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Ml 9. März 1927

®tt ^Vdttdrssisch« Sritimg* «• sKcwI sechsmal tvtchentltch. Ve» plgSpeetS monatlich 2 SM. au* schließt. ZustellungSgebühr. durch ^«P»st2L5 SM.Aür etwa infolge Streiks, Maschinen defekte oder ^ementarer Ereignisse ausfallend« Mummern wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag d. Vr.§. Hitzeroth, Druck der Unib.-Buchdruckerei b. geb. Slug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Nr. 54. u. Nr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt o. M. Rr. 5015. — Sprechzeit btt Redaktion von 10—11 und Uhr.

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Ak SM des Erdbebens in Man

Amtliche Ziffer«.

Tokio, 8. März. Amtlich wird be­kannt gegeben, daß in Kyoto 2000 Personen bei dem Erdbeben u mge- kommen find. Der Polizeipräsident een Kyoto meldet 1000 Opfer des Erdbebens M i ney a m a und 4000 in den zerstörten Nachbardörfern.

Die Flieger, die in die vom Erdbeben betroffenen Gegenden entsandt wurden, sahen überall Schwärme von Flüchtlingen längs der Eisenbahngleise. Man glaubt, daß der wirtschaftliche Schade» nicht be­deutend ist.

f Nach einer späteren Meldung ist die Zahl der Getöteten jedoch nicht annähernd !- hoch.

Tokio, 9. März. Das Ministerium des Innern gibt bekannt, daß infolge des Erdbebens im Tongobezirk 1699 Per­sonen getötet wurden. 3529 Häuser änd eingestürzt und 3426 durch Feuer zer­stört worden.

s fk. T o k i o. 9. März. Nach Blätter­meldungen aus der heimgesuchten Provinz longo haben Frauen und Kinder schwer ßelitten. obgleich Truppen. Polizei und Zugendvereinigungen tätig sind, um ihre Selben zu lindern. Die Bemühungen, Lorrat herbei zu schaffen, werden durch die Unterbrechung des Eisenbahnverkehrs gehindert. Auch sind nur einige Autos und Wagen und ein Paar Flugzeuge für Ms. Hilfswerk verfügbar. Zeitungsbe- mchterstatter haben vom Flugzeug aus "Wnze Gruppen rauchender Ruinen er­blickt, die früher Dörfer waren. Sie be­richten, daß sie viele Leichen herumliegen sahen, denen Priester die letzte Weihe toben. Aerzte und Krankenschwestern be- ßleiten die Hilfskolonnen. Die wirt- ihaftlichen Verluste sind, wie man glaubt, nicht groß: nur einige Fabriken und an­dere industriellen Anlagen haben Schaden erlitten. In Kobe und Osaka wurden Verluste an Menschenleben und Verletzun­ton dadurch verursacht, daß die Menschen ton einer Panik ergriffen aus den äenstern sprangen.

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Terror in Schmisdai

Schanghai, 8. März. Um sich tollige Herrschaft über die Arbeiter sichern. wenden die Arbeiterparteiler «ethode des Terrorismus

torstärktem Masie an. So wurde ein ar- toitswilliger Werkmeister der Schanghai Dock Comp. ermordet, ein anderer in •toet Spinnerei beschäftigter Werkmeister tottbe durch Revolverschüsse schwer •* r l etz t. Eine Arbeiterversammlung einen Beschluß angenommen, in roel- ** die Bewaffnung der Arbeiter zum «Wecke eines Angriffs auf die Polizei- *°chen vorgeschlagen wird.

Der Srgänzungsvorschlag für Ehina ««genommen.

. kk. L o n d o n, 9. März. Das Unter- Ms nahm einen Ergänzungsvorschlag in ?.abe von 960 000 Pfund Sterling an, der

Kosten für die Entsendungder Trup- $ nach China bis zum 31. März decken

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Der Passagierdampfer „Deutschland" gestrandet.

ewyork, 9. März. Der Passagier- Tupfer „Deutschland" der Hamburg- Mierika-Linie ist kurz vor der Ginfahrt * den Hafen vor Dewhork auf den Strand kaufen. Er konnte mit Hilfe von ?Hl«pPdanrpfern wieder flott gemacht wer- *n- Der Dampfer hatte 1200 Passagiere * Dord.

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Englands Politik in SM

Stute Sufammentunfl zwischen Sr. eirttemnnn und Mski

Genf. 8. März. Chamberlain empfing heute nachmittag eine Anzahl Presiever- treter verschiedener Nationalität und gab ihnen eine Darlegung des britischen Standpunktes über die Aufgaben der gegenwärtigen Ratstagung. Darunter sei die rumänisch-ungarische Streitfrage die einzige ernste Frage. Chamberlain überging also die Deutsch­land interessierenden Probleme der Saar, Oberschlesiens usw. als nach seine, Auf­fassung minderernste, spielte dann auf die Nebenbesprechungen an, mit der Fest­stellung, es bestehe Neigung bei jedem Zu­sammentreffen von Außenministern der Großmächte und anderen Politikern, die Herbeiführung einer neuen oder eine ein, schneidende Wendung der bestehenden Politik zu erwarten; soweit die britische Regierung in Betracht komme, sei eine solche Absicht keinesfalls gegeben. Unser Ziel, so sagte Chamberlain, ist die Her­beiführung eines wirklichen Friedens; der erste große Schritt in dieser Richtung ist in Locarno gemacht worden. Der Ein­tritt Deutschlands in den Völkerbund und sein warmherziger und freimütiger Empfang war der zweite. England habe niemals versucht, seine Interessen durch die Schaffung oder Nährung von Diffe­renzen zwischen anderen Rationen $u fördern. Er appellierte an die ausländi­schen Staatsmänner, die er während seiner Ministertätigkeit gesprochen habe, um ihnen zu bezeugen, daß er niemals anders als zur Bersöhnung und zum Mie­den geraten habe.

Auf einige ihm gestellte Fragen er- widerte Chambenain, gegenüber der nationalen Bestrebung Chinas werde ein­liberale englische Politik verfolgt. Es werde anerkannt, daß die bestehenden Verträge der Erneuerung bedürfen, sobald eine Gesamtregierung entstanden und das Ende des Bürgerkrieges gekommen fei. Cs fei nicht vorgesehen, den Völterbundrat gegenwärtig mit den Angelegenheiten Chinas zu befasien.

Ao BormlttagWnng

Genf. 8. Mörz. Die heuttge Dormit­tagssitzung des Völlerbundsrates begann ge­gen 10.30 Uhr und schloß wenige Minuten nach 11 Uhr .wobei die Frage des Presse­komitees des Völkerbundes, in Dezug auf die entsprechend dem Antrag Danderveldes beschlossen wurde, am 24. August dieses Jah­res eine Konferenz von etwa vierzig Pressesachverständigen nach Genf einzuberufen.

2n der Frage der o sterschlefis chen Schulen wurde ohne Diskussion die Dil-

dung eines Unterkomitees von drei RatS- mitgliedern. bestehend aus Urrusio-Eolumbien, van Troestewijk-Holland und Scialoja-Jtalien, beschlossen, das noch im Verlaufe dieser Ta­gung über die beiden Punkte, nämlich De- schwerde des Deutschen Volksbundes und Pe­titionen von 7041 polnisch-sprechenden Ober­schlesiern, deren Kindern der Besuch deut­scher Schulen versagt worden war, berichten soll. Me Schulfrage dürfte in einer der nächsten Sitzungen den Gegenstand öflentlicher Auseinandersetzungen bilden.

Waffenberftellunaskonferen, im Herbst.

Genf, 8. März. Der Völkerbundsrat hat beschlossen, die internationale Konfe­renz zur Ausarbeitung einer Konvention über die Kontrolle der privaten Waffenherstellung auf den Herbst die­ses Jahres einzuberufen.

tont Selurt»ungen

” Genf, 8. März. Der belgische Außen­minister Bandervelde hatte heute nach­mittag um i/84 Uhr mit Dr. S t re fe­rn a n n im Hotel „Metropole" eine längere Unterredung, in der, wie verlautet, di« oberschlesische Frage, sowie die Lö- adeS Saar-ProblemS erörtert n sind. Die Regelung der Saarfrage bereitet gegenwärtig wieder ernste Schwie­rigkeiten. Von französischer Seite werden der Herabsetzung von 800 Mann des inter­nationalen Bahnschutzkörpers im Saargebiet größte Schwierigkeit bereitet. Die bisherige deutsche Forderung aus Festsetzung einer Zahl von 2 0 0 Mann ist a b ge­lehnt. Welchen weiteren Verlauf die ein» geleiteten Kompromitzverhandlungen anneh­men werden, ist ungewiß, da man deutscher­seits dem von Frankreich geforderten Bahn­schutz in Höhe von 8 0 0 Mann unter keinenUmständenzustimmen kann.

Später empfing Dr. Stresemann den Besuch Chamberlains. Dieser verweilte IV, Stunden bei Dr. Stresemann. Die für heute nachmittag beabsichtigte Besprechung mit Briand wurde auf morgen ver­schoben.

Eine Fühlungnahme zwischen der deut­schen und der polnischen Delegation hat bisher noch nicht stattgefunden. Erst mor­gen nachmittag wird die erste Zusam­menkunft zwischen Stresemann und ZaleSki stattfinden, in der, wie man wohl annehmen kann, in erster Linie die oberschlesische Schulfrage in ihrer ganzen Breite behandelt werden wird. Die deutsche Delegation erstrebt die Verweisung des Streits an das internationale Schieds­gericht im Haag. Dagegen machten die Franzosen starke Propaganda.

Der deutsche Gesandte in Warschau, Rauscher, ist heute mittag in Genf ein» getroffen. Der polnische Gesandte in Rom, Knoll, ist nach Genf berufen worden.

9te MtelsttMimg uite tot MWral

ff. Berlin, 9. März. Gestern fand im Reichstagsgebäude eine gemeinsame Sitzung des volkswirtschaftlichen und des Haushalts- ausschuffes des Reichsrats statt, in der zu der Verordnung der Reichsregierung, die Frie­densmiete vom 1. Avril von 100 auf 110 Pro- rent und am 1. Oktober um weitere 10 Proz. zu erhöhen, Stellung genommen wurde. An den Verhandlungen, die vertraulich waren, nahmen auch der Reichsarbeitsminister Dr. Brauns und der preußische Wohlfahrts­minister Hirtsiefer teil. Das Plenum des Reichsrats wird sich am Donnerstag mit der Verordnung der Reichsregierung beschäftigen.

Dem Reichsrat und dem Reichstag ist gestern eine Eingabe des Reichsbundes deut­scher Mieter zugegangen, wottn das drin­gendste Ersuchen ausgesprochen wird, die Ver­ordnung der Reichsregierung abrulehnen.

RttuMer ümtetag

Berlin, 8. März. Der Hauptausschuh des preußischen Landtages beriet heute bei'

Drei Arbeiter tödlich verunglSckl.

ff. Dresden, 9. März. Bei der Ausfüh­rung von Easarbeiten in den Elekttiziiäts- werken von Gräba wurden drei Arbeiter durch aüsftrömendes Gas getötet

dem Haushalt über Handels- und Gewerbe­verwaltung über das Berufsschulwe­sen. Handelsminifter Dr. Schreiber wies darauf hin, daß die Zahl der Berufs­schüler im letzten Sabre um 90 000 zugenom­men habe. Der Minister hiett es für un- Smöglich, daß die Schulträger bei einem Staats-

h von 8 Mark auch für 1927 noch be- könnten. Für viele Schulen würde dann die Gefahr des Zusammenbruchs bestehen. Ein demokrattscher Redner stellte fest, daß in Preu­ßen ungefähr zwei Millionen Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren von der Berufs­schule noch nicht erfaßt sein würden. Sine sofortige Erhöhung der Staatszuschüsse sei nötig. Don deutschnationaler Seite wurde gefordert, daß der Staat die Hälfte der Kosten der Berufsschule übernehmen sollte. Sin volksparteilicher Redner ersuchte um Aeutze- rung der Regierung, wie sie sich zur Ein­führung des obligatorischen Religionsunter­richts in den Berufsschulen stelle.

England und der Kriegsausbruch

Die Veröffentlichung des soeben, zugleich in englischer und in deutscher Sprache er­schienenen ersten (11.) Bandes der Großen Aktenpublikationen der Britischen Regie­rung — die einzige deutsche vom Britischen Auswärtigen Amt autorisierte Ausgabe erscheint in der Deutschen Verlagsgesell-, schast für Politik und Geschichte m Ber­lin — bietet die außerordentlich wichtige Möglichkeit, das alte englische Blaubuch vom August 1914 mit dem soviel größeren Dokumentenmaterial der jetzigen Publika­tion zu vergleichen. Es ist dabei von aller­höchstem historischem und vor allem politi­schen Interesse, zu sehen, was im Blaubuch von 1914 durch die damalige englische Re­gierung von den Dokumenten unterdrückt und aus den publizierten Aktenstücken aus­gelassen worden ist. A. a. waren im Blau­buch von 1914 alle Stellen fortgelassen, in denen das Derttauen Serbiens auf rus­sischen Beistand, das unbedingte Eintreten Frankreichs für Rußland, kriegerische Stimmung in Paris und Petersburg ober eine versöhnliche Haltung Deutschlands zum Ausdruck kommen.

Wie sehr das Blaubuch bestrebt war, die unbedingte Parteinahme Frankreichs für Rußland und die Bindung Englands an beide Mächte zu verheimlichen, zeigt sich insbesondere durch die Unterdrückung einzelner Sätze oder Absätze in den Berich», ten. So wurden in einem stteng vertrau^ lichen Telegramm des britischen Botschaf­ters in Petersburg vom 25. Juli (Dr. 125) die folgenden Absätze gestrichen: «

„FnoMflfcher 'Botschafter bemerkte so­dann, er habe eine Anzahl Telegramme vom stellverttetenden Minister des AeuHe­ren erhallen, kein einziges von chnen ver­rate geringste Anzeichen von Unschlüssige kett, und er sei in der Lage, Sasanow for­melle Zusicherungen zu geben, bah sich Frankreich vorbehaltlos an ditz Seite Rußland« stelle."

«Französischer Botschafter bemerkt«, ’ französische Regierung würde sogleich wis-/ sen wollen, ob englische Flotte bereit sei, die ihr durch englisch-ftanzösische Marine­konvention zugewiesene Rolle zu spielens Er vermöge nicht zu glauben,' daß England seinen beider« Freunden, die in dieser Sache- Hand in Hand gingen, nicht bei­stehen werde."

Am 1. August, 5 Ahr 25 nachmittags,' also vor der Aebergab« der deutschen^ Kriegserklärung in Petersburg, telegra-: phierte Sir Edward Greh nach Paris (Dr.419):

»Der Krieg. Ich habe endgültig all« Anträge abgelehnt, Deutschland irgendein Neutralitätsversprechen zu geben, und werde keinen derartigen Vorschlag in Er­wägung ziehen, eS wäre denn unter Be­dingungen, die für Frankreich wirllich vor­teilhaft zu sein schienen." (Bezieht sich auf den Vorschlag, daß das deutsche und ftanzösische Heer sich an der Westgrenze, passiv gegenüberstehen sollten).

Diese Depesche kreuzte sich mit einet solchen des Botschafters (Ar. 425) worin er mitteilte, der fränkische Kriegsminister habe den britischen Militärattachä von der französischen Mobilmachung unterrichtet und hinzugefügt: f

«Wir verlassen uns in erster Linie auf unS selbst und dann auf Sie."

So wurde also im Englischen Dlaubuch von 1914 systematisch alle« für Deutschland Günstige un b allez ür die Entente-Mächte Angün- tige unterdrückt und bet« chwiegen.

Ei« weiterer vizepräside«t für de» Reichstag?

ft. Berlin, 9. März. Da Reichstags, Präsident Lobe vermutlich vor Ostern seine Amtsgeschäfte nicht aufnehmen wird, und gerade in den nächsten Wochen zur Be­ratung des Reichshaushaltes Plenums­sitzungen am Vormittag und Nachmittag abgehalten werden sollen, wird in Paria»