Einzelbild herunterladen
 

Marburger rageöallzeiger

SEche

Lrmbchejlung

Nr. 48 öL Sahrg. Marburg a. Lahn

Der Anzeigenpreis beträgt für den 10 gespalt. Zeilenmilllmeter 0.08 GM., kleine Baranzeige« 0.06 GM., amtliche und aus­wärtige Anzeigen 0.10 GM. Bei schwierigem Satz sowie bei Platz- Vorschrift 50"/, Aufschlag. Lammrianzeigen 100/, Auß schlag. Reklamen der Mtllim. 0,40 GM. Jeder Rabatt gilt al« Barrabatt. Ziel 5 Tage. Beleg« werden berechnet, ebenso Auskunft durch die Geschäftsstelle und Zusendung der Angebote. Er­füllungsort Marburg.

1 Goldmark = '/«.»Dollar.

Nmmtend, MA.Februar IM ffr ^Vbechesstsche Zeitung* er- sechsmal wbchrntlich. De- ^gspreis monatlich 2 SM. aus- schließl. Zustellungsgebühr, durch »z,P»stL2S GM.Für etwa infolg« Streiks. Maschinendefefte »de, ^ementarer Ereignisse qpSfallend« Kummern wird kein Ersatz ge­mistet. Verlag d. Dr. §. Hitzeroth, Druck der Unib.-Buchdruckerei b. ge&. Aug. Koch. Markt 21/23. Fernsprecher: Rr. 64. u. Rr. 65. Postscheckkonto: Amt Frankfurt g. M. Rr. 6015. Sprechzeit

Redaktion von 1011 und /il-l Uhr.

Äberhessssche Isltung

MeigerMtössMer kuchGschL)MerhMn/<-Amtliches VeMm-igungsblüLfiredKerisKiMbAiN

Sie Rvröarmse In Kchmchai

Schanghai, 25. Febr. In der Haltung (er Arbeiterschaft von Schanghai hat sich nichts geändert. Es treffen ständig neue Truppen Pchangtschuangtschangs ein. Für heute abend < »erden weitere 8009 Mann erwartet, und zwar auher den aus Tfingtau an Bord von 16 ösi.ien des nördlichen Schkachtgeichwaders eintreffenden Truppen. Die Besatzung eines i tleser Schift besteht aus russische« Weih- Mdistcn. Das Geschwader soll nach den hier eirsegangenen Berichten Hankau beschiehen «d im übrigen bei den Operationen Tschang- Ltsolins gegen die Südarmee tätig mitwirken. |$ie durch die Provinz Sona,, vorrnckenden tSrappen Tschangtsolins nähern stch kn raschem Mnnpo Hankau. Drei amerikanische Zerstörer «std, von Manila kommend, in Schanghai Dtzmetrosfen.

k fk. London. 26. F-br.Daily Erpreß« Meldet: Wie es heißt, ist die ge s a m t e Diuesische Flotte zu den Kanto- itjen übergegangen. Die Süd- irrnee soll Sunkiang, 20 Meilen Schanghai, besetzt haben.

ieuler meldet aus Schanghai: Die briti- »en Truppen haben, wie bereits gemeldet, re Stellungen bezogen. Sie halten die ^rteidigungslinie außerhalb der Grenzen fr internationalen Niederlassung, deren «sitz als unentbehrlich für die Derteidi- bw der Niederlassung betrachtet wsrd. ftse Maßnahme ist auf Ersuchen des Ge- einderats getroffen worden mit Dücksicht «auf, daß die chinesischen Truppen vom orden in zunehmender Zahl eintreffen. & dem von den britischen Truppen auher- rlb der Niederlassung besetzten Gebiet 'chnen ungefähr 4000 Ausländer. In ianfing streiken die Händler, weil sich die chantungtruppen weigern, für Waren Geld 8 bezahlen oder wenn sie sie be- chlen, dies in Militärgeld tun, das un- Wr ur 70 Prozent feines Normal- tertes hat.

Lor einer diplomatischen Offensive Tschangtsolins.

si. B e r l i n, 26. Febr. Zn einer Mel- tofi desLokalanzeigers" aus Schanghai eim es, daß Tschangtsolin beabsichtigt, **' dem Wege über die Pekinger Re- «ung eine diplomatische Offensive gegen sUsland zu eröffnen und das ganze Pro- >km der Konzessionen aufzurollen.

»-

Murns AuseuvrlM

Die litauische Regierungserklärung.

^Berlin, 26. Febr. Die gestrige (Er« tuna der neuen litauischen Regierung nach Blättermeldungen aus l>wn.o. daß das Ziel der litauischen Mnpolitik in erster Linie ein u n a b - Ästiges Litauen mit Wilna Hauptstadt sei. Die Negierung °^>e die völkerrechtlich garantierte Neu- t^lität Litauens an. Die sogenannte ^igszone gegen Polen müßte unter le, Art internationaler Verwaltung ge« werden und auf diese Weise 6e« J-is neutralisiert werden. Litauen Verhandlungen mit Polen nicht toeidjen. Im übrigen sei der Grundsatz "Regierung, zu feinem ber großen ^oorn Litauens engere Anlehnung buchen

7 Das Befinden Mrs

Merlin, 25. Febr. (WTD.) Bei der ^«suchung heute abend 7 Ahr stellten ^ Aerzte fest, daß der Befund zufrieden- ist. Die Stimmung des Prüsi- ist eine gute.

Ausflug Dr. Stresemanus nach Nizza.

t'^izza, 26. Febr. Außenminister A©irefemann hat gestern nachmittag

Stunden hier verbracht. -

M Wendung durch Komme und «ens

fk. Paris, 26. Febr. Briand hat demPetit P a r i s i e u" über die französische Politik gegenüber Deutschland Erklärungen abgegeben, die im wesent­lichen folgendes besagen:

Die französische Politik, die mit Zustim­mung des Parlaments fortgesetzt wird, wird in vollem Einvernehmen mit unseren ehemaligen Alliierten und unseren Freun­den betrieben. Sie hat den Zweck, nicht nur zwischen Deutschland und Frank­reich alle Konfliktgefahr zu beseitigen, son­dern sie will auch durch politische und wirt­schaftliche Abkommen die beiden Länder so eng und dauerhaft wie möglich einander näher bringen, um nach und nach einen Zustand der moralischen Solidarität und der internationalen Abhängigkeit zu schaf­fen. Es handele sich um einen natürlichen Lauf der Dinge, in den lebendigen Be­ziehungen der beiden großen Nachbar­staaten. die sich beide ergänzen und nicht von einander trennbar find, eine Neu­orientierung herbeizusühreu. Ich habe immer gesagt, daß dies

ein Werk auf lange Sicht sein wird, das viel Geduld und viel Mut und viel Takt von beiden Seiten erfordert und daß der zu beschreitende Weg mit Hindernissen belegt ist. Ich bin diesen Weg gegangen trotz seiner Schwierig­keiten. Haben wir, so fragt Driand, nicht einen guten Teil des Weges bereits zu­rückgelegt und sind die erzielten Resultate nicht schon sehr beachtenswert? Man wird zurückdenken

an den Ausgangspunkt, an den Ver­sailler Vertrag.

Man muß sich daran erinanern, wie viel Schlechtes man von ihm in Deutschland, noch mehr als in Frankreich, gesagt hat.

Dieser Vertrag ist seit Locarno eine freiwillig zugestandene Abmachung (!!) geworden, denn was bedeutet doch Locarno: Freie An­nahme durch das gesamte Deutschland einschließlich des Reichspräsidenten von Hindenburg, der die Abkommen betref­fend die in Versailles festgesetzten Gren­zen unterzeichnet hat.

Es ist die freiwillig übernommene Ver­pflichtung, die Rheingrenze zu respektieren und die formelle Anerkennung, daß El­saß - Lothringen endgültig französisches Gebiet geworden ist.

Ich weiß, daß man auf

die polnische Grenze

Hinweisen wird, und daß nach dieser Seite eine Gefahr vorhanden ist. Immer­hin hat sich das deutsche Reich in Locarno verpflichtet, keine Abänderung die­ser Grenze durch Gewalt zu versuche«.

Deutschland hat sich jetzt eat- schlossen dem Westen zu gewandt und begriffen, daß sein wirkliches Jnter- esie darin besteht, sich mit den Alliierten,

insbesondere mit Frankreich, zu verständ- digen.

Briand besprach dann den

Eintritt Deutschlands in den Völkerbund

nach -em verunglückten Versuch im März und erklärte:

Deutschland ist jetzt Mitglied des Völ­kerbundes, Inhaber eines ständigen Sitzes im Vülkerbundsrat und hat das Statut freiwillig anerkannt und die Verpflichtung übernommen, die ihm der Versailler Vertrag und die später abgeschlossenen Verträge auferlegen. Jetzt sind seine Vertreter, namentlich -sein Außenminister, gezwungen, viermal im Jahre nach Genf zu reisen, um sich mit den Staatsmännern zu besprechen. Seit diesen Zusammenkünften und dank des persönlichen Verkehrs besteht die Mög­lichkeit, endlich im Einvernehmen mit un­seren Alliierten von gestern und unseren Freunden eine große Politik der deutschen Annäherung zu betrei­ben. deren Anhänger Stresemann ebenso sehr ist, wie ich. und ohne die es unmög­lich ist, an einen restlosen Wiederaufbau Europas zu denken. Bedeuten diese Tat­sachen nicht einen beträchtlichen Fortschritt und schließen sie nicht eineAenderung des öffentlichen Geistes in beiden Ländern, namentlich in Deutschland, in sich?

Briand äußerte sich dann über den deutschen Feldzug für die vorzei­tige Räumung der Rhein­lande

und erklärte: Was bedeutet das? Ist das etwas anormales, daß die Deutschen die Freiheit ihres Landes fordern? Würden wir nicht das Gleiche tun? Ist das kein Grund, daß sie ihre Forderungen in ihren Zeitungen und Reden formulieren, ohne die Erfüllung der sowohl in den Ver­trägen von Locarno wie auch im Versailler Vertrag (Artikel 431) festgelegten Bedin­gungen abzuwarten? Briand erwähnte dann Thoiry und die Frage der

vor zeitigen Räumung des Rheinlandes.

Diese Frage sei nicht der Gegen, stand irgend einer Verhand­lung gewesen. Sie sei doch in Wirklich, feit eitle internationale Angelegenheit. Die den drei interalliierten Mächten zu liefernden Garantien seien außerordent­lich schwierig durchzuführen. Man wirft dem neuen deutschen Kabinett vor, daß es reaktionäre Elemente, Gegner der Repu­blik und der Annäherungspolitik enthalte. Um es zu beurteilen, würde es das Beste sein, seine Haltung abzuwarten. Im übrigen, so schloß Briand, wäre es besser anstatt fortgesetzt über die Reorgani­sierung derOstgrenzen Deutschlands zu reden.

das französische Heer und seine eige­nen Grenzen zu organisieren.

MM Lagt ter Reichs- ftnaam

Berlin, 25. Febr. In der heutigen Sitzung des Hauvtausfchufses des Reichsver­bandes der Deutschen Industrie hielt Staats­sekretär Dr. P o p i tz einen längeren Vortrag über Probleme der Finanzpolitik und der Wirtschaft. Der Redner hob hervor, daß die Steuergesetzgebung von 1925 in recht­licher und technischer Beziehung von weiteren Eeseygebungs - Experimenten unberührt bleiben mutz, wenn auch auf Grund der gemachten Erfahrungen gewisse Verein- achungen vorgenommen werden könnten.

Der Etat für 1927 enthält keinerlei Re­serve« und keine Deckung für kaum abwend­bare Mehrausgaben. Rur aus einer wei­

teren günstigeren Entwicklung der Wirtschaft kann man die Hoffnung schöpfen, ein recht wesentliches Defizit zu vermeiden. Der Staatssekretär betonte die Rotwendigkeft, durch einschneidende Reformen auf dem Ge­biete der deutschen Eesamtorganisationen wesentliche Ersparnisie zu machen.

Es ist ernstlich zu prüfen, ob nicht auch bei den Ausgaben der Länder und Ge­meinden für Schule, Polizei, Verkehrs­wesen Ersparnisse durchzusetzen wären. In vielen Ländern ist man mit Energie an Verwaltungsreformen berangegangen und es ist Aufgabe der Wirtschaft, hier die Wider­stände zu beseitigen, die sich in den engeren politischen Kreisen der einzelnen I Länder gegen weitsichtige Refor men geltend machen.

Wna Cßflhm» Rchland

Die Krise in China hat sich in der vergan­genen Woche derart zugespitzt, daß hinter dem Interesse für das, was sich in Schang­hai vorzubereiten scheint, alles andere zurück­trat . Die Macht des Generals Sun scheint vollkommen zusammengebrochen zu sein. Die Truppen der Südarmee gewinnen in der Richtung auf Schanghai von Tag zu Tag mehr Boden, kampflos die desorganisierte Soldateska des Generals Sun vor sich hertrei- bend. Die Bevölkerung Schanghais selbst scheint von dem endlichen Sieg der Kantonesen überzeugt zu sein, denn sie ergreift sichtlich Partei für die Kanton-Regierung, organi­siert Generalstreiks und sucht, durch alle Mit­tel und Wege die Polizei-Gewalt des Ge­nerals Sun in Schanghai zu sabottieren. In den internationalen Konzessionen selbst herrscht, bis heute wenigstens noch, vollkom­mene Ruhe, das englische Truppenkommando hat das Heft der Leitung vollkommen in der Hand, kein Europäer im Ausländerviertel glaubt, daß die Wirren, die vor und in der Stadt toben, in die Konzession selbst hineingetragen werden könnten.

Immerhin erscheint der Optimismus, den besonders der Engländer demonstrativ zur Schau trägt, etwas übertrieben. Schält sich doch aus dem ganzen Wust ber Vorkomm- nisse immer mehr der Wille des gesamten chinesischen Volkes heraus, jetzt endlich mit der jahrzehntelangen Bevormundung durch das Ausland ein Ende zu machen. Wohl sind die Kantonesen in ihren letzten Operationen erfolgreich gewesen, aber so groß auch ihre Siege sind, und so vernichtend auch die Schläge waren, die sie ihren Gegnern bei­brachten, sie genügen nicht, um ihnen den be­stimmenden Einfluh uSd" rWs Machtposition zu geben, die China unter ihren Willen nie­derzwingen könnten. Das chinesische Reich ist zu groß, die wirtschaftlichen und mili­tärischen Kräfte der sich befehdenden chine­sischen Parteigruppen sind zu stark, um einer der kämpfenden Gruppen den endgültigen Sieg zu gestatten.

Zwangsläufig eilt die ganze chinesische Krise der Einigung des chinesischen Volkes ent­gegen. Ist diese Einigung einmal Tatsache geworden, dann steht auch die Geschichte Chinas vor ihrem Wendepunkt. . Dann ist das chinesische Volk erwacht, bewußt gewor­den seiner Selbstbestimmungsrechte, feiner Kultur und seines Willens nach Befreiung von unwürdigen Verträgen, die die staatliche Souveränität des Landes einengen. Dieses Erwachen Chinas wird und muß auch, im Gegensatz zu dem Optimismus der Engländer, in die Fremdenkonzessionen hinelnspielen. Womit nicht gesagt zu sein braucht, daß die Umgestaltung der Konzessionsrechte auf ge­waltmäßigem Wege vor sich zu gehen hat. Aber das Ende der ausländischen Vorrechte in China dürste besiegelt sein. Man kann es daher verstehen, wenn in London trotz der zur Schau getragenen Zuversicht die Beun­ruhigung über die Entwicklung der Dinge in China sichtlich anwächst.

Diese Beunruhigung Londons tritt aufs Augenscheinlichste in der englischen Rote an Rußland hervor. Zwischen England und Rußland bestehen schon seit über einem Jahr­hundert Differenzen und Konkurrenzstreitig­feiten, die ihre Grundlage in den Expan- sionsgelüsten des englischen Kolonialreiches und in der Ausdehnungsbestrebung Ruß­lands in Asien habem Zur Zeit. sind die Interessen der beiden Großmächte in China zusammengeprallt. Bolschewistische Propa­ganda, Streikgelder aus Moskau, Sowjesin- strukteure, Agitatoren der Moskauer Behor­chen überschwemmen das Land. Bei den Führern der chinesischen Südarmee haben die Moskauer Wünsche einen starken Widerhall gefunden. Diese von russischem Geld or­ganisierte Südarmee ist nun in einem eiligen Vormarsch auf Schanghai, der Haupthandels­metropole in Südchina, begriffen. Mit an­deren Worten, auf einem Vormarsch gegen das englische Handels» und Wirtschaftszen­trum in China.

Wohl in der Hauptsache in diesen Vor­kommnissen auf dem chinesischen Kriegs­schauplatz hat man die Gründe zu suchen, die London zu der außerordentlich scharfen Rote an Moskau veranlaßten. Ob sie im Kreml irgendwie Eindruck machen wird, ist kaum an­zunehmen. Man wird sich zwar in Mos­kau bemühen, durch beruhigende Erklärun­gen der Krise ihre Spitze zu nehmen, aber an der Sache selbst, daß heißt, an ber Po­litik, die die Sowjets in China betreiben, und für die sie sehr wirkungsvolle idealisti­sche Argumente ins Treffen führen können, dürste trotz der englischen Mißbilligung nichts geändert werden.