Störung des Stahlhelm« tages.
Berlin, 31. März. In der heutigen Sitzung des Landtages wurde zunächst der Derlängerung des bestehenden Schutzpolizeibeamtengesetzes bis zum 30. Juni 1927 ohne Aussprache in erster und zweiter Lesung zugestimmt.
2Dg. Haake (Nat.°Soz.) erllärt: Die Aationaffozialisten würden sich ihre Bewegungsfreiheit erzwingen. (Ruse bei den Kommunisten: Freie Dahn dem Mord!) Was die Vorgänge in Lichterfelde« Ost anlangt, so hätten die Kommunisten an- gefangen, indem sie einen Nationalsozialisten auS «einem Eisenbahnabteil einfach hinauS- warfen. (Abg. Hoffmann (Komm.) ruft: Sie lügen bewußt.)
Innenminister Grzesinski wieS sodann in einer längeren Erklärung auf die große Belastung hin, die die Tätigkeit der Schutzpolizei durch politische Demonstrationen erfahre. Der Minister betonte, er könne nur alle diejenigen, die etwa eine Demonstration andersgerichteter, auch die deS Stahlhelms am 8. Mai stören wollen, dringend davor warnen. Die Erklärung des kommunistischen Abgeordneten Eberlein, daß bie Kommunisten am 8. Mai nicht zu Hause bleiben, sondern aus den oaterlän- dischen Verbänden vaterländisch« GipSver- bände machen würden, fei eine unerhört« Provokation, sodaß die Polizei gegen sie die entsprechenden Vorbereitungen treffen werde.
In der weiteren Aussprache wendet sich Abg. Kasper (Komm.) gegen die militari* sche Drangsalierung der Polizeibeamten durch die Offiziere. Die Offiziere seien vielfach Schweinekerle »rnd Menschenschinder. (Lebhafte Zustimmung bei den Kommunisten. Präsident Bartels erteilt dem Redner einen Ordnungsruf.) Es ist unerhört, daß ein sozialdemokratischer Präsident sich gegen diese richtige. Charakterisierung der Feinde der Beamten wendet. Pfui über einen solchen Präsidenten! (Präsident Bartels ruft den Redner zum zweiten Mal zur Ordnung.)
Abg. Paul Hoffmann (Komm.) schildert als Teilnehmer der blutigen Zusammenstöße in Lichterfelde-Ost den Verlauf dieser Ereignisse. bei denen er bekanntlich auch verwundet wurde. (Zwischenrufe des Abg. Haake (Nat.-Soz.) werden von den Kommunisten mit beleidigenden Zurufen, wie: .Halt di« Schnauze, du Schwindler!" beantwortet. (Präsident Bartels rügt diese Ausdruckweise.) Als im weiteren Verlauf der Darlegungen des Redners ber Nationalsozialist Haake Zwischenrufe macht, bringen di« Kommunisten gegen die Bänke der B ö l k i s ch e n vor und es gelingt angesichts der großen Erregung nur mit Mühe, eine Schlägerei zu verhindern. De« Redner warnt die Nationalsozialisten, am 8. Mai in Berlin etwa zu versuchen, a dermal» eine solche Schlacht zu schlagen.
Damit schließt die allgemeine Aussprache Um 5.45 Ähr vertagt sich das Haus am Freitag 12 Uhr.
Aul ton StkestmnniMM
Plauen, 31. März. In dem Seleibl* gungsprozeß Stresemann gegen Mülle« wurde am Donnerstag die Aussage des kommissarisch vernommenen Neich-banHrä» fibenten D r. Schacht verlesen. Dem Zeugen sind keine unlauteren Geschäfte Stresv- mannS mit Litwin bekannt. Ferner mürbe das Protokoll über die kommissarische Vernehmung Dr EtresemannS verlese«. Don irgend einer MunitionSverschiebung ober einem Strafverfahren deswegen habe er nichts gewußt. In das Verfahren gegen bie bret Direktoren wegen unlauterer Au»- fuhsi nach ber Tschechoslowakei habe er la keiner Weise eingegriffen. Dr. Stresemann hat nicht den geringsten Verdacht gehabt, daß es sich um irgend eine unzulässige Verschiebung von »Kriegsmaterial handeln könne. Er habe zurzeit noch nominal 2000 Rm. Aktienbesitz. Weitere Beträge al» bie ihm zustehenden, Tantieme und Dividende, habe er nicht erhalten. Zahlungen in Devisen seien ihm nicht gemacht worben. Von einem Konto S. Gustav sei ihm nicht- bekannt gewesen.
Der Angellagte Müller polemisier^ hierauf in längeren Ausführungen gegen bie Ausführungen Dr. Stresemanns. Auf die Frage des Justizrats Hahn, ob bei ihm