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eia teuWn Arbtlin in SberWeiien tttoellen
Berlin, 11. März. Der »Berliner tzkalanzeiger“ meldet ans Ratibor: In zvonowitz (Kreis Rqbnik) wurde dieser ime der Arbeiter Orda, als er auf der Straße ein deutsches Lied sang, na einem polnischen Zollbeamten nach Heer kurzen Auseinandersetzung erschossen. Orda ist inzwischen an den folgen der Verwundung im Rybniker Krankenhaus gestorben. Die Bevölkerung ! aber den Vorfall äußerst erregt. Der liier, der sich auf freiem Fuß befindet. |eH bei der polnischen Behörde seine Bergung beantragt haben.
Sas Sibachsvitl in Silcuroca
Nachdem der machtpolitische Kampf, der seit Jahren zwischen England und Sowejtruhland «führt wird, sich durch den London-Moskauer Lrtenwechsel zu einer neuerlichen bedenklichen krisenstimmung verschärfte .sind die Tenden- pt der Londoner Einkreisungspolitik Moskaus urch nichts bisher in eine schärfere De- mchtung getreten, wie durch die soeben et« «lgte Ratifizierung des Dessarabien-2lbkom- eas durch Italien. Besonders bezeichnend i die Tatsache ,dah die Ratifizierung von irnf us gelegentlich der jetzigen Sitzung ts Dölkerbundsrates in die Welt gesetzt «rde. Man geht wohl nicht fehl, wenn an in diesem Dchachzug, der ja uuzweifel» ist uf eine englische Anregung zurückgeht, le Absicht erkennt, sozusagen zwei Fliegen einer Klappe zu schlagen, d. h. so ganz chenbei das Machtinstrument des Dölker- mdes dem ostpolitischen Aktionskreise Mos- nrs gegenüberzustellen.
Hat nunmehr offensichtlich London neben ümänien auch Italien in seinen Aktionskreis lgen Moskau einzuschalten verstanden, so egen die Dinge undurchsichtiger hinsichtlich tr Beeinflussung der Ostseerandstaaten unter mfchlusz Polens gegen Moskau durch Lon« Mt . Herr Chamberlain hat in Genf erklärt, lß England garnicht daran denke, eine Koa- livn gegen die Sowjetunion zu betreiben. In er Politik sagt man jedoch in so heiklen Din- kn bekanntlich vor der Oeffentlichkeit immer ls Gegenteil von dem, was man hinter den Glissen zu tun pflegt . Es scheint jeden- üs sicher, daß London sich unter den in sol- en Fällen üblichen Umwegen darum bemüht, Vien it Litauen für seine antifowjetistischen wünsche zu gewinnen. Die Störungslinie von öilna, die den englischen Absichten im Au- mHide noch im Wege steht, dürfte fchlieh- <h mit Hilfe englischer Anleihepfunde ir» kndwie auszugleichen sein. 3n solchen Belebungen wird England begünstigt durch die ‘ßerordentlich traurige Wirtschaftslage Li- utenä und die ebenfalls recht gespannte in dien. Estland, der nördlichste Randstaat, ist ckanntlich schon lange in die sinanzielle Ab« ‘ngigkeit von London geraten. So blieb im esentlichen eine offene Frage der Randstaat ntland. Hier scheinen jetzt die englischen ^fichten auf erhebliche Schwierigkeiten zu ften, denn wie soeben gemeldet wurde, »int es den Sowjetvertretern gelungen zu In, den letzt beabsichtigten Reutralitäts- lh kchiedsvertrag mit Lettland zustande zu hgcn, durch den die Möglichkeit einer ge« Offenen Front gegen Moskau stark ins ®in£en geraten must.
?. L on d o n , 12. März. „® e ft - *n It e r Sa jette“ meidet aus Senf, 1 Paraphierung des lettisch-russischen «tralitätspaktes habe in Bölkerbunds- *>ien erhebliches Aufsehen hervorge- *ien. Sie werde als ein Versuch Mvs- angesehen, dem Völkerbund ^wierigkeiten zu bereiten. Mehrere ^«Mitglieder beabsichtigen, die Frage Well zur Kenntnis des Rotes zu brin- !*• Man gebe bereits zu, daß Rügland * Solidarität der Völkerbundsstaaten Wsrdet.
Der diplomatische Berichterstatter des £®iln Telegraph“ spricht von *<r Verschärfung des Druckes der Sowjet- ^lomatie in Riga und schreibt: Wenn ^lond sich auf einen derartigen Pakt ?Msfe, so werde fen Bündins mit Eng, j notwendiger Weise geschwächt wer,
was Moskau anftrebe.
DeuWland ln terSaarfw überstimmt?
Saul Sentout (Sozi: „Es wird fitb daran gewöhnen müllen"
Die Ratstagung des Völkerbundes geht ihrem Ende zu, und leider hat es nicht den Anschein, daß die uns besonders interessierenden, in Genf zur Debatte stehenden Fragen in einer Deutschland befriedigenden Weise ihre Erledigung finden. Besonders kritisch haben sich die Verhältnisse hinsichtlich der Saarfrage gestaltet. Der einzige Punkt, über den man ziemlich mühelos hinweggekommen ist, ist die Frage des Präsidenten der Regierungskommrssion des Saargebiets, die dadurch geklärt worden ist, daß der fetzige Saarpräsident sich zur Weiterführung der Geschäfte bereit erklärt hat, bis sein Mutterland Kanada einen geeigneten Nachfolger namhaft macht.
Was jedoch die Frage der Ernennung der übrigen Mitglieder der Saarregierung angeht, so hat es den Anschein, als ob sich hier die französische Auffassung, die der deutschen direkt entgegengesetzt ist, durchsetzen wird und daß die Regierungskommission des Saargebiets auch weiterhin ihren ausgesprochen profranzösischen Charakter behalten wird. Sämtliche politischen Parteien des Saargebietes haben die Abberufung des Belgiers Lambert aus der Regierungskommission gefordert, da dieser sich zu keiner Zeit um die Wünsche der Bevölkerung gekümmert und es sogar direkt abgelehnt hat zu versuchen, mit "der deutschen Bevölkerung des Saargebiets in ein gutes Verhältnis zu kommen. Trotzdem ist es unwahrscheinlich, daß Lambert durch eine neutrale Persönlichkeit ersetzt wird.
Auch in der Frage des sogenannten Bahnschuhes erweist sich Frankreich als unnachgiebig. Die Nachrichten über den kritischen Stand der Genfer Saarverhandlungen haben, wie der Saarpresse zu entnehmen ist, im Saargebiet große Enttäuschung und Mißstimmung hervorgerufen.
Sehr charakteristisch für die ganze Mentalität des Völkerbundes dürfte die in Ententekreifen vorherrschende Ansicht sein, daß nun nichts mehr anderes übrigbleibe, als diese Frage durch eine Abstimmung des Völkerbundsrates mit Mehrheitsbeschluß entscheiden zu lassen. Kennzeichnend für die Beurteilung, die Frankreich dem Völkerbundsrat gibt, ist dik nicht mißzuverkennende Zufriedenheit, die diese Möglichkeit in den Kreisen der französischen Delegation ausgelöst hat. Man ist dort der felsenfesten Ueberzeugung, daß der Mehrheitsbeschluß des Völkerbundes in der Saarfrage den deutschen Standpunkt majorisieren wird. Zur weiteren Illustrierung der ganzen Sachlage ein Beispiel: Als Paul Boneour, der gestern in Genf eingetroffen ist, gefragt wurde, wie pr sich das vorstzrlle, wenn Deutschland morgen majorisiert werde, gab er die kennzeichnende Antwort: „Daran wird sich Deutschland gewöhnen müssen." Diese Antwort ist symptomatisch. Immerhin rückt sie Zweck und Tendenz der ganzen Völkerbundes in das richtige Licht.
In bet Saarfrage hat sich die Situation gegenwärtig noch keineswegs geändert. Sie durfte sich im Stoßen in demselben Stadium wie zur Eröffnung der gegenwärtigen Ratstagung am Montag befinde«. Es handelt sich nach wie vor nm die Entscheidung, ob man deutscherseits einem Kompromis zustimmen will, der tatsächlich die Legalisierung der im Versailler Vertrag keineswegs vorgesehene« völlig «ene« Rechtslage bedeuten würde, oder ob die Saarfrage in der morgige« Sitzung des Völkerbundes durch Mehrheitsbeschluß den französischen Wünschen entsprechend geregelt wird.
In der oberschlesischen Angelegenheit wird gleichfalls gegenwärtig mit allen Mitteln versucht, Deutschland zu Zuge- ständnisien zu veranlagen, trotzdem die Rechtslage eindeutig und auch unbestritten zu Sunsten des deutschen Standpunktes liegt. Die Versuche, die Regelung der oberschlesischen Frage entweder einem Dreien - Komitee oder einem einzelnen Sachverständigen zu übertragen, würde praktisch zunächst lediglich eine Verdunkelung der gesamten Lage sowie eine Hinausschiebung, wen« nicht Sefährdung, einer dem deutschen entsprechenden Regelung bedeuten.
Im Laufe des Nachmittages ist das vom. Völkerbundsrat eingesetzte Dreier-Komitee wiederum zufammengetreten, um nochmals den Versuch einer Einigung zu machen.
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ff. London. 12. März. »Times* berichtet ans Senf, es scheine Srnnd zur Annahme zu bestehen, daß die Saattrug, pen besten Falls englische «nd französische sei« werde«. Es verlautet, daß die britische Regierung nichts gegen eine Beteiligung einwendet, wenn die Truppe weniger als ein Bataillon umfaßt. Die Deutsche« scheine« daher vor der Wahl zu stehe«, die Tr«ppe«zahl vo« 800 anzunehmen, oder eine geringere ganz ans Franzosen zusammengesetzte Truppe zu erhalten.
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Anträge im Steuerausschuß.
Berlin. 11. März. Im Steuerausschuß des Reichstages, dem der vorläufige Finanzausgleich zur Beratung vorliegt, begründete Abg. Dr. P r e q e r sDtn.) die gemeinsamen A n träge der Koalitionsparteien. Diele wollen den vorläufigen Finanzausgleich auf zwei Jahre verlängern. Inzwischen sollen Mietssteuer, Realsteuer und Seldentwertungsausgleich bei bebauten Srundstücken endgültig geregelt werden. Ein Rahmengesetz dazu soll die Reichsregierung noch in diesem Jahre vorlegen. Die Steuergarantie des Reiches für die Länder soll von 2,4 auf 2,6 Milliarden erhöht werden und die 200 Millionen mehr zur Sen« k u n g der Real st euer dienen. 450 Mill, sollen den leistungsschwachen Ländern als Ausgleich zugute komme«. Die Länder sollen gleichfalls die kleineren, steuerschwachen Semeinden befand« rs berücksichtigen. Die Beratung des Entwurfs dieser Anträge beginnt am Montag.
D,e Regierungsparteien haben ferner einen Antrag eingebracht, der de« jährlichen Anteil Bayerns an der Biersteuer von 17,2 auf 42 Millionen, de« Anteil Württembergs von 33 auf 8,633 und denjenigen Badens von 2.2 auf 5.755 Millionen Reichsmark erhöhen will. Für 1926 soll den drei Ländern ein Viertel des llnterfchiedbetrages «achge- zahlt werden.
Die Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei hat ferner im Reichstage einen Sefetzentwurf eingebracht, der auch von den anderen Regierungsparteien unterstützt wird und der die
Aufhebung der Semeindegetränkesteuern zum 1. April 1927 fordert. Zur Unterstützung steuerschwacher Semeinden, die Setränkesteuer erhoben haben, wird den Ländern für 1927 ein Betrag von 20 Millionen Mark, für 1928 ein Betrag von 10 Millionen Mark vom Reiche zur Verfügung gestellt.
3um SolKltauttlog
Von Oberst a. D. ZmmaBuel.
Durch Aebereinkunst zwischen dem Reichsministerium des Inneren und dem „Vvlksbund für deutsche Kriegsgräberfürsorge" ist festgelegt worden, daß der Volkstrauertag in diesem Jahre, der seit 1925, also jetzt zum dritten Maale, begangen wird, am Sonntag, den 13. März, Reminiscere („Gedenke!"), dem zweiten Sonntag der Passionszeit, stattfinden soll. Da das geplante Reichsgesetz über die allgemein gültige Regelung eines gesetzlichen Vvlkstrauertages für die im Weltkrieg Heimgegangenen noch nicht zustande gekommen ist, sind die diesjährigen Veranstaltungen im Verordnungswege erfolgt mit der Erwartung, daß der „Vvlksbund“ die Feier im Einvernehmen mit den örtlichen Behörden anordnen und durchführen wird.
Wie leider so viele Fragen des öffentlichen Lebens unserer deutschen Gegenwart, so ist auch der Versuch, von Reichswegen einen allgemeinen, überall anerkannten Vvlkstrauertag für die Opfer des Weltkrieges zu begehen, nicht allerwärts im Reiche auf Zustimmung gestoßen. In einigen Ländern hält man für die evangelische Kirche am Totensonntag, dem letzten Sonntag im Kirchenjahre, Ende November, für die katholische Kirche am Tage Allerseelen, den 2. November, streng fest. In anderen Ländern und Gebieten will man sich nicht von besonderen, für diesen Zweck festgelegten Tagen trennen. Es gebricht also an der Einheit unseren gefallenen Helden des Weltkrieges gegenüber — gerade kein erhebendes Zeichen der Geschlossenheit des deutschen Volkes. Partei- und Glaubensgegensätze spielen hier die maßgebende Rolle, ebenso wie die Errichtung eine« Reichsehrenmals wegen des erbitterten Streites über Ort und Ausführung einstweilen vertagt werden mußte.
Immerhin darf nach den Erfahrungen der beiden letztvergangenen Jahre angenommen werden, daß 1927 der Gedanke des gemeinsamen Volkstrauertages einen breiteren Boden gewinnen wird, als es seither der Fall war. Es wäre doch gewiß ein schöner, trostreicher, versöhnender Gedanke, wenn tatsächlich in allen deutschen Landen ein gemeinsamer Tag begangen werden könnte, der in feierlicher Sttlle und unter Verzicht auf alles Getriebe lediglich dem Gedächtnis der im großen Kriege für das Vaterland gefallenen Helden und der sonstigen Opfer des Weltkrieges im Volke geweiht sein würde. Natürlich muß es ein Sonntag sein, an dem jede Lustbarkeit zu ruhen hätte:
„Weine leise über deine Toten, Denn sie sind zum Frieden eingebettet. Leise haben Himmelsboten
Ihre Seelen ganz zur Ruh gerettet.“
In diesem Sinne sollte nach des Dichters Worten der Volkstrauertag durchgeführt werden, auch dort, wo man aus irgend welchen parteipolitischen oder sonstigen ttennenden Gründen eine derartige doppelte Feier im Laufe des Jahres nicht gutheißen möchte. Aber es schweige nicht allein das äußerliche Lärmen und Hasten, sondern es ruhe auch vor allem der Streit „Für und Wider" vor, an und nach diesem Tage. Soviel Aeberwindung, soviel Selbstbeherrschung sollte im Geiste der Volksgemeinschaft überall aufgebracht werden. Das wäre ein begrüßenswerter und er» freulicher Schritt auf dem Wege zu der uns fo sehr fehlenden Einheit. So mögen Parteisarben, Abzeichen, politische Reden, Herausforderungen der anders Gesinnten an diesem Tage still beiseite treten. Dann er sterhält der Volkstrauertag seine Weihe und hiermtt seinen tiefen Wert.
Was soll uns der Volksttauertag lehren? Denn er muh das deutsche Volk etwas lehren — sonst wäre er nur eine äußerliche, nichtssagende Oberflächlichkeit.
Er gibt uns eine doppelte Lehre.
Erstens sagt er uns namens der Gefallenen: „Sehet, Ihr Nachlebenden, wir starben in Geschlossenheit und in Einheit.