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Marburger rageSaWtger

Mische LanbeSzettuna

Äberhessssche Zeitung

Rr. 73 62. Mrg. Maröurg o. Kahn

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Montag, W 28. Mürz 1927 f* »Vderhesftsch« Zeitung" er- aetnt sechsmal wöchentlich. Be- ^sprets «onallich 2 «M. aus- MtjL ZustellungSgebühr, durch zzeP»st2Lö GM.Für etwa fnfolgt Akwlk«. Maschinendefekte oder Lreigniff« ausfallend« fanmtto wird kein Ersatz ge* Uft* Verlag d. Dr. §. -therolh. twf der Unid.-Buchdruckerri b. 5* «Iig. Koch. Markt 21/23. AM,sprecher: SR«. 64. u. Nr. 55. ^stfcheckkontor Amt Frankfurt i, 98. «r. 5015. Sprechzeit I# giedaktio» don 1011 «»

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»Ms deuli». französisches WirischüllSvrvviiorinm

Paris, 26. März. Zwischen der deut- scheu und der französischen Wirtschafts- «legation ist die Ausgabe folgenden Kommuniques vereinbart worden:

Das am 15. März unterzeichnete Pro­tokoll zur Festlegung der Grundsätze des Mdgültigen Handelsvertrages zwischen Meutschland und Frankreich bildete nur eie erste Etappe der seicher in ersprieß- Wcher Weise fortgeführten Verhandlungen, fcn Fortführung der Verhandlungen Tiöen die beiden Delegationen beschlossen, feen Regierungen vorzuschlagen, alle Der- inbamngen, die gegenwärtig für die teilt» chaftlichen Beziehungen zwischen Deutsch- md und Frankreich maßgebend sind, in irer Gültigkeit bis 30. Juni zu verlängern, lie Delegationen hoffen, daß zu diesem jeitpuntt der neue französische Zolltarif ilgenvmmen sein wird und daß dann eine rdgültige und vollständige Regelung an« elle der bisher getroffenen vorläufigen nb teilweisen Vereinbarungen treten kann, ach Maßgabe dieses Beschlusses haben ie beiden Delegationen einen Abkvmmens- Mvurf vorbereitet, demzufolge vom 1. hril bis 30. Juni einschließlich die ftan- 4 ifischen Weine im Rahmen eines Kon- ngents zu den gleichen Tarifbedingungen ich Deutschland eingeführt werden können, ie den auf Italien und Spanien fallenden leinen eingeräumt werde. Als Gegen- iftung für dieses Zugeständnis sind für » hauptsächlichsten Industrien ziemlich ^gedehnte Vorteile gewährt worden. Hm eie vorgesehene Hebereinkunft in ihrer esamtheit der deutschen Regierung zu ? üerbreiten, ist der Leiter der deutschen andelSvertragsdelegation, Ministerial- s reftor Dr. Posse, nach Berlin gereist. ] an hofft, daß die vorbereiteten Entwürfe

>r Ende dieses Monats unterzeichnet teer- $ können.

Unterzeichnung eines deutsch-polnischen Eisenbahn-Abkommens.

Warschau, 27. März. Gestern fand t Polnischen Verkehrsministerium die' uterzeichnung des deutsch-pol- chen Abkommens über Erleichterungen t internationalen Eisenbahnverkehrs auf ; ' Strecke Firchau Könitz Dirschau arienburg statt. Von deutscher Seite «de das Abkommen von dem deutschen - sandten Rauscher und dem Geheimen tzierungsrat Scholz, von polnischer iüe von Ministerialdirektor Moskwa

Abteilungsvorstand Prochaska un- tzeichnet. Dieses Abkommen sieht be­fere Erleichterungen für den internatio- kn Personenverkehr Mischen West» ropa einerseits und Osteuropa und dem s toten Osten anderseits auch auf dem 1 kbiete des Zoll- und Paßtee» '°s vor. Auch der Eisenbahnwechsel- kkhr zwischen Deutschland, Danzig und Jen wird nach erfolgter Ratifizierung ! Grundlage für die Herstellung einer ^klen Verbindung von Paris, Ealais ® Ostende über Berlin, Riga und Mos- 6 nach Peking und Tokio bilden.

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Srulschll Reichslag

tm Samstag wurde im Reichstag der Malt für die besetzten Eebiettz beraten, 'chskanzler Dr. Marx leitete als Mini- füt die Besetzten Gebiete die Beratung seiner Rede ein. Er führte die ver- Mnen Nöte, die durch die Besatzung ^Rheinland hervorgerufen wird an, 1 teilte mit, daß neue Anträge auf Bei- »n aus dem Härtefond nicht mehr an- Atomen werden könnten, da die An- Mrift abgelaufen ist. Der Reichs­ter schloß seine Ausführungen mit ei Dank an die Bevölkerung des be- h Gebietes für ihre bewunderungs-

^ige Daterlandsliebe und Selbstauf- t ^ung. In der Debatte forderten alle

^er die größtmögliche Unterstützung besetzten Gebiets. Die Abstimmungen

** am Montag stattfinden.

WWung tu Lüge in Sdinnghni Set einem neuen Stnetalfiteff Cnglnnbet und znuzoien fiteften um den SbeekeW

fkL o n d o n, 28. März. Die Lage in der chinesischen Hafenstadt Schanghai ist nach wie vor ungeklärt. Zwischen dem englischen und dem französischen Truppenbefehlshaber ist es zu ernstlichen Schwierigkeiten gekommen. Da die französischen Truppen zum Schutze der französi­schen Niederlassungen nichts ausrichten, wurden die Engländer um Hilfeleistungen ersucht. Die Engländer wollen Hilfe nur gewähren, wenn ihnen die Oberleitung über die ganze Verteidigung über Schanghai übertragen werde.

Die französische Rechtspresse greift den Außenminister Briand an, da er nicht für genügenden Schutz der ftanzösischen Nieder­lassung in Schanghai gesorgt habe.

Die Linkspresse fordert dagegen eine so­fortige Einigung mit der Kantonregierung.

Ueber die Absichten der Kantonregierung hat sich wiederum der Oberbefehlshaber der Kantonarmee General Tschangkaisckek ge­äußert, die Kantonesen werden ihren Vor­marsch nach Norden mit dem Ziele der Er­oberung der Haupt st a d t Peking fortfetzen. Auch General Fing werde gleich­falls auf Peking marschieren Die Kanton- armee sei entschlossen. Leben und Eigentum der Ausländer zu achten

Eine wohlunterrichtete hohe amtliche Per­sönlichkeit erklärte dem Reuterkorresponden- ten gegenüber: Wir stehen erst am Anfang der chinesischen Schwierigkeiten. Die Streikenden kehren zur Arbeit zurüch. sind jedoch meistens bewaffnet. Man versucht, die Eisenbahnen durch Arbeiterräte ohne Mitwirkung von Aus­ländern im Betrieb zu halten. Der Komman­dant der ' antonefftfrben Streitkräfte, Pait Schung-hsi, hat sich genötigt gesehen, die rein kommunistisch eingestellten Gewerkschaf­ten und «die von diesen aufgestellteArmee" von 3000 Mann in Zivilkleidern anzuerken- nen, die als Art Polizeitruppe Dienst tun. Man glaubt hier an ein gemeinschaftliches Vorgehen Englands, Amerikas und Japans mit dem Ziel, der Wiederholung der Vorfälle von iking vorzubeugen, und zwar beruht diese Vermutung auf Meldungen aus Peking, wonach die Gesandten der beteiligten Mächte

über Mittel zur Abhilfe beraten. Wie weiter mitgeteilt wird, hat der amerikanische Ge­sandte angeordnet, daß die Amerikaner sämt­liche Gebiete verlassen, die sich im Besitz bet Nationalisten befinden

fk London, 28. März. Nach einer Mel­dung aus Schanghai machen sich Anzeichen einer Reaktion auf das britisch-amerikanische Vorgehen in Nanking bemerkbar, das in An­sprachen an die Beoölkerungsmenge verurteilt werden soll. Die Streitkräfte an der Grenze der internationalen und französischen Nieder­lassungen werden verstärkt. Am Rande der französischen Konzession sind Maschinengewehre in Stellung gebracht worden.

In der Chinesenstadt wurde eine Massen­versammlung abgehalten, an der der chinesische Oberbefehlshaber Tfchangkai- s ch e k und der Oberbefehlshaber von Schanghai teUnahmen. In einer Entschließung wurde die sofortige Rückgabe bet ausländi­schen Niederlassun gen .in Schanghai gefordert und ein neuerGeneral streik befürwortet.

Die Lage in Schanghai »sehr gespannt."

Der letzte Bericht des Admirals Williams an bas Marinedepartement bezeichnete die Lage in Schanghai als sehr gespannt. Der Bericht ist heute nacht 1 Uhr in Washington drahtlos eingetroffen.

Gestern wurden weitere amerikanische Streitkräfte gelandet, um dse Truppen bei der Verteidigung der internationalen Riederlas­sungen gegen drohende Ausschreitungen des Pöbels zu unterstützen.

Japanische Flottendemonstration an der chinesischen Küste.

,Daily Müll" meldet aus Tokio, daß abge­sehen von der bevorstehenden Entsendung wei­terer japanischer Kriegsschiffe nach Tsingtau und Schanghai auch 4 Panzerkreuzer. 17 Kreu­zer, 19 Zerstörer und 7 Unterseeboote der ja­panischen Flotte eine Kreuzerfahrl entlang der chinesischen Küste, nördlich des Pangfie, un­ternehmen.

Stk Standlauf des Kreuzers ..SönigSbtra"

Wilhelmshaven, 26. März. Heute vor­mittag wurde auf der hiesigen Reichswerft der kleine KreuzerKönigsberg" vom Stapel ge­lassen. Schon in den Morgenstunden boten Stadt und Werft ein lebhaftes Bild. Ueberall grüßten Fahnen und Wimpel. Zahlreiche Ehren- gäste waren aus dem ganzen Reiche erschienen, um dem feierlichen Mte beizuwohnen. Aus der großen Maste der Gäste seien erwähnt: Der- tretet des Reichs und der Länder, der, Staats­sekretär der Reichskanzlei Dr. Pünder, Staats­sekretär Gutbrod, der Oberpräsident von Oldenburg v. Finkh, Oberpräsident Siehr (Königsberg), Mitglieder des Reichsrats, des preußischen und des bayrischen Staatsrates, zahlreiche Abgeordnete des Reichstags, Ver­treter der Militär- und Zivilbehörden, der, Städte vieler Körperschaften und Vereine. Auch die Marineleitung, das Oberkommando der Marinestation, das Flottenkommando und das Marinearsenal (Kiel) waren durch Ab­ordnungen vertreten..

Wilhelmshaven, 26. März. Der neue Kreuzer, der zweite Kreuzerneubau der Reichs­marine, desten Stapellaus heute morgen statt- fand, stellt den verbesserten Typ des Kreuzers Emden" dar. Die T a u f r e d e hielt der Ober­bürgermeister der Stadt Königsberg, Dr. Loh­rn e y e r. Das Schiff wurde anschließend von Frau Loos, der Gemahlin des Vizeadmirals Loof, des Kommandanten des aus dem Kriege bekannten KreuzersKönigsberg" auf den Na­men Königsberg" getauft. DerEhefder Ma-

rineleitiWg, Admiral Zenker, dankte in einer Anspra e bei einem anschließenden Frühstück im Offiziersheim im Namen der Marine allen, die an dem Schiff mitgearbeitet haben, den Konstrukteuren, den Werftbeamten, den Werft­arbeitern und der Industrie. Er führte aus, der neue Kreuzer solle das sichtbare Zeichen des Treubekenntnisses des Reiches zu der Provinz fein, die ein grausames Geschick vom Reich ab­getrennt habe. Wenn kein Weg durch deutsches Land mehr nach Ostpreußen führe, so werde die Marine aus See die Brücke hierüber schlagen. Diese Brücke zu bewachen, sie, wenn es nottut, bis zum äußersten zu beschützen und. zu ver­teidigen, das ist, so schloß der Redner, die große Ausgabe, zu der sich die Reichsmarine am heuttgen Tage Ostpreußen gegenüber feierlich bekennt

Der Reichspräsident zum Stapellauf der Königsberg".

Berlin, 26. März. Der Herr Reichs­präsident hat an den Chef der Marinelei- tung folgendes Telegramm gerichtet: Ich danke für die Meldung von dem heute erfolgten Stapellauf des neuen Kreuzers Königsberg". Möge das neue Schiff, das den Namen eines ruhmreichen Kreuzers der alten Kriegsmarine roeitetleben läßt, ein tüchtiges und wertvolles Glied der jungen Reichsmarine werden. Dem Kreu­zer und seiner Besatzung wünsche ich alle­zeit glückliche Fahrt! v. Hindenburg.

RobMierm- In Maulen

London, 27. März. Aus Athen wird gemeldet, daß der Korrespondent des Eleuteros Bimos" in Tirana seiner Zei­tung berichtet, der albanische Außenmini­ster habe ihm bestätigt, daß die albanische Regierung mehrere Iahresklassen mobili­siert hat. was aber nicht aus irgendwelchen aggressiven Absichten heraus geschehen sei. sondern um das Gendarmerie-Korps zu er­setzen, das vor einiger Zeit aus Sparsam­keitsgründen aufgehoben worden sei (!).

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Sa? tlrtetl im WilmSvrM

Berlin, 26. März. Im Wilmsprozeß wurden die Angeklagten Fuhrmann^ Klopprrth und Umhoser wegen ge­meinschaftlichen Mordes, der Angeklagte Ober- leutnant Schulz wegen Anstiftung zum Tode verurteilt. Die Angeklagten v. Poser, Stantien und Budzinski wurden frei­gesprochen.

Berlin, 26. März. In der Begründung des Urteils im Wilms-Prozeß führte der Vor­sitzende u. a. aus: Was das Strafmaß betrifft, fo ist die Strafe durch das Gesetz vorgeschrieben, und es gibt nichts anderes als die Todes, strafe. Das Gericht ist zu dem Beschluß ge» kommen, den Verurteilten die bürgerlichen Ehrenrechte nicht abzuerkennen. Die Ange­klagten haben die Tat, die scheußliche Tat, ge- tan, aber nach Ansicht des Gerichts nicht aus eigennützigen Gründen, sondern um eine gute Sache durchzusetzen. Es kann ihnen also der gute Glaube nicht abgesprochen werden. Die Angeklagten haben auch eine gewisse Ent­schuldigung für ihre Tat vorgebracht. Die Reichswehr, die die Arbeitskommandos aufge­stellt hat, die unter allen Umständen geheimge­halten werden mutzten, hat den Arbeitskom­mandos selbst die schwierige Aufgabe, wie diese Geheimhaltung durchzuführen ist, überlassen. Es hätte von der Reichswehr also eine schärfere Kontrolle ausgeübt werden sollen.

Meffeftiimnen

DieDeutsche Zeitung" schreibt zu dem Urteil im Wilms-Prozeß: Das außer­ordentliche Schwurgericht hat vier Todes­urteil« gefällt, obwohl sich nach dem Ver­lauf des Prozesses für den unparteiischen Zuhörer die Tatsache ergeben hatte, daß die sämtlichen Angeklagten einer Schuld nicht überführt worden sind. Das Blatt, das von einem Ausnahmegericht spricht, sagt zum Schluß: Wird kein anderer Weg ge­funden, so muß weitgehende Amnestie wieder gutmachen, was gesündigt wurde.

DieK r e u z z e i t u n g" erklärt, daß der Indizienbeweis nur die Schuld des Ange­klagten Fuhrmann ergeben habe, während bei Klapproth und Umhofer di« Beweis­führung zum mindesten nicht ausreichte. Bei dem Oberleutnant Schulz seien über­haupt kein« Tatsachen zutage .gefördert worden, aufgrund deren man ihn der An­stiftung zum Morde für überführt hatten könnte.

DieDeutsche Tageszeitung" und bkTägliche Rundschau" sprechen von einem Bluturteil, das nach dem letzt­genannten Blatt in den weitesten Kreißen des deutschen Volles Empörung und Ent­setzen Hervorrufen werde.

In derVos) isch« n Zeitung" heißt es: Daß die Todesstrafe an Tätern, bk aus Gesinnung Verbrecher geworden sind, vollzogen wird, widerspricht unserem RechtS- zefühl. Es ist eine gute Demonstration, daß das Gericht sich zu einem Gnaden­gesuch entschlossen hat.

DerVorwärts" stellt nrit Befriedi­gung fest, daß endlich auch der Organisator des Ganzen, Schulz, als Mordanstifter ge- brandmarkt ist, nachdem es ihm bisher immer gelungen sei, sich mit der Toga des nationalen Rächers zu behängen.