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Mn A. Mürz 1927

W ^vdcr-«sfisch« 3d tun g* et- f»dnt s«b-»al wöchentlich. Ye- ptgtfrrd« monatlich 2 «M. «US- schließl. 3ust»llung«g»bühr, durch hdtPoslLLL GM.Für etwa fnfolge Streik«, Maschinen defekte oder eit Bientater Ereignisse ausfallend« gtuonnern wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag d. Dr. §. Hitzervth, Druck der Univ.-Vuchdtuckerei d. gotz. «ug. «och, Markt 21/23. Aetnsptecher: Rr. M. u. Rr. 65. Postscheckkonto: Statt Frankfurt «. M. Rr. 5015. — Sprechzeit der Redaktion von 10—11 und ‘kl—1 Uhr.

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Sie etilen ÄimNe zwischen Engländern und Chinesen

Der Mm der msWnsigen Partei in Albanien erowrbei

3m Laufe der letzten Tage ist auch das Gros der Truppen Kantons in Schanghai ein- Südt. Das Chinesen viertel befindet sich

in der Hand der Südarmee. Wenn man sich vergegenwärtigt, daß noch ungefähr 30 000 Mann der geschlagenen Schantung- Armee. desorganisiert in unzähligen Trupps zersplittert, in und um Schanghai sich herum- tteiben. so kann man sich ungefähr vorstel­len, welch ungeheurer Wirrwarr in der Stadt herrscht. Daß die Proklamierung des Ge­neralstreiks. dem nach vorliegenden Meldun­gen fast die gesamte Arbeiterschaft Folge leistet, nicht gerade dazu beiträgt, den Wirr­warr der Lage zu klären, ist selbstverständlich. Leber das Verhalten der englischen Trup­pen und der eindringenden Armee Kantons zueinander kursieren in der Welt die wider­sprechendsten Nachrichten. Die Londoner Presse berichtet bereits von blutigen Kämpfen, in denen zahlreiche Angehörige der britischen ^Truppenmacht getötet oder verwundet wur­den. Aus anderen Quellen erfährt man. daß wohl einige äleberfälle chinesischer Sol­daten auf Gebäude innerhalb der Konzessio­nen stattgefunden haben, daß es sich jedoch hierbei nur um Ausnahmefälle handle, um Verzweiflungstaten geschlagener Schantung- Truppen, die sich in Sicherheit zu bringen versuchen. So ergeben die sich widersprechen­den Dachrichten wenigstens die Tatsache, daß es in der Tat zu Zusammenstößen zwischen Chinesen und Truppen der Konzefsionsinhaber gekommen ist. Diese Erkenntnis läßt die Lage in Schanghai äußerst gefahrdrohend er« kennen. Angesichts der Nervosität, die durch die zahlreichen Lleberfälle innerhalb der eng­lischen Truppen Platz gegriffen hat, und an­gesichts des nach dem Fall Schanghais ins Maßlose gestiegenen Siegestaumels der Kan» wntruppen könnte ein einziger Funke, irgend -«ine Bluttat oder ein Zusammenstoß die ge­samte Kampfmaschinerie der Engländer aus­lösen. Immerhin ist anzunehmen, daß zu­nächst .die siegreiche Kanton-Armee ver­suchen wird, durch Verhandlungen mit den Konzessionsinhabern ein Kompromiß zu er­zielen, ähnlich wie es in Hankau zwischen Engländern und Chinesen abgeschlossen wurde.

Schanghai, 22. März. Nordtruppe«, beten Zahl auf mehrere hundert geschätzt - !wird, haben die Drahtverhaue des nörd­lichen Teiles der internationalen Nieder- lasfung durchbrochen und find durch Sei- tengafien, die nur schwach von den briti­schen Streitkräften besetzt waren, einge- brungen. Die Berluste der Aus­länder betrage«, soweit bisher bekannt ist: 3 Engländer getötet, 14 ver- wundet. ein Japaner und ein Portu- j Kiele verwundet. Bon einer Abteilung kchantungtruppen wurde ein britischer Panzerwagen umzingelt. Die Nannschaft. von der mehrere Mann ver­letzt wurden, muhte sich unter Zurück- assung des Panzerwagens zu- tückziehen. Später gelang '"es stärkeren straften, den gröhten Teil der eingedrun- sftnen Truppen zu entwaffne» und zum Verlassen der Niederlasiung zu zwingen. Pald darauf versuchten die eben Entwaff- »eten. verstärkt durch 700 weitere Schan- tungsoldaten, abermals mit Gewalt in die sfremdeazone hineinzukommen. Sie schossen auf die britischen Sol­daten. die das Feuer erwiderte«. Etwa 20 Chinesen wurde» getötet, zwei Kritische Soldaten wurde« verletzt. Mehrere Schrapnells fielen in das inter­nationale Viertel, wo sie Schaden anrich, toten. Die Zahl der Opfer ist unbekannt. *e Nachmittag wurde auch der englische streuzer „Bindictive" von chinesischer Ar- sillerie beschosien. Das Kriegsschiff eröff­nete sofort seinerseits das geltet und es entspann sich ein scharfes Gefecht. -. <. .■ i

General Pitschutschen, der bisherige Kommandant der Nordtruppen in Schang­hai, ist zu den Kantontruppen übergegan­gen. Die Zahl der Streikenden hat sich auf 150 000 erhöht. Auch in Peking machen sich deutliche Zeichen einer tiefgehenden Beunruhigung bemerkbar, die einen ent­scheidenden Stimmungswechsel zuungunsten der Nordpartei vorzubereiten scheinen.

Nach einer späteren Reuter-Meldung sind die Szenen in dem chinesischen Stadt­viertel schlimmer als in der Hölle zu be­zeichnen. Man hört Schüsie, Schreie von Frauen und Kindern. Viele Frauen find unbekleidet, da fie von den Soldaten auf der Jagd nach Beute ihrer Kleider be­raubt wurden. Schwer mit Beute beladene Soldaten schützen sich mit Maschinenge­

wehre«. die von anderen Soldaten getra­gen werden und die nicht zögern, sich den Weg durch die von Menschen gefüllten Strahen zu bahnen, indem fie feuern und zahlreiche Leute töte«. Der Abendhimmel wird erhellt durch die sich ausbreitenden Feuersbrünste. Die Strahen find mit Ge­töteten besät.

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Der zündende Funke in Albanien?

fk. Paris. 23. März. Nach einer Meldung des „Petit Pari sie«" ist Junuf Leq Dibra, Führer der ««- abhängigen albanischen Par­tei und intimer Freund Esead Paschas, in Tirana ermordet worden.

AußtnpvWKe Debatte im Reichstag

Ar an Marno gekmWcn Erwartungen iint enttauitbt worden

Berlin, 22. März. Der Reichstag begann heute die Beratung des Etats des AuswärtigenAmteS, über den Abg. Dr. Hoetzsch (Dntl.) als Bericht­erstatter kurz referierte.

Dr. Stresemann

ergriff sodann das Wort zu einer längeren Rede, in der er sich zunächst dem H a u S - haltdesAuswärtigenAmtes zu­wandte. „Dieser Haushalt", so erklärt et, „spielt im Rahmen des gesamten Haus­halts nur eine sehr bescheidene Rolle. Im vorigen machte der Gesamtetat des Aus­wärtigen Amtes 25 Millionen Mark aus. Diesmal sind eS vier Millionen mehr. Festzustellen ist eine erfreuliche Verminderung der Einnahmen der Pah gebühren um eine Million Mark. Der Rückgang ist zurückzuführen auf die Tendenz des Abbaues der Paßgebühren. Es würde mich freuen, wenn ich Ihnen einmal einen Etat vorlegen könnte, aus dem die Einnahmen aus den Pahgebühren überhaupt verschwunden sind, denn es ist eine der unerwünschtesten Erscheinungen, daß wir den Verkehr zwischen den ein­zelnen Ländern durch Pahgebühren er­schweren, statt ihn zu fördern. (Beifall).

Wir sehen in der gesamten Weltlage Entwicklungen, die uns zwingen, bei un­seren auhenpolitischen Erwägungen mehr und mehr auch die Faktoren zu berücksichti- gen, die außerhalb unserer eigenen aus­wärtigen Beziehungen liegen. Dabei denke ich an

drei groß« international« Fragenkomplexe.

Wir sehen einmal höchstbedeutsame Vor­gänge, die sich im Fernen Osten ab­spielen. Wir sind ferner Zeuge von ern­sten Auseinandersetzungen zwischen zwei großen Ländern, deren Politik für Deutschland von unmittelbarer Bedeutung ist. (England und Rußland. Schriftl.) Dazu kommen in den letzten Tagen über­raschende Nachrichten, die daraus hindeu- ten, daß auch die mit der

Lage aus dem Balkan zusammenhängendeif internationalen Be­ziehungen Elemente der Unsicherheit aufweifen. Man wird gut tun, von den alarmierenden Meldungen, mit denen zu­nächst über die letzteren Vorgänge berich­tet wurde, viel abzustreichen. Soweit sich die Dinge bisher von Deutschland aus übersehen lassen,

glaube ich nicht, daß irgendwelche akute Gefahr

besteht. Ich glaube das insbesondere aus

den Mitteilungen schließen zu können, die, wie in der Presse bereits bekanntgegeben, die italienische Regierung uns in diesen Tagen zugehen lieh. Der Wille, Europa vor jeder Kriegsgefahr zu bewahren, hat in allen Ländern so stark Wurzel geschla­gen, dah ein Friedensbruch der Weltverurteilung verfallen würde. Aber auch die ruhigste Beobachtung der Dinge kann nicht verkennen, dah wir von einer endgültigen Konsolidie­rung der allgemeinen internationalen Lage noch weit entfernt sind. Wir haben deshalb allen Anlaß, auch diejeni­gen Vorgänge mit ernstester Aufmerksam­keit zu verfolgen, die unsere eigenen Auf­gaben zunächst nicht zu berühren scheinen. Dabei ist die Stellung Deutsch­lands in diesen großen internationalen Fragen von vornherein gegeben. Seit den letzten Jahren hat sich die außenpolitische Lage Deutschlands in weit­gehendem Mähe geklärt. Wir haben in­folge dieser Klärung eine feste Grundlage für die Entschließungen gewonnen, vor die wir etwa künftig gestellt werden könnten. Deutschland hat nur das eine große Inter­esse, dah die Entwickelung nicht unterbrochen, und dah die Bemü­hungen um die Herbeiführung einer inter­nationalen Zusammenarbeit am Wieder­aufbau Europas nicht geftört werden.

Für Deutschland kommt eine Politik der Sonderbündnisse nicht in Betracht, son­dern nur eine Politik, die den Gedanken der Verständigung und des Ausgleichs

* widerstreitender Interessen fördert.

Es ist für uns eine glückliche Tatsache, daß sich in dieser Beziehung das wohlverstandene ge­samteuropäische Interesse mit dem individuel­len Interesse Deutschlands völlig deckt. Dar­aus ergibt sich, daß die Ereignisse, von denen wir sprachen, an der grundsätzlichen Ein­stellung unserer bisherigen Außenpolitik nichts geändert haben und künftig nichts ändern werden. Wohin unsere Wege gehen, das zeigen die internationalen Verträge, die wir in den letzten Jahren getätigt haben. Unser Weg ist gekennzeichnet durch die Ver­träge von Locarno, den Eintritt in den Völkerbund und den Berliner Ver­trag Damit liegen unsere Absichten und Ziele offen vor aller Welt zutage. Daß wir uns in dieser Situation von jeder unnötigen Einmischung fernzuhalten haben, versteht sich von selbst. Soweit aber Deutschland zu einer Mitwirkung berufen sein sollte, kann unser Bemühen nur darauf gerichtet sein, zur Be­se iki-gung jener-Spannungen das

unsrige beizutragen. Wir können darauf rech­nen, daß dieser deutsche Standpunkt in der Welt Verständnis gegenüber manchen Ansich­ten, die dahin gehen, daß

bei einet Auseinandersetzung zwischen dritten Mächten versucht werden würde, Deutschland auf die eine oder andere

Seite zu ziehen.

Wenn, wie ich höre, englische Zeitungen be­sondere Schlüsse glauben ziehen zu können aus der Aktivität der deutschen Bot­schafter, die in diesen Tagen Besuche mach­ten, um sich über die Lage zu orientieren, so ist eine solche Betrachtung vollkommen abwegig. Ich halte es für selbstverständ­lich, daß unsere Vertreter im Ausland auch ohne Instruktion der Zentrale es für not­wendig erachten, diese Orientierung herbeizu­führen. Auch in der Reichshauptstadt sind Be­suche der Vertreter großer Mächte im Aus­wärtigen Amt aus demselben Anlaß erfolgt. Sie werden es begreiflich finden, wenn ich mich angesichts der gegenwärtigen Lage auf diese allgemeinen Bemerkungen beschränke. Es ge­hört jedoch in den Zusammenhang dieser gro­ßen allgemeinen Fragen, daß ich noch auf einen Einzelpunkt Hinweise, der bei der Stel­lung Deutschlands gegenüber etwaigen Kon­flikten dritter Mächte von Wichtigkeit sein könnte. Zu meiner Ueberraschung haben ein­zelne russische Zeitungen plötzlich wieder die altbekannte Frage aufgerollt,

ob Deutschland bei Verwicklungen in öst­lichen Ländern den Truppen der westlichen Mächte den Durchmarsch durch deutsches

Gebiet zu gestatten habe.

Diese Frage ist aus Anlaß der Locarnodebatte hier so ausgiebig behandelt worden, daß es nicht nötig ist, darauf noch einmal sachlich in allen Einzelheiten einzugehen. Für die Frage des sogenannten Durchmarschrechtes kommt ausschließlich der bekannte Artikel 16 der Völkerbundssatzung in Betracht, und zwar nach Maßgabe der ebenso bekannten Note, welche die übrigen Locarnomächte hin­sichtlich der Tragweite dieses Artikels an Deutschland gerichtet haben. Weitere Ab­machungen irgendwelcher Art über diese Fra­gen bestehen nicht. Der ganze hiermit zusam­menhängende Fragenkomplex ist, wie alle Welt weiß, lange Zeit auch mit der Sowjet­regierung erörtert, und dann ausschließlich bei der Unterzeichnung des Berliner Vertrages zum Gegenstand eines besonderen Notenwech­sels gemacht worden. Ich kann deshalb nur meinem Erstaunen darüber Ausdruck geben, daß einzelne russische Zeitungen es für ange­bracht halten, die Wahrheit und Vollständigkeit der früheren offiziellen deutschen Er­klärungen in Zweifel zu ziehen und erneute Erklärungen in dieser Angelegenheit zu fordern. Zu solchen neuen Erklärungen liegt keinerlei Anlaß vor

Wenn ich nach den allgemeinen weit» politischen Fragen

die einzelne« deutschen Fragen erwähne, so kann ich auch hier feststellen, daß die Konsolidierung jener Beziehungen sich nicht geändert hat, und sich nicht än­dern kann in der Art und Weise, mit der wir die Lösung dieser deutscher Fragen anzustreben haben. In dieser Hinsicht be­steht das außenpolitische Programm, das der Herr Reichskanzler vor wenigen Mo­naten dem hohen Hause mitgeteilt hat, auch heute noch in jedem Wort -u Recht. Seitdem ich von dieser Stelle aus das letzte Mal über die uns unmittelbar inter­essierenden Probleme der Außenpolitik ge­sprochen habe, hat Deutschland

an zwei Tagungen des Bölkerbunds- rats teilgenommen.

Die Ergebnisse dieser Tagungen sind von dem Auswärtigen Ausschuß des Reichstages ausführlich beraten worden. Sie umfaßen die Fragen der Regelung des Jnvestigationsprotokolls insbesondere die Beseitigung der oft dis­kutierten „Elements Stahles" im Rhein­lande. die Aufhebung der Militärkontrolle über Deutschland, die inzwischen Tatsache geworden ist. Sie umfassen den für späte­stens Juni vorgesehenen Abzug der französischen Truppen aus bem